Höhe 304 – Cote 304

Die Höhe 304 war der höchste Punkt auf dem westlichen Maasufer und bot ausgezeichnete Möglichkeiten zur Beobachtung auf die Höhe Toter Mann und als Stellung für die Artillerie.

 

Denkmal auf Höhe 304

 

Das Denkmal auf der Höhe 304 wurde 1934 errichtet. Auf ihm stehen die französischen Divisionen, welche auf dem Höhenzug eingesetzt waren. Ein Pfad, der die Parzellen 221 und 222 voneinander trennt, führt zur vordersten deutschen Linie. Diese läßt sich jedoch nur noch schwer erkennen.

 

 

 

304
Gräben auf Höhe 304
       

304

 

 

 

Der Angriff auf Höhe 304

Am 22. März 1916 beschloss das VI. Reservekorps die Höhe 304,  anschliessend die Blockhäuser auf dem Toten Mann, das Les-Caurettes-Wäldchen und Dorf Cumières dem Gegner wegzunehmen. Somit wollte die deutsche Führung die Front auf Höhe Wald von Avocourt, Höhe 304, Totermann und den Höhen nördlich Chattancourt schließen.
Der Angriff auf Haucourt, der für den 31. März geplant gewesen war, musste verschoben werden, da das Wiesengelände des Forges-Baches überschwemmt war.
Am 01. April wurde östlich von Haucourt schwach verteidigte französischen Gräben nördlich der „Wasserstelle“, am 02. diese selbst besetzt, in der folgenden Nacht durch Handstreich die weiter südwestliche gelegene Wassermühle genommen. Die französische Stellung nördlich Haucourt – Bethincourt war somit in deutscher Hand.
Am 05. April um 02.30 Uhr nachmittags legten 17 schwere Batterien ihr Feuer auf Haucourt, sieben weitere auf den Stützpunkt östlich davon. Um 05.30 Uhr dreißig nachmittags brachen zwei Bataillone der 192. Infanterie-Brigade vor und nahmen im Handgranatenkampf, von Flammenwerfern wirksam unterstützt, das Dorf. 550 Mann wurden gefangen genommen und neun Maschinengewehre erbeutet.
Am 06. April abends gelang der 12. Reserve-Division die Einnahme der Grabenstücke südlich Bethincourt am Wege nach dem Toten Mann, so daß das Dorf nunmehr auch von Süden umklammert war. 200 Gefangenen und 2 Maschinengewehre wurden erbeutet.

Malancourt
Trümmer des Dorfes Malancourt
      
Trümmer des Dorfes Haucourt

 

Am 07. April stieß das VI. Reservekorps südlich von Haucourt vor. Um 03.15 Uhr nachmittags begann planmäßig das Wirkungsschießen von 17 schweren Batterien auf die französischen Anlagen an den Termiten Hügeln und nördlich davon. Drei Stunden später nahm in erbitterten Kämpfen die 11. bayerische Infanterie-Division die Gräben südwestlich der Hügel, die 11. Reserve-Division diese selbst und die beiden Stützpunkte an der Straße. Außer sehr starken blutigen Verlusten verloren die französischen Truppen über 600 Mann an Gefangenen. Ein französischer Gegenangriff am Morgen des 08. April wurde abgewiesen; abermals blieben fast 100 Gefangene in deutscher Hand.
Beim XXII. Reservekorps blieb das Ergebnis hinter den Angriffserwartungen bei Bethincourt zunächst zurück. Unter Abriegelung des Dorfes sollten südlich des Forges-Baches die Wiesenburg von Osten, die Bärentatze von Norden genommen werden. Erstere fiel im Laufe des Nachmittags. Einige Maschinengewehr und Gefangene wurden erbeutet. Die deutschen Verluste betrugen wenig über 150 Mann.
Für den Angriff von Norden gegen die Bärentatze hatte die 12. Reserve-Division zwei von rückwärts anmarschierende völlig frische Bataillone der 43. Reserve-Division bestimmt. Da diesen aber Zeit für Vorbereitung und Erkundung gefehlt hatte, gelang es ihnen erst nach Einbruch der Dunkelheit den Forges Bach zu überschreiten und schließlich am 10. April mittags nach nochmaliger zweistündiger Artillerievorbereitung die Bärentatze zu nehmen. Weiter rechts drang gleichzeitig der linke Flügel der 11. Reserve-Division in die Gräben südwestlich davon ein. Die Verluste der deutschen Truppen betrugen 550 Mann, 330 Mann Gefangene und 11 Maschinengewehre wurden eingebracht. 

