Vorbereitungen

Vorbereitungen
Der Angriff auf Verdun
Die Schlacht auf beiden Seiten der Maas
Die Zermürbungsschlacht
Französische Gegenoffensiven
Bis zum Waffenstillstand

 

Der Grabenkrieg ist das Symbol des Ersten Weltkriegs – der allgegenwärtige Schlamm, in dem man zu versinken drohte und der zum Schrecken der Soldaten wurde, die schlechte Verpflegung, der ständige Regen, das Martyrium des Vorrückens…

In der gemeinsamen deutsch-französischen Erinnerung ist die Schlacht um Verdun zum Symbol für ein unvergleichliches Massensterben geworden. Die 300 Tage von Verdun – 21. Februar bis 19. Dezember 1916 – mit 40.000 Toten, 27.000 Vermissten und 240.000 Verwundeten lassen die Größe und Intensität dieser Schlacht erahnen, die neben der in Deutschland weitestgehen unbekannten Schlacht an der Somme die Blutigste des Weltkrieges war.

Warum Verdun? Vorn Kriegsbeginn galt Verdun mit seinen 20 Forts sowie etwa 40 weiteren Befestigungen als stärkste Festung Frankreichs.

Aus Sicht der Obersten Heeresleitung sah die Lage im Winter 1915/1916 wie folgt aus:

Der bisherige Verlauf des Weltkrieges in Europa begünstigte einen entscheidenden Stoß, zwecks besserer Erfolgsaussichten an der Westfront. Die Russen waren nach den deutschen Erfolgen in Westgalizien, Polen und dem Baltikum in der Defensive; Serbien und Italien spielten als Gegner keine Rolle mehr. England hatte in der zweiten Flandernschlacht empfindliche Verluste hinnehmen müssen und Frankreich war geschwächt durch bereits erlittene Verluste aus den Schlachten in der Champagne. Ende 1915 beschloss die Oberste Heeresleitung durch einen Angriff im Westen die Initiative wieder zu übernehmen. Nach langem Zögern wurde der Entschluss gefasst die Festung Verdun anzugreifen.
Dieses Vorhaben, getauft als „Unternehmen Gericht” lag im Bereich der 5. Armee unter dem Kommando des Kronprinzen des deutschen Reiches Wilhelm.

 

Kronprinz-Wilhelm
Kronprinz-Wilhelm von Preußen

 

Der Stabschef der 5. Armee, General Schmidt von Knobelsdorf, plante die Offensive zunächst auf beiden Seiten der Maas. Allerdings wurden die ihm dazu notwendigen Truppen vom Chef des Generalstabs, Erich von Falkenhayn, verweigert. Dieser war der Auffassung, Verdun würde zu viele Truppen in Anspruch nehmen.

 

Falkenhayn
Erich von Falkenhayn

 

Die Führung der 5. Armee war der Meinung, ein Angriff auf dem Ostufer würde genügen, da der Besitz der Festungsanlagen auf den Maashöhen gleichbedeutend mit dem Besitz der Festung Verdun wäre. Diese Fehleinschätzung hatte für die deutschen Truppen verhängnisvolle Folgen. Wenige Tage nach Angriffsbeginn sollten die Festungsanlagen auf dem Westufer „erwachen“.

 

Falkenhayn sah dem ganzen Vorhaben allerdings mit Skepsis entgegen, da seine Vorstellungen von der Geschwindigkeit des Angriffes, der Raumaufteilung und dem Einsatz der Kräfte weitaus anders aussahen. Nach dem Krieg präsentierte er seine „Weihnachtsdenkschrift“, seine angebliche Strategie die Franzosen vor Verdun ausbluten zu lassen, auf zwei tote deutsche Soldaten sollten fünf tote Franzosen kommen. Dieses Schriftstück wurde bis heute nicht gefunden, nicht wenige Historiker halten es für eine plumpe Fälschung Falkenhayns, um sich zu rechtfertigen.

Auf französischer Seite unter Oberbefehlshaber Joffre, wollte man von einer Gefahr deutscher Angriffe an der Westfront nichts hören, man spielte selbst mit dem Gedanken, an der Nahtstelle der französischen und britischen Armeen, an der Somme, schnellstmöglich eine Entscheidung herbeizuführen.

Die Vorbereitungen und Bereitstellungen auf deutscher Seite liefen derweil an und waren bald voll im Gange.

 

Caures-Wald
Lager im Caures-Wald

Seit den Kämpfen im Jahre 1914 betrachtete man Verdun als ruhigen Abschnitt, die Franzosen nutzten den Ort als Etappenstadt. Da die französische Heeresleitung im Glauben war, dass es in diesem Abschnitt nichts zu befürchten gab, waren die Stellungssysteme mit Gräben und Unterständen, sowie die Artilleriestellungen in einem verwahrlosten Zustand. Ein großer Teil der Festungsartillerie, der Munition und des Personals war abgezogen worden, um woanders eingesetzt zu werden.

