Tagebuch Josef Reiß – das Jahr 1917 – Teil I

Tagebuch eines Heilbronner Landsturm-Mannes im Weltkrieg

Weg des Josef Reiß in 1917

Weg des Josef Reiß – OpenStreetMap

Lesezeit: 28 Min
Erster Eintrag im Tagebuch
Beaumont, nördlich von Verdun – 01. Januar 1917 – Stollenbau in zweiter deutscher Stellung

Mit Gott im Jahre 1917

– 1. Januar, Montag

Um ½ 7 Uhr aus der Falle geweckt, 8 Uhr antreten & einteilen zum Arbeitsdienst. 8.25 Uhr evangl. Feldgottesdienst, an dem alles dabei sein mußte. Schrieb dann einen Brief am lb. Bräutchen. Mittagessen: Gerstensuppe & Büchsenfleisch, machten uns einen Kartoffelsalat dazu. Von 12 – 4 Uhr Arbeitsdienst im Stollen 3, wo es recht naß zuging. Nach dem Abendessen mein Tagebuch geschrieben & Zeitung gelesen. Von der lb. Schwägerin eine Karte erhalten. Untoffz. Fischer & ich hatten heute einen Wortwechsel mit Vizfdw. Heimgärtner. Er sagte dann er werde sich über uns beschweren, will sehen, was kommt. Um 8 Uhr zur Ruhe gegangen.

– 9. Januar, Dienstag

Nach ordentlichem Schlafe um 7 Uhr aufgestanden, 8 Uhr Arbeitsdiensteinteilung. Kam wieder in Stollen No. 3 zur Arbeit. Über Nacht hat es wieder einen Schnee hingelegt, der aber sich auch nicht halten kann. Denn es ist zu warm des Tags über. Mittagessen: Bohnen & Büchsenfleisch. Von 1 – 5 Uhr im Stollen No. 3 weitergearbeitet, immer viele Steine, hatten schwere Arbeit mit dem Abschranken zum 2. Ausgang. Nach dem Abendessen mein Tagebuch geführt & Zeitung gelesen. Mit der Post eine Karte vom Henkel – Saulgau & eine von Paul Uebelhör, der in Urlaub war, erhalten.

Beaumont-Karte
Ansichtsskizze des Kampfgeländes um Beaumont

– 10. Januar, Mittwoch

Nach ordentlichem Schlafe um ½ 7 Uhr aufgestanden, meine Sachen gerichtet zum Entlausen. Abmarsch um 7.15 Uhr über Moirey nach Crépion, mußten noch warten, denn der Kessel war noch nicht geheizt. Kam mit der 3. Partie daran & waren um 12 Uhr fertig. Das Bad war nur zu warm & der Aufenthaltsraum im Zelt zu kalt. Es kamen nach uns Pioniere No. 15 & es gab eine lustige Gesellschaft zusammen mit Gesang & komischen Vorträgen. Kamen um 1 Uhr zurück, der Weg war schlecht & viel Schneewasser. Mittagessen: Riebelessuppe & Rindfleisch. Um 2 Uhr antreten zum Arbeitsdienst im Stollen No. 3. Nach dem Abendessen Tagebuch geschrieben & Zeitung gelesen. Mit der Post einen Brief von den lb. Eltern erhalten.

– 29. Januar, Montag

Nach ordentlichem Schlafe um ½ 7 Uhr aufgestanden, 8 Uhr antreten, mußten in den Stollen im Lager graben. Wir, die an den äußeren Stollen gearbeitet hatten, mußten unser Geschirr holen. Mittagessen: Kohlraben & Rindfleisch. In der Freizeit meine Wäsche geflickt. Von 2 bis 4 Uhr Unterricht über die Pistole 08, dann reinigen derselben & des Seitengewehrs, anschließend Stiefel & Schnürschuhe Appell. Um ¼ 5 Uhr Abmarsch zum Brennholz holen für unsere Baracken. Nach dem Abendessen Zeitung gelesen & 7 Uhr antreten zum Einteilen der Schanzarbeit auf heute Nacht, kam mit 7 Mann zur ersten Comp. & mußten um 10.30 Uhr uns dort melden. Am Pionierpark wurde Stacheldraht & Sauschwänze mitgenommen. Hatten zwei Stunden zu gehen & mußten eine Riegelstellung ausheben, zwischen 2. & Reservestellung. Der Franzmann setzte uns einige Granaten in die Nähe der Arbeitsstelle. Der Weg war recht schlecht & glatt, aber Feuer bekamen wir gottlob keines. Bei der Arbeit konnte man sich kaum warm schaffen, so kalt war es. Der Hauch fror einem an den Bart. Mit der Post einen Brief vom lb. Bruder erhalten.

Drahtzieher

– 31. Januar, Mittwoch

Nach ordentlichem Schlafe um ½ 8 Uhr aufgestanden. ½ 9 Uhr Abmarsch zum Schulschießen. Hatte mit 90 Patronen 24 Rechteck & 44 Treffer, es war recht kalt dabei & schneite ein wenig. Kamen um ½ 11 Uhr recht erfroren zurück. Mittagessen: Erbsen & Rauchfleisch. Dann am Franz Henkel eine Karte geschrieben. Von ½ 2 – ½ 3 Uhr Gewehr reinigen, von ½ 3 – ½ 5 Vorbereitete Übungen zum Gefechtsschießen. Anschließend bis 5 Uhr Gewehrreinigen. Nach dem Abendessen Zeitung gelesen, mit der Post die Sonntagsblätter von den lb. Eltern erhalten & einen Brief von Lene Gramling. Nur schwaches Artilleriefeuer.

