Rheinische Landwehr vor Verdun

 
Landwehr-Regt Nr. 25

 Am 28. Februar 1916 1 Uhr nachmittags ging bei der 5. Landwehr-Division in Marchéville vom Generalkommando der Befehl ein, daß das XV. Armee-Korps, die bayrische Ersatz-Division und die 5. Landw.-Div. gemeinsam angreifen sollten, der linke Flügel der bayr. Ers. Div. (30. Landwehr Infanterie Brigade) Manheulles, die 5. Landw.-Div. Fresnes und Champlon. Der Infanterieangriff sollte 3 Uhr nachm. einheitlich auf der ganzen Front beginnen und durch ständiges Trommelfeuer von 2 – 3 Uhr nachmittags vorbereitet werden.

In diesem Rahmen fiel dem Land. Inf. Regt. 25 die Eroberung des befestigten und stark besetzten Dorfes Manheulles zu. Sein Angriff führte über ebenes, deckungsloses Gelände, auf welchem die tapferen Landwehr Leute der feindlichen Artillerie auf den Höhen der Côtes und den Maschinengewehren am Dorfrande ein kaum zu verfehlendes Ziel boten. Bis zum Eindringen ins Dorf und in diesem selbst wehrte sich die Besatzung verzweifelt mit ihren geschickt aufgestellten Maschinengewehren. Am Nachmittag war das ganze Dorf im Besitz des Regiments. Abends machte der Feind noch einen Gegenangriff, der aber in unserem Infanterie- und Maschinengewehrfeuer zusammenbrach. 350 Gefangene, 2 Maschinengewehre und viel Kriegsgerät waren die Siegesbeute. Die eigenen Verluste waren schwer. Unter den Toten befand sich der heldenmütige Führer des III./L IR 25, Hptm Klostermann.

 

Manheulles   Fresnes

 

Von der glänzenden Waffentat der Eroberung des Dorfes Manheulles durch das Land. Inf. Regt. 25 entwirft der Lt. d. Res Herzfeld, welcher an dem Angriff teilgenommen hat, folgendes anschauliche Bild:

„Nachdem bereits am Abend des 26. und im Verlaufe des 27. Februar das Regiment vergeblich und unter blutigen Verlusten versucht hatte, das Dorf Manheulles im Sturm zu nehmen – vergeblich, einmal, weil die zahlreichen feindlichen Batterien auf den Höhen der Côtes Lorraines und die vielen stark ausgebauten Maschinengewehrnester an den Ortsausgängen von Manheulles und der Straße nach Haudiomont das ganze Vorgelände vor dem Dorfe völlig beherrschten und zum andern, weil eigene Artillerie zur hinreichenden Unterstützung noch nicht heran war, wurde am 28. Februar morgens nochmals das Regiment von Ville en Woevre aus zum Sturm angesetzt. Das II. Batl. hatte bereits vor Tagesanbruch wieder die wenige Meter vor Manheulles liegenden, am Vortage im feindlichen Feuer flüchtig ausgeworfenen Sturmstellungen besetzt, die andern beiden Bataillone nahmen in den frühen Morgenstunden des 28. Febr. auf den Höhen westlich und nordwestlich von Ville en Woevre Ausgangsstellungen ein, um von dort aus den Angriff über die Sturmstellungen hinaus gegen Manheulles vorzutragen. – Doch der Franzmann schien zu ahnen was ihm bevorstand. Noch nicht lange waren die Bataillone an den ihnen befohlenen Plätzen angelangt und hatten gerade, da der eigentliche Angriff erst für mittags vorgesehen war, angefangen, sich dort einzugraben, als es bei den französischen Batterien auf den Côtes lebendig wurde.

Bald krachte es an allen Ecken und Kanten und Feuerüberfälle mit Haubitzgranaten lösen sich in lieblicher Reihenfolge mit den uns so gut bekannten Kreck-Bum-Granaten ab, Grund für alle, Mann und Offiziere, zu Kreuzhacke und Spaten zu greifen und sich in dem deckungslosen Gelände schleunigst einzubuddeln. Kleine Erdlöcher, dann vereinzelte Grabenstücke, schließlich ein langer, schmaler Graben entstehen in verhältnismäßig kurzer Zeit.
Granatsplitter wirken in solcher Lage ungeheuer arbeitsfördernd – und bald sind wir soweit in den Boden verschwunden, daß uns des Franzmanns Munitionsverschwendung völlig kalt läßt.
Gegen 11 Uhr vormittags wird es auch rechts von uns lebendig; die Nachbarbrigade bricht aus dem Walde von Manheulles zum Sturm auf Haudiomont vor, und je mehr dort der Feuerlärm anschwillt, desto mehr flaut bei uns das Feuer ab und läßt schließlich ganz nach. Eine Zeitlang bleibt alles ruhig, wir liegen faul in unseren Deckungen und harren der Dinge, die da kommen sollen. Da plötzlich gegen 12 Uhr setzt es von rückwärts über unsere Köpfe hin, ein-, zwei, drei-, viermal; ein Blick nach vorne, nach dem etwa 800 m vor uns liegendem Manheulles zeigt uns, was los ist. Unsere Artillerie schießt sich ein! Noch 2 – 3 Lagen, dann wieder Ruhe. Punkt 1 Uhr setzt schlagartig das Vorbereitungsfeuer unserer Artillerie aus allen Rohren auf Manheulles ein, an 10, 15, 20 und mehr Stellen sehen wir Granaten in das der Vernichtung geweihte Dorf einschlagen. In einigen Minuten ist das ganze Dorf in Rauch und Qualm eingehüllt. Auch der Franzmann meldet sich wieder und jagt Granaten auf Granaten herüber, aber meistens nach unserer Artillerie. Wir sitzen in unseren Erdlöchern in gespanntester Erwartung, jeden Augenblick des Befehls zum Angriff gewärtig. Endlich, zwei Stunden fast schon dauert die Schießerei ununterbrochen fort – es ist 10 Minuten vor 3 Uhr -, kommt der Befehl vom Regiment:“Um 3 Uhr tritt das Regiment zum Sturm auf Manheulles an, rechter Flügel I. Btl. Marschrichtung auf den Ostausgang, linker Flügel III. Btl. auf den Kirchturm von Manheulles; das in den Sturmstellungen bereits 600 m vor uns liegende II. Btl. soll im Angriff mit vorgerissen werden.“

