Die Flammenwerfertruppe während der Verdun-Offensive

Flammenstrahlen gegen den Feind zu werfen ist keine Erfindung aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, allerdings wurde wenige Jahre vor dessen Beginn die Idee wieder aufgenommen und durch stetige Forschung verbessert. Schon in der Antike führten die Griechen erste Versuche durch und bei der Verteidigung der Stadt Byzanz spielte das verbesserte „Griechische Feuer“ eine beachtliche Rolle. Die Chinesen experimentierten später ebenso mit diversen, verbesserten Apparaten, bis alles schließlich mehr oder minder in Vergessenheit geriet.

1901 griff der Berliner Ingenieur Richard Fiedler wieder die Idee auf, brennbare Flüssigkeiten als Waffe zu nutzen. Im Jahre 1905 stellte Fiedler dem Preußischen Ingenieurkomitee Geräte vor, die als Flammenwerfer genutzt werden konnten aber noch nicht überzeugten. Sein verbessertes Gerät, der „Fiedlersche Flammenwerfer“, wurde 1912 bei den Pionier-Belagerungstrains zur Einfuhr genehmigt, allerdings nach schlechten Erfahrungen zu Beginn des Stellungskrieges wieder abgelehnt. Seine Geräte allerdings, wurden zu einem späteren Zeitpunkt durch die Flammenwerfertruppe zweckmäßig verbessert, produziert und eingeführt.

Der Branddirektor von Posen und Reserveoffizier einer Landwehr-Pionier-Kompanie, Dr. Bernhard Reddemann, setzte sich ab 1907 ebenfalls zum Ziel, dass Werfen von Flammen militärisch einzusetzen. Zeitweise arbeitete er mit Fiedler zusammen. 1914 stellte er nach diversen Versuchen und Experimenten die Flammenwerferabteilung Reddemann auf. Diese Spezialtruppe, zum größten Teil Kameraden der Feuerwehr, bestand aus dem späteren Major Reddemann als Führer, dem Offiziersstellvertreter und Feuerwehrfeldwebel Ambrosius sowie 48 Mannschaften. Ausgerüstet mit 10 tragbaren Handdruckspritzen, welche Flammen bis zu 35 m werfen konnten, sechs Personenkraftwagen mit Anhängern zum Transport von Mannschaft und Gerät, rückte die Flammenwerferabteilung am 15. Februar 1915 zum VI. Reservekorps nach Romagne-sous Montfaucon ab.

Der erste Flammenwerferangriff des Weltkrieges sollte am 26. Februar 1915 bei Malancourt stattfinden, eingesetzt wurden die zur Verfügung stehenden 10 Handdruckspritzen (Kl. Flammenwerfer) und 2 „Fiedlersche Flammenwerfer“( Gr. Flammenwerfer).

Die französische Stellung, zwischen 12 m und 35 m entfernt, wurde auf 700 m Breite durch die 12 Geräte mit Flammenstrahlen abgestrichen. Der Widerstand erlöscht sofort, heillose Flucht des Feindes setzte ein.

Am Ende wurde der nachfolgende Angriff bis in die 4. Linie getragen, 600m Gelände, 3 MG, 7 Minenwerfer und unzählige Gefangene sind gemacht worden. Der militärische Erfolg sowie die moralische Wirkung waren enorm.

Ein weiterer, kleinerer Flammenangriff fand bei Vauquois statt, kurz vorher ist die Stärke der Abteilung schon erhöht worden.

Kurze Zeit später wurde aus der Abteilung ein Flammenwerfer-Bataillon mit 8 Kampfkompanien, Rekrutenabteilung und Versuchskompanie gebildet. So trat mit der Bezeichnung III. Garde-Pionier-Bataillon, diese Spezialtruppe unter Führung von Hauptmann der Landwehr Reddemann in das Geschehen ein. Bis zum Beginn der Verdun-Offensive führte das stetig anwachsende, modernisierte und reich ausgestattete III. Garde-Pionier-Bataillon diverse Angriffe in der Champagne, den Argonnen, im Priesterwald und in Flandern durch und konnte sein taktisches Vorgehen sowie die Geräte fortwährend verbessern.