– 6. Februar, Dienstag (Anm. 32. Geburtstag)

Nach ordentlichem Schlafe um ½ 7 Uhr aufgestanden. Von 8 – 11 Uhr Grabarbeit hinter den Baracken & alles war steinhart zusammengefroren. Mittagessen: Bohnensuppe & Büchsenfleisch darinnen. Dann Tagebuch geschrieben & eine Karte den lb. Eltern, sowie an Paul Uebelhör. Von 2 – 4 Uhr vorbereitende Uebungen zum Gefechtsschießen, dann Gewehrreinigung & anschließend Brennholz holen im Walde. Nach dem Abendessen gleich zur Ruhe gegangen, denn ich war recht müde. Mit der Post nichts erhalten. Es ist ein Tag kälter wie der andere. Heute mein 32. Geburtstag, aber dies ist der Traurigste in meinem Leben.

Maschinengewehr vor Verdun

– 25. Februar, Sonntag – in Stellung im Fay-Wäldchen

Nach gutem Schlafe um 8 Uhr aufgestanden. Heute Königsgeburtstag (Anm. Wilhelm II, geb. 25.2.1848) & Sonntag zugleich, deshalb dienstfrei. Dann meine Sachen geputzt, denn um 10.30 Uhr mußte das Batl. Antreten zum Auszeichnungen verteilen. Auch Joh. Karrenmann erhielt die Verdienstmedaille, im Ganzen wurden im Batl. 46 Stück verteilt. Die Masch. Gew. Komp. erhielt 4 Stück: Ehrler, Lang, Vollmann & Hartmann. Mittagessen: Nudelsuppe & Rindfleisch, dann noch Mischobst, da konnte einmal jeder sattessen. Dann erhielt jeder Mann 1 Liter Bier, 5 Zigarren & 5 Zigaretten sowie 10 Mark Cantinenüberschuß. Schreib dann am lb. Bräutchen einen Brief & mein Tagebuch. Mit der Post nichts erhalten. Ging um 6 Uhr als Gewehrführer mit Freund, Ernath, Heer & Scholderer in Stellung ans Gewehr 44 zu den 168er (Hessen). Auf dem Weg schickte der Franzmann einige schwere Granaten über uns weg, die in unser Lager gingen & hinter dem Casino einschlugen, sonst war es ruhig. Lösten dann Untoffz. Fischer, Schenk, Coletzko, Leger & Walter ab, alles in Ordnung. Dann Karten gespielt bis 11 Uhr.
(Anm. Das Infanterie-Regiment 168 lag hart westlich des Fosseswaldes, südlich von Beaumont. Ein Bataillon in Stellung; ein Bataillon in Bereitschaft im Morey-Lager; ein Bataillon in Ruhe in Beaumont.

– 26. Februar, Montag

Nach recht schlechtem Schlafe um 6 Uhr von der Pritsch gekrochen, es war alles neblig & wir richteten unseren Gewehrstand mit Sandsäcken. Erhielten unsere Verpflegung von der II. M.G. Komp. 168 & waren zufrieden. Um 12.00 Uhr durch den Comp. Führer der II. M.G. revidiert, alles in Ordnung. Dann ein wenig Karten gespielt & dann Brennholz geholt & gesägt. Um ½ 6 Uhr kam Vizf. Schütz & 2 Ordonanzen mit der Post, erhielt einen Brief von den lb. Eltern. Es war den ganzen Tag neblig u. wir konnten immer Feuer brennen. Dann meine Meldung geschrieben & der Ordonnanz mitgegeben. Erhielten heute Abend nochmals Verpflegung, will sehen, ob wir diese behalten können. Um 9 Uhr erhielten wir noch zwei Kochgeschirre mit Grünkernsuppe & etwas Fleisch darinnen. Las dann noch Zeitung bis 12 Uhr.

Kochgeschirre werden an der Feldküche gefüllt

– 27. Februar, Dienstag

Nach ordentlichem Schlafe um 6 Uhr aus der Falle gekrochen. Da wir zu spät kamen, erhielten wir keinen Kaffee mehr. Machten dann selbst einen Kaffee mit Granatlochwasser, das auch guten Kaffee gab. Zum Zeitvertreib Karren gespielt & Zeitung gelesen. Wurden des Nachmittags durch Lt. Spang revidiert. Mit der Post Brief von der lb. Schwägerin & Karte von Paul Uebelhör erhalten. Der Tag war hell & wir konnten kein Feuer brennen. Blieb bis 12 Uhr wach & legte mich dann auch schlafen.

– 28. Februar, Mittwoch

Nach ordentlichem Schlafe um 5 Uhr von der Falle. Bei Tagesanbruch Brennholz geholt & gesägt. Unser Licht ging zu Ende & der Tag war auch helle. Von Mittag an Karten gespielt, denn wir erhielten noch für 1 Tag Verpflegung, samt 4 Kerzen & ein Pionier Vizfw. gab uns auch noch 2 Kerzen. Dann das Tagebuch & den Rapport geschrieben. Mit der Post das Päckchen mit Sacharin von der lb. Schwägerin erhalten. Um 9 Uhr das Mittagessen bekommen im Steinbruch mußten wir dasselbe holen. Dann gelesen bis 12 Uhr. Das Wetter war ordentlich & helle, den ganzen Tag über nur sehr wenig Artilleriefeuer.

