Die Geschichte des Sergeant York

„Sergeant York“ des Hollywood-Regisseurs Howard Hawks beruht auf den Erlebnissen des höchstdekorierten US-Soldaten des 1. Weltkriegs. Alvin C. York tötete mutmaßlich während seines Einsatzes in Europa 25 Deutsche und nahm 132 weitere eigenhändig gefangen. Das brachte ihm nach dem Krieg in seiner Heimat viele Orden und Anerkennung. Vor allem, weil das Leben des späteren Soldaten York zunächst gar nicht nach einer militärischen Laufbahn aussah. Hollywood griff zu und machte aus ihm einen Star.

Sergeant Alvin C. York

Bringen wir etwas Licht in diese Geschichte aus den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs, welche in Deutschland nur einem kleinen, interessierten Kreis bekannt ist.

Zunächst zog die Geschichte, die erst in den späten 20er Jahren über einen Zeitungsartikel aus Schweden in Deutschland publik wurde, einen Skandal nach sich. Die Offiziere der genannten Einheiten sahen sich in ihrer Ehre gekränkt. Der aufblühende Nationalismus und die politische Lage in der Weimarer Republik taten ein Übriges dazu. Dinge, die wir aus der Geschichtsforschung der heutigen Zeit wissen, bzw. die Gegenstand aktueller Forschung sind, wie die Tatsache des verdeckten Militärstreiks 1918 oder die massenweise Niederlegung der Waffen in den letzten Kriegswochen, waren Ende der 20 Jahre gänzlich unbekannt oder wurden bewusst verschwiegen.
Bei vielen Offizieren galt nach wie vor die Parole: „Das Kaiserliche Heer ist unbesiegt in die Heimat zurückgekehrt und die Umstürze in der Heimat haben die Front verraten.“

Wir haben die Ereignisse und unsere Artikel wie folgt gegliedert:

Die Geschichte des Sergeant York

Bericht zu den Vorgängen aus dem Reichsarchiv

Aus den Kriegstagebüchern (noch nicht fertig)

Der Sergeant York Trail in Chatel-Chéhéry

Um die folgenden Ereignisse im historischen Kontext zu sehen, sind ein paar weiterführende Erklärungen nötig.

Die Lage an der Heimatfront 1918

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges war Deutschland der größte Agrarimporteur der Welt. Durch die Blockade der Allierten änderte sich das schnell.
Schon im Jahre 1916 kam es in Deutschland zu einer dramatischen Verknappung von Lebensmitteln. Falsche Annahmen im Getreideverbrauch und zur Schonung der Kartoffelbestände ließ die Regierung alle Schweine schlachten. Minderwertiges Konservenmaterial führte jedoch dazu, dass das Fleisch vorzeitig vergammelte. Die Kartoffelernte 1916 fiel jedoch bedingt durch die Kartoffelfäule um 50 % geringer aus. Als Alternative blieb nur die Steckrübe. Dieses Gemüse, ursprünglich für die Schweinemast gedacht, war jedoch wenig nahrhaft. Der Winter 1916/17 war außerordenlich streng und die strenge Rationierung der Kohle sorgte dafür, dass die Masse der Bevölkerung frieren musste.
Die katastrophale Ernährungslage führte zu massiven Streiks der hungernden Bevölkerung ab 1917. Diese nahmen 1918 weiter zu, trotz das die Militärbehörden dagegen vorgingen. Mit Ausbruch der spanische Grippe 1918 kam es zu einer Vielzahl von Todesfällen unter den ihrer Abwehrkräften beraubten Menschen. Erstmals war die Bevölkerung direkt durch den Krieg betroffen.

Die militärische Lage im Herbst 1918

Die militärische Lage zu Beginn des Jahres 1918 sah nicht besonders vielversprechend aus. Zwar wurden, bedingt durch den Waffenstillstand mit Russland 1918, eine große Anzahl Truppen aus dem Osten nach der Westfront verlegt, die meisten galten jedoch als bedingt kampfbereit. Nach dem Scheitern der ersten beiden großen Offensiven 1918 an der Westfront (Michael-Offensive und Operation Georgette) durch Erschöpfung der Angriffstruppen und mangelhafter Nachschubleistung wendete sich das Blatt endgültig zu Gunsten der Alliierten. Im Juli 1918 waren bereits 1 Million US-Soldaten der American Expeditionary Forces in Frankreich gelandet.

Die militärische Lage in den Argonnen

Bei den deutschen Truppen in den Argonnen war die Lage verheerend. Nach dem amerikanischen Angriff vom 26. September 1918 wurden sie, je nachdem wo die Lage am brenzeligsten war, von einem Ende der Argonnen ohne Ruhepausen zum anderen Ende gesandt. Dazu kam, dass sie mit Fortschreiten der Offensive jeglicher Unterkunftsmöglichkeiten beraubt waren. Nun mussten sie bei kühlem und regnerischem Herbstwetter unter freiem Himmel biwakieren. Die mangelhafte Ernährung mit Dörrgemüse, Trockenfisch, Drahtverhau (Sauerkraut), Ersatz-Brot aus Mais-, Bohnen-, Erbsen- und Holzmehl sorgte nicht für gehobene Stimmung.

Unterstand in Chatel

Bei den amerikanischen Truppen sah die Lage in einigen Bereichen wenig rosig aus. So wurden kurz nach Beginn der Offensive einige offensichtlich unfähige bzw. total überforderte Kommandeure ihres Kommandos enthoben. Sie hatten es vorgezogen weiterhin mit ihren Stäben hinter der Frontlinie zu bleiben, anstatt mit vorzurücken. Das Ergebnis war eine totale Durchmischung der Einheiten und Zusammenbruch jeglicher Führung, so bei der 35. US Infanterie-Division in den Argonnen.

