Unteroffizier August Kirk

Einjährig-Freiwilliger Unteroffizier
August Kirk
1./ Kompanie Infanterieregiment 368
*4. März 1898 Osnabrück
+8. September 1916 vor Souville

Das Infanterieregiment 368 sollte, bevor es für den Einsatz an der Somme geplant war, noch einen kurzen Aufenthalt vor Verdun haben.

Über Azannes geht es ins Ornes-Lager. Bevor allerdings zur Nachtruhe übergegangen werden kann, geht es im Laufschritt zur Ablösung auf die Souville-Nase. Kurz hinter dem Vaux-Teich wird die 1. Kompanie zerschlagen, führerlos irrt sie durch das mit Feuer belegte, chaotische Gelände. Mit neuen Führern geht es weiter über das zerschossene Gelände in Richtung Souville-Nase und dort in die vordere Linie. Eine Stellung ist dort nicht vorhanden, die Kompanie besteht nur noch aus wenigen Gewehren.

August Kirk, Spross der Müllerfamilie der Osnabrücker Haster-Mühle, wird in der Regimentsgeschichte nicht erwähnt. Über den 8. September, seinen Todestag, wird darin folgendes berichtet.

So findet der 8. September das Bataillon in einer verzweifelten Situation:

Der Bataillons-Kommandeur Hauptmann von Reden sitzt mit seinem Ordonnanz-Offizier, Feldwebelleutnant Fischer, im Bataillons-Gefechtsstande, einem gewaltigen Betonklotze, ohne Verbindung mit seinen Kompanien, die der Bataillons-Adjutant vergeblich im Kampfgelände sucht. Obendrein soll das Bataillon sich morgens um 6.15 Uhr an einem Angriff beteiligen. Der Befehl trifft aber verspätet ein. Nur der 3. Zug der 1./ Kompanie unter Lt. d. R. Hörnecke, der versehentlich in den Abschnitt des linken Nachbarregiments geraten ist, macht den Angriff mit. Er dringt in die feindliche Linie ein und macht sogar einige Gefangene. Aber Lt. d. R Hörnecke findet bei diesem Sturm den Soldatentod.

Der ganze Tag ist ausgefüllt mit lebhafter Artillerie- und Maschinengewehrtätigkeit. Trotzdem gelingt die Orientierung im Gelände: die feindliche Linie ist 150 m von der unseren entfernt. Der rechte Flügel des Bataillons liegt auf der nach rechts scharf abfallenden Souville-Nase. Vor uns steigt das Gelände sanft an bis zum Fort Souville, hinter uns liegt, alles überragend das Fort Douaumont, rechter Hand auf einer Höhe, bezeichnet ein mit weißem Steingeröll übersäter Kreis die Stelle, wo einst das Dorf Fleury lag. Der rechte Flügel liegt ständig unter haarscharf gezieltem Maschinengewehr-Feuer. Die feindlichen Maschinengewehre müssen ihren Stand  in dem halb einzusehenden Steinbruch jenseits der Schlucht haben.“

Unteroffizier Kirk wurde später auf dem Hasetorfriedhof in Osnabrück bei seiner Familie bestattet.

