Offiziers-Stellvertreter Paul Erasmus

Offiziers-Stellvertreter
Paul Erasmus
3./ (1. Rheinisches) Infanterie-Regiment Nr. 25

*19. Mai 1889 in Aachen
+20. September 1914 bei Souain

Viel ist über Paul Erasmus nicht bekannt.

Die Regimentsgeschichte schreibt über den September 1914:

Für den 19. September war ein Angriff des Regiments auf Souain befohlen. 04.30 vormittags stellten sich die Bataillone, II./25 vorn rechts, III./25 links anschließend, I./25 mit M.G.K. im zweiten Treffen bei strömenden Regen zum Angriff auf das Dorf und die östlich davon gelegene Höhe 158 bereit. Der Angriff erfolgte ohne Artillerievorbereitung. 6 Uhr vormittags wurde das Infanteriefeuer eröffnet. 6.15 Uhr vormittags wurde zum Angriff angetreten. II./25 kam anfangs gut vorwärts, geriet aber nach Verlassen des Waldzipfels in starkes, von links einschlagendes Infanterie- und Maschinengewehr-Flankenfeuer und wurde dadurch gezwungen; links gegen die Höhe 158 einzuschwenken. Die Verluste wurden bedeutend, einige in die vorderste Linie eingesetzte Maschinengewehre wurden außer Gefecht gesetzt; ihr tapferer Führer, Lt. v. Fromberg, fiel. Um das Flankenfeuer abzuschwächen, wurde das III./25 links vom II. Bataillon eingesetzt. 400 m gelang es ihm, Boden zu gewinnen. Dann aber wurde es durch erhebliche Verluste zum Halten gezwungen. Nun wurde auch noch das I./25 nach links gezogen und mit Teilen 7.20 Uhr vormittags eingesetzt. Auch Teile der Korps-Reserve (I.R. 28) griffen auf dem linken Flügel mit ein, um den Wald, aus dem das Flankenfeuer kam, zu säubern. Die überhöhende flankierende Stellung ermöglichte es dem Feinde, den Angriff niederzuhalten. In dem Bewußtsein ihrer Stärke versuchten die Franzosen wiederholt, im Gegenstoß die stark zusammengeschmolzenen Kompanien zurückzuwerfen, doch gelang es jedesmal durch Einsatz aller Gewehre und der noch intakten Maschinengewehre unter Lt. d. R. Ruoff, die Franzosen zurückzuwerfen. Als der Feind mit bedeutenden Verstärkungen in den Mittagsstunden neue Versuche unternahm, setzte rechtzeitig starkes deutsches Artilleriefeuer  ein, das auf der Gegenseite ziemlich erhebliche Verluste hervorrief. Der Brennpunkt lag vornehmlich in der vom II. Bataillon erreichten Linie. Die Bedienungsmannschaften der Maschinengewehre waren zum größten Teil außer Gefecht gesetzt, so dass Hauptmann d. R. Nemnich mit Teilen seiner 8./ Kompanie die Deckung übernahm. Unter besonders starken Verlusten hielt die 12./ Kompanie ihre gewonnene Stellung. Ein jetzt eintreffender Divisionsbefehl ordnete an: „Nicht weiter vorgehen, bis 16. I.D. in das Gefecht eingreift!“ Die Kompanien gruben sich im feindlichen Feuer ein. Da es auch der 16. I.D. nicht gelang, vorwärts zu kommen, erhielt die 15. I.D. den Befehl, sich vom Feinde loszulösen. Bei Helligkeit war das infolge des feindlichen Feuers nicht möglich, erst nach einbrechender Dunkelheit gelang es den Kompanien bei strömenden, kalten Regen, sich auf ihre Sturmausgangsstellung zurückzuziehen. Der Angriff hatte die große Stärke des Gegners vor unserer Front erwiesen. Zwei Offiziere, 73 Unteroffiziere und Mannschaften waren gefallen, fünf Offiziere, 214 Unteroffiziere und Mannschaften verwundet worden.