Remoiville
Deutsche Musikkapelle in Remoiville

– 9. März, Freitag Remoiville

Nach ordentlichem Schlafe um 6 Uhr aufgestanden & meine Teppiche gepackt. Dann eine Karte den lb. Eltern, eine am lb. Bräutchen & eine der lb. Schwägerin geschrieben mit der neuen Feldpostadresse. Um 9 ¼ Uhr Abmarsch mit Offz.-Stellv. Müller, Uffz. Fischer, Gefr. Mayer, Emil, Edwein, Fischer, Eberle, Heideweg. Wir gingen alle recht leichten Herzens vom Comp.-Lager & zum Abschied schickte uns der Franzmann noch einen Granatgruß zum Nichtvergessen, was ja nie geschehen wird. Hatten schlecht zu laufen, denn über Nacht hat es wieder geschneit. Kaum waren wir eingestiegen in Moirey so fuhr auch der Zug ab. Ankunft in Remoiville oder Louppy (-sur-Loison, anm.) um ½ 1 Uhr. Hatten bis zum Quartier eine Viertelstunde zu marschieren. Machten zuerst einen Kaffee. Um 3 Uhr mit Arbeiten angefangen bis 6 Uhr. Abends mußten wir uns manches zusammenklauen & requirieren bis wir ein ordentliches Lager hatten. Das Ort ist halb zusammengestürzt & die Quartiere sind la, la so wie man es an der Front antrifft. Nach dem Abendessen gemütlich beisammen gesessen & seit langem wieder einige Lieder gesungen. Um ¼ 10 Uhr zur Ruhe gegangen & konnte auch gleich schlafen.

– 13. März, Dienstag

Nach gutem Schlafe um 7 Uhr aufgestanden, von 8 – 9 Uhr Unterricht, dann ¼ Stund Pause. Von ¼ 10 – ¼ 12 Uhr Exerzieren beim Lehrpersonal. Kamen recht mit Dreck zurück. Mittagessen: Griessuppe & Rindfleisch. Dann Tagebuch geschrieben & Flöhe gefangen. Von 2-3 Uhr exerzieren im Zug, dann zielen mit Pistole 08, anschließend singen. Von 5- 6 Uhr Gewehrreinigung. Mit der Post einen Brief vom lb. Bräutchen erhalten leider mit der Nachricht, daß Paul Uebelhör am 5. beim Sturm auf Cumières & Fosseswald (Anm. bei Verdun) gefallen ist, ebenfalls eine Karte, die ich Paul geschrieben hatte, kam mit dem Vermerk: Fürs Vaterland gefallen. War recht müde & ging bald zur Ruhe. Heute von der Front nichts zu hören. Das Wetter war ordentlich.

Romagne sous les Côtes

– 25. März, Sonntag

Heute Sonntag, stand um 6 Uhr auf & ging dann auf den Bahnhof Louppy. Konnte um 7.27 Uhr abfah­ren bis nach Lissey & von hier mit einem Lastauto & dann einem Fuhrwerk bis Damvillers. Von hier gings über den Chevillaux-Rücken nach Romagne, Ankunft um ½ 11 Uhr. Suchte dann zuerst den Fried­hof, den ich bald fand, aber das Grab vom lb. Paul fand ich nicht. Ging dann wieder zurück in die Stadt und fragte nach der zweiten Pionier Comp. 14. Zwei Uoffz., die ich fragte nach der Begräbnisstätte, gingen dann mit mir. Das Grab war schön gerichtet mit Kränzen, aber noch kein Kreutz darauf. Ich ging dann mit zurück zum Comp. Feldw. & der sagte mir, daß Paul & die beiden anderen Kameraden, die mit ihm gefallen sind, jeder einen Grabstein bekomme. Dieselben seien fertig bis auf die Inschrift & die Steine werden in dieser Woche gesetzt werden. Ging dann zum Paul seinem Kamerad & Freund Ehrenfried, ein Haßmersheimer Schiffer. Derselbe erzählte mir, wie es gegangen ist bei dem Angriff, der dem lb. Paul das Leben kostete. Gingen miteinander in die Cantine & Ehrenfried versprach mir, das Grab photographieren zu lassen sobald der Grabstein sitzt. Sollten sie aber vorher wegkommen, so will er mir Nachricht zugehen lassen. Machte dann noch einen Besuch in der Kirche & trat dann den Heimweg an, ging diesesmal der Straße nach & hatte 1 3/4 Stunden zu gehen bis Damvillers. Hier die Kirche besucht & dann gings zum Bahnhof. Konnte mit einem Leerzug bis Louppy fahren & war um 6 Uhr in Remoiville. Nach dem Abendessen am lb. Bräutchen einen Brief geschrieben & überdies mit der Post ein Päckchen Eier erhalten vom lb. Bräutchen. Ging bald zur Ruhe, denn ich war vom Wege recht müde. Das Wetter war auch schön & warm. Von der Front lebhaftes Artilleriefeuer & viel Fliegertätigkeit.

– 26. März, Montag

Um 6 Uhr aufgestanden, mein linker Fuß schmerzte mich noch von gestern. Mußte um 6.55 Uhr am Bahnhof Louppy abfahren nach Montmedy & Longwy um Drahtscheren & Beilpickenfutterale zu holen. Kam um 11 Uhr dort an & mußte bis 12 Uhr warten, bis die auf der Ausgabestelle alles durchsucht hatten & erst dann nur Drahtscherenfutterale fanden. Ging dann in die Kantine im Caffee Lucine, wo der Uffz. Mosser von unserer Cantine auf mich wartete, denn ich sollte ihm helfen einkaufen & auf den Bahnhof schaffen aus Gefälligkeit. Hatten dann auch zu tun bis 2 Uhr. Abfahrt des Zuges um 2.28 Uhr nach Montmedy, hier hatten wir auch noch zu tun & dann alles einladen. Dies trug ein gutes Vesper ein. Um 5.10 Uhr Abfahrt nach Louppy, hier Ankunft um 6.27 Uhr & konnten die Sachen auf den Wagen der Feldpost verladen. Bekam dann noch ein Freibier in unserer Cantine. Ging auf Dienstzimmer & meldete mich zurück. Mit der Post einen Brief von den lb. Eltern erhalten, ging dann zur Ruhe, denn ich war recht müde & naß, denn es schneite den ganzen Tag & war naßkalt, dabei von der Front nichts Neues.