Grabstätte der Familie Kirk

Das zerstörte Dorf Vaux-devant-Damloup

Die „Rote Zone”, ein Begriff für das heutige, touristisch erschlossene Schlachtfeld Verdun und ein Inbegriff für die restlose Zerstörung von urbanem Leben. Hier befanden sich die neun, im Krieg vollends zerstörten und nicht wieder aufgebauten Dörfer Beaumont-en-Verdunois, Bezonvaux, Cumières, Douaumont, Louvemont-Côte-du-Poivre, Fleury-devant-Douaumont, Haumont-près-Samogneux und schlussendlich Ornes. Sie alle lagen im Bereich des Festungsgürtels um Verdun, mehr oder weniger befestigt und wurden Opfer der deutschen und später der französischen Artillerie. Wohnhäuser, Gehöfte, Kirchen und Straßen wurden durch tausende Granaten dem Erdboden gleichgemacht. Die Bevölkerung der Dörfer sah sich bereits zu Beginn des Krieges und der kommenden Verdun-Schlacht zur Flucht gezwungen. 1918 allerdings war an eine Rückkehr nicht mehr zu denken. Das Ausmaß der Zerstörung, die Gefahr des von Munitions, Kadaver- und gasverseuchten Bodens ließen keinen Wiederaufbau und keine Besiedelung mehr zu. Bekannt unter dem Begriff „Villages détruits” kann der Besucher heute nur noch den Verlauf von Häusern, Gebäuden und Straßen erahnen. Kaum etwas lässt mehr auf ein Leben schließen, welches die ländlich geprägte Bevölkerung vor dem Krieg dort verbrachte. Wenige Mauer- oder   Schrottreste, Gräben, Trichter, sowie nachträglich angebrachte Schilder vom Standort der Gebäude und dem Verlauf der Straßen, prägen das heutige Bild.

Polarisierend wirken die nachträglich gebauten Kapellen und Denkmäler auf denen die Namen der gefallenen Dorfbewohner prangen. Noch im Oktober 1919 erhielt jedes der Dörfer per Gesetzesbeschluss einen Gemeinderat und einen Gemeindevorstand, dessen Befugnisse jenen eines Bürgermeisters gleichkommen. Dieses besteht noch bis heute. Feierlichkeiten und Erinnerungsmessen mit Nachkommen der Einwohner werden einmal jährlich abgehalten.


Vaux-devant-Damloup

Vom heutigen 70 Seelen zählenden Dorf Vaux-devant-Damloup, am Standort des alten Bahnhofs ist es nicht weit bis zum 1916 völlig zerstörten alten Dorf.

Vaux
Hauptstraße Vaux-devant-Damloup

Im Norden verlief die Bahnlinie nach Verdun und befand sich der Steinbruch, im Westen der Vaux-Teich mit Damm. Vor dem Fort gelegen, musste das Dorf während der Offensivbemühungen durchschritten werden um an das Ziel, den Vaux-Berg mit Fort zu gelangen. Das stark befestigte Dorf, sowie die Stellungen am und im Steinbruch erschwerten und vereitelten jegliche Angriffe. Nachdem am 8. März der Ostteil von Vaux-devant-Damloup erreicht und gehalten wurde wurde konnte das Reserve-Infanterie-Regiment 7 den Rest des Dorfes am 31. März in Besitz nehmen. Durch den ständigen Beschuss versumpfte der Vaux-Grund mit dem stetig verschwindenden Dorfresten, lediglich der von den Franzosen einzusehende Damm am Teich half beim Überqueren in Richtung Vaux-Berg und Fort.

Vaux
Blick vom Vauxhang auf den Damm des Vauxteichs und den Todespfad



Vielen wurde der Weg über den Damm zum Verhängnis, man taufte ihn Todesweg oder Weg des Todes. Am 2. November 1916 räumte man deutscherseits den Bereich Vaux. Vom Dorf selbst ist heute im Dickicht nichts mehr zu erkennen.


Vaux
Der Vaux Teich heute




Vaux
Krieger-Denkmal in Vaux




Leutnant der Reserve Josef Te Laake

Leutnant der Reserve
Josef Te Laake

Infanterie-Regiment Markgraf Carl (7. Brandenburgisches) Nr. 60
8. Kompagnie

*11. Februar 1894 in Bocholt
+ 14. März vor Verdun

Josef Te Laake fiel bei Angriffsvorbereitungen im Bereich von Vaux. Er ist in der Regimentsgeschichte namentlich nicht erwähnt, so können keine Angaben zu seinem Tod gemacht werden.

Das Infanterie-Regiment 60 wurde im Rahmen der 121. Reserve-Division für die Fortführung des Angriffs auf die Stellungen und Werke bei Fort Vaux alarmiert. Zur Zeit standen dort die eigenen Kräfte des V. Reserve-Korps auf der Linie Weinberge nördlich Damloup – Dorf Vaux- Teich Vaux.