An der Front war mit dem Abklingen der Kämpfe vom 09. – 11. April bei trübem Wetter mit vielen Regenschauern etwas Beruhigung eingetreten. Starke Artilleriefeuerüberfälle lagen aber trotzdem immer wieder auf Stellungen und Hintergelände.

Als am 18. April bei schon aufgeweichtem Boden Sturm und Regen anhielten, mußte General von Gallwitz den Angriff um einige Tage herausschieben.

Am 22. April begann gegen 02 Uhr nachmittags bei trübem Wetter und Regenschauern das Wirkungsschießen. Auf die zunächst wegzunehmenden vorderen Linien vom Vogelherd bis dicht an die Kuppe des Toten Mannes vereinigten 40 Steilfeuer Batterien ihr Feuer, während die anschließenden und dicht dahinter liegenden Gräben durch weitere schwere und Feldbatterien beschossen wurden. Um 05.10 Uhr nachmittags brach die Infanterie gegen ihre Sturmziele vor. Die der 11. Reserve-Division drang vorübergehend in den Vogelherd ein, ein zweiter Versuch um 10 Uhr abends hatte kein besseres Ergebnis. Die Truppen gingen schließlich in die Sturmausgangsstellungen zurück. Der rechte Flügel der 12. Reserve-Division geriet sofort in schweres Maschinengewehr- und Infanteriefeuer von Höhe 304 und mußte ebenfalls in seine Ausgangsstellungen zurückkehren, der linke Flügel stieß vor der französischen Stellung und konnte nur an einer Stelle zeitweise in die französischen Gräben eindringen. Am Abend wurden auch alle Teile der 12. Reserve-Division in die Ausgangsstellung zurückgenommen.

Die 43. Reserve-Division arbeitete sich durch sofort einsetzendes Sperrfeuer vor, überrannte drei Gräben, blieb aber dann vor starkem und nicht zerstörten Drahthindernissen liegen, da die feindlichen Maschinengewehre nicht ausgeschaltet werden konnten.
Als General von Gallwitz am Morgen des 23. April die Meldung erhielt, daß die 43. Reserve-Division in die Gräben westlich des Toten Mannes eingedrungen sei, befahl er, den Angriff des VI. Reservekorps gegen die Gräben südlich der Termiten-Hügel an diesem zweiten Anfriffstage planmäßig durchzuführen und auf den inneren Flügeln der beiden Korps die Gräben am Hecken Grunde um 06.00 Uhr abends in gleichzeitig erfolgendem Einbruch zu stürmen. Zu diesen beiden Angriffen sollte es indessen nicht mehr kommen. Die Meldung der 43. Reserve-Division über erkämpfte Erfolge erwies sich als irrig. Die 11. bayerische Infanterie-Division meldete, daß die Flammenwerfer nicht in die Sturmstellung hätten vorgebracht werden können, weil sie im tiefen Boden stecken geblieben seien. Auch waren ihre Sturmtruppen erst teilweise in den Ausgangsstellungen eingetroffen und durch die Anstrengungen sehr mitgenommen; einige Leute waren buchstäblich im Schlamm versunken. Ähnlich lagen die Dinge bei der 12. Reserve-Division, wo die Sturmtruppen bis zu den Knien im Morast standen und völlig erschöpft waren. So mußte General von Gallwitz den Angriff mittags absagen.