Louppy-sur-Loison

– 7. April, Samstag

Karsamstag, um 7 Uhr aufgestanden, 8 Uhr Einteilen der Komp. in Stellungsstärke, dann Fahrzeug-Exerzieren. Sollten jetzt frei haben & Mayer Emil & ich mußten aufs Dienstzimmer & der Feldwebel teilte uns mit, daß wir zum Utffz. befördert sind. Mußten uns beim Komp. Führer, Stabsoffz. Lt. Gigs & beim Major melden. Kaum war ich im Quartier, als der Befehl kam, daß wir noch Besichtigung haben vom Stabsoffz. des M.G.Stabs der Division, es war ein Major, kamen um 12 Uhr zurück & ich habe warm bekommen dabei. Mittagessen: Reissuppe & Kuhfleisch, dann das erste Beförderungsbier getrunken. Dann unsere Sachen gepackt, um 3 Uhr den Ge.wagen gepackt. Um 5 Uhr Appell im Marschanzug, alles komplett, es war alles in Ordnung. Nach dem Abendessen mein Tagebuch geschrieben & Zeitung gelesen. Mit der Post nichts erhalten. Mußten um 9 Uhr nochmals zum Befehlsempfang aufs Dienstzimmer. Das Wetter könnte besser sein immer Regen & Schnee dabei. Ging um 10 Uhr müde zur Ruhe.

– 8. April, Sonntag – Wavrille

Ostersonntag. Um 4.10 Uhr aufgestanden, unsere Teppiche im Gewehrwagen verpackt. Um 5.30 Uhr Abmarsch der Gewehrwagen & Bagage, ich & Scholderer gingen mit & konnten immer aufsitzen, denn wir hatten 6 Gespann von der Artillerie erhalten zum Umzug. Es hatte über Nacht wieder geschneit & alles war weiß & kalt. Fuhren über Jametz, Peuvillers, Damvillers & dann nach Wavrille kamen im Schulhaus ins Quartier, 30 Mann in einen Saal. Nudelsuppe & Kuhfleisch von unserer Kuh. Die zweite M.G.Komp. in Crepion (heute: Moirey-Flabas-Crepion) erhielt auch von uns Verpflegung & die Feldküche mußte nach dort fahren. Der Nachmittag war dienstfrei, schrieb einen Kartenbrief am lb. Bräutchen & einen der lb. Schwägerin. Dann Karten gespielt & Zeitung gelesen. Gegen Abend kam die zweite M.G. Kompagnie, denn die Franzmänner schickten Granaten nach Crepion, so daß sich niemand halten kann im Quartier, wurden dann neben uns einquartiert. Das Wetter war am Nachmittag ordentlich. Mit der Post nichts erhalten. Ging bald zur Ruhe, denn ich war müde.

Durchmarsch in Wavrille

– 16. April, Montag – Uhrenumstellung

Nach ruhigem Schlafe um ½ 7 Uhr aufgestanden, kamen heute Nacht um eine Stunde zu kurz, denn die Uhren wurden um 12.10 Uhr um eine Stunde vorgerichtet, wegen der Sommerszeit. 8 – 8.45 Uhr Unterricht über die Hemmungen am M.G. Von 9 – 11 Uhr Gefechts- & Zugexerzieren. Mittagessen: Bohnen & Rindfleisch. Von heute ab gibt es nur noch pro Tag 500g Brot & 210g Fleisch, also wieder 1/3 weniger & es langte vorher kaum zum Leben, ach der unselige Krieg. Immer Entbehrungen & immer mehr Arbeit. In der Freizeit mein Tagebuch geschrieben. 2.30 Uhr Appell im Sturmanzug samt Gepäck. Um 3 Uhr M.G. Reinigung, dann dienstfrei, schrieb einen Brief der lb. Schwägerin. Mit der Post einen Brief von den lb. Eltern & einen von der lb. Schwägerin erhalten. Nach dem Abendessen ein wenig Karten gespielt. Das Wetter war gut & von der Front nur sehr wenig zu hören.