Am 11. März befanden sich Teile des Regiments in Stellung, andere im Bereich der Werke Bezonvaux und Hardaumont. Tags darauf wurde durch das II. Bataillon ein Laufgraben vom Ouvrage ´d Bezonvaux zum Ouvrage d ´Hardaumont begonnen.

Aus der Regimentsgeschichte:

Die Stellungen selbst waren taktisch ungünstig. Das Schußfeld vor der Front reichte nur auf die nächsten Entfernungen. Das ganze Gelände nördlich des Dorfes Vaux aber lag im schwersten Maschinengewehr- Kreuzfeuer vom Cailette-Wald einerseits und vom Fort Vaux, dem Fumin- und Chapitre-Wald andererseits aus. Eine genaue Erkundung der feindlichen Stellungen und Flankierungsanlagen hatte noch nicht ausgeführt werden können, und daher waren auch die Angriffsversuche der von uns abgelösten 6. Infanterie-Division gegen die französische Stellung Steinbruch- Fingerwald im Maschinengewehr-Kreuzfeuer zusammengebrochen.

Der Vormittag des 13. März verlief verhältnismäßig ruhig. Um 3 nachmittags setzte heftiges Artilleriefeuer auf die Stellung ein. Beim Ouvrage d ´ Bezonvaux wurden eine Signalstation eingerichtet, ein Pionierpark angelegt und 6000 eiserne Portionen aufgestapelt.

Bei gutem Wetter lag am 14. März den ganzen Tag über sehr starkes Artilleriefeuer mittlerer und schwerer Kaliber auf Stellungen und Lagern. Die Laufgräben von Bezonvaux nach dem Ouvrage d ´ Hardaumont machten gute Fortschritte.

Vaux-Teich
Vaux-Teich
Reste des Ouvrage d´ Hardaumont


Joseph Te Laake wurde in seiner Heimatstadt Bocholt auf der dortigen Kriegsgräberstätte bestattet. Wir danken Herrn D. Bublies für die Bilder der Kriegsgräberstätte.

Das zerstörte Dorf Fleury-devant-Douaumont

Die „Rote Zone”, ein Begriff für das heutige, touristisch erschlossene Schlachtfeld Verdun und ein Inbegriff für die restlose Zerstörung von urbanem Leben. Hier befanden sich die neun, im Krieg vollends zerstörten und nicht wieder aufgebauten Dörfer Beaumont-en-Verdunois, Bezonvaux, Cumières, Douaumont, Louvemont-Côte-du-Poivre, Fleury-devant-Douaumont, Haumont-près-Samogneux und schlussendlich Ornes. Sie alle lagen im Bereich des Festungsgürtels um Verdun, mehr oder weniger befestigt und wurden Opfer der deutschen und später der französischen Artillerie. Wohnhäuser, Gehöfte, Kirchen und Straßen wurden durch tausende Granaten dem Erdboden gleichgemacht. Die Bevölkerung der Dörfer sah sich bereits zu Beginn des Krieges und der kommenden Verdun-Schlacht zur Flucht gezwungen. 1918 allerdings war an eine Rückkehr nicht mehr zu denken. Das Ausmaß der Zerstörung, die Gefahr des von Munitions, Kadaver- und gasverseuchten Bodens ließen keinen Wiederaufbau und keine Besiedelung mehr zu. Bekannt unter dem Begriff „Villages détruits“ kann der Besucher heute nur noch den Verlauf von Häusern, Gebäuden und Straßen erahnen. Kaum etwas lässt mehr auf ein Leben schließen, welches die ländlich geprägte Bevölkerung vor dem Krieg dort verbrachte. Wenige Mauer- oder  Schrottreste, Gräben, Trichter, sowie nachträglich angebrachte Schilder vom Standort der Gebäude und dem Verlauf der Straßen, prägen das heutige Bild.

Polarisierend wirken die nachträglich gebauten Kapellen und Denkmäler auf denen die Namen der gefallenen Dorfbewohner prangen. Noch im Oktober 1919 erhielt jedes der Dörfer per Gesetzesbeschluss einen Gemeinderat und einen Gemeindevorstand, dessen Befugnisse jenen eines Bürgermeisters gleichkommen. Dieses besteht noch bis heute. Feierlichkeiten und Erinnerungsmessen mit Nachkommen der Einwohner werden einmal jährlich abgehalten.