 

304
Granatloch bei Höhe 304 zum Wasser holen

 

 

 

 

 

 

Mit der Zuteilung der 4. Infanterie-Division bekam General von Gallwitz die Möglichkeit, eine frische Truppe gegen Höhe 304 einzusetzen. Am 24. April übertrug er den Angriff auf den Kopf der Höhe 304 dem XXII. Reserve-Korps, auf dessen rechtem Flügel die 4. Infanterie-Division einzusetzen war. General von Gallwitz entschied am 28. April, dass der Angriff auf Höhe 304 an drei aufeinanderfolgenden Tagen durchzuführen sei, nachdem sich inzwischen der Zustand der Wege und Gräben bei trockener und warmer Witterung gebessert hatte.

Der Zeitpunkt des Angriffs aber mußte trotz des Drängens der Angriffsgruppe hinausgeschoben werden, denn neben dem Ausbau der Sturmstellungen mußten weitere Übergänge über den Forges-Bach hergestellt und südlich des Baches Nahkampfmittel und Verpflegung niedergelegt werden, um bei einsetzendem französischen Sperrfeuer vom Nachschub unabhängig zu sei.

Währenddessen hatte sich seit dem 20. April am Toten Mann durch fortgesetzte französische Angriffe ein Brennpunkt heftiger Kämpfe herausgebildet, der umso unerwünschter war, als die Kampf- und Lebensbedingungen der Truppe wegen der hinter der Front entlang führenden breiten, versumpften und vom Gegner einzusehenden Forges-Niederung besonders schwierig waren. Munition und Verpflegung hatte zeitweise nur durch Tragtiere vorgebracht werden können. Da die festen Wege und Brücken über den Abschnitt völlig zerschossen waren, bat die 43. Reserve-Division für das Nachziehen der schweren Batterien um Gerät für drei schwere Kolonnenbrücken und um den Bau von Bohlenbahnen. Bei den anderen Divisionen lagen die Dinge ähnlich, es war auch dort über den Bach kaum etwas vorzubringen.

 

 

Dorf Bethincourt
Dorf Béthincourt
 
              

Dorf Bethincourt

 

An der Höhe 304 hatte das XXII. Reserve-Korps schon am 26. April den Befehl bis zum Vogelherd übernommen. Am 3. Mai begannen um 03 Uhr nachmittags 26 schwere Batterien das Schießen gegen die Eckstützpunkte der Vorstellung. Zur Beschäftigung und Täuschung des Gegners wurden außerdem die feindlichen Gräben südlich der Termiten-Hügel sowie nach Osten bis Cumières beschossen. Die lebhaft antwortende französische Artillerie wurde mit Grünkreuz vergast. Planmäßig um 05.45 nachmittags wanderte das deutsche Feuer von der Vorstellung auf die Randstellung ab.
Die 4. Infanterie-Division und, rechts von ihr, zurückgelassene Teile der 12. Reserve-Division traten an. Eine Dichte Rauch- und Staubwolke hüllte sie ein und verbarg in den entscheidenen Minuten den Einbruch der gegnerischen Infanterie und Artillerie. Rechts drangen sie in den Vogelherd ein, weiter links überrannten sie die französische Vorstellung und stürzten sich dann gegen die Randstellung, aufgehalten im wesentlichen nur durch das Feuer der eigenen Artillerie, das noch bis 6 Uhr nachmittags auf dieser lag. Dann wurde aber auch diese Stellung im Handgranatenkampf genommen, und der Angriff bis auf den halben Hang der Höhe 304 vorgetragen. Der Angriff des linken Flügels und des gegen die Gräben im Hecken-Grund angesetzten rechten der 43. Reserve-Division war weniger durch Rauch und Staub begünstigt; die französischen Truppen zwangen ihn schon beim Antritt nieder. Somit war das Angriffsziel nur in der Mitte erreicht. Rechts war es nicht gelungen, über den Vogelherd hinaus Gelände zu gewinnen, links war sogar die gegnerische Vorstellung unbezwungen. Die stürmenden Truppen aber meinten, in breiter Front bis dicht an die Kuppe herangekommen zu sein und meldeten dementsprechend. Über 650 Gefangene wurden eingebracht.