Trotz aller Gegenmaßnahmen blieben die deutschen Angriffsvorbereitungen den Franzosen nicht verborgen und sie begannen damit ihren Gefechtswert zu erhöhen, indem sie die Feldstellungen und Festungsanlagen weiter ausbauten und weiteres Personal, Waffen und Gerät heran schafften. Der Angriffsbeginn auf die Festung an der Maas wurde durch die deutsche Heeresleitung auf den 12. Februar 1916 festgelegt, doch starke Regen- und Schneefälle verhinderten eigene Fliegertätigkeit und Artilleriebeobachtung, so dass der Angriff um 24 Stunden verschoben werden musste. Auch das Nachführen der Artillerie und des Nachschubs wäre auf dem durchgeweichten Boden eine schwer zu lösende Aufgabe gewesen.

Die Bereitstellung der Artillerie begann bereits am 22. Dezember 1915. Schließlich standen auf beiden Seiten der Maas:

  • 416 schwere Steilfeuergeschütze
  • 209 schwere Flachfeuergeschütze
  • 26 schwerste Steilfeuergeschütze
  • 3 schwerste Flachfeuergeschütze (Marine)

 

 

Auch in den folgenden Tagen besserte sich das Wetter nicht, der Angriff wurde weiter hinausgezögert, bis es am 20. Februar richtig aufklarte und nun die richtigen Wettervoraussetzungen vorlagen. Doch man wollte Gewissheit haben und ließ diesen Tag noch mit „Innerem Dienst” verstreichen.

Am 21. Februar um 08 Uhr 12 befahl der Oberbefehlshaber der 5. Armee Kronprinz Wilhelm von Preußen die Feuereröffnung. Die Meldungen sprachen zunächst von guter Lage und Wirkung des Artilleriefeuers, Zerstörung der Hindernisse und Gräben sowie Rückwärtsbewegung der französischen Truppen. Zwischen 16 und 17 Uhr begann das Trommelfeuer. Gegen 17 Uhr schlägt jedoch französisches Artilleriefeuer in die angreifenden Sturmtruppen. Sollten es mehr als Zufallstreffer sein?

So fiel im Frontvorsprung des Bois de Caures der Artillerieverbindungsoffizier des I./Fußartillerie-Regiments Nr. 9 beim Infanterieregiment Nr. 87, Leutnant Kabisch.

Dies war der Beginn der Tragödie, welche noch Monate anhalten und vor allem als Knochenmühle oder Blutpumpe an der Maas in die Geschichte eingehen sollte. Es scheint   unmöglich, sich Not, Qual und Elend vorzustellen, das die Soldaten der zwei tapfersten Nationen dort auf diesem kleinen Fleckchen französischer Erde erleiden mussten.

2 Gedanken zu „Vorbereitungen“

  1. Hallo Herr Siegel,
    vielen Dank für den Kommentar und Ihre Worte.
    Sollten Sie noch Fragen zu den Planungen oder anderer Art haben,können Sie uns gerne kontaktieren.Wir werden versuchen zu helfen.
    Gruß
    Oliver Scheer

  2. Guten Tag,

    in unserer Familie spielte die Schlacht um Verdun immer eine Rolle:
    Mein Vater, Jahrgang 1899 wurde 1917, wahrscheinlich als Kriegsfreiwilliger, an die Westfront nach Verdun zur Artillerie versetzt. Soweit ich weiß, bleib er dort bis zum Ende des Krieges. Zwei seiner Brüder fielen, wahrscheinlich an der Somme oder vor Ypern.
    Nie konnte er über seine Erlebnisse reden.
    Ich bin dann durch zwei Ereignisse wieder an diese Familiengeschichte erinnert worden: Zum einen ist es die sich zum 100. Mal jährende Beginn des 1. Weltkrieges und die Kommentare, Ausstellungen, Bücher und TV Produktionen rund um, dieses „Jubiläum”.
    Zum anderen sind es die Bücher von Charles Todd, einem englischen Autor von, nun, literarischen Kriminalgeschichten und dessen „Held” Inspektor Ian Rutledge. Letzterer war als Offizier vor Ypern vier Jahre Teil der britischen Streitmacht die in Frankreich und Belgien kämpfte und erlitt durch ein sehr prägendes Ereignis ein Schützengraben-Trauma, das ihn immer wieder im Verlaufe seiner Tätigkeit einholte. Der Autor schildert sehr eindrucksvoll die unsäglichen Bedingungen unter denen die Soldaten, hüben wie drüben in den Gräben lebten.
    Diese Schilderungen, zusammen mit dem was ich oben schrieb, haben mich dazu gebracht mich der Geschichte der Schlacht um Verdun anzunähern und einen Besuch dort zu planen. In der Vorbereitung dieses Besuches bin ich auf Ihre Web-Site gestoßen.

    Aber auch habe ich meine Auffassung bestätigt gesehen, dass nur der Friede zwischen Frankreich und Deutschland in Europa insgesamt Frieden schaffen konnte. Wir sollten daran denken und das, was unsere Väter und wir erreicht haben, nicht gering schätzen. Und dazu gehört auch und das untrennbar, die Demokratie die uns diese Freiheit gab und uns bisher erhielt, gegen ihre Gegner zu verteidigen.

    Jochen Siegel

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