Der Sanitätsdienst im Argonnerwald 1914 – 1918

Trotz täglicher Angriffe kam die 27. Infanterie-Division bis zum 30. September 1914 in dem schluchtenreichen, durch Draht im dichten Unterholz festungsartig verteidigten Walde nur wenig vorwärts bis in die Gegend Le-Four-de-Paris. Am 28. September errichtete die Sanitätskompanie 2 in Binarville einen Hauptverbandsplatz, nachdem sie sich mit der Sanitätskompanie 3 der 11. Infanterie-Division, die ebenfalls dort einen Hauptverbandsplatz unterhielt, über die Benutzung der Gebäude geeinigt hatte. Am 29. September wurde das Feldlazarett 9 in Lancon eingerichtet. Der Nahkampf brachte sehr schwere Verletzungen, doch konnten die Verwundeten mit Kraftwagen rasch in das Lazarett gefahren werden, eh die Wunden infiziert waren. Leichtverwundetensammelstelle war Grandpré.

Die 26. Infanterie-Division lag in ruhiger Stellung, so dass ein Hauptverbandsplatz nicht eingerichtet wurde.

Das XVI. Armeekorps lag vom 15. bis zum 21. September in seiner neuen Stellung mit der 33. Infanterie-Division südlich Epinonville und der 34. Infanterie-Division südlich Montfaucon. Es baute seine Stellung aus. Durch Artilleriefeuer entstanden mäßige Verluste. Vom 15. September ab unterhielten bei der 33. ID die Sanitätskompanien 1 und 3 in Romagne-sous-Montfaucon eine Ortskrankenstube und eine Krankensammelstelle. Das Feldlazarett 9 übernahm diese am 18. September und richtete sich am 19. in Romagne ein, da die Division am 18. ein kleineres Gefecht hatte. Für die 34. ID hatte die Sanitätskompanie 2 am 15. September in Nantillois eine Krankensammelstelle eingerichtet. Vom 17. bis 19. September wurde sie hier durch das Feldlazarett 7 unterstützt, das sich am 20. September einrichtete. Bei nasskaltem Wetter in den feuchten Schützengräben entstanden viele Durchfälle bei den Soldaten, die jedoch leichter Art waren und die Kampfkraft nicht wesentlich beeinträchtigten.