Im Walde östlich Souain richtet sich nun das Regiment zur nachhaltigen Verteidigung ein. Auf dem rechten Flügel lag das I., in der Mitte das III., auf dem linken Flügel das II. Bataillon. Der Angriff am 19. und der anhaltende starke Regen, der eine große Zahl fieberhafter Erkältungen verursachte, lichtete die Frontstärken. So hatte II./25 keinen Offizier mehr als Kompanieführer. Durch aus Aachen eintreffenden Ersatz  – Major Schulze I./25, Obltn. d. R. Schmidt 5./25, Leutnant Stroedicke 6./25 – am 23.  September wurden die Lücken teilweise wieder gefüllt. 

Erasmus
Die Familie Erasmus hatte 3 Gefallene im Weltkrieg
Erasmus

Das Familiengrab der Familie Erasmus steht auf dem Ostfriedhof in Aachen.

Unteroffizier August Kirk

Einjährig-Freiwilliger Unteroffizier
August Kirk
1./ Kompanie Infanterieregiment 368
*4. März 1898 Osnabrück
+8. September 1916 vor Souville

Das Infanterieregiment 368 sollte, bevor es für den Einsatz an der Somme geplant war, noch einen kurzen Aufenthalt vor Verdun haben.

Über Azannes geht es ins Ornes-Lager. Bevor allerdings zur Nachtruhe übergegangen werden kann, geht es im Laufschritt zur Ablösung auf die Souville-Nase. Kurz hinter dem Vaux-Teich wird die 1. Kompanie zerschlagen, führerlos irrt sie durch das mit Feuer belegte, chaotische Gelände. Mit neuen Führern geht es weiter über das zerschossene Gelände in Richtung Souville-Nase und dort in die vordere Linie. Eine Stellung ist dort nicht vorhanden, die Kompanie besteht nur noch aus wenigen Gewehren.

August Kirk, Spross der Müllerfamilie der Osnabrücker Haster-Mühle, wird in der Regimentsgeschichte nicht erwähnt. Über den 8. September, seinen Todestag, wird darin folgendes berichtet.

So findet der 8. September das Bataillon in einer verzweifelten Situation:

Der Bataillons-Kommandeur Hauptmann von Reden sitzt mit seinem Ordonnanz-Offizier, Feldwebelleutnant Fischer, im Bataillons-Gefechtsstande, einem gewaltigen Betonklotze, ohne Verbindung mit seinen Kompanien, die der Bataillons-Adjutant vergeblich im Kampfgelände sucht. Obendrein soll das Bataillon sich morgens um 6.15 Uhr an einem Angriff beteiligen. Der Befehl trifft aber verspätet ein. Nur der 3. Zug der 1./ Kompanie unter Lt. d. R. Hörnecke, der versehentlich in den Abschnitt des linken Nachbarregiments geraten ist, macht den Angriff mit. Er dringt in die feindliche Linie ein und macht sogar einige Gefangene. Aber Lt. d. R Hörnecke findet bei diesem Sturm den Soldatentod.

Der ganze Tag ist ausgefüllt mit lebhafter Artillerie- und Maschinengewehrtätigkeit. Trotzdem gelingt die Orientierung im Gelände: die feindliche Linie ist 150 m von der unseren entfernt. Der rechte Flügel des Bataillons liegt auf der nach rechts scharf abfallenden Souville-Nase. Vor uns steigt das Gelände sanft an bis zum Fort Souville, hinter uns liegt, alles überragend das Fort Douaumont, rechter Hand auf einer Höhe, bezeichnet ein mit weißem Steingeröll übersäter Kreis die Stelle, wo einst das Dorf Fleury lag. Der rechte Flügel liegt ständig unter haarscharf gezieltem Maschinengewehr-Feuer. Die feindlichen Maschinengewehre müssen ihren Stand  in dem halb einzusehenden Steinbruch jenseits der Schlucht haben.“

Unteroffizier Kirk wurde später auf dem Hasetorfriedhof in Osnabrück bei seiner Familie bestattet.