– 17. April, Dienstag, Fay-Wäldchen bei Beaumont

Nach ordentlichem Schlafe um 7 Uhr aufgestanden, 8.00 – 8.45 Unterricht über Hemmungen durch die Gewehrführer. Zug -& Komp. Führer in Stellung. Von 9 – 11 Uhr Zug – & Komp.-Exerzieren. Mittagessen: Reissuppe & Rindfleisch. Dann in der Freizeit an Lene Gramling geschrieben. Von 2 – ½ 3  Lade- & Zielübungen mit dem M.G. Dann kam die Nachricht daß Uffz Fischer & 10 Mann sofort weg müssen zum Stellung übernehmen & der Rest rückte um ½ 4 Uhr ein. Die Gewehrführer mußten zum Einteilen ins Dienstzimmer. Mannschaft M.G. Reinigung. Mit der Post ein Päckchen von der lb. Agnes erhalten mit Hack- & Rauchfleisch, leider war kein Briefchen dabei. Dann alles zum Abmarsch gerichtet, denn um 12.15 Uhr geht’s in Stellung rechts von Beaumont. Nach dem Abendessen einen Brief den lb. Eltern geschrieben, dann Karten gespielt bis 11 Uhr. Mußten dann unseren Tornister im Uffz. Zimmer alle zus. setzen. Um 12.15 Uhr Abmarsch nach Haltestelle Neu-Wavrille, hatten schwer zu tragen denn jeder Gewehrführer hatte nur zwei Mann bei sich & einer ging zum Stellung übernehmen & uns dann den Weg zeigen. Bei mir war noch Scholderer, Leger & Ehret als Wegweiser. An der Haltestelle mußten wir sehr lange auf die Maschine warten & es war gefroren & recht kalt. Jeder hatte vom Tragen recht geschwitzt, denn ich hatte Wassereimer, Wasserkessel, Werkzeugkasten, Putzkasten, Dampfablaßschlauch & Wischstock, einer dann den Gewehrschlitten & der andere Gewehr & Schutzhülle sowie Karbidlampe. Mußten mit dem s….. & Rangieren 2 Stunden in offenem Wagen stehen, so daß es jeden schauderte vor Kälte. Fuhren bis zum Pionierpark Hoffmann, hier erwarteten uns das Führerpersonal. Kam auf Stand IV rechts der Mörserschlucht (Anm. im Fay-Wäldchen, 800 westlich Beaumont), wo wir im Feb. den Stand 27 (Anm. 18. April) hatten bauen müssen, hatten noch ½ Stund zu gehen & immer Bergauf, da mußte jeder wieder schwitzen, trotzdem wir jetzt zu 4 waren beim Tragen. Dann von den 71ger die Munition & Handgranaten übernommen, ein Mann mußte von ihnen dableiben bis morgen Abend & bei Tag die Instruktionen geben. Der weil war es 5 Uhr geworden, trank den mitgebrachten Kaffee & legte mich dann schlafen bis ½ 8 Uhr. Dann Meldung geschrieben an den Komp. Führer, betreffs Übernahme. Brennholz gemacht & einen Tee gebraut. Schrieb dann mein Tagebuch & der lb. Agnes ein Kärtchen geschrieben. Zum Mittagbrot einen Tee gemacht. Dann Karten gespielt & Zeitung gelesen. Um 8 Uhr faßten wir das Mittagessen samt Kaffee am Steinbruch. Es gab Nudelsuppe & Rindfleisch, den Kaffee mußten wir auf morgen früh aufbewahren, denn da gibt es sonst nichts. Dann am Karl Schenk ein Brieflein geschrieben, dabei die Witze nicht fehlen. Um 11 Uhr schlafen gelegt. das Wetter war ordentlich. Die Artillerie machte gegenseitig Feuerüberfälle, sonst nichts von Bedeutung. Mit der Post nichts erhalten.

Luftbild südlich Fay-Wäldchen

– 19. April, Donnerstag

Nach unruhigem Schlafe aufgestanden, dann den Kaffee gewärmt. Dann ausgemistet & gewaschen & gelaust, fand auch wieder zwei große Läuse, das eine könnte schon eine Großmutter sein. Zum Mittagbrot einen Tee gekocht. Spielten dann Karten bis 2 Uhr, dann vor dem Stollen das Gelände besichtigt samt den französischen Stellungen. Sehr rege Fliegertätigkeit auf beiden Seiten & viel Schrapnell & Masch.Gewehrfeuer. Um 5 Uhr kam die Nachricht, daß wir morgen früh Stellungswechsel nach links zu machen hatten & zwar in Beaumontschlucht. Mußten sofort 3000 Patronen abgeben an Lt. Haring M.G. Staab Regt. Nr. 71 in der Mörserschlucht an den Stollen-Kasernen. Um 8 Uhr das Essen holen im Steinbruch. Es gab Erbsen & Rindfleisch, sowie Kaffee auf morgen früh & ¾ Laib Brot 2 Zigarren & 2 Zigaretten sowie auf einen Tag Butter. Nach dem Abendessen meine Übergabe sowie die Quittungen geschrieben & mein Tagebuch. Mit der Post eine Karte von Karl Schenk erhalten. Ging um 12 Uhr zur Ruhe auf die harten Stollenbretter & meine Gedanken sind zu Hause.

– 20. April, Freitag

Nach recht unruhigem Schlafe um 3 Uhr einen Tee gemacht, denn ich hatte einen Durst zum Verbrennen. Legte mich dann wieder bis 7 Uhr auf die Pritsche. Meine erste Arbeit war waschen & lausen, denn mir war der ganze Hals verstochen von den Viechern, habe dann eine gefunden in der Halsbinde. Um 9 Uhr kamen drei Pioniere von den 28ger & haben den Stollen ausgemessen & abgelodet, es war ein Mannheimer dabei. Unsere Ablösung läßt lange auf sich warten. Dann den Kaffee von gestern Abend getrunken & mein Tagebuch geschrieben. Dann eine Karte am lb. Bräutchen & eine an Joh. Abt geschrieben. Zum Mittagbrot einen Tee gekocht. Dann kam Uffz Fischer mit der Meldung, daß wir erst bei Einbruch der Dunkelheit abgelöst werden. Dann die Zeitungen von gestern gelesen & zwar vor dem Stollen-Eingang, denn das Wetter war ordentlich. Mußten heute unser M.G. reinigen, denn es zog Rost bei Nacht & dem Nebel. Dann die Patronen bei Lt. Haring voll abgegeben & unsere Sachen zusammen gemacht, denn um 8 Uhr sollen wir abgelöst werden. Erath & Leger gingen das Essen holen, kamen aber bis 8 Uhr nicht zurück & unsere Ablösung wollte in Stollen. Es blieb Scholderer & mir nichts übrig, als mit unseren Sachen dem Steinbruch zu zulaufen & dann den Leger & Erath zu sagen, daß sie mit dem M.G. gleich in die Stellung in die Beaumontschlucht gehen & wir zwei sowohl noch Gix, Nagel (?) & Engelhardt die auch uns in der Gewehrbedienung & Schanzarbeit zugeteilt sind die Munition nachbringen. Leider war dann unser Essen kalt, bekam aber bei der Feldküche noch einen Kochgeschirrdeckel mit Dörrgemüse. Die ganze Comp. war recht entmutigt beisammen im Steinbruch, der Comp. Führer ließ sich seinen Stollen zeigen & war dann nicht mehr zu sehen. Wir waren vom Tragen ganz durchschwitzt & mußten 1 Stunde im Winde stehen & frieren. Um ½ 10 Uhr kam dann unsere Munition an & die Ablösung konnte beginnen. Wir hatten in die Beaumontschlucht ¾ Stund zu gehen bis zum Gewehrstand XII. Abschnitt der 71ger, es war ein recht großer Dreck & hagelfinster dazu. Als wir ankamen, war die alte Mannschaft schon weg. Erath hat den Stollen übernommen & uns dann den Weg gezeigt. Bis wir alles beisammen hatten war es Mitternacht. Mit der Post nichts erhalten. Auf dem Weg war der Franzmann ziemlich lebhaft.