Den nächsten Stoß plante General von Gallwitz über die Höhe 304 selbst und westlich zu führen. Zunächst sollte am 05. Mai nachmittags der nordöstliche Teil des Camard-Waldes und die Höhenkuppe 304, abends der französische Stützpunkt hart südlich der Termitenhügel an der Straße genommen werden.

Am 05. Mai um 12 Uhr mittags setzte das Feuer von 27 schweren und schwersten Batterien auf die ersten Angriffsziele ein, während die Stellungen dahinter und daben von starker schwerer und Feldartillerie beschossen wurden. Um 05.15 Uhr nachmittags gab die Artillerie den Raum zum Sturm frei. Die Sturmtruppen der 11. Reserve-Division und der 4. Infanterie-Division traten an. Am Camard-Walde gelang es nur an der Nordwestspitze, vorübergehend in den Wald einzudringen. Der Sturm gegen die Kuppe der Höhe 304 sollte nach den von vorn kommenden Meldungen die Kammlinie erreicht haben. Ein starker französischer Gegenangriff wurde abgewiesen. Elf Kompanien gruben sich während der Nacht an der Höhe ein. Weiter rechts hatte die 11. bayerische Infanterie-Division um 09 Uhr abends den Stützpunkt südlich der Termitenhügel zu nehmen. Aber seit Stunden hatte schwerstes Feuer auf ihrer Ausgangsstellung gelegen und große Verluste verursacht; fast alle zugeteilten Flammenwerfer waren zerschlagen. So kam der Angriff hier über erste Versuche nicht hinaus.

 

Malancourt
Malancourt aus Richtung Norden

 

Das gegnerische Feuer auf das Angriffsfeld bei der Höhe 304 schwoll am Abend des 06. Mai zu äußerster Stärke an. Um 04.30 Uhr nachmittags hatte auch die eigene Artillerie das Feuer wieder aufgenommen. In der Nacht schwiegen nur die Mörser. Die 4. Infanterie-Division schob frische Kräfte nach vorn und ordnete sich zum Angriff.  Bei Tagesanbruch des 07. Mai setzte das Wirkungsschießen aller Kaliber mit voller Wucht von neuem ein. Als dann um 08 Uhr vormittags die Infanterie vorzugehen versuchte, stellte sich heraus, daß die Beobachtung des Divisionskommandeuers vom Tage zuvor richtig gewesen, die vorderste französische Linie daher vom deutschen Artilleriefeuer gar nicht gefaßt worden war. General Freyer entschloß sich zur Wiederholung des Angriffs um 06 Uhr abends. Die jetzt endlich genauer erkannten, stark besetzten französischen Gräben wurden von 03 bis 06 Uhr nachmittags von 28 schweren Batterien und Feldartillerie der 04. Infanterie-Division unter Feuer genommen. Um 06 Uhr abends brach die Infanterie vor. Rechts drang sie in den Ostzipfel des Camard-Waldes ein und arbeitete sich schließlich bis an dessen Südrand vor. Links anschließend setzte sie sich auf der Kuppe der Höhe 304 fest.

 

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Maschinengewehr-Stand im Zwischengelände im Abschnitt „Quelle“ am Westhang des Termitenhügels

 

 

Der für 11 Uhr vormittags angesetzte Angriff der 11. bayerischen Infanterie-Division auf den Stützpunkt südlich der Termitenhügel aber war nicht durchgeführt worden, weil die Angriffstruppe schon vorher zu starkes Feuer erhielt. Erst am 08. Mai gelang es dort, in den Stützpunkt einzubrechen und bis dicht an die Straße hervorzukommen.