Grabstätte der Familie Kirk

Leutnant der Reserve Dietrich C. Dankenbring


Leutnant der Reserve Dietrich C. Dankenbring 

Reserve-Infanterie-Regiment 77
Kompanieführer 11./Kompanie
ehemals Reserve-Infanterie-Regiment 92
*3. Juni 1883 in Osnabrück
+23. März 1915 Argonnerwald bei Le Four de Paris

Der Kandidat der Rechts- und Politikwissensschaften an der Universität Münster, Dietrich C. Dankenbring, stieß am 20. Dezember 1914, über Umwege mit seiner Kompanie das Reserve-Infanterie-Regiments 92 suchend, zu den 77ern. Auf dem Wege wurde das Detachement Dankenbring, bestehend aus 3 Offizieren und 125 Mann durch verschiedene, übergeordnete Einheiten in den belgischen Städten Spa, Remouchamps, Lüttich, Waterloo und Brüssel eingesetzt.
Die Kompanie verbrachte die Zeit mit Bahnhofswachen und dem Niederschlagen von Aufruhr der  Brüsseler Bevölkerung. Da die Wege mit Hilfe von requirierten Pferden, Fahrrädern und geschlossenen Gepäck- sowie Bagagewagen zurückgelegt wurden, bekam die Kolonne bald den Spitznamen „Zirkus-Kompanie“. Zur Bekräftigung dieser Bezeichnung trugen ein schwarzweiß, geschecktes Reitpferd sowie eine „Kapelle“ aus Mundharmonikaspielern bei.

Als sich herausstellte, dass die Kompanien des RIR 92 komplett aufgefüllt waren, ließ sich Dankenbring mit seinen Männern zum RIR 77 versetzen und bildete dort die 11./ Kompanie. Dieser Vorschlag des X. Reserve-Korps wurde gerne genutzt, da am Zusammenbleiben der Kompanie viel gelegen war.

Am 4. Februar 1915 wurde das RIR 77 per Bahntransport nach Chatel-Chehery verlegt um seinen neuen Einsatzort den  Argonnerwald zu erreichen. Wenige Tage vorher übte das Regiment  in den Wäldern von Warmeriville, den für die Argonnen befürchteten Waldkampf. Am Abend des 5. Februar marschierte das I. Bataillon über die Varenner Straße
in Richtung Four de Paris. Das II. und III. Bataillon folgten einige Tage später. Hier wurde in den vorhandenen, kaum ausgebauten Stellungen das Infanterie-Regiment 144 ausgelöst. Flankenfeuer von der Bolante ließ schon auf dem Anmarsch die ersten Verluste eintreten.

Während der nächsten Tage bildeten die Arbeiten an Stellung, Deckung, Gräben und Hindernissen den Schwerpunkt. In den ersten Tagen verlor das Regiment ohne größere Kampfhandlungen schon 150 Mann an Toten und Verwundeten.

Bericht der 11. Kompanie über die Tätigkeit vom 12. bis 28. Februar 1915.

„12. Februar: abends in Varennes eingerückt.
13. bis 15. Februar: Kompanie dort in Alarmbereitschaft.
16. Februar: Kompanie stellt abends 1 Offizier und 100 Mann zum Divisions-Gefechtsstand für Gefangenentransport. Nach erfolglosem Warten Rückkehr nach Varennes.
17. Februar: Anmarsch in die Reservestellung des Regiments.
18. bis 20. Februar: Arbeiten in der Reservestellung.
27. und 28. Februar: Die Kompanie löst die 2. Kompanie in vorderer Linie ab.


gez. Dankenbring, Leutnant d.R. und Kompanieführer“


Dankenbring
Leutnant der Reserve Dietrich C. Dankenbring

Die Tage vergingen in gewohnter Weise mit Arbeiten an denGräben, erschwert durch Wurfminen und Gewehrfeuer. Am 9. März erlebte dasRegiment, hier die 5. Kompanie, die ersten unterirdischen Sprengungen. 24 Totewaren zu beklagen. Der Minenkrieg hielt Einzug in den Regimentsabschnitt. Sprengungen und Gegensprengungen lösten sich ab. Mit den Abendstunden des 14. März nahmen die Kämpfe zu und steigerten sich allmählich.

In der letzten Märzwoche 1915 fand Leutnant d.R. Dankenbring im Graben den Soldatentod.