Tal westlich Beaumont, vom Fay-Wäldchen aus gesehen

– 27. April, Freitag

Kam mit den beiden Pionieren um ¾ 1 Uhr vom Stollen zurück & konnte bis 7 Uhr schlafen. Wir arbeiteten heute früh nicht, denn die Mannschaften von der Infanterie richteten ihren Unterstand & heute Mittag wollen wir Einteilen in Schichten. Es kam heute Morgen ein junger Offz. Stellvertreter denn unsere Comp. von Münsingen bekam namens Mesner, gebürtig Trossingen bei Rottweil. Der sah sich unsere Stellung an & ging zum Comp. Führer zurück & muß wahrscheinlich gesagt haben, daß am Stollen 18 niemand arbeitet, denn beim Mittagessen fassen kam der Befehl, daß stets gearbeitet werden müsse. Mittagessen: Erbsen & Rindfleisch. Um 2 – 5 Uhr arbeitete dann die erste Schicht, von 5 – 8 Uhr die zweite, dann bis 10 Uhr alles. Ruhe zum Abendessen. Von 10.00 bis 1.00 Uhr die dritte Schicht & dazu noch ein Pionier. Spielten mit Heimgartner ein wenig Karten. Faßten heute Abend Brot, Käse, Wurst, Schnaps, Kaffee, Zigarren & Zigaretten auf zwei Tage. Dann am lb. Bräutchen einen Kartenbrief geschrieben & mein Tagebuch. Mit der Post nichts erhalten. Das Wetter war schön & recht helle, die Artillerie & Fliegertätigkeit auf beiden Seiten sehr lebhaft. Ging um ¾ 11 Uhr zur Ruhe & war recht müde.

– 30. April, Montag – Ruhequartier Wavrille

Nach unruhigem Schlafe um ½ 3 Uhr aufgestanden & Kaffee gekocht. Um 3.20 Uhr kam unsere Ablösung, die hatten sich verlaufen & waren doch zweimal hier zum Weg erkunden. Der Franzmann empfing Sie gleich recht höflich mit einigen Granaten in der Eck- & Beaumontschlucht. Die Ablösung ging glatt von statten. Gleich beim Abmarsch schickte der Franzmann einige Granaten in die Schlucht, wo wir dann durch mußten. Hatten schwer zu tragen & kamen glücklich am Hessenplatz an, wo das Fuhrwerk der 2. M.G.K. auf uns wartete. Konnten alles unser Gepäck aufladen & kamen alle wohlbehalten im Quartier Wavrille an. Meldete mich krank wegen meinem verbrannten Arm & mußte um 8 Uhr in die Küche wo eine Verbandsstelle von der Sanitätskomp. 183 ist, wurde schonungskrank geschrieben & trocken verbunden.. Dann meine Leibwäsche gewechselt & die Verpflegung gefaßt. Mittagessen: Nudelsuppe & Rindfleisch. Dann Bettruhe bis 5 Uhr, schrieb am lb. Bräutchen eine Brief & mein Tagebuch. Mit der Post ein Päckchen vom lb. Bräutchen erhalten. Nach dem Abendessen Zeitung gelesen. Das Wetter war schön & ordentlich warm. Von der Front nichts zu hören als Artilleriefeuer.

Einsatzort um Beaumont

– 5. Mai, Samstag

Wachte um 5 Uhr auf, denn es war kalt geworden in der Bude. Um ¾ 6 Uhr wecken der Mannschaft, ¼ 7 Uhr Kaffee faßen, 7 Uhr Abmarsch der Comp. zum vorbereiteten Uebungsschießen bei Etraye. Schrieb dann einen Kartenbrief am lb. Bräutchen & einen der lb. Schwägerin, sowie mein Tagebuch. Die Komp. kam erst um 12 Uhr zurück, es machte ihnen fest warm, denn sie hatten Stahlhelme auf. Mittagessen: Erbsen & Rindfleisch. Wurde erst um 2 Uhr durch Gefr. Dast abgelöst. Legte mich schlafen bis 4 Uhr. Dann am lb. Bruder einen Kartenbrief geschrieben. Mit der der Post eine Karte vom Möckmühler Eugen erhalten. Zeitung gelesen & ein wenig Karten gespielt. Den ganzen Nachmittag Donnerwetter eins nach dem anderen & kein Regen, aber um 8 Uhr pflatschte es dann aber kräftig, so daß es in unserer Bude überall naß wurde, sogar die Fallen mußten wir mit Zelttücher zudecken. Um ½ 10 Uhr zur Ruhe gegangen. Von der Front sehr schweres Artilleriefeuer zu hören. Heute kam eine Württ. Munitionskolonne auch hierher. Vzfw. Schüz heute zum Lt. ernannt, am Fischer s. Beförderung fiel ins Wasser.