Damit waren die Kämpfe um die Höhe 304 zunächst abgeschloßen. Die Kuppe war erreicht, mit einzelnen Posten überschritten, die besonders lästige französische Artillerie-Beobachtung ausgeschaltet.

 

Fortführung der Stellungskämpfe um Höhe 304

Gegen die Höhe 304 hatten die französischen Truppen seit dem 08. Mai eine Reihe sehr heftiger Vorstöße unternommen, ohne Vorteile zu erringen. Fast dauernd lag die Höhe unter schwerem Artilleriefeuer. In der mondhellen Nacht zum 18. Mai steigerte es sich immer mehr, gegen 04 Uhr vormittags hatte es äußerste Heftigkeit erreicht. Dann griffen die Franzosen in breiter Front mit starken Kräften an und drückte die auf den höchsten Punkt vorgeschobenen Posten der 38. Infanterie-Division auf die Hauptstellung zurück. Eigene Gegenstöße trafen auf erneute französische Angriffe. Den ganzen Tag dauerte unter ständigem Sperrfeuer beider Artillerien der Kampf an, doch gelang es nicht mehr, die höchste Kuppe wieder in die Hand zu bekommen.

Der Raum weiter westlich, in dem für diesen Tag, den 18, Mai, der Vorstoß der 54. Infanterie-Division beiderseits der Straße Haucourt – Esnes vorgesehen war, hatte die Nacht gleichfalls unter schwerem französischen Feuer gelegen. Ein französischer Angriff im Morgengrauen gegen den äußersten rechten Flügel dieser Division war zusammengebrochen. Um 02 Uhr nachmittags begann befehlsgemäß das eigene Wirkungsschießen. 19 schwere Batterien legten ihr Feuer auf die Sturmziele, andere schwere und Feldbatterien hielten die Anschluß- und die dahinter liegenden Gräben nieder. Um 05.30 Uhr nachmittags brachen die Sturmkompagnien zweier Regimenter, unterstützt von Flammenwerfern, beiderseits der Straße in die französische Stellung ein, stießen noch über die Sturmziele, den von den Franzosen besetzte Südteil des Camard-Waldes und die Stützpunkte westlich davon vor, und gruben sich ein.

 

Die Kämpfe im Jahr 1917

Nach gründlicher Vorbereitung führte die 5. Armee Ende Juni noch einige Unternehmungen zur Verbesserung der Stellungen vor allem bei der Maas-Gruppe West des Generals von François durch. Am 28. Juni abends erstürmten zwei Regimenter der 10. Reserve-Division des Generalleutnants Dallmer südwestlich der Höhe 304 beiderseits der Straße Haucourt – Esnes französische Gräben in 2 1/2 km Breite und in mehreren Hundert Meter Tiefe. Am 29. früh nahmen Sturmtruppen der 2. Landwehr-Division des Generals der Artillerie Franke in 300 m Breite und etwa 150 m Tiefe die französischen Gräben am Südrand des Waldes von Malancourt. Schließlich wurden am Abend des 29. am Osthang der Höhe 304 weitere Stellungen in 1000 m Breite und 150 m Tiefe genommen und mit dem tags zuvor erreichten Angriffsziel verbunden. Auch östlich davon gelang der 6. Reserve-Division eine kleinere Unternehmung. Die Gegenwirkung dauerte bis zum 02. Juli an, ohne indessen wesentliche Erfolge zu erzielen. Die Maas-Gruppe West hatte fast 900 Gefangene, 6 Minenwerfer und 19 Maschinengewehre bei einem eigenen Verlust von 1200 Mann. Die Tiefengliederung des vorderen Grabensystems war besonders bei Höhe 304 verbessert.