Die Anzahl von Flammenwerfern, sonst. Gerät und Fahrzeugen wurde mit der wachsenden Mannschaftsstärke ebenso erhöht.

 

Angriff auf Verdun

Das III. Garde-Pionier-Bataillon unterstand direkt der Oberen Heeresleitung. Sechs nebeneinander angreifenden Divisionen wurde je eine Kompanie der Flammenwerfer zur Unterstützung zugewiesen, insgesamt nahmen 8 Kompanien am Angriff teil. Vorgesehen war der Einsatz gegen Sternwerke, Blockhäuser und besondere Widerstandspunkte sowie beim Aufrollen von Gräben. Dazu sollte je ein „Stoßtrupp“ mit Flammenwerfern mit einer parallel kämpfenden Infanteriekompanie vorgehen. Frontalangriffe mit großen Flammenwerfern und das Nachstoßen mit kleinen Flammenwerfern, prägten Teile der neuen Taktik.

Die Mehrzahl der Kämpfe wurden mit Erfolg durchgeführt, hier sind einige der Wichtigen genannt:

Die Kompanien 4 und 5 bekämpften am 22. Februar 1916 die MG-Nester, Unterstände sowie Blockhäuser im Wald von Consenvoye.

Ebenfalls am 22. Februar trug die 6. Kompanie zum Erfolg im Herbebois-Wald bei und die 2. Kp. beim Angriff auf das Dorf Haumont.

Am 3. Tag der Offensive wurde der Brückenkopf und das Dorf Samogneux mit Hilfe der 8. Kompanie genommen. Anfang März ging die 1. Kompanie erfolgreich gegen Stellungen im Chaussonswald vor. Ein großer Angriff im Verbund durch 4. und 5. Kompanie im Wald von Malancourt erfolgte auf 800 m Breite, 8 Große sowie 55 kleine Flammenwerfer sind dabei eingesetzt worden. Die beiden Kompanien waren ebenso an der Einnahme von Haucourt beteiligt.

Die Reserve-Kompanie stand am 31. März im Häuserkampf gegen einen, sich zäh verteidigenden Gegner im und beim Dorf Vaux.

Die 8 Kompanien rückten beim ersten Vorstoß gegen Verdun mit 400 Flammenwerfern vor, bis zum 27. April 1916 fanden 57 Flammenangriffe statt, 14 blieben ohne Erfolg. Eine Ehrung für ihren Einsatz erhielt das Bataillon, mit der Erlaubnis zum Tragen des Totenkopfes auf dem linken Ärmel der Uniform.

Flammenwerfer
Ärmelabzeichen

 

 

 

 

Die bisher gemachten Erfahrungen im Verlauf der Verdun-Offensive und die sich vermehrenden Kämpfe sorgten dafür, dass aus dem Bataillon im April 1916 ein 3000 Mann starkes Regiment mit 12 Kampfkompanien, einer Versuchskompanie sowie Rekrutenabteilung wurde. Die einzelnen Züge teilte man nun im Wechsel den bereits gebildeten Sturmbataillonen zu. Der Fuhrpark wurde erweitert, die Werfer wurden weiter verbessert.

Das Regiment nahm, die Offensive auf Verdun hatte sich schon längst festgefahren, an vielen weiteren Angriffsunternehmen mit schweren Kämpfen teil. Bis in den Juli fanden 40 Flammenwerfereinsätze statt, 15 blieben erfolglos.

Auf dem westlichen Ufer, bei der Höhe 304, wurde die 4. Kompanie gegen Blockhäuser und MG-Nester eingesetzt. Ein Zug der 5. Kompanie half beim Aufrollen von Gräben westlich der Höhe am 18. Mai 1916.

Auch auf dem Toten Mann kämpfte das Regiment am 20. Mai 1916 mit mit Stoßtrupps der 5. und 6. Kompanie, unter Hilfe von 16 kl. Flammenwerfern, dabei wurde ein Geländegewinn von 1000 m Tiefe erzielt.

Ein Zug der 8. Kompanie bahnte sich einen Weg durch die unterirdischen Kasematten des Fort Vaux am 4. Juni 1916.