Fleury-devant-Douaumont

Fleury – genauer gesagt Fleury-devant-Douaumont – war bis zum Beginn der Schlacht um Verdun ein kleines französisches Bauerndorf auf den Maashöhen nördlich von Verdun.
Die Arbeiten und die Jahre verliefen im Laufe der Jahreszeiten. Die Feldzüge der Jahre 1792, 1814 und 1870 mieden die waldigen Maashöhen, in den oft noch die Wölfe heulten.

Fleury
Das Dorf Fleury um 1900

Erst der Bau der Befestigungen in den Jahren nach 1870 und der Bau der  Schmalspurbahn von  Verdun nach Douaumont brachten die Moderne in diesen Landstrich. Zahllose Arbeiter und Soldaten bevölkerten die Straßen des Ortes. Im Sommer 1914 zogen die französischen Soldaten von Verdun aus über die Maashöhen in die Woëvre-Ebene. Noch 1915 war das Dorf zwar eng mit Truppen belegt, aber die Einwohner waren noch vor Ort.
Erst am 21. Februar – bei Beginn der deutschen Offensive – räumten sie das Dorf in aller Eile.

Fleury

Bei den anschliessenden Kämpfen wurde das Dorf bis auf ein paar unscheinbare Steinhaufen restlos zerstört. In den Monaten Juni bis August 1916 teilten sich die Kämpfenden den Ort. Die französischen Truppen beherrschten den südlichen Dorfteil und die deutschen Truppen den gegenüberliegenden nördlichen Dorfrand. Nach dem 18. August konnte die marokkanische Kolonial-Infanterie die Stellungen behaupten.

Fleury-devant-Douaumont zählt heute zu den neun „Village detruits“, den zerstörten Dörfern, die nach 1918 nicht wieder aufgebaut wurden. Dennoch ist Fleury bis heute unvergessen. Fleury hat einen Bürgermeister, eine Postleitzahl, ein Ortsschild – wie ein richtiges Dorf auch….

Die Association Nationale du Souvenir de la Bataille de Verdun hat in Zusammenarbeit mit dem Office National des Forêts die Grundrisse der Straßen und Häuser freigelegt. Weiße Steine kennzeichnen die Standorte von Häusern, Kirche, Schule, Brunnen, Bauernhöfen und vieler weiterer Gebäude.

Seit 1979 ruft die Gedenkkapelle „Notre Dame de l’Europe“ alle Menschen, die hierher kommen, um sich vor den Opfern und dem Leid der beiden jetzt versöhnten Gegner von damals zu verneigen, zu Brüderlichkeit und Frieden auf.

Der Ort Fleury liegt unweit des Mémorial de Verdun – ein Museum über die Schlacht von Verdun, wo sich damals der Bahnhof von Fleury befand.

Im Mai 2013 entdeckten deutsche Touristen sterbliche Überreste im Nordteil des Dorfes. Die Gendarmerie sowie Mitarbeiter des Gebeinhauses bargen anschliessend die Überreste von 26 französischen Soldaten. Der Fundort lag in einem ehemaligen Verwundeten-Nest aus der Zeit Ende März bis Anfang April 1916. Die Verwundeten waren dort ihren Verwundungen erlegen und direkt notdürftig bestattet worden. Sechs von ihnen konnten anhand ihrer Erkennungsmarken identifiziert werden. Ihr Einheiten kämpften am Vaux-Teich und im Caillette-Wald.

 Am 05. Dezember 2013 wurden sie feierlich auf dem Nationalfriedhof von Douaumont beigesetzt.

Seit März 2014 steht an ihrem Fundort eine Gedenktafel und ein aus einem Baumstamm herausgearbeiteter Poilu. J. Bergeron, ein junger Schreiner, schuf diese Skulptur aus dem Stamm eines Berg-Ahorns über einen Zeitraum von zwei Monaten.