Die Regimentsgeschichte schreibt:

Am 23. März fiel durch Kopfschuß der Kompanieführer der 11. Kompanie, Leutnant d. R. Dankenbring. Tagelang vorher hatte er in den ersten Morgenstunden in tollkühner Weise, frei über die Brustwehr wegsehend, nach feindlichen Posten und Unterständen geschossen. Das merkten feindliche Scharfschützen sehr bald und warteten an diesem Morgen anscheinend schon auf ihn; denn kaum hatte er das Gewehr über die Brustwehr gehoben und 3 Schuß abgegeben, als er auch schon, rücklings in den Graben fallend, lautlos zusammenbrach. Tiefe Niedergeschlagenheit bemächtigte die 11. Kompanie, die für ihren geliebten Führer, den sie bezeichnenderweise „Onkel Tom“ nannte, den Teufel aus der Hölle schlugen. Das Regiment verlor an ihm einen der hervorragendsten und tapfersten Offiziere, dem der Chef des Generalstabes des Feldheeres, von Moltke, das Eiserne Kreuz 2. Kl. im Oktober 1914 persönlich überreicht hatte.

Auf dem Osnabrücker Johannesfriedhof fand Lt. d. R. Dankenbring am 28. Mai 1915 seine letzte Ruhestätte in der dortigen Familiengruft, möglicherweise befand sich seine Erstgrablage neben vielen Kameraden am Rand der Varenner Straße.

Dankenbring
Familiengruft der Fa. Dankenbring
Dankenbring
Grabaufschrift

Leutnant der Reserve Ewerhard Iblitz

Leutnant der Reserve
Ewerhard Iblitz

4./ (4. Rheinisches-) Infanterie-Regiment Nr. 30

*26. September 1879 in Bonn
+13. Oktober 1914 im Argonnerwald

Zu welchem Zeitpunkt und wo Ewerhard Iblitz seinen Wehrdienst abgeleistet hat, bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen. Bekannt ist, dass der gelernte Landmesser und Geometer Ewerhard Iblitz, er hatte die Landmesser Prüfung 1901 in Poppelsdorf abgelegt, zu Beginn des Weltkrieges im I./ Bataillon des Infanterie-Regiment Nr. 30 aus Saarlouis seinen Dienst antrat.

Die Regimentsgeschichte schreibt zu den Ereignissen im Oktober 1914:

Die Sappenarbeit im Abschnitt Nerlich ging ihren vorgeschriebenen Weg, aber der Termin des geplanten Sturmangriffs mußte von Tag zu Tag hinausgeschoben werden, da das Heranarbeiten an die Sturmausgangsstellung weit größere Mühe verursachte, als vorausgesehen war. Die Ungeduld, an die feindliche Stellung heranzukommen, veranlaßte den Major Warnberg, am 13. Oktober mit der 10./ Kompagnie, auf dem linken Flügel des Abschnitts (Anm.: Mortierbach-Tal), einen Sturmangriff mit schlagenden Tambouren über das freie Gelände hinweg zu versuchen: Der Versuch scheiterte jedoch, wie vorauszusehen war, vollkommen. Kaum war die Kompagnie aus ihrem Graben heraus, als ein vernichtendes Infanterie- und Maschinengewehr-Feuer einsetzte. Die braven Stürmer versuchten vergebens, das mit Stacheldraht, Astverhauen und wirrem Gestrüpp durchsetzte freie Gelände zwischen den beiderseitigen Gräben zu überwinden. Unter schweren Verlusten brach der Angriff zusammen. Als einer der ersten wurde Major Warnberg selber durch einen Oberschenkelschuß verwundet, der Tambour an seiner Seite fiel; mit blutigen Köpfen wurde die tapfere Kompagnie in ihren Graben zurückgeworfen. Am selben Tage fiel bei einem Rekognozierungsgang durch einen Gewehrschuß in den Kopf getroffen, der tapfere Lt. d. R. Iblitz und wurde am Barricade Pavillion, wo die Toten des Regiments ihre Ruhestätte fanden, bestattet.

IR 30
Friedhof des IR 30 am Barricade Pavillion

Das Familiengrab der Familie Iblitz befindet sich auf dem städtischen  Nordfriedhof in Bonn

Iblitz
Grabstätte der Familie Iblitz in Bonn

Oberleutnant Kurt Blumenthal

Oberleutnant
Kurt Blumenthal

11./ Infanterie-Regiment „Graf Werder“ (4. Rheinisches) Nr. 30

*1885
+1. September 1914 bei Dannevoux

Der Sohn eines ehemaligen Leutnants und Offiziers der Unteroffiziersschule Jülich, Oberleutnant Kurt Blumenthal, fiel bei den Kämpfen um den Maas-Übergang.

