Hoffentlich ist bald Schluss

Eine Familiengeschichte in Briefen und Postkarten während des Weltkriegs 1914 – 1918

„Hoffentlich ist bald Schluss“ schrieb Gustav Schmidt 1915 aus den Argonnen, es sollte seine letzte Feldpost an die Familie sein.

 

Familiengeschichte
Gustav Schmidt

Gustav Schmidt, Unteroffizier der Reserve im Pionier-Regiment 20, fiel 1915 in den nördlichen Argonnen bei Servon.

Seine Geschichte lässt sich durch zahlreiche Fotos, Briefe, Feldpostkarten und Notiz- und Tagebucheinträge nachvollziehen. Nach seinem Tode wurde durch seine Eltern ein Gedenkbuch angelegt, in welchem alle Dokumente und Fotos gesammelt wurden, ebenso die seines Bruders Karl. Dieser wurde ebenfalls Opfer des Krieges. Das Gedenkbuch nutzte die Enkelin Gustavs für die weitere Aufarbeitung seiner und damit ihrer Geschichte. Seit 1967 war sie auf der Suche nach der Grabstelle ihres Großvaters. Erst 1984 wurde sie auf der Kriegsgräberstätte Cheppy fündig. Sie stellte uns die vorhandenen Dokumente zur Verfügung. Wir haben diese gesichtet, transkribiert und durch weitere Recherchen neue Informationen beigefügt.

 

Zur Feldpost von Gustav Schmidt

 

Hier ist die Geschichte von Gustav Schmidt:

Gustav Heinrich Martin Schmidt wurde am 07. April 1889 als Sohn eines Küsters in Bonn geboren und wuchs mit seinen Geschwistern in Weidenau/Siegen auf. Die Brüder sind Albrecht, Heinrich, Karl und Wilhelm, sowie die Schwestern Adeline, Berta und Klara. Ganz vorne im Bild das Pflegekind Erna.

Feldpost Gustav Schmidt
Stehend, zweiter von rechts – Gustav Schmidt

 

Bei der Eisen- und Stahlwerk Hoesch AG lernte er den Beruf des Monteurs und Brückenbauers. Wie dieses Foto mit Arbeitskollegen zeigt, war er dort 1913 angestellt.

Seinen zweijährigen Wehrdienst versah er von 1909 – 1911 beim 2. Nassauischen Pionier-Bataillon Nr. 25 in der Mudra-Kaserne in Mainz, von dort stammen zahlreiche Feldpostkarten, welche er an seine spätere Frau Pauline schrieb.

 

 
Gustav-Hoesch-01
Arbeiter bei Hoesch
   
Familiengeschichte
In der Kaserne bei Pionier-Bataillon 25 (Gustav Schmidt rechts außen stehend)

 

1913 heirateten Gustav und Pauline, Trauzeuge war der Bruder Albrecht, noch im gleichen Jahr wurde Tochter Anna geboren.

August 1914 kam der Krieg auch über die kleine Familie Schmidt. Trotz einer Rückenverletzung meldete sich Gustav  nach Ermutigung durch seine Eltern freiwillig. Er wurde als Gefreiter der Reserve in das Pionier-Regiment 20, das ehemalige 2. Lothringische (Festungs-) Pionier-Bataillon Nr. 20 in Metz eingezogen und marschierte mit der 3. Feldkompanie in Frankreich ein.

Pauline trug gerade das zweite Kind aus, welches er nur einmal während eines Heimaturlaubes sehen durfte.

 Gustav-03

 

 

 

 

 

Einsatz im Weltkrieg

Einsatzgebiet war der Raum nördlich von Verdun und die nördlichen Argonnen. Feldpostkarten und Beschriftungen zufolge, war er dort im Bereich des Brückenbaus eingesetzt. Die Kronprinzenbrücke in Sivry-sur-Meuse wurde von ihm mit erbaut. Die alte Brücke war von den Franzosen zerstört worden um den deutschen Vormarsch zu verlangsamen.

Bilder von ihm sind mit „Eisenbahntrupp” beschriftet, seine Aufgabe lässt sich zu Beginn des Krieges im Gleis- und Brückenbau während des Vormarsches finden.

Schon am 26. Januar 1915 schmückte ihn das Eiserne Kreuz II. Klasse.

 

Sivry
Kronprinzenbrücke bei Sivry-sur-Meuse
 
Varennes
Varennes-en-Argonne
     
EK
Verleihungs-Urkunde EK II
  EK
     

 

Zu den Postkarten aus dem Weltkrieg von Gustav Schmidt

 

 Kameradschaftlich vereint…

Mit ihm in der 3. Feldkompanie des Regiments diente Unteroffizier Hermann Wolpmann, ein Schiffszimmerer aus Bremen-Seehausen, der zum treuesten Kameraden, Weggefährten und Freund Gustavs avancierte.

