Am Vauquois 1915/16

Bericht der 1./ Kompanie   des 3. Rheinischen Pionier-Bataillons Nr. 30

 

Glocke von Vauquois
Glocke von Vauquois

 

 

Am 13. März 1915 stellte Unteroffizier Menges durch einen Patrouillengang vor unserer Stellung fest, daß der Gegner in verhältnissmäßig geringer Tiefe einen Stollen gegen unsere Stellung vortrieb. Menges ließ sofort über der betreffenden Stelle einen Schacht abteufen, der tatsächlich auf den französischen Stollen stieß. Beim Durchbruch flohen die französischen Pioniere eiligst unter der Zurücklassung ihrer Werkzeuge. Menges sprang sofort in den französischen Stollen nach, den der Feind aber schleunigst mit Sandsäcken zusetzte. Darauf wurde der Stollen von uns gesprengt. Mehrere kurz danach weit vor uns erfolgende feindliche Sprengungen, die keinen Schaden anrichteten, zeigten, wie nervös hierdurch der Gegner geworden war und verrieten uns auch die Lage seiner Minengänge.
Am Nachmittag des 18. Mai 1915 wurden durch eine feindliche Sprengung mehrere Pioniere und Infanteristen verschüttet. Im Handgranatenkampf wurde   der Trichter aber von uns besetzt und die Verschütteten größtenteils wieder lebend geborgen. Am 02. Juni 1915 sprengte Menges, der wegen seiner Tapferkeit inzwischen zum Vizefeldwebel befördert worden war, auf einer Patrouille einen feindlichen Unterstand. Am 24. Juni 1915 schossen die Franzosen die Mühle von Varennes, die als Elektrizitätswerk eingerichtet worden war, und den elektrischen Strom bis in die Kampfstellung nach Vauquois lieferte, in Brand. Doch gelang es der Kompagnie, die elektrischen Anlagen, die sich im Kellerraum befanden,   vor der Zerstörung zu bewahren. Sie wurden später durch eine Eisenbetonüberwölbung noch besonders geschützt. Da aber die freiliegende elektrische Leitung nach dem Vauquois-Berg andauernd zerschossen wurde, bauten wir auf Vauquois selbst eine Maschinenzentrale in den Felden ein, in der zwei Benzolmotoren die Kraft für die elektrische Beleuchtung, Lüftung und die elektrischen Bohrmaschinen lieferten. Am 26. Juni 1915 wurden nach zwei, an sich wirkungslosen feindlichen Sprengungen ein Pionier und zwei Mann vom Stollenbaukommando durch Sprenggase getötet. Am 04. Juli 1915 erlitt ein Pionier nach einer an sich leichten Sprengung den Tod durch Kohlenoxydgasvergiftung. Später wurden diese Verluste durch sofortiges Räumen der Stollen unmittelbar nach jeder Sprengung vermieden. Außerdem wurden immer Rettungstrupps mit Sauerstoffapparaten bereit gehalten, die nach jeder Sprengung sofort an den Sprengort eilten.

 

Minenexplosion
Minenexplosion auf Vauquois

 

 

 

 

 

 

Am 28. September 1915 stieß einer unserer Stollen in der Kniestellung auf ein französisches Minensystem, das teilweise durch unsere früheren Sprengungen eingestürzt war, indem aber noch französisches Minengerät gefunden wurde. Wir erhielten dadurch wichtige Aufschlüsse über die Art, wie der Gegner sein Minensystem anlegte.

Wie gefahrvoll die Bergung der Verschütteten ohne Sauerstoffapparate war und welche Kameradentreue unsere Pioniere trotzdem bewiesen, zeigte sich am 05. Februar 1916. An diesem Tage sprengten die Franzosen um 10.50 Uhr abends erst vor unserem rechten Flügel und gleich darauf, um 11 Uhr abends, vor unserem linken Flügel. Auf die erste Sprengung hin eilten die Rettungstrupps mit den Sauerstoffapparaten sofort an die Sprengstelle, wo dann auch keine Verluste eintraten. An der zweiten Sprengstelle, wo drei Mann vom Stollenbaukommando in der Stollenspitze tätig waren, befanden sich zunächst nur die beiden aufsichtsführenden Pioniere, Gefreiter Beuth und Leisten, in der Nähe und eilten sofort zur Sprengstelle. Ein Mann des Stollenbaukommandos konnte gerettet werden, während bei dem Versuch, auch die beiden anderen zu retten, einer der beiden Pioniergefreiten von Gasen überrascht wurde. Er und ein zweiter Mann des Stollenkommandos konnten von den mittlerweile herbeigeeilten Rettungsmannschaften nur als Tote geborgen werden. Bei dem weiteren Versuch, auch den letzten Mann noch aus dem Stollen herauszuholen, fand auch noch der andere der beiden Pioniergefreiten den Heldentod. Er konnte erst nach 10 Minuten mit dem letzten der drei Pioniere in der Stollenspitze als Leiche geborgen werden. Diese Arbeiten wurden noch besonders erschwert durch die stockfinstere Regennacht, völlige Vergasung der anschließenden Gräben und durch heftiges feindliches Gewehrgranatenfeuer.

 

Vauquois
Nordhang von Vauquois

 

Am 03. März 1916 zerstörten wir durch eine Sprengung von 16.500 kg einen Teil der feindlichen Stellung. Nach Aussage von drei Überläufern hatte der Feind hierbei einen Verlust von 14 Mann. Am 15. März 1916 wurde Offiziers-Stellvertreter Böhnke, der nisher sowohl in Afrika, als auch im jetzigen Kriege, hervorragend seinen Mann gestanden hatte, im Lager der Kompagnie in Varennes durch eine Schrapnellkugel schwer verwundet. Am 23. März 1916 erfolgte eine sehr starke feindliche Sprengung, schätzungsweise 25.000 kg, die einen Trichter von 50 m auswarf und fünf Mann, die in den nächstgelegenen Stollenspitzen arbeiteten, tötete. Die Sprengung war so stark, dass sogar am Nordhang noch Erdverschiebungen stattfanden. Der entstandene Trichter wurde aber sofort von uns besetzt. Schon am 15. November 1915 war auf dem rechten Flügel unserer Stellung, auf dem ein Hohlweg vor der Front bisher den Minenkrieg verhindert hatte, ein Stollen angesetzt worden, der unter dem Hohlweg hindurchfahrend, dann im Winkel nach Osten abbiegend, den linken Schulterpunkt der feindlichen Stellung von der Flanke her fassen sollte. Dieser Stollen wurde in den nächsten Monaten Tag und Nacht ununterbrochen weitergetrieben. Er wurde, um eine bessere Verdämmung zu erzielen, sägeförmig geführt und erreichte am 25. Februar 1916 eine Länge von 86 m. Die Abmessungen betrugen durchschnittlich 1,50:0,80 m in gutem Felsboden. Um eine sichere Führung des Stollens zu gewährleisten, wurde seine Lage andauernd peinlich genau mit dem Markscheidegerät nachgeprüft. Da er flankierend unter Vermeidung des uns bekannten französischen Minensystems vorging, traten Störungen durch den Feind, der mehrfach gehört wurde, nicht ein. Die Sprengkammer lag etwa 25 m unter der Erde und hatte eine Größe von 4,50 x 5 x 2,70 m. Sie befand sich ziemlich genau unter dem zweiten französischen Graben. Das Laden und Verdämmen dauerte 3 1/2 Wochen und wurde durch 30 Mann ausgeführt. Die Ladung bestand aus 50.000 kg Westfalit, zu dessen Beförderung fünf Eisenbahnwaggons notwendig gewesen wären. Die Verdämmung erfolgte in Länge von 80 m durch gewölbeförmig gesetzte Sandsäcke, die alle 5 m durch Bohlen und Stempel verriegelt wurden. Es waren vier vollständig selbstständige elektrische Zündleitungen vorhanden. Das Laden gestaltete sich sehr schwierig und gefährlich, da der Feind fortgesetzt in der Nähe sprengte. Bei dem Strecken der Zündleitungen war noch besondere Vorsicht geboten, weil sich in den Hohlgängen in Vauquois zahlreiche Starkstromleitungen für Beleuchtung, Lüftung und Bohrung befanden.

Während dieser Arbeiten nahm der übrige Minenkrieg seinen gewohnten Fortgang, ebenso das Schießen mit den Minenwerfern und Ladungswerfern.

Am 12. April 1916 schlug beim „Minenzauber“ eine feindliche Flügelmine in einen unserer Minen-Werfer-Stände, wobei Pionier Schlüter, der den Minenwerfer bedient hatte, fiel.

 

Minenwerfer
Trümmer der Minenwerferkaserne

 

 

 

 

 

Am 14. Mai 1916 erfolgte die Sprengung der vorerwähnten 50.000 kg Ladung unter dem linken Schulterpunkt der feindlichen Stellung. Auf dem Vauquois-Berg waren umfassende Vorbereitungen getroffen, um Schäden für die eigene Truppe zu vermeiden und trotzdem die Kampfbereitschaft aufrechtzuerhalten. Um 6 Uhr nachmittags wurde die Ladung gezündet. Erst hob sich an der Sprengstelle die Erde wie eine riesige Blase, aus der bald eine ungeheure Erd- und Rauchsäule emporstieg. Als sich der Qualm verzogen hatte, klaffte an der Stelle, wo früher die feindlichen Stellungen gewesen waren, ein tiefer Krater von 80 m Durchmesser. Nach späteren Aussagen eines Gefangenen wurden die Verluste bei den Franzosen auf etwa 300 Mann beziffert. Unsere eigene Stellung wurde so gut wie gar nicht beschädigt.

 

Aus: Das Ehrenbuch der Rheinländer; Vaterländische Verlagsanstalt Oskar Hinderer

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