Am 1. September 1914 stand die 34. Infanterie-Division zum Übergang über die Maas bereit. Das Infanterie-Regiment 30 sollte bei Vilosnes mit dem Rest der Division den Fluss überschreiten, wurde vorerst aber mit I. und III. Bataillon als Sicherungstruppe eingesetzt.

Im Morgengrauen erreichte das III. Batl. den Höhenrücken zwischen Wald von Chatillon und Vilosnes. Die Maschinengewehrkompanien von IR 30 und IR 145 gingen westlich des Dorfes in Stellung um zu sichern. Nach dem IR 173 setzte das I. Batl um 7 Uhr morgens selbstständig auf Pontons östlich Vilosnes über die Maas. Es folgte das IR 145. Die übergesetzten Teile der Regimenter wurden kurze Zeit später zwischen Bahnhof von Vilosnes und Wald von Moriaux in erste Gefechte verwickelt. Währenddessen stellten Pioniere die Kriegsbrücke fertig.

Von den verbliebenen Kompanien rückte die 11./30 als erstes nach und wurde sofort Richtung Dannevoux dirigiert wo die Lage mittlerweile kritisch war. Im Nordwesten des Dorfes trat man in das Gefecht ein und wurde gegen den Bois de Septsarges eingesetzt.

Die Regimentsgeschichte beschreibt den Angriff folgendermaßen:

Trotz des furchtbaren Feuers gewann die Kompagnie angriffsweise Gelände. Mit dem 3. Zuge, der vorläufig als Reserve zurückgehalten war, griff Oblt. Blumenthal persönlich von Dannevoux her gegen Abend ein und fand hierbei seinen Heldentod. Im Garten eines Hauses am Südausgang von Dannevoux begrub die Kompagnie am nächsten Morgen ihren geliebten und tapferen Führer, der sich schon in Südwestafrika in den Kämpfen gegen die Hereros Lorbeeren erworben hatte.

Blumenthal
Das heutige Grab mit der Nummer 132 ist auf dem Ehrenfeld des Aachener Waldfriedhofs, Block 5, zu finden.

Unteroffizier Walter Sinn

Unteroffizier
Walter Sinn

Pionier-Regiment Nr. 30 (3. Rheinisches Pionier-Bataillon Nr. 30)
6. Feldkompanie

*14. Juni 1890 in Aachen
+10. März 1916 bei Fort Vaux

Seit Anfang Februar 1916 befand sich das Regiment in den Sturmausgangstellungen und bereitete sich auf den Angriff auf die Festung Verdun vor. Die 6./ Feldkompanie baute Minenwerfer vor Maucourt ein, unterstützte beim Angriff auf Dorf Bezonvaux und den Hardaumont.

Ab dem 8. März stellte sich die 6./Pi30 am Granatwäldchen und mit 2 Zügen in der Hardaumontschlucht zum Angriff auf das Fort Vaux bereit.

Der Angriff erfolgte am Abend des 10. März 1916. Ausgerüstet mit Drahtscheren, Handgranaten, Brandröhren, Flammenwerfern und gestreckten Ladungen unterstützten die Pioniere die angreifenden Infanterieeinheiten. Bereits vorher erkundeten Offizier-Patrouillen die Einbruchstellen und versuchten das Drahthindernis sowie die Flankierungsanlagen zu zerstören.

Pi Rgt 30
Erinnerung an das Pionier Regiment 30

Der Angriff schlug fehl. Es gelang der schweren Artillerie nicht, das Fort Vaux sturmreif zu schießen, auch wenn der Panzerturm zerstört wurde. So konnten die verteidigenden Franzosen aus den nicht zerstörten Kasernen und den Bereitschaftsräumen Maschinengewehre auf das Glacis und den Wall des Forts in Stellung bringen und den Angriff abwehren. Das Reserve-Infanterie-Regiment 6 griff an, bevor die Patrouillen vom Pionier-Regiment 30 ihre abschließenden Meldungen nach hinten bringen konnten. So konnten die vorbereiteten Gassen im Drahtverhau nicht gefunden werden.


An diesem Tag verlor Unteroffizier Walter Sinn sein Leben. Er wurde in der Familiengruft auf dem Aachener Westfriedhof beerdigt.

Walter Sinn
Familiengruft Sinn
Walter Sinn
Familiengruft Sinn

Oberleutnant und Regiments-Adjutant Hans Richter

Oberleutnant und Regiments-Adjutant
Hans Richter

4. Unterelsässisches Infanterie-Regiment Nr. 143

*10. Juli 1890 in Roßlau/Zerbst
+29. April 1916 bei Hermeville

Laut Rangliste des IR 143 wurde Leutnant Hans Richter seit 1913 als Regiments-Adjutant geführt und marschierte zu Kriegsbeginn ins Feld.

 

Richter

 

 

 

 

 

 

Ein Auszug aus seinem Tagebuch über den Kampf bei Sitifort-Vallerysthal im August 1914:

…ging ein Zug der 11. /143 durch ein kleines Wäldchen gegen das Dorf vor. Wir folgten, da die Granaten sich von hinten näherten, und setzten uns am Waldrand in Deckung. Sehen konnte man keinen Schützen. Ich selbst versuchte von einem etwas vorgeschobenen Hügel aus zu erkunden, schoß auch auf etwas Verdächtiges. Plötzlich sagte ein Mann, der neben mir lag: „Der Oberst ist getroffen!“ (Oberst von Petersdorff) Ich ging zurück und wirklich, das Furchtbare war geschehen. Mitten durch die Brust war das Geschoß gegangen...

Zwischen Mai und Juli 1915 traf die Beförderung zum Oberleutnant ein, am 7. September 1915 wurde Richter das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen.

Über den Tod von Oberleutnant Hans Richter schreibt die Regimentsgeschichte:

Am 29. April traf das Regiment ein ganz schwerer Schlag. Um 9 Uhr vormittags erhielt der Regimentsgefechtsstand an der Straße Abaucourt-Moranville einen Volltreffer. Der Regimentskommandeur, Major Pinder, wurde schwer verletzt, sein Adjutant, Oblt. Richter getötet. Außerdem erlitten Lt. Schmeil und mehrere Melder Verletzungen. Major Pinder wurde sofort ins Lazarett abtransportiert, wo er auch am 20. Mai seiner schweren Kopfverletzung erlag. In ihm hatte das Regiment einen fähigen Führer, Offiziere und Mannschaften einen väterlichen Freund verloren. Im März vom IR 136 zu uns kommandiert, hatte er sich durch sein gerades und offenes Wesen, durch seinen gerechten Sinn und durch seinen Mut und seine Unerschrockenheit bald die Herzen aller erobert. Er hatte alle Eigenschaften die den Deutschen Offizier auszeichnen sollen. Was von ihm galt, traf auch auf seinen Adjutanten Oblt. Richter zu. Es war eine selten glückliche militärische Ehe zwischen den beiden, sehr zum Nutzen unseres Regiments. Die Trauer um die beiden tüchtigen Offiziere war eine allgemeine.

 

Richter

Vor dem Regiments-Gefechtsstand in Abaucourt, März 1916

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Bericht eines Melders:
„Am 29. April gegen 07.15 Uhr vormittags erhielt der Unterstand der Offiziere einen Volltreffer.

Die Offiziere waren gerade bei der Morgentoilette, als die schwere Granate angefegt kam. Wir Melder wurden durch den Einschlag aus unserem Unterstand vertrieben. Als wir herauskamen, liefen uns direkt drei verwundete Kameraden entgegen: Lt. Schmeil, Gefr. Paschen und Gefr. Month. Da sahen wir auch den zertrümmerten Nachbarstollen! Herr Major Pinder lag schwerverwundet etwa 3 Meter davor. Er war gerade beim Waschen gewesen, als ihn ein Splitter am Kopf verletzte. Wir fragten dann sogleich nach Oblt. Richter, aber niemand hatte ihn gesehen. Auch er war bei der Toilette gewesen. Nach einigem Suchen fanden wir ihn etwa sieben Meter vom Unterstand entfernt. Er war bereits verschieden…

…Herr Major Pinder hatte uns auf dem Rücktransport nach Oblt. Richter befragt. Natürlich sagten wir ihm nicht die traurige Wahrheit.“

Hans Richters Leichnam wurde kurze Zeit später in die Heimat überführt und auf dem Ehrenfriedhof in Dessau beerdigt.

 

Richter

Grabmal in Dessau

 

 

Nicht weit davon entfernt, ruht der Jagdflieger und Pour le Mérite Träger, Hauptmann Oswald Boelcke.

 

 

 

 

Vielen Dank an Thorsten Pietsch www.frontflieger.de für die Bereitstellung des Grabbildes.

Leutnant und Zugführer Erich Gollmer

Leutnant und Zugführer
Erich Gollmer

4. Badisches Infanterie-Regiment „Prinz Wilhelm” Nr. 112
4. Maschinengewehr-Kompagnie

* 03. September 1897 Metz
+ 02. August 1917 bei Malancourt

Gollmer, Sohn eines Militär-Intendantursekretärs bei der 29. Infanterie-Division, besuchte das Großherzogliche Friedrich-Gymnasium in Freiburg. Am 5. August 1914 trat er als Freiwilliger, im I. Rekrutendepot des I. Ersatzbataillons im Infanterie-Regiment Nr. 113, der Armee bei. Am 4. November 1914 wurde er vereidigt, dort schon ins 4. badische Leib-Grenadier-Regiment 109 versetzt. Mitte November 1914 folgte die Versetzung in das Reserve-Infanterie-Regiment 203. Das Infanterie-Regiment 112 war ab Mai 1915 die letzte Station in seiner militärischen Karriere. Am 15. Juni 1915 wurde er zum Unteroffizier ernannt, die Beförderung zum Feldwebel folgte am 6. September 1915.

Mit dem Offizier-Patent zum Leutnant am 26. März 1916, hatte Gollmer seinen Enddienstgrad erreicht und wurde als Zugführer eingesetzt.

Das I. Bataillon und somit die zugeteilte 4. Maschinengewehr-Kompagnie wurde am 01. August 1917 beim Unternehmen „Zähringen” eingesetzt. Zähringen hatte zum Ziel die verlorenen Stellungen vom französischen Angriff am 17. Juli 1917 in den Abschnitten Quelle, Wald und Straße auf der Höhe 304 wieder zu erobern.

Vom 23. Juli  bis zum 29. Juli 1917 wurde das I. Bataillon als Sturmbataillon bei der Robinette-Ferme ausgebildet. Abschluss der Ausbildung war eine Angriffsübung auf ein Übungswerk bei Bantheville unter den Augen des Generals v. Francois.

Durch starken Regen setzte sich der Angriff des Sturmbataillons am 01. August schwerlich in Gang. Er endete mit einem Geländegewinn von 700 m auf 2 km Breite und über 700 Gefangenen. 97 Batterien und 230 Minenwerfer schossen das Vorbereitungsfeuer, teilweise mit Buntschießen.

Leutnant Gollmer fiel am Tag nach dem Angriff, der geprägt war von Angriffen und Gegenstößen. Er wurde um 2 Uhr 30 morgens durch Granatsplitter im Kopf und in der Brust tödlich verletzt.

In der Regimentsgeschichte ist sein Name nicht verzeichnet.

Er wurde auf dem Soldatenfriedhof Romagne bestattet, später zum Freiburger Hauptfriedhof überführt. Vielen Dank an Thierry Ehret für die Bereitstellung von Informationen zu seinem Werdegang.

 

 

 

Höhe 304

Karte Einsatzgebiet 304

 

Leutnant der Reserve Kurt Reinbacher

Kurt Reinbacher
Leutnant der Reserve
cand. jur.

Feldartillerie-Regiment „Generalfeldzeugmeister“ (2. Brandenb.) Nr. 18
5. Batterie

*14. März 1894 in Berlin
verwundet zu unbekanntem Zeitpunkt vor Verdun

+16. März 1916 im Vereinslazarett Heilbronn

Der genaue Weg von Kurt Reinbacher ist leider nicht mehr aufzuschlüsseln, die Regimentsgeschichte und alle weitere Akten geben leider keinen Aufschluss.
Das FAR 18 ist zu Beginn der Schlacht von Verdun direkt in den Kampf geworfen worden, schon in den Nächten vom 7.-9. Februar 1916 beziehen die Batterien mit ca. 1200 Schuss Stellung. Der Gefechtsstand befand sich auf der Romagne-Höhe, die vorgeschobene Zentrale in der „Gelber Affe“ genannten Kap-Stellung. Am Angrifsstag beteilligten sich die Batterien am Sturmreifschießen der feindlichen Stellungen, im laufenden Angriff zogen sie mit der angreifenden Infanterie vor. Im weiteren Verlauf unterstütze das Feldartillerie-Regiment 18 die kämpfende Infanterie bei den Angriffen auf Fosses-Wald, Chaume-Wald, Dorf und Fort Douaumont. Am 11. März wurde das Regiment zur Ruhe herausgezogen. 5 Offiziere, 120 Unteroffiziere und Mannschaften sowie 114 Pferde blieben auf dem Feld. Verschossen wurden von I. und II. Abteilung insgesamt 94.483 Schuss.

Kurt Reinbacher wurde nach seinem Tod zu unbekanntem Zeitpunkt auf dem Friedhof Stahnsdorf bei Berlin im Kreise seiner Familie bestattet.

Reinbacher

Grabmal der Familie Reinbacher

Rittmeister Carl Friedrich Erich Graf von Holck

Rittmeister
Carl Friedrich Erich Graf von Holck

Artillerie-Flieger-Abteilung 203

* 5. Februar 1886 in Monterrey/Mexiko
+30. April 1916 Verdun

Diplomatensohn Erich Graf von Holck wechselte 1915 vom Dragoner-Regiment Nr. 9 zur Fliegertruppe. Der bekannte Springreiter gewann als Leutnant des 3. Garde-Ulanen-Regiment den Kaiser-Preis 1909 und 1910 auf der Rennbahn Berlin-Karlshorst. August 1915 flog er mit Manfred Freiherr von Richthofen in der Feldfliegerabteilung 69 im Osten.

Holck
Rittmeister
Carl Friedrich Erich Graf von Holck

Richthofen über seinen Fliegerkameraden: Von der Person Holcks ging ein eigenartiger Zauber aus. Wo immer er sich bewegte, ob bei Hofe in möndänen Lokalen, auf der Straße, im Salon oder bei der Truppe, in der Heimat oder im Felde, überall schlug er die Menschen in seinen Bann. Das muss an der geraden, natürlichen, offenen und männlichen Art dieses Reiters und Fliegers gelegen haben. (Aus: Der Rote Baron – Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen)

Graf Holk wurde in seiner Fokker am 30. April 1916 über dem Caurières-Wald durch Albert Louis Deullin aus nächster Entfernung abgeschossen. Der Franzose notiert nach dem Abschuss: Der Bursche wurde derartig durchlöchert, dass Blutspritzer meine Motorhaube, Cockpitfenster, Fliegerkappe und Fliegerbrille besprühten. Natürlich war der Absturz aus 2.600 m Höhe ein genussvoller Anblick.

Am 30. April kehrte er von einem Luftkampf über dem Douaumont zurück und war mit nahezu leerem Tank und nur noch zwei halben Trommeln Munition in den beiden Maschinengewehren bereits im Landen, als er ein französisches Aufklärungsflugzeug bemerkte, das unangefochten in das deutsche Hinterland pirschte. Da zog er noch einmal hoch. Benzin und Munition reichten, den fliehenden Caudron abzuschießen, aber nicht mehr, den Kampf mit den sichernden französischen Jägern aufzunehmen, die den Aufklärer begleitet hatten. Er wurde von rückwärts abgeschossen; sein Fokker stürzte zwischen die Linien. In der Nacht barg Holcks Bursche, der auch Betreuer des Reiters Holck gewesen war, die Leiche seines Herrn. Holck war durch Kopfschuss gefallen. Einmal, ein erstes und ein letztes Mal hatte er doch ein Finish geritten.

(Quelle: Kavalkade: Eine Chronik von Reitern und Pferden 1950 )

Holck wurde in die Heimat überführt und auf dem Friedhof Hamburg- Niensteden beerdigt.

Grabstätte Fam. Holck