 

Hennemont       

Schnell geht der Befehl in den Kompagnien rund, die einzelnen Marschrichtungspunkte werden angegeben, noch ein kurzes Besinnen – während der Feuersturm in gesteigerter Heftigkeit über unsere Köpfe dahinbraust – dann nur der kurze Befehl, fast gleichzeitig bei allen Kompagnien: „Auf, marsch, marsch!“ Der Sturm beginnt. Voran die Führer, in unregelmäßigen Schützenlinien dahinter die Gruppen, Halbzüge und Züge, so stürzen die Kompagnien vor. 400 – 500 m sind im schnellen Vorlaufen auf der sanft nach Manheulles abfallenden Ebene schon zurückgelegt, ehe es dem Feind überhaupt zum Bewusstsein kommt, dass es ihm an den Kragen geht. Dann allerdings setzt es von allen Seiten ein, von vorne und von der Flanke, Gewehr- und Maschinengewehrfeuer, von der Côtes Artilleriefeuer. Der Franzose wehrt sich seiner Haut. In Höhe der Sturmstellungen vor den feindlichen Hindernissen kurze Atempause der vorderen Linie, um die nachrückenden Reserven heranzulassen; jeder wirft sich hin, wo er gerade steht. Ein Blick von vorn zurück – ein unvergesslicher Anblick: das Regiment im Sturm, der ganze Hang von Ville en Woevre bedeckt von vorgehenden Schützenlinien, die alle unentwegt, trotz der in ihre Reihen einschlagenden Granaten, dem einen Ziel, Manheulles, zustreben.

Jetzt setzt unser Artilleriefeuer auf das Dorf aus. Nochmals: „Auf, marsch, marsch!“ und rüber geht’s über die breiten Hindernisse, zum Zerschneiden bleibt keine Zeit, man klettert springt, steigt hinüber. Hier schlägt eine Granate mitten in eine Gruppe ein, 1, 2, 3 Leute bleiben liegen, aus dem Dorf rasselt Maschinengewehrfeuer, einzelne stürzen. Man sieht es kaum. Nichts kann unsere braven Landwehrleute mehr aufhalten. Vorwärts geht es unaufhaltsam die letzten Hundert Meter bis zum Dorf. Und dann sind wir drin in Manheulles, fast schneller noch als die Besatzung aus den zusammengeschossenen Häusern, Befestigungen und Kellern sich herausgearbeitet hat. Der letzte Widerstand ist schnell gebrochen; wer noch lebt von den Franzmännern und nicht ausgerissen ist, wird gefangen genommen, der Sieg ist erungen. 03.25 Uhr ist Manheulles unser. 300 – 400 Gefangene, zahlreiche Maschinengewehre, Gewehre und Mengen Proviants sind unsere Beute.

Noch sind die letzten Schüsse in den Straßen nicht verhallt, als unser Rgts. Kdr. Oberst Erhardt mit seinem Adjutanten ins Dorf gesprengt kommt. Jubelnd begrüßen Mannschaften und Offiziere den geliebten Führer und scharen sich um ihn inmitten des zusammengeschossen erstürmten Dorfes. Hunderte Hände strecken sich ihm entgegen! Einem jedem möchte er sie drücken und kann es doch nicht. Siegesfreude am gemeinsam errungenen Erfolg strahlt ihm aus aller Augen entgegen und findet beredten Ausdruck in begeisterten Hurra- und Hochrufen, ein unvergeßliches Bild des spontan zum Ausdruck kommenden Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Truppe und Führer! Das war LIR 125 bei Manheulles.

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Ein Gedanke zu „Rheinische Landwehr vor Verdun“

  1. Nie wieder so einen Schwachsinn.Wenn ich heute in der Welt
    sehe wie viel Ehrenlose Kriege geführt werden, muss mann Denken das Überhaupt keine Nation irgend etwas gelernt hat
    Das größte Geschenk ist und bleibt der FRIEDEN in
    FREIHEIT.
    Fazit Nie wieder Krieg für irgend einen .Idioten.

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