 

Wald       
Weidenau
Villa Weidenau – Villa Bremen

 

 

Wolpmann wurde Taufpate und Namensgeber des im März geborenen Sohnes Gustav-Hermann. Er wollte sich im schlimmsten Falle um Pauline und die Kinder kümmern, so hatten es die beiden unter sich ausgemacht.

 

Zu den Briefen von Hermann Wolpmann an Pauline

Anmerkung der Autoren:
Hermann Wolpmann fiel am 8. Mai 1916 während der Schlacht um Verdun. Er ruht heute auf der von den Franzosen 1920 angelegten Kriegsgräberstätte Hautecourt lès- Broville. Wo sich sein Kriegsgrab befand ist nicht bekannt.

 

 
Wolpmann Feldpost
Wolpmann Erstbestattung
        
Wolpmann Grab
Grab von Hermann Wolpmann
     
Wolpmann
Kriegerdenkmal in Bremen-Seehausen mit dem Namen Hermann Wolpmann
   

 

Die Herbstschlacht in der Champagne

Am 24./25. September 1915 wurde die 3. Kompanie in den Bereich Servon-Melzicourt in die westlichen Argonnen verlegt, um dort die Gräben der Stellung wieder herzustellen. Ein Schuss in die Brust während der Abwehr eines französischen Angriffs am Vormittag zwischen 10 und 11 Uhr setzte Gustav Schmidts Leben ein Ende. Dieser Angriff war der Auftakt der Herbstschlacht in der Champagne – sie endete am 06. November 1915 ohne nennenswerte Geländegewinne für die französischen Truppen. 145.000 französische Soldaten waren gefallen, verwundet oder vermißt, sowie 72.000 deutsche Soldaten. Einer von ihnen war Gustav Schmidt…

 

Servon
Kirche von Servon
     
Servon
Hohlweg bei Servon
     
Servon
Blick auf Servon
 
Champagne
Blick auf das Schlachtfeld der Champagne

 

 

Er wurde durch die Kompanie, nachdem man ihn ins Lager brachte, hinter einer Anhöhe mit anderen Pionieren beerdigt. Leider ist die Lage seines Kriegsgrabes nicht mehr nachzuvollziehen. Der deutsche Soldatenfriedhof in Servon wurde bereits während des Krieges angelegt und liegt von den Truppenlagern aus gesehen „hinter einer Anhöhe“. Ob dort auch das Kriegsgrab war, bleibt für uns weiter unbekannt im Nebel der Geschichte …

Servon-01
Erstbestattung bei Servon
 
Servon
Todesanzeige
     
 
Gustav Schmidt
Deutscher Soldatenfriedhof in Cheppy mit Kameradengrab
   
Gustav Schmidt
Die Grabplatte auf dem Kameradengrab – Gustav Schmidt ist der zweite Name von unten

 

Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde das Grab aufgelöst und die sterblichen Überreste wurden auf den Soldatenfriedhof Cheppy verbracht und dort in einem Kameradengrab beerdigt.

 

Gedenkbuch Gustav Schmidt
Die Witwe Pauline Schmidt 1915

 

Die Gebrüder Schmidt

Seine beiden Brüder Albrecht und Karl dienten ebenfalls. Während über Albrecht nichts bekannt ist, wurde Bruder Karl als Angehöriger des Reserve-Infanterie-Regiment 223 am 13. Juli 1917 auf der Höhe 304 im Bereiche des Abschnittes „Hindenburg” vermisst.

An diesem Tage lag sehr starkes französisches Feuer auf den Gräben der Kompanie. Karl wurde mit weiteren Kameraden im Unterstand verschüttet und konnte nicht geborgen werden, da es das Feuer nicht zuließ und der Graben nebst Unterstand von der Rettungsmannschaft nicht mehr geortet werden konnte. Dieses belegen mehrere Briefe, sowie die Aufzeichnungen des Regiments. Er gehört somit zu den heute noch Vermissten aus den Kampfgebieten des westlichen Maasufers.

Zu den Briefen über Karl Schmidt

 

Höhe 304
Denkmal auf Höhe 304
    
Höhe 304
Abschnittsgrenze Hindenburg – Straße von Esnes en Argonne nach Malancourt

Vielen Dank an Nura Ursula für die Bereitstellung des Materials zu dieser Familiengeschichte und der Erlaubnis, dieses alles hier zu veröffentlichen.

 

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