 

Im Graben auf 304
Im Graben auf 304
 
     
Auf 304

 

Am 09. Juli berichtete die 5. Armee, daß „überraschende französische Angriffe auch bei Großkämpfen an anderen Fronten unter Ausnutzung der Festung immer möglich sind und Verdun mit Sicherheit nie ruhige Front werden wird… Unterstände wie Batteriestellungen stehen so zahlreich zur Verfügung, daß Verstärkungen sehr leicht möglich sind. Verkehrswege, Lager und Munitionsdepots im Hintergelände erlauben jederzeit den Aufmarsch starker Kräfte, deren Bereitstellung zum Angriff in den Schluchten ohne mögliche Einsicht erleichtert wird, zumal die Artillerie des gesamten Festungbereiches jederzeit an beliebiger Stelle beiderseits der Maas zusammenwirken kann.“

Andererseits waren die deutschen Stellungen immer noch sehr mangelhaft, da die Fronttruppen durch Abwehr stark in Anspruch genommen und sonstige ausreichende Arbeitskräfte nicht vorhanden waren. Rückwärtige Stellungen fehlten fast ganz.

Die deutsche vordere Linie verlief westlich der Maas – für die Abwehr wenig günstig – über die Höhen 304 und Toter Mann. Mit dem breiten und meist sumpfigen Tal des Forges-Baches im Rücken konnte sie nach Ansicht der Heeresgruppe „einem Großangriff nur schwerlich standhalten.“ Eine Zurücknahme der Stellung auf die Höhen nördlich des Baches hätte aber die bereits früher zurückverlegte deutsche Linie östlich der Maas gefährdet. Dazu kam der weiterhin bestehende Wunsch der obersten Heeresleitung, nach den Rückschlägen von 1916 aus moralischen Gründen „östlich der Argonnen unter keinen Umständen Gelände aufzugeben.“

 

Malancourt
Friedhof bei Malancourt

 

 

 

 

 

 

Mitte Juli wurde die 29. Infanterie-Division bei Maas-West eingeschoben. Noch bevor dies beendet war, hatte sie am 17. Juli einen größeren Teilangriff französischer Truppen dicht westlich der Höhe 304 abzuwehren, bei dem die am 28. Juni gewonnenen Gräben wieder verloren gingen. Der feindliche Einbruch reichte soweit nach Norden, daß die Höhe 304 im Rücken bedroht war, die Heeresgruppe befahl daher den sofortigen Gegenangriff. Er fand am 01. August statt und brachte die Wiedereinnahme des ganzen verlorenen Geländes. Darüber hinaus nach Süden vorzustoßen hatte die Oberste Heeresleitung angesichts der Kräftelage nicht gestattet. Gegenangriffe der französischen Truppen blieben im flankierendem Maschinengewehrfeuer von Höhe 304 und vom Avocourt-Wald aus liegen. Ihre Vorbereitung durch Artillerie zeigte aber, wie schon am 17. Juli, eine starke Vermehrung der französischen Batterien, schwerste Eisenbahngeschütze griffen in einem Ausmaß wie nur vor Großangriffen ein. Nach Gefangenenaussagen war der französische Angriff Mitte August zu erwarten. Dies hatte die Heranführung weiterer Abwehrkräfte, insbesondere schwerer Artillerie zur Folge. Bei Maas-Ost war bereits am 25. Juli eine vierte Division in die Front eingeschoben worden.

Die französische Artillerie-Vorbereitung gegen die deutsche Nord-Front von Verdun begann am 10. August, flaute dann aber bei plötzlich einsetzendem Regenwetter wieder ab, um vom 13. August ab mit voller Stärke die deutschen Stellungen zwischen Avocourt und Bezonvaux zu treffen. Das von tagelangen Regen aufgeweichte Erdreich war in grundloses Trichterfeld verwandelt. Unterstände waren verschüttet, die Verbindungswege nach rückwärts einschließlich der Brücken über den Forges-Bach zerstört.