Im Cailette-Wald unternahm die 10. Kompanie einen größeren Frontalangriff auf 300 m Breite. 10 große sowie 14 kleine Werfer wurden eingesetzt. Der Franzose ergriff panikartig die Flucht oder lief über, bis in den Chapitre-Wald wurde vorgestoßen. 24 Maschinengewehre wurden erbeutet und 2300 gefangene Franzosen gemacht.

Nachdem zum Beginn der Sommeschlacht große Teile des Regiments dort, aber auch auf anderen Schlachtfeldern, eingesetzt wurden, gab es in den Gräben vor Verdun nur noch einzelne Kämpfe der Flammenwerfer-Truppe. Ab dem 11. Juli 1916 bis zum 31. Juli 1916 mühte sich die 5. Kompanie bei den schweren Kämpfen um Fleury, südwestlich vom Dorf und an der Souville-Nase ab.

 

Anfang 1917 fand sich die Kompanie in den Argonnen an der Straße Binarville -Vienne-le Chateau wieder. Im Februar 1917 wurden die 1./, 3./ und 5. Kompanie an den einzelnen Fronten, an den Maashöhen und den Argonnen hin- und her geworfen.

Am Osthang der Höhe 304 erfolgte am 18. März 1917 ein frontaler Einbruch mit 10 Flammenwerfer-Stoßtrupps. Blockhäuser und Maschinengewehre wurden bekämpft, Gräben aufgerollt. 400 Franzosen gingen in deutsche Gefangenschaft.

Ein Zug der 2. Kompanie griff am 29. Oktober 1917 flankierend an der Vaux-Kreuz Höhe an und räucherte unter heftiger Gegenwehr Stollen aus.

Mit zwei Infanteriebataillonen gelang der 2. Kompanie südlich Ornes eine gewaltsame Erkundung am 26. Dezember 1917. Sie kehrten schon nach 8 Minuten mit 85 Gefangenen zurück. 14 leichte Werfer wurden gegen Maschinengewehre und Widerstandspunkten eingesetzt. Dieses waren die letzten, größeren Unternehmungen des III. Garde-Pionier-Regiments im Raum Verdun, die Front verschob sich und die Truppe zog mit.

Zu Beginn des Jahres 1918 gab es durch die 2. Kompanie bei Avocourt, sowie durch 5./ und 12./ Kompanie noch gewaltsame Erkundungen in den Argonnen sowie auf den Maashöhen.

So zahlreich die Erfolge der Flammenwerfer-Truppe sind, so hoch sind ihre Verluste vor Verdun.

In den ersten 21 Tagen der Offensive und den, in diesem Zeitraum gemachten 34 schweren Flammenkämpfen, verloren die eingesetzten 8 Kompanien 2 Kompanieführer, 9 Zugführer und 464 Unteroffiziere und Mannschaften durch Tod, Verwundung oder Erkrankung.

Neben allen guten Erfahrungen durch die Truppe gab es auch negative Kritik bis hin zur Verhöhnung.

Aus der Regimentsgeschichte des Infanterie-Regiments 24:

Auch die Flammenwerfer konnten ihnen nichts nützen. Was sollte überhaupt diese Waffe, deren Träger so gut wie zum Tode verurteilt waren, die nicht weit genug reichte, um irgendwie namhaft wirken zu können, und die, wenn sie wirklich gewirkt hätte, jedem ehrlichen Soldaten ein Greuel in den Augen sein mußte? Mit gewissem Recht pflegte ein Kompagnieführer zu sagen:

„Der Erfinder des Flammenwerfers ist wert, an den Beinen aufgehängt, solange beflammt zu werden, bis er von allen Seiten wie eine Martinsgans knusprig gebraten ist!“

 

Flammenwerfer
Deutsche Infanterie geht mittels Flammenwerfer und Handgranaten zum Sturm auf die Höhen des „Toten Mann“ über. 15. März 1916 (Aus: Der Weltkrieg in seiner rauhen Wirklichkeit)

 

 

 

 

 

 

 

 

Flammenwerfer      Flammenwerfer       Flammenwerfer

 

Flammenwerfer

 

 

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