– 6. Mai, Sonntag

Nach ruhigem Schlafe um ¾ 7 Uhr aufgestanden. Von 7.30 – 8.30 Uhr Unterricht durch Zugführer über Gefechtsschießen. 8.40 Uhr Kirchgang der evang. Mannschaften. 10.40 Uhr Kirchgang der kath. Mannschaften, anschließend Beicht & Kommunion, blieb auch dabei. Kamen um ½ 1 Uhr zurück ins Lager. Mittagessen: Nudelsuppe & Hammelfleisch. Dann Zeitung gelesen & Tagebuch geführt. Um 2.30 Uhr Ausgangsappell, ging dann nach Etraye & wollte Kühnhäuser besuchen, leider war er in Stellung, stattete der Cantine einen Besuch ab & ging dann wieder zurück. Nach dem Abendkaffe am Kühnhäuser eine Karte geschrieben, der Tag war schön warm, so recht Wachswetter. Der Ortskommandantur wurden heute Nacht 4 Sack Kartoffeln gestohlen & die 1. M.G.K. der Tat verdächtigt.

Etraye-Lager

– 10. Mai, Donnerstag

Nach gutem Schlafe um ½ 7 Uhr aufgestanden, von 7 – 8 Uhr Unterricht über Wachvorschrift & Verhalten gegen Vorgesetzte durch Lt. Schütz.. Dann meine Sachen zum Urlaub gerichtet. Mittagessen: Dörrgemüse & Rindfleisch. Um 12.45 Uhr Abmarsch zum Einzelgefechtsschießen bei Etraye. Der Stabs Offz. der Division & unser Mayor war anwesend. Kam mit meiner Bedienung zuerst dran & bekam ein M.G. & ein Mann. Verlief alles glatt & zur Zufriedenheit. Hatten 1 M.G. & eine Gruppe Kopffeld- Scheiben mit 7m Entfernung. Um 6 Uhr fragte ich dann Lt. Gix, ob die Urlaubler heim dürften & er erlaubte es uns einzelnen wegzumachen, so daß der Major nichts sehe. Um ½ 8 Uhr beim Feldwebel unsere Päße & die Löhnung samt Beköstigungsgeld geholt. ½ 8 Uhr Abmarsch auf den Bahnhof Damvillers. Hatte Glück & konnte um 8 Uhr mit einem Leerzügle nach Montmedy fahren. Stiegen hier um 10.25 Uhr in Urlaubszug ein.

– 23. Mai, Mittwoch

Nach gutem Schlafe um ½ 7 Uhr aufgestanden. Meldeten uns beim Feldwebel zurück & ich bekam einen Ausweis nach Etraye um am Kühnhäuser sein Paket zu bringen. Er war ausgerückt & ich mußte auf ihn warten bis 11 Uhr. Erzählte ihm von zu Hause, was mir aufgetragen war & kam um 12 00 Uhr zurück. Mittagessen bekam ich keines mehr, denn dieses wurde schon um ¼ 11 Uhr gefaßt, war mir auch gleich, denn ich hatte heute an nichts Interesse. Kam um 1 Uhr auf Fahrzeugwache, schrieb am lb. Bräutchen & den lb. Eltern je einen Kartenbrief. Dann meine Lebensmittel ausgepackt & versorgt. Quartierte mich wieder im Schulhaus ein & zwar in der gleichen Falle. Dann nach dem Abendessen eine Karte an die lb. Schwägerin, eine an die lb. Frau Abt, Fam. Vetter, Joh. Abt, Fuhrer, R. Uebelhör, Familie Uebelhör, einen Kartenbrief am lb. Bruder. Ging um 11 Uhr zur Ruhe. Das Wetter war recht schön, aber mein Humor sehr schlecht. Es wollte mir heute nichts gefallen & das Heimweh lehrt man so kennen. Mit der Post nichts erhalten, der Feldwebel sagte zu mir, ich solle die Wache übergeben & auch mich schlafen legen, was ich um 11 Uhr auf unserer Bude auch machte, hatte heute meine Falle gut & sauber hergerichtet.

Blick auf Etraye

– 3. Juni, Sonntag

Heute Sonntag, um 7 Uhr aufgestanden, dann mit Nagel nach Etraye gegangen. Hatten Predigt & Amt mit ausgesetztem Allerheiligsten von Pater Luck, auch konnten wir während des Amtes kommunizieren. Der Pater hatte eine sehr schöne Predigt über den Text: das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit können wir mit unserem kleinen menschlichen Verstande nie ergründen. Dann ins Revier gegangen, es hieß morgen solle ich wieder kommen. Dann eine hl. Messe bei Neu-Wavrille besucht. Mittagessen: Bohnen & Rindfleisch. Schrieb am lb. Bräutchen & den lb. Eltern je einen Brief & legte Photographiekarte von uns fünf Salacher bei. Heute bekommen wir & die zweite M.G.K. Ersatz je 15 Mann, auch wir bekamen 2 Mann zum ersten Gewehr. Bei der zweiten M.G.K. ist ein Salacher dabei namens Dangelmaier. Um 8 Uhr Herz-Jesu-Andacht, auch wir Salacher waren dabei. Saßen dann erzählend beieinander bis 10 Uhr. Das Wetter war recht schön, von der Front nur wenig zu hören, lebhafte Fliegertätigkeit.