 

Malancourt
Trümmer eines Beton-Unterstandes in Malancourt

Am 20. August um 05 Uhr vormittags begannen beiderseits der Maas die französischen Angriffe, zu denen acht Divisionen und 30 Infanterie-Regimenter gegen reichlich sechs deutsche Divisionen mit nur 19 Regimentern angesetzt waren. Bei der Maasgruppe West wurde die deutsche Linie dicht westlich der Höhe 304 bis an den „Termitenhügel“ (Punkt 287 südlich Malancourt) zurückgedrückt. Östlich davon drangen die französischen Truppen in den „Heckengrund“ (Schlucht südlich Béthincourt) ein und versuchten von hier aus, die Höhe 304 zu umgehen, auf der die 213. Infanterie-Division alle Angriffe abweisen konnte. Sofort einsetzende Gegenstöße führten zu erbitterten Nahkämpfen, die bis in den Abend anhielten. Im Laufe des Vormittags meldete die Gruppe Maas-West, daß die Angriffe beiderseits der Höhe 304 zum Stehen gebracht seien; im Abschnitt der 6. Reserve-Division am Toten Mann wäre die Lage anscheinend kritisch. Das Armeeoberkommando zog daraufhin alle verfügbaren Kräfte der Eingreif-Divisionen, soweit sie nicht schon im Kampf standen, hinter dem Forges-Bach zusammen und befahl, diesen Abschnitt unbedingt zu halten. Das Ergebnis aller bisherigen Maßnahmen war erst um 05 Uhr nachmittags annähernd zu übersehen: Beiderseits der Höhe 304 hatten die Gegenstöße den gegnerischen Ansturm gebrochen, Geländegewinn nach vorwärts war nicht erzielt.

Am Abend des 20. August herrschte beim Armee-Oberkommando der Eindruck, daß der Gegner östlich der Maas über Anfangserfolge nicht hinausgekommen war. Westlich der Maas war der Tote Mann hingegen verloren, seine sofortige Wiedernahme kam angesichts des Fehlens frischer Kräfte nicht in Betracht. Die Höhe 304 war durch Einbrüche westlich und östlich von ihr stark gefährdet. Ihre Räumung wurde erwogen, da das ganze Gelände auch von dem jetzt in französischer Hand befindlichen Talou-Rücken einzusehen war. 

Nach neuer Artillerie-Vorbereitung, die während der Nacht zum 21. August die Neuordnung der deutschen Verbände sehr erschwerte, setzten die französischen Truppen ihre Angriffe fort. Westlich der Maas scheiterten sie an der heldenmütigen Abwehr der neugebildeten Front beiderseits der Höhe 304, die selbst wiederum nicht frontal angegriffen wurde. Weiter östlich waren die Angriffe schwächer. Hier standen zwischen Béthincourt und Forges noch deutsche Sicherungen südlich des Forges-Baches, nachdem auch Regnéville nachts geräumt worden war. Die Reste der 6. Reserve-Division hatten mit Teilen der 48. Reserve-Division nördlich des Baches die Stellung „Hagen-Süd“ bezogen.

Westlich der Maas begann in der Nacht zum 22. August die Räumung der Höhe 304, deren Besetzung vorgetäuscht blieb. Erst nach neuem starken Artilleriefeuer besetzten die Franzosen am 24. August das südliche Ufer des Forges-Baches.

Damit hatte die dritte große Abwehrschlacht vor Verdun im wesentlichen ihren Abschluß gefunden. Bei Maas-West beruhigte sich die Lage. Der französische Angriff hatte etwa 14.000 Mann Verluste gekostet, davon gegen 6000 Vermißte. Die französischen Truppen wollten 7500 Gefangene gemacht und 24 Geschütze erbeutet haben. Abermals war vor Verdun trotz gründlicher Abwehrvorbereitungen – soweit solche angesichts der Gesamtkräftelage überhaupt möglich waren – ein sehr ernster Rückschlag eingetreten. Der Gegner hatte mit dem Angriff vom 20. August, den man seit langem hatte kommen sehen, seine ersten Ziele im wesentlichen erreicht.

 

Auszugsweise aus dem Reichsarchiv entnommen

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