Kraftwagen-Kolonne

Am 22. September griff das Korps an, nahm Véry und die Gegend östlich davon ein und stieß am 23. September über Cheppy hinaus vor, wobei die 33. ID beim Überschreiten des Bunathe-Baches zurückgedrängt wurde. Am 24. September nahm das Korps Vauquois und den Wald östlich davon. Bei der 33. ID errichtete die Sanitätskompanie 1 am 22. September in Eclisfontaine einen Hauptverbandsplatz und holte auch die Nacht hindurch Verwundete aus dem unter heftigen feindlichen Artilleriefeuer stehenden Gelände und aus brennenden Häusern des Dorfes Véry. Zu gleicher Zeit hatte die Sanitätskompanie 3 in Ivory einen Hauptverbandsplatz eingerichtet und barg bis zum 24. September etwa 420 Verwundete. Das Feldlazarett 6 richtete sich am 24. September hier ein. Bei der 34. ID hatte die Sanitätskompanie 2 in Nantillois am 22. September einen Hauptverbandsplatz eingerichtet und Verwundete aus Ivory und den Wäldern südlich geborgen. Die Verwundeten von den Hauptverbandsplätzen und aus den Feldlazaretten wurden durch Krankenkraftwagen abbefördert. Am 25. September ruhte der Kampf. Die Sanitätskompanie 1 errichtete einen neuen Hauptverbandsplatz in Véry, sie musste ihre Verwundeten teilweise 8 bis 10 km weit holen, so dass die Sanitätskompanie 3 zur Unterstützung erbeten wurde. Zur Unterstützung der Sanitätskompanie 1, die im ganzen 500 Verwundete, davon 200 Franzosen, versorgt hatte, setzte der Korpsarzt im Benehmen mit dem Divisionsarzt das Feldlazarett 2 in Véry ein. Auch die Sanitätskompanie 2, die in Nantillois bis zum 24. September 104 Marschfähige sowie 193 Schwerverwundete versorgt hatte, suchte das Schlachtfeld in der Gegend von Cheppy ab. Der Divisionsarzt der 34. ID gibt die Verluste vom 22. bis zum 25. September an auf: 124 Gefallene, 631 Verwundete und 306 Vermisste. Die Abbeförderung der Verwundeten auf Kraftwagen und mit der Bahn von Dun aus machte keine Schwierigkeiten. Am 26. und 27. September ordnete das Korps seine Verbände und wurde bei Varennes bereitgestellt, um gegen die Argonnen von Osten her in der Richtung auf Servon und Vienne-le-Château anzugreifen. Das VI. Reservekorps und die Landwehr-Division Franke übernahmen die bisherigen Stellungen des Korps. Am 28. September drang die 34. ID bis gegen Bagatelle-Pavillion, die 33. ID bis gegen Barricade-Pavillion vor. Das schwere Ringen brachte auch am 29. und 30. September keine größeren Erfolge. Die Sanitätskompanien 1 und 3, zu welch letzterer am 28. das fehlende Sanitätspersonal aus Gefangenschaft zurückgekehrt war, errichtete am 29. in Varennes Hauptverbandsplätze und versorgten bis zum 30. September etwa 600 Verwundete. Das Feldlazarett 10 sollte in Varennes eingesetzt werden, aber in diese Stadt fielen so zahlreiche schwere Geschosse, dass die Verwundeten baldigst abbefördert werden mussten. Das gelang rasch mit großen Lastkraftwagen. Das Feldlazarett half dabei. Die Sanitätskompanie 1 verlegt den Hauptverbandsplatz nach Tuilerie westlich Varennes. Die Sanitätskompanie 3 gab ihren Hauptverbandsplatz auf und beförderte Verwundete zu den Lazaretten. Die Sanitätskompanie 2 holte von den Truppenverbandsplätzen im Argonnerwalde Verwundete zu den Feldlazaretten Véry, Romagne und Chéhéry. Einen Hauptverbandsplatz errichtete sie nicht. Weitere Lazarette gab es in Cierges und Cléry-le-Grand.

Die Tuilerie-Ferme bei Varennes

Für das Jahr 1915 wird festgehalten: Die Truppenverbandsplätze waren in Unterständen angelegt und mit Sanitätsmitteln gut ausgestattet worden. Förderbahnen führten bis in die vorderen Stellungen und wurden immer mehr zur Verwundetenfahrt hergerichtet und benutzt. Die Hauptverbandsplätze wurden gewissermaßen wie Lazarette hergerichtet und mit Chirurgen besetzt, so dass vielen Schwerverwundeten durch Operationen bald nach der Verletzung das Leben erhalten wurde. Die Krankenkraftwagen waren vom Armeearzt auf die Kriegslazarette und die Korps verteilt worden. Die Verwundeten und Kranken fuhren von der Stellung mit Förderbahnen zu den Feldlazaretten und von hier in Krankenwagen, die zwischen den Feldlazaretten, Kriegslazaretten und Krankensammelstellen an der Bahn pendelten, weiter. Die Feldlazarette waren durch Baracken und Krankenzelte weiter ausgebaut worden.

Im Argonnerwald gab es von Ost nach West folgende Verbandsplätze:

  • Spessart-Lager
  • Römer-Lager
  • Menge-Lager
  • Nordgrund-Lager (Kaisertunnel)
  • Jägerthal-Lager (Roeselager III)
  • Bahnhof Meurissonsgrund
  • Huggersdorf-Lager
  • Küchental-Lager
  • Hubertus-Lager
  • Weidemann-Lager
  • Staufen-Lager
  • Lager Stechow-Tal
  • Toter-Mann-Lager
  • Binarville
  • Kaiser-Lager
  • Moreau-Lager

Hauptverbandsplätze befanden sich in:

  • Lager Borrieswalde
  • La-Mare-aux-Boeufs (zwei Hauptverbandsplätze)
  • Cierges
  • Aincreville
  • Cléry-le-Grand