– 8. Juni, Freitag

Nach ruhigem Schlafe um ½ 7 Uhr aufgestanden, mein Durchfall ist ein wenig besser. Von 7.30 bis 10 Uhr Gefechtsexerzieren. Erhielt dann jedermann 5 Mark Kantinenüberschuß. Mittagessen: Grützensuppe & Rindfleisch. Dann 2 Stund Bettruhe, M.G. reinigen & meine Sachen gerichtet. Um 6.30 Uhr Appell im Marschanzug, stimmte alles. Dann mein Tagebuch geführt & gelesen. Mit der Post leider wieder keine Nachricht vom lb. Bräutchen erhalten. Legte mich dann auf den Strohsack, aber ohne zu schlafen. Um ¾ 12 Uhr Abmarsch in die Stellung, über Moirey, Flabas, Müllerplatz & Pionierpark. Gingen bei Beaumont in den Laufgraben, ich selbst mit Haag, Gleinser, Schenk, Erath, Gutbrod & Staudenmaier, dann M.G. Stand 16 besetzen, kam aber zu weit nach

– 9. Juni:
Rechts zum Art.Beobachtungsstand & mußte wieder zurück. Bekamen zum Glück auf dem ganzen Weg kein Feuer & der Himmel war mondhell.

Wasser-Becken am Müller-Platz

– 13. Juni, Mittwoch

Nach recht schlechtem Schlafe um 5 Uhr aufgestanden, kaum war ich beim Posten, als auch schon von der ersten Stollen Gasalarm geschlagen wurde. Das Gas kam sehr schnell über die vorliegenden Höhen herüber & wir wurden kaum mit Gewehr einfetten fertig, als das erste Gas da war. Die zweite Gaswelle kam dann um ½ 7 Uhr, aber mehr als noch so stark wie die erste Welle. Hatten der Zeit aber im Unterstand ein sehr starkes Feuer gemacht & fühlten uns dort wohl. Nur der Posten war noch im freien & beobachtete beim M.G.-Stand, es kam aber kein Angriff & auch kein Gas mehr, denn die Sonne stand derzeit schon recht hoch. Hatte schon recht Malheur mit meinem Magen & legte mich deshalb wieder auf die Falle bis Mittag. Die Kameraden arbeiteten am Stollen weiter. Mittagessen: Nudelsuppe & Rindfleisch, war gut gekocht. Dann vor Elend wieder geschlafen bis 3 Uhr. Scholderers Karle machte mit seinem Freund von Stollen 22 einen Besuch bei uns, derweil kam ein sehr schweres Gewitter & der reinste Wolkenbruch-Regen, so daß uns das Wasser in Stollen lief & wir abdämmen mußten am Eingang, man konnte fast schwimmen. Dann dem lb. Bruder & der lb. Schwägerin nach Heilbronn eine Karte geschrieben, sowie mein Tagebuch. Mit der Post leider wieder nichts erhalten. Um 10 Uhr kamen 4 Mann der 1./ Inf.-Komp. zum zweiten Stolleneingang graben. Ging, nachdem ich die Zeitung, welche mir Feldw. Schiller geschickt hat, gelesen, zur Ruhe.

– 20. Juni, Mittwoch

Nach unruhigem Schlafe um 6 Uhr von der Falle gekrochen. Arbeiteten von 7 Uhr ab im Stollen, um die letzten Stufenrahmen noch setzen zu können. Schrieb derweil eine Karte an die lb. Schwägerin, sowie meine Meldungen zur Übergabe, denn wir sollen heute Nacht von der 2. M.G.Komp. abgelöst werden. Mittagessen: Grützensuppe & Büchsenfleisch darinnen, war gut gerichtet. Dann Fallen-Ruhe bis ½ 4 Uhr. Ließen zum Vesper Bier holen in unserer Küche. Dann M.G. & Stollen, sowie Patronenkasten gereinigt. Spielten bis zum Tee Karten. Anschließend unser Sturmgepäck zus. gerichtet & mein Tagebuch geschrieben. Mit der Post einen Brief vom lb. Bruder erhalten. Legten uns um 10 Uhr schlafen bis ½ 3 Uhr, um 3 Uhr löste die 2./ M.G.K. ab. Auf Stand 16 kam als Gewehrführer Gefr. Strohle, der Berger genannt. Kamen alle wohlbehalten zum Fuhrwerk.

MG mit Lafette auf Fuhrwerk

– 25. Juni, Montag

Nach gutem Schlafe um ½ 7 Uhr aufgestanden. Von 7.30 – 10.30 Uhr Exerzieren im Gelände beim Waldlager. Anschließend M.G. Reinigung. War mit dem Entfernungsmesser beim Unterricht & dann Meßübungen den ganzen Vormittag. Mittagessen: Nudelsuppe & Rindfleisch. Dann Bettruhe bis 2 Uhr, anschließend Gasmaskenprobe im Stinkraum. Um ¾ 5 Uhr ging alles samt Offizieren zur Beerdigung von einem Kameraden der 2./ Inf.Komp. & einem der 3./ Inf.-Komp. Der Feldgeistliche von Etraye hielt die Leichenrede & Einsegnung, denn beide waren Katholiken. Ach, es ist traurig, so auf fremdem Boden beerdigt zu sein, ferne von all den Lieben & was wird der schreckliche Krieg noch für Opfer fordern?  Um 6 Uhr Unterricht über Gasschutz durch Lt. Steinmaier. Mit der Post leider nichts erhalten. Dann mein Tagebuch geschrieben & Zeitung gelesen. An der Front war es ruhig. Der Franzmann beschoß unseren Fesselballon.