Der Mangel an Führung und Koordination aber auch die immer schwächer aufgestellten deutschen Einheiten, führte dazu, dass immer wieder größere amerikanische Verbände durch die dünnen deutschen Sicherungslinien schlüpften. Nach einigen Stunden wurden sie jedoch von deutschen Patrouillen bemerkt und „in Schach“ gehalten. Zu Angriffsunternehmungen fehlten den deutschen Truppen die personelle Stärke.

Ein außerordenlicher Erfolg auf amerikanischer Seite war dringend nötig…

Die Lage bei Chatel-Chéhery

Nach dem Vorstoß der amerikanischen Verbände bei Apremont in Richtung Cornay wurden die deutschen Truppen Anfang Oktober weiter nach Norden entlang des Waldrandes zurück genommen.

Die Argonnenbahn, welche die Amerikaner mit ihrem Vorstoß bei Chatel-Chéhery unterbrechen wollten, bestand aus zwei Strängen. Der östliche Strang – eine Holzbahn – bediente die Strecke Marcq – Apremont, die weiter westlich gelegene Linie ging von Grandpré nach dem Lager Borrieswalde.

Die Argonnenbahn bei Apremont
Das Lager Borrieswalde nach der Maas-Argonnen Offensive

Das Generalkommando hatte für den 06. Oktober 1918 befohlen, die Frontlinie Valérine-Tal östlich Lancon – Waldlager Chatel – Hohenbornhöhe, mit zurück liegendem Flügel über Chatel – Schloßberg nördlich Chatel – „Schöne Aussicht“ südlich Cornay, einzunehmen.

Feldbefestigung auf dem Schloßberg

Zur Verfügung standen lediglich abgekämpfte Truppen der 1. Garde-Infanterie-Division, 52. und 45. Reserve-Division – kaum ein paar Hundert Mann dieser 1914 knapp 10.000 Mann starken Verbände. Inwieweit diese noch kampfwillig waren oder auf Gelegenheit zur Gefangennahme warteten, bleibt unbekannt. Lediglich die 2. Landwehr-Infanterie-Division wurde als verlässlich betitelt.

Deutscher Drahtverhau auf dem Schloßberg in Châtel

Der amerikanische Vorstoß

Die Befehle der 82. US-Infanterie Division forderten einen konzentrierten Angriff des 327. US-Infanterie-Regiments auf der rechten Seite, des 328. US-Infanterie-Regiments in der Mitte und auf der linken Seite des 110. US-Infanterie-Regiments, die alle nach Westen zum Korps-Ziel in Richtung Cornay und Argonnenbahn führen sollten.

Feldbahn am Rande des Argonnerwaldes

Das Sperrfeuer blieb aus, ebenso wie der Angriff des 110. US-Infanterie-Regiments. Bei Angriffsbeginn am 08. Oktober gegen 13.00 Uhr setzten sich bei schwachem Widerstand die A und C Kompanien des I. Batallions von der Hauptstraße in Chatel aus Richtung Nordwesten in Bewegung.

Châtel im Oktober 1918

Der Fortschritt setzte sich mit leichtem Widerstand über etwa 700 Meter fort, traf dann aber auf Maschinengewehrfeuer von vorne und von beiden Flanken. Hier muss der Leser wissen, dass das Gelände nach Nordwesten in Richtung Argonnenbahn ansteigt, in Richtung Châtel sich jedoch ein Waldtal öffnet. Gedeckt durch dieses Waldtal ist es den amerikanischen Kompanien gelungen die schwachen deutschen Kräfte des II. und III. Bataillons des Landwehr-Infanterie-Regiments 120 zu umgehen und auch in ein parallel verlaufendes Tal vorzustoßen.

Möglicher amerikanischer Vorstoß

Hier stießen sie nun in den Rücken des

Landwehr-Infanterie-Regiments 125
Landwehr-Infanterie-Regiments 120
Reserve-Infanterie-Regiments 210
Bayerischen Mineur-Kompanie 7

die kaum noch aus ein paar Hundert Mann bestanden und um deren Moral und Kampfwillen es nicht zum Besten bestellt war.

Sergeant York in der Archäologie der Neuzeit

Seit einigen Jahren streiten sich zwei amerikanische Gruppen Historiker über die Deutungshohheit der Sergeant York Ereignisse. Beide Gruppen haben umfangreiche archäologische Grabungen bei Chatel durchgeführt. Die beiden untersuchten Bereiche liegen nur wenige Hundert Meter auseinander. In beiden Bereichen wurden deutsche wie amerikanische Handwaffen-Munition, Koppeltragegeschirr, Munitionstaschen, Erste-Hilfe-Sets, Essbestecke, Gasmasken-Filter und Munitionskästen gefunden. Es gibt ebenfalls an beiden Fundstellen Abschnitte in denen abgeschossene Hülsen in großer Menge > 50 gefunden wurden. Hier hat an mehreren Stellen ein Feuergefecht stattgefunden. Wer von wo, zuerst, wie lange und mit welchem Ergebnis beteiligt war, lässt sich nicht mehr feststellen.

Nach dem Gefecht begab sich eine größere Anzahl deutscher Soldaten und Offiziere in Gefangenschaft. Inwieweit dies Folge des Gefechts war oder ob eine günstige Gelegenheit genutzt wurde, kann heute niemand mehr sagen.
Genausowenig darf bezweifelt werden, dass ein einzelner amerikanischer Soldat inmitten Hunderter weiterer, alleine Herausragendes leisten konnte.

Lesen sie hier den nächsten Teil der Geschichte um Sergeant York

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