Das zerstörte Dorf Louvemont-Côte du Poivre

Die „Rote Zone”, ein Begriff für das heutige, touristisch erschlossene Schlachtfeld Verdun und ein Inbegriff für die restlose Zerstörung von urbanem Leben. Hier befanden sich die neun, im Krieg vollends zerstörten und nicht wieder aufgebauten Dörfer Beaumont-en-Verdunois, Bezonvaux, Cumières, Douaumont, Louvemont-Côte-du-Poivre, Fleury-devant-Douaumont, Haumont-près-Samogneux und schlussendlich Ornes. Sie alle lagen im Bereich des Festungsgürtels um Verdun, mehr oder weniger befestigt und wurden Opfer der deutschen und später der französischen Artillerie. Wohnhäuser, Gehöfte, Kirchen und Straßen wurden durch tausende Granaten dem Erdboden gleichgemacht. Die Bevölkerung der Dörfer sah sich bereits zu Beginn des Krieges und der kommenden Verdun-Schlacht zur Flucht gezwungen. 1918 allerdings war an eine Rückkehr nicht mehr zu denken. Das Ausmaß der Zerstörung, die Gefahr des von Munitions, Kadaver- und gasverseuchten Bodens ließen keinen Wiederaufbau und keine Besiedelung mehr zu. Bekannt unter dem Begriff „Villages détruits” kann der Besucher heute nur noch den Verlauf von Häusern, Gebäuden und Straßen erahnen. Kaum etwas lässt mehr auf ein Leben schließen, welches die ländlich geprägte Bevölkerung vor dem Krieg dort verbrachte. Wenige Mauer- oder   Schrottreste, Gräben, Trichter, sowie nachträglich angebrachte Schilder vom Standort der Gebäude und dem Verlauf der Straßen, prägen das heutige Bild.

Polarisierend wirken die nachträglich gebauten Kapellen und Denkmäler auf denen die Namen der gefallenen Dorfbewohner prangen. Noch im Oktober 1919 erhielt jedes der Dörfer per Gesetzesbeschluss einen Gemeinderat und einen Gemeindevorstand, dessen Befugnisse jenen eines Bürgermeisters gleichkommen. Dieses besteht noch bis heute. Feierlichkeiten und Erinnerungsmessen mit Nachkommen der Einwohner werden einmal jährlich abgehalten.

 

Louvemont-Côte du Poivre

183 Menschen lebten vor Beginn des Weltkrieges in Louvemont, am Hang des Pfefferrückens. Am 12. Februar 1916 mussten sie ihr Dorf und somit ihre Heimat auf Befehl der militärischen Behörden innerhalb 24 Stunden verlassen. Louvemont wurde zur Verteidigung eingerichtet. Am 25. Februar kämpfte sich das Infanterie-Leibregiment 117 durch die Louvemont-Stellung und Dorf bis an den Rand des Pfefferrückens.

 

Louvemont
Das Dorf Louvemont

 

Nach der Eroberung blieb das Dorf 10 Monate unter deutscher Besetzung, erst am 15. Dezember 1916 ging es, während der Offensive unter General Mangin, wieder in den Besitz der französischen Armee über. Dem Besucher zeigt sich das heutige Louvemont-Côte du Poivre mit Bäumen bepflanzt die den Straßenverlauf abzeichnen, mit einer 1932 eingeweihten Kapelle nebst Kriegerdenkmal, sowie gut erhaltenen Mauer- und Fundamentresten und einer sprudelnden Quelle.

Louvement

     
Louvement
Louvement – heute

 

Jedes Jahr, am ersten Augustsonntag, wird eine Gedenkmesse abgehalten.

 

Louvement
Kapelle bei Louvement

 

Das Repressalien-Lager in Flabas

Kriegsgefangenschaft im Ersten Weltkrieg ist ein weitestgehend wenig erforschtes Thema. In Frankreich und Deutschland wurde das Los der eigenen Soldaten meist bedauert und versucht durch Hilfspakete und Zugang vom Roten Kreuz zu erleichtern. Generell kamen Übergriffe gegen feindliche Kriegsgefangene häufig vor, wurden aber gleichzeitig durch eine Art ‚Gleichgewicht des Schreckens‘ begrenzt. Schikanen gegen Gefangene in den eigenen Lagern konnten jederzeit durch scharfe Repressalien gegen die eigenen Leute in der Hand des Feindes beantwortet werden.

 

Kriegsgefangene
Deutsche Gefangene in einem französischen Lager

 

 

 

 

 

 

Der Ort Flabas ist im Bereich Verdun vor allen Dingen mit dem dortigen Repressalienlager eng verknüpft.

Im Dezember 1916 hatten deutsche Artilleriebeobachter beobachtet, dass im rückwärtigen französischen Teil des Höhenrückens bei Fleury deutsche Gefangene zu Trägerdiensten herangezogen wurden. Offensichtlich wurden sie zu dieser Arbeit gezwungen.
Ebenfalls wurden deutsche Gefangene im Wirkungsbereich der Artillerie an der Voie-Sacrée und zwischen dem Fort Regret und Dugny eingesetzt. In den Aufzeichnungen der französischen Armee ist erwähnt, dass mangels Arbeitskräften Gefangene im Dezember 1916 auf dem Ostufer eingesetzt wurden.

Dieser Einsatz stand im Widerspruch zu den damals gültigen Vereinbarungen im Umgang mit Kriegsgefangenen:

– Kein Einsatz bis 30 km hinter der jeweiligen Front.

 


Am 21. Dezember 1916 wurde von Deutschland  ein Ultimatum an Frankreich gesendet, dieses bis zum 15. Januar 1917 abzustellen.

Die Forderungen lauteten:

          – Verbot der Arbeit von Kriegsgefangenen im Umkreis von 30 km hinter der Front

          – Genehmigung für die Gefangenen per Post mit Deutschland zu korrespondieren

          – Verpflichtung zur Angabe der Namen der Lager, in denen sie interniert wurden

 

Mangels einer Antwort aus der französischen Regierung begannen die deutschen Truppen damit, ab dem 15. Januar 1917, französische Kriegsgefangene in sogenannten „Repressalienlagern“ zu internieren. Eines davon lag 500 m vom Caures-Wald entfernt, im Bereich der französischen Artillerie.

 

Flabas
Gedenkstelle bei Flabas

 

 

 

 

 

 

 

Der französische Leutnant Léon Cuvelle wurde im Lager eingesperrt.

 

Flabas

 

 

 

 

 

 

Abkommandiert zur Verteidigung der Höhe 304, wurde er bei einem deutschen Angriff gefangen genommen. Zum Verhör wurde er zum Gefechtsstand Ferme de la Madeleine gebracht. Dort traf er den „Kronprinzen“, den Sohn des Kaisers Wilhelm II, aus Stenay, der von den Soldaten der „Schlächter von Verdun“ genannt wurde. Dann kam er über Brieulles, Dun-sur-Meuse nach Clery-le-Petit, wo er einen Monat in einem Lager verbrachte. Von dort wird er mit fünf Kameraden, Offiziere wie er, nach Louppy gebracht.

Dann werden sie, ohne Erklärung, durch drei Kavalleristen mit vorgehaltenen Waffen über Felder und Gräben geführt. „Der Schnee fiel, wir stürzten bei den Anstrengungen und diesem Wettlauf.“  Man sperrte  sie in eine Umzäunung mitten auf einer Brachfläche.
Deutsche Offiziere informierten sie, dass sie solange eingesperrt blieben, bis die Französische Regierung die neuen Regelungen in Bezug auf die Arbeit von Gefangenen, angenommen hat.

Es ist ein Viereck aus Stacheldraht, die Seiten sind zwei Meter lang und die Höhe beträgt drei Meter.

„Was für schreckliche Tage haben wir dort verbracht. Sitzend auf unserem Helm der tief im Schlamm versinkt, mit dem Rücken gegen den Stacheldraht gelehnt, der am Mantel zerrt, so schliefen wir auch. Die Kälte trug auch zum Schrecken jener endlosen Tage bei. Schnee und Hagel wechselten und machten aus unserem Gefängnis eine Kloake … „

Wenn wir den Rest der Geschichte für wahr nehmen, sollten diese „Umzäunungen“ auf dem Gebiet von Lissey, zumindest in der Nähe gewesen sein.

„Nach einem Besuch unter der Leitung von drei Stabsoffizieren, der uns offiziell zu sein schien, wurde der Käfig geöffnet. Der siebte Tag unserer Existenz, gefangen wie Raubtiere, hatte begonnen.
Die Besucher erkannten die klägliche Situation und hielten es für notwendig, die Strenge dieser Repressalien zu mildern. Sie hatte den Befehl gegeben, die Dauer unseres Aufenthalts in dieser Stacheldraht Umzäunung zu verkürzen.
Unstrittig wäre sonst unser Asyl noch mehr bewohnt. Bis die Offiziere für uns eine neue Verwendung haben, ist es die Zelle, in der wir auf ihre Entscheidung warten.
           Immer unter Begleitung, als ob wir noch in der Lage wären zu flüchten, bringt man uns in die, ein paar hundert Meter von unserem Käfig entfernt gelegenen Ruinen eines kleinen Dorfes namens Lissey.
An einer alten Hütte, die aufeinander folgenden Bombardements getrotzt hat, sind zwei Türen geöffnet, die uns zu begrüßen scheinen. Dies sind die Eingänge von zwei Kellerlöchern, die , nehme ich an, widerspenstigen Soldaten Zuflucht gewährten und für uns geräumt wurden. In einem Nebenraum ist auch die Polizeistation. Wir werden in diesen Zellen zu dritt, für eine Dauer von 48 Stunden gesperrt.
Wir haben jetzt Schutz vor dem Wetter und – höchsten Komfort! – Ein Bank wird es uns ermöglichen, unsere schmerzenden Glieder auszustrecken. Die Kälte war  bitter (Winter 1917 war besonders hart) und verhindert, dass wir diese glückliche Veränderung unserer Behandlung zu sehr genießen.
Das Essen war immer noch sparsam  und wurde mit der Suppe zugleich verteilt. Leider, wenn wir auch mit unserem Drahtkäfig reichlich frische Luft und Licht hatten, wurden wir während der 24 Stunden des Tages in völlige Dunkelheit getaucht ….
 … Dieses war ein unvergesslicher Aufenthalt … und leider zu kurz in diesen Zellen. „

Von dort wurden sie mit kleinen Schritten dank ihres dürftigen körperlichen Zustandes durch Reville, Etraye, Crépion, Moirey nach Flabas gebracht.

 

Das Lager

Sehr rudimentär; es wurde auf die Schnelle mit improvisierten Mitteln  von Gefangenen des Französischen 173e Régiment d’Infaterie gebaut. Ein einfacher Drahtzaun aus Stacheldraht in der Form eines Rechtecks 50 m lang und 30 m breit. Innerhalb eine Hütte, 2 Meter 50 hoch, keine Fenster. Als Dach dienten lose Bretter, auch nicht mit Teerpappe gedeckt. Fünfhundert Poilus wurden darin untergebracht. Die Kapazität war kaum ausreichend für 200 Mann, zur Aufnahme von 250 mußten diese aufeinander liegen. Die Hälfte der Gefangenen mussten draußen bleiben, sich an den Außenwänden, im tiefen Schlamm der Schlucht sitzend, anlehnen. In einer Ecke, drei Löcher, die Abortgruben. In einer anderen Ecke stand eine winzige Hütte als Küche und ein wenig weiter eine dritte Hütte, die als Krankenstation … und Leichenhalle diente. Von dieser Unterkunft waren , Lt. Cuvelle und seine Begleiter, als Offiziere betroffen.

Terror herrschte an diesem Ort. Er war unter der Aufsicht eines Vize-Feldwebel und zweier Unteroffiziere, sowie vierzig Mannschaften, meist unter dem Einfluss von reichlich Schnaps.

 

Flabas

 

 

 

 

 

Das Leben im Lager

Es ist unmöglich, im Detail auf den Missbrauch und die Schikanen einzugehen, deren Gegenstand die Gefangenen waren. Die Schläge der Stöcke, Gewehrkolben, Bajonette, Zwangsarbeit, unzureichende Nahrung, Krankheit, verwandelte sie in der Realität schnell in menschliche Wracks.

 

Von den 500 Gefangenen im Lager verloren 200 in drei Monaten ihr Leben. Hier sind einige Auszüge aus der Geschichte von Leo Cuvelle:

„Jeden Morgen in der Dämmerung gab es Alarm. Zehn Soldaten schrien herum und schwangen ihre Stöcke, trafen den bewegungslosen Körper eines unsrigen, der nicht einmal mehr die Schläge abwehren konnte. Die Armen flüchteten, wurden gejagt und versuchten, irgendwie zu entkommen. Dieses abscheuliche Schauspiel der brutalen Kerle wurde zum Höhepunkt bejubelt!

War das Wecken beendet, holten wir einen Blechnapf aus unseren Taschen, ein Gefäss , das wir unterwegs im Dreck gefunden hatten.
Wir gingen dann, einer nach dem anderen zur Küche, um  eine Ration heißes schwarzes Wasser zu empfangen, das Kaffee sein sollte. Wir rieben unsere schmutzigen Fingern über das Gesicht, es wurde noch dreckiger: das war unsere Morgentoilette. Aber schon warteten vierzig Soldaten draußen auf uns und wir stellten uns unter Stockschlägen auf. Da der Boden in der schlechten Jahreszeit sehr rutschig war, fielen wir unter dem Gelächter unserer Wachen oft hin. Dann, nach einer langen Wartezeit in der Kälte, zählte uns der Feldwebel und schickte die Kranken auf die Krankenstation, die auch als Leichenhalle diente,  denn wir sahen sie nicht wieder …

…. unsere Kompanie wurde in zwei Gruppen eingeteilt. Die wichtigste davon ging nach Samogneux und bestand aus 300 Mann. Deren Aufgabe war es, Straßen und Wege zu den vorderen Linien zu reparieren. Die anderen Gefangenen blieben im Caureswald oder was davon übrig war, um dort Wege zu erhalten  und deutlich schwieriger, Munition zu den Kampflinien zu transportieren. Kein Gefangener ging freiwillig mit, denn mal wurde die eine Gegend beschossen, mal die andere…

… die Wege denen wir folgten waren in einem schlechten Zustand. Die Einschläge pflügten sie jeden Tag um und in den Löchern stand der Schlamm. Die Bosheit unserer Bewacher nutzte dies schändlich aus. Die Barbaren verlangten, dass wir zu viert in einer Reihe marschieren, ohne die Ausrichtung zu verlieren. Sie setzten eine grimmige Entschlossenheit auf, um uns Respekt zu zeigen, trotz der unüberwindlichen Schwierigkeiten des Weges. Das abscheulichste Schauspiel, das es oft gab,  war dies: eine schwacher, erschöpfter Poilu wollte in der Kolonne bleiben, musste aber manchmal, um ein Granatloch zu vermeiden, einen Schritt nach links oder rechts machen. Die Wachen, immer auf der Suche nach sadistischem Vergnügen, ließen dies scheitern. Sie packten einen Poilu aus der Reihe und zogen ihn fort. Als die Gruppe weiter ging, wurde dieser Gefangene zum nächsten Granattrichter geführt und wurde unter Schlägen gezwungen mehrmals durch das Loch zu gehen.  Der Unglückliche blieb schrecklicherweise oft stecken, musste aber schnell wieder raus, da die Schläge sich sonst verdoppelten. Ich sah, wie mehrere so starben. Einen Tag nach einer herzzerreißenden Szene dieser Art, war ich der letzte in der Gruppe. Ein der Wachposten war besonders wütend über ein tapferen Kameraden um die vierzig Jahre. Trotz seiner Bemühungen, konnte er nicht aufstehen, an diesem Tag war alles sehr vereist. Er war komplett erschöpft. Nach zwei oder drei Aufforderungen nahm die Wache kühl ihren Stock beiseite, nahm die Waffe, die er auf dem Rücken trug, spannte, zielte und schoß auf den Poilu. Die Kugel durchschlug seinen Hals… Auf der Baustelle ließen, unter dem Vorwand sich ein wenig zwischen zwei Schaufelhüben auszuruhen oder den Kopf zu drehen, die Wachen nicht von einem Mann ab. Der Unglückliche mußte ohne Unterlass arbeiten und bald fiel er völlig erschöpft um. Unsere Wachen zeigten größte Rohheit auch bei der Wahl der Strafen und oft nahmen sie den Tod der Gefangenen in Kauf …

… in der Nacht hatten wir die einzige Mahlzeit am Tag. Eine Suppe mit einer Mischung aus Gerste und unbekannten Substanzen, zweimal wöchentlich mit einem winzigen Stück Pferdefleisch. Das Brot enthielt kein Mehl, es war durch Sägemehl ersetzt worden … Das Brot löste sich in unseren Taschen auf. Die Verteilung wurde alle vier Tage durchgeführt …

… Bei einigen grausigen Sachen war ich als Zuschauer anwesend. Ich sah, wie zwei Poilus, die dem Hunger nicht mehr widerstehen konnten, mit dem Rücken an die Baracke gelehnt saßen und zusammen ihre eigenen Läuse aßen. Sie suchten sie überall ohne große Schwierigkeiten, auf ihren Köpfen, einfach ohne große Prahlerei , ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Ja, ich schwöre, ich habe Männer wie Affen Läuse essen gesehen …

…. eine Nacht, ich fühlte mich grob behandelt und gezwungen auf das harte Drängen eines dieser Unmenschen aufzustehen. Im Mondlicht, denn er hatte mich sofort nach draußen gebracht, konnte ich nur unschwer erkennen, dass er sturzbetrunken war. Zu meiner großen Überraschung und Trauer, sah ich einen Soldaten an den Pfahl gebunden, welcher dazu verwendet wurde, Gefangene zu zu bestrafen. Man konnte sein todesröcheln hören. Seine Hände und Füße waren mit Draht gefesselt, seine Füße berührten nicht mal den Boden. Mich als Zeuge nehmend, versuchte mir dieser berüchtigte Säufer zu erklären, dass der Gefangene ein schlechter Soldat sei, ihm dabei einige kräftige Stockschläge verabreichend und derbe fluchend…

 

 

 

 

 

 

 

… eines Tages, schaffte es ein kleiner willensstarker Soldat der Überwachung seiner Wächter zu entwischen und sich den Arbeitstag über zu verstecken. In der Nacht nahm er den Weg Richtung französischer Linien, um diese zu erreichen. Doch er war so schwach, dass er dieses Ziel nicht erreichte. Er wurde erneut gefasst und ins Lager zurückgebracht. Doch sein neuer Aufenthalt war nur von kurzer Dauer. Die neuerlichen Schikanen raubten ihn seiner letzten Kräfte und so kam er bald auf den nahe gelegenen Friedhof, der beunruhigende Dimensionen annahm.

… dann kam die Ruhr und raffte viele Gefangene hinweg, auch von uns. Keine große Überraschung. Wir aßen jeden Tag alle Arten von schmutzigen Kräutern, die wir unter unseren Füßen finden konnten. Eine Wache warf eine Zigarettenkippe weg – wir stürtzten uns alle, ohne Unterschied des Ranges, wie die Wilden darauf um sie zu bekommen. Um diesen schmutzigen Krankheitserreger zuerst zu erreichen, kämpften wir darum, bis der glückliche Gewinner sich die Frucht seines miasmatischen Sieges in den Mund stopfen konnte. Das war um den Hunger abzuwehren und die Gesten wurden von uns mit entwaffnender Leichtigkeit gemacht. Jedes Mal bewunderten wir mit Neid den glücklichen Gewinner…

…Schließlich, als wir eines Tages von der Arbeit zurückkehrten, sagte der Feldwebel uns, dass die Vergeltungsmaßnahmen aufhören sollten. Frankreich hatte die Auflagen von Deutschland akzeptiert. Wir konnten uns nicht halten uns Freude! Wie ein Lauffeuer gingen die Worte des Feldwebels von Mund zu Mund und wir waren von dem Anblick überwältig, zu sehen, wie die menschlichen Wracks neue Energie fanden, jauchzten und sich wie Kinder küssten.“

Nachdem sie gründlich geduscht hatten und mehrfach desinfiziert wurden, ging es für die Gefangenen mit dem Zug nach Montmédy und Longuyon, wo sie für zwei Wochen in Quarantäne blieben. Sie unterzogen sich hier eine neuen Desinfizierung und kamen über Luxemburg, Trier, Mainz, Frankfurt nach Giessen in Hessen.

Als Offizier beendet Léon Cuvelle seinen Aufenthalt bis zum Waffenstillstand 1918 als Gefangener  in Karlsruhe.

1934 fertigte Léon Cuvelle, der Bildhauer war, ein Denkmal zur Erinnerung an alle internierten Gefangenen im Lager. Es wurde von den Deutschen im Jahr 1940 gesprengt. Es wurde vom Verfasser mit den Trümmern des alten Denkmal wieder aufgebaut.

 

 

 

Aus dem Französischen übersetzt. Dank an M. AUBRY-COUPARD für die Überlassung des Textes und der Bilder.

 

Soldatenfriedhof Dun sur Meuse

Bereits im Jahre 1914 wurde der Soldatenfriedhof Dun-sur-Meuse von dort ansässigen Sanitätseinheiten auf dem Berghang oberhalb der Stadt angelegt. Im September 1914 wird am Bahnendpunkt Dun-sur-Meuse die Krankensammelstelle zum Kriegslazarett erweitert. Das Lazarett wird in einigen privaten Häusern eingerichtet. Der Zugang von Verwundeten und Kranken ist jeden Tag groß. Im Schnitt erreichen zwischen 200 und 400 Personen den Bahnendpunkt Dun-sur-Meuse.

Ende 1914 kann das Lazarett 500 Betten aufweisen. Dazu gehören Röntgenabteilung, Badestube und Desinfektionsanstalt.
Die Verwundeten kommen aus den Feldlazaretten Romagne-sous-Montfaucon, Aincreville und Cléry-le-Grand. Nach der Fertigstellung der Feldbahn auf dem westlichen Massufer im April 1916 nimmt die Anzahl der Verwundeten zu. Sie kommen von den Hauptverbandsplätzen Cierges, Romagne-sous-Montfaucon und Ainvreville. Der Friedhof wird bis September 1918 genutzt. Danach schreitet die amerikanische Maas-Argonnen-Offensive voran und der Ort wird geräumt.

 

Dun sur Meuse

 

 

Auf dem Friedhof liegen 1664 Tote in Einzelgräbern bestattet. Für die geringe Anzahl Bestatteter ist der Friedhof großräumig angelegt. Die Belegung besteht hauptsächlich aus Angehörigen der Infanterieregimenter:

  • Infanterie-Regiment Nr. 22
  • Infanterie-Regiment Nr. 156
  • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 10 (I. Bataillon Striegau, II. Wohlau, III. Breslau)
  • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 11 (I. Bataillon Glatz, II. Schweidnitz, III. Münsterberg)
  • Reserve-Infanterie-Regiment 23 (I. und II. Bataillon Oppeln)
  • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 38 (I. Bataillon Oels, II. und III. Breslau)
  • Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 6 Oels
  • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 22 (I. Bataillon Rybnik, II. Ratibor, III. Cosel)
  • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 51 (I. Bataillon Neisse, II. Gleiwitz)

 Diese Infanterieregimenter aus Schlesien wurden im Rahmen des VI. Reserve-Korps bei den Kämpfen um die Höhe Toter Mann und Höhe 304 eingesetzt.

 

Dun sur Meuse
Kriegerfriedhof Dun-sur-Meuse
  Dun sur Meuse

 

Weiterhin wurden auf dem Friedhof zwei Angehörige der österreichischen Armee bestattet, die hier im Spätsommer 1918 eingesetzt war.

 

Dun sur Meuse
Der Friedhof im Jahr 1916

 

 Auch hier verstorbene belgische und deutsche Zivilarbeiter, die im Straßen- oder Eisenbahnbau eingesetzt waren, sind hier beigesetzt worden.

 

Die Gestaltung von Kriegsgräbern und Soldatenfriedhöfen wurde erstmals im Ersten Weltkrieg durch den Gesetzgeber geregelt. Die allgemeine Wehrpflicht hatte für eine Besserstellung des Soldatenstandes gesorgt, nun wurden auch weitestgehend einfache Soldaten in Einzelgäbern bestattet. Nach Kriegsbeginn waren zunächst die Etappeninspektionen für deren Anlage und Pflege zuständig. Als sich der Krieg in die Länge zog, wurde man gewahr, dass viele Einheiten direkt hinter der Front, teils in dichten Wäldern, Friedhöfe und Denkmäler errichtet hatten.
Diese konnten jedoch nach Kriegsende nicht weiter gepflegt werden. Ab 1923 begann der Volksbund mit Umbettungsarbeiten und der Errichtung individueller deutscher Soldatenfriedhöfe in Belgien und Frankreich. Im Gegensatz zu den europäischen Nachbarn – dort gibt es staatliche Stellen für den Erhalt der Soldatenfriedhöfe –  hat damit bis heute eine private, gemeinnützige Organisation die Pflege und Instandhaltung übernommen. Finanziert wird sie durch Spenden und Sammelaktionen.

 

Oberleutnant und Regiments-Adjutant Hans Richter

Oberleutnant und Regiments-Adjutant
Hans Richter

4. Unterelsässisches Infanterie-Regiment Nr. 143

*10. Juli 1890 in Roßlau/Zerbst
+29. April 1916 bei Hermeville

Laut Rangliste des IR 143 wurde Leutnant Hans Richter seit 1913 als Regiments-Adjutant geführt und marschierte zu Kriegsbeginn ins Feld.

 

Richter

 

 

 

 

 

 

Ein Auszug aus seinem Tagebuch über den Kampf bei Sitifort-Vallerysthal im August 1914:

…ging ein Zug der 11. /143 durch ein kleines Wäldchen gegen das Dorf vor. Wir folgten, da die Granaten sich von hinten näherten, und setzten uns am Waldrand in Deckung. Sehen konnte man keinen Schützen. Ich selbst versuchte von einem etwas vorgeschobenen Hügel aus zu erkunden, schoß auch auf etwas Verdächtiges. Plötzlich sagte ein Mann, der neben mir lag: „Der Oberst ist getroffen!“ (Oberst von Petersdorff) Ich ging zurück und wirklich, das Furchtbare war geschehen. Mitten durch die Brust war das Geschoß gegangen...

Zwischen Mai und Juli 1915 traf die Beförderung zum Oberleutnant ein, am 7. September 1915 wurde Richter das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen.

Über den Tod von Oberleutnant Hans Richter schreibt die Regimentsgeschichte:

Am 29. April traf das Regiment ein ganz schwerer Schlag. Um 9 Uhr vormittags erhielt der Regimentsgefechtsstand an der Straße Abaucourt-Moranville einen Volltreffer. Der Regimentskommandeur, Major Pinder, wurde schwer verletzt, sein Adjutant, Oblt. Richter getötet. Außerdem erlitten Lt. Schmeil und mehrere Melder Verletzungen. Major Pinder wurde sofort ins Lazarett abtransportiert, wo er auch am 20. Mai seiner schweren Kopfverletzung erlag. In ihm hatte das Regiment einen fähigen Führer, Offiziere und Mannschaften einen väterlichen Freund verloren. Im März vom IR 136 zu uns kommandiert, hatte er sich durch sein gerades und offenes Wesen, durch seinen gerechten Sinn und durch seinen Mut und seine Unerschrockenheit bald die Herzen aller erobert. Er hatte alle Eigenschaften die den Deutschen Offizier auszeichnen sollen. Was von ihm galt, traf auch auf seinen Adjutanten Oblt. Richter zu. Es war eine selten glückliche militärische Ehe zwischen den beiden, sehr zum Nutzen unseres Regiments. Die Trauer um die beiden tüchtigen Offiziere war eine allgemeine.

 

Richter
Vor dem Regiments-Gefechtsstand in Abaucourt, März 1916

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Bericht eines Melders:
„Am 29. April gegen 07.15 Uhr vormittags erhielt der Unterstand der Offiziere einen Volltreffer.

Die Offiziere waren gerade bei der Morgentoilette, als die schwere Granate angefegt kam. Wir Melder wurden durch den Einschlag aus unserem Unterstand vertrieben. Als wir herauskamen, liefen uns direkt drei verwundete Kameraden entgegen: Lt. Schmeil, Gefr. Paschen und Gefr. Month. Da sahen wir auch den zertrümmerten Nachbarstollen! Herr Major Pinder lag schwerverwundet etwa 3 Meter davor. Er war gerade beim Waschen gewesen, als ihn ein Splitter am Kopf verletzte. Wir fragten dann sogleich nach Oblt. Richter, aber niemand hatte ihn gesehen. Auch er war bei der Toilette gewesen. Nach einigem Suchen fanden wir ihn etwa sieben Meter vom Unterstand entfernt. Er war bereits verschieden…

…Herr Major Pinder hatte uns auf dem Rücktransport nach Oblt. Richter befragt. Natürlich sagten wir ihm nicht die traurige Wahrheit.“

Hans Richters Leichnam wurde kurze Zeit später in die Heimat überführt und auf dem Ehrenfriedhof in Dessau beerdigt.

 

Richter
Grabmal in Dessau

 

 

Nicht weit davon entfernt, ruht der Jagdflieger und Pour le Mérite Träger, Hauptmann Oswald Boelcke.

 

 

 

 

Vielen Dank an Thorsten Pietsch www.frontflieger.de für die Bereitstellung des Grabbildes.

Leutnant und Zugführer Erich Gollmer

Leutnant und Zugführer
Erich Gollmer

4. Badisches Infanterie-Regiment „Prinz Wilhelm” Nr. 112
4. Maschinengewehr-Kompagnie

* 03. September 1897 Metz
+ 02. August 1917 bei Malancourt

Gollmer, Sohn eines Militär-Intendantursekretärs bei der 29. Infanterie-Division, besuchte das Großherzogliche Friedrich-Gymnasium in Freiburg. Am 5. August 1914 trat er als Freiwilliger, im I. Rekrutendepot des I. Ersatzbataillons im Infanterie-Regiment Nr. 113, der Armee bei. Am 4. November 1914 wurde er vereidigt, dort schon ins 4. badische Leib-Grenadier-Regiment 109 versetzt. Mitte November 1914 folgte die Versetzung in das Reserve-Infanterie-Regiment 203. Das Infanterie-Regiment 112 war ab Mai 1915 die letzte Station in seiner militärischen Karriere. Am 15. Juni 1915 wurde er zum Unteroffizier ernannt, die Beförderung zum Feldwebel folgte am 6. September 1915.

Mit dem Offizier-Patent zum Leutnant am 26. März 1916, hatte Gollmer seinen Enddienstgrad erreicht und wurde als Zugführer eingesetzt.

Das I. Bataillon und somit die zugeteilte 4. Maschinengewehr-Kompagnie wurde am 01. August 1917 beim Unternehmen „Zähringen” eingesetzt. Zähringen hatte zum Ziel die verlorenen Stellungen vom französischen Angriff am 17. Juli 1917 in den Abschnitten Quelle, Wald und Straße auf der Höhe 304 wieder zu erobern.

Vom 23. Juli  bis zum 29. Juli 1917 wurde das I. Bataillon als Sturmbataillon bei der Robinette-Ferme ausgebildet. Abschluss der Ausbildung war eine Angriffsübung auf ein Übungswerk bei Bantheville unter den Augen des Generals v. Francois.

Durch starken Regen setzte sich der Angriff des Sturmbataillons am 01. August schwerlich in Gang. Er endete mit einem Geländegewinn von 700 m auf 2 km Breite und über 700 Gefangenen. 97 Batterien und 230 Minenwerfer schossen das Vorbereitungsfeuer, teilweise mit Buntschießen.

Leutnant Gollmer fiel am Tag nach dem Angriff, der geprägt war von Angriffen und Gegenstößen. Er wurde um 2 Uhr 30 morgens durch Granatsplitter im Kopf und in der Brust tödlich verletzt.

In der Regimentsgeschichte ist sein Name nicht verzeichnet.

Er wurde auf dem Soldatenfriedhof Romagne bestattet, später zum Freiburger Hauptfriedhof überführt. Vielen Dank an Thierry Ehret für die Bereitstellung von Informationen zu seinem Werdegang.

 

 

 

Höhe 304
Karte Einsatzgebiet 304

 

Flabas

Flabas ist ein kleiner Ort nordöstlich von Verdun gelegen. Bis zur Schlacht um Verdun am 21. Februar 1916 lag er direkt hinter der Front. In der Nähe befanden sich in den Wäldern und Schluchten Bereitschafts- und Nachschublager, so das Lager Divisions-Schlucht.

Nach Beginn des Angriffs verteilten sich Gruppen von Artillerie-Batterien in den umliegenden Schluchten. Die gedeckte Sicht erlaubte auch den Aufstieg von Fesselballonen.

 

Flabas
Beton-Unterstand an der Straße Verdun – Flabas

 

 

 

 

 

 

 

 

Ab dem Jahr 1917 wurden entlang der Straße Flabas – Verdun rückwärtige Stellungen angelegt.

 

Flabas    
     
Flabas
Fesselballon vor dem Aufstieg bei Flabas
  Flabas
     
Flabas   Flabas

 

Das zerstörte Dorf Douaumont

Die „Rote Zone”, ein Begriff für das heutige, touristisch erschlossene Schlachtfeld Verdun und ein Inbegriff für die restlose Zerstörung von urbanem Leben. Hier befanden sich die neun, im Krieg vollends zerstörten und nicht wieder aufgebauten Dörfer Beaumont-en-Verdunois, Bezonvaux, Cumières, Douaumont, Louvemont-Côte-du-Poivre, Fleury-devant-Douaumont, Haumont-près-Samogneux und schlussendlich Ornes. Sie alle lagen im Bereich des Festungsgürtels um Verdun, mehr oder weniger befestigt und wurden Opfer der deutschen und später der französischen Artillerie. Wohnhäuser, Gehöfte, Kirchen und Straßen wurden durch tausende Granaten dem Erdboden gleichgemacht. Die Bevölkerung der Dörfer sah sich bereits zu Beginn des Krieges und der kommenden Verdun-Schlacht zur Flucht gezwungen. 1918 allerdings war an eine Rückkehr nicht mehr zu denken. Das Ausmaß der Zerstörung, die Gefahr des von Munitions, Kadaver- und gasverseuchten Bodens ließen keinen Wiederaufbau und keine Besiedelung mehr zu. Bekannt unter dem Begriff „Villages détruits” kann der Besucher heute nur noch den Verlauf von Häusern, Gebäuden und Straßen erahnen. Kaum etwas lässt mehr auf ein Leben schließen, welches die ländlich geprägte Bevölkerung vor dem Krieg dort verbrachte. Wenige Mauer- oder   Schrottreste, Gräben, Trichter, sowie nachträglich angebrachte Schilder vom Standort der Gebäude und dem Verlauf der Straßen, prägen das heutige Bild.

Polarisierend wirken die nachträglich gebauten Kapellen und Denkmäler auf denen die Namen der gefallenen Dorfbewohner prangen. Noch im Oktober 1919 erhielt jedes der Dörfer per Gesetzesbeschluss einen Gemeinderat und einen Gemeindevorstand, dessen Befugnisse jenen eines Bürgermeisters gleichkommen. Dieses besteht noch bis heute. Feierlichkeiten und Erinnerungsmessen mit Nachkommen der Einwohner werden einmal jährlich abgehalten.

 

Douaumont:

Am westlichen Ausläufer des Douaumont-Rückens, im Schatten des beherrschenden Forts, lag das stark zur Verteidigung ausgebaute Dorf welches 1914 noch 288 Bewohner zählte. Die Ferme Thiaumont zählte ebenso zur Gemeinde. Am 25. Februar 1916 kam es zu ersten Kämpfen.

Douaumont
Dorf Douaumont

Die dort eingebauten Maschinengewehre des 95. Regiment d’Infanterie erschwerten dem Infanterie-Regiment 24 den Marsch auf das Fort Douaumont, dennoch wurde das Fort abends eingenommen. Alle Versuche das Dorf einzunehmen wurden, durch die im Dorf liegenden Franzosen und die im Albain-Wald verteidigenden Zouaven, vereitelt. Den Grenadier-Regimentern 8 und 12 sowie den Infanterie-Regimentern 52 und 105 misslang vorerst jegliche Einnahme des Dorfes. Am 2. März, mit Unterstützung des eingesetzten MG-Turmes des Fort Douaumont, gelang dem Infanterie-Regiment 52 die Eroberung und die Gefangennahme von ca. 1000 Gefangenen. Die verteidigenden Teile des 33. RI wurde nahezu aufgerieben, der Kompanieführer und spätere General Charles de Gaulle geriet, verwundet durch ein Bajonettstich, in Gefangenschaft.

 

Douaumont
Luftbild der Feldfliegerabteilung 44 vom 18. April 1916
Am oberen Bildrand der Kehlgraben des Forts

 

Einzig die 1932 eingeweihte Kapelle, die 11 Namen der Gefallenen auf dem Denkmal sowohl platzierte Monolithen an markanten Stellen lassen noch auf den Standort des Dorfes schließen.

 

 

Douaumont
Gedenkkapelle im Dorf Douaumont
  Douaumont

 

 

Das zerstörte Dorf Cumières-le Mort-Homme

Die „Rote Zone”, ein Begriff für das heutige, touristisch erschlossene Schlachtfeld Verdun und ein Inbegriff für die restlose Zerstörung von urbanem Leben. Hier befanden sich die neun, im Krieg vollends zerstörten und nicht wieder aufgebauten Dörfer Beaumont-en-Verdunois, Bezonvaux, Cumières, Douaumont, Louvemont-Côte-du-Poivre, Fleury-devant-Douaumont, Haumont-près-Samogneux und schlussendlich Ornes. Sie alle lagen im Bereich des Festungsgürtels um Verdun, mehr oder weniger befestigt und wurden Opfer der deutschen und später der französischen Artillerie. Wohnhäuser, Gehöfte, Kirchen und Straßen wurden durch tausende Granaten dem Erdboden gleichgemacht. Die Bevölkerung der Dörfer sah sich bereits zu Beginn des Krieges und der kommenden Verdun-Schlacht zur Flucht gezwungen. 1918 allerdings war an eine Rückkehr nicht mehr zu denken. Das Ausmaß der Zerstörung, die Gefahr des von Munitions, Kadaver- und gasverseuchten Bodens ließen keinen Wiederaufbau und keine Besiedelung mehr zu. Bekannt unter dem Begriff „Villages détruits” kann der Besucher heute nur noch den Verlauf von Häusern, Gebäuden und Straßen erahnen. Kaum etwas lässt mehr auf ein Leben schließen, welches die ländlich geprägte Bevölkerung vor dem Krieg dort verbrachte. Wenige Mauer