Die Österreicher an der Westfront

Die Geschichte der Österreicher oder der österreich-ungarischen Truppenverbände an der Westfront zwischen 1914 und 1918 ist weitestgehend unbekannt. Nur eine kleine Zahl historisch Interessierter kennt ihren Einsatz 1918 vor Verdun. Sie sollen jedoch keinesfalls vergessen werden.

Übersicht über den Einsatz der Österreicher an der Westfront 1918:

 Die österreichische Militärgeschichtsschreibung war daran nach dem Ersten Weltkrieg nicht ganz unbeteiligt. Im Mittelpunkt des Interesses standen zweifellos der Alpenkrieg und die Kämpfe am Isonzo. Demgegenüber stand die Kriegsführung auf dem Balkan, der Ostfront und auch der Westfront weit im Hintergrund. Truppenverbände aus Österreich Ungarn standen jedoch bereits im Spätsommer 1914 bereits an der Westfront, so die zwei Halb-Bataillone Görz-Wippach und Krakau mit jeweils zwei Batterien, die mit je zwei 30, 5 cm Skoda Motor-Mörsern ausgestattet waren. Diese waren an der Niederkämpfung einzelner Forts der belgischen Festungen Namur und Antwerpen beteiligt.

Im Februar 1918 waren erneut 5 schwere Feld-Artillerie-Regimenter (FAR 25, 45, 54, 59 und 206), eine Batterie des schweren FAR 2 und eine Batterie des schweren Artillerieregiments 6 zur Unterstützung der deutschen Frühjahrsoffensive (Große Schlacht in Frankreich ab dem 21. März 1918) an die Westfront verlegt worden. Zunehmende Probleme bei der Munitionsversorgung nach Anlaufen der Offensive führten dazu, dass diese Einheiten wieder nach Österreich zurückverlegt wurden.

Ab dem 04. Juli 1918 wurde ein Armeekorps an die Westfront entsendet. Zunächst wurden jedoch nur 4 Infanterie-Divisionen in Marsch gesetzt. Diese sollten im Raum Verdun eingesetzt werden.

Die Soldaten dieser vier Divisionen kamen aus allen Teilen der Habsburger Monarchie: Tschechen, Polen, Ungarn, Kroaten, Slowaken, Ukrainer sowie ¼ deutschstämmige Österreicher. Die massiven nationalen Spannungen in der K.uK. Armee kamen jedoch an der Westfront im Herbst 1918 kaum zum Tragen.

Kaum an die Begebenheiten der Westfront angepasst, fanden sie sich der bevorstehenden amerikanischen Maas-Argonnen-Offensive vom 26. September 1918 gegenüber.

 

Lage an der Westfront im Sommer 1918:

Das deutsche Westheer hatte seit März 1918 schwere Schläge gegen die englisch-französische Front geführt, die angestrebte Entscheidung war jedoch bisher nicht erzielt worden. Als Ergebnis der Einbrüche in die englisch-französische Front in Flandern und zwischen Aisne und Marne waren neue Gefahrenquellen für das deutsche Westheer entstanden. In den weit vorspringenden Frontteilen vermochten die hier nach dem Abziehen der Angriffsdivisionen verbliebenen Kräfte wegen des fortdauernden Stellungskampfes und der gesunkenen Kräfte keine feste Verteidigungsfront aufzubauen, was aber nötig gewesen wäre, weil eine umfassende Angriffsoperation der Entente zu erwarten war.
Bei dieser Sachlage stand die OHL im Juni 1918 vor schwerwiegenden Entscheidungen. Der Rückfall in die Abwehr hätte die Preisgabe des unter schwersten Opfern und mit höchstem Materialeinsatze gewonnenen Geländes bedingt und die Zuversicht der Truppe wie jene der Heimatfront auf das tiefste getroffen. Es widerstrebte der deutschen Führung dem Gegner das Handeln zu überlassen. Das Zahlenverhältnis an der Westfront begann sich jedoch angesichts des überlegenden Kräfteaufgebotes der Entente und des beschleunigten Heranführens der Amerikaner rasch zu Ungunsten des deutschen Heeres zu verschieben. Auf ausgleichende Waffenhilfe der Verbündeten, die an den anderen Fronten gebunden waren, konnte die deutsche Führung nicht rechnen. Mit einer letzten Offensive wollte die deutsche Führung die Siegeszuversicht des Gegners erschüttern und so in der letzten hierzu verfügbaren Zeitspanne ein Kriegsende ohne Niederlage herbeizuführen.

Die Entscheidung sollte in Flandern gegen die Engländer angestrebt werden, wo die Kanalhäfen in erreichbarer Nähe waren. Nach deren Fall lag die englische Küste im Feuerbereich deutscher Ferngeschütze, was England unter nachhaltigsten Druck setzen musste. Da der Gegner jedoch hinter diesem Abschnitte starke Reserven angesammelt hatte, sollte zunächst an einem anderen empfindlichen Frontteil angegriffen werden, um die feindlichen Heeresreserven aus Flandern abzulenken. Als günstigste Stelle wurden die Fronten beiderseits Reims angenommen und als voraussichtlicher Angriffstermin die Zeit um den 10. Juli bestimmt.
Eine am 15. Juni an der öster.-ungar. Südwestfront losbrechende Offensive zeigte nicht den erwünschten Fortschritt. Die deutsche OHL drängte das k.u.k. Oberkommando zum Einstellen der Offensive und zur Abgabe der für die reine Abwehr nicht benötigten Kräfte. Schließlich stimmte Kaiser Karl der Überweisung von sechs Divisionen an die deutsche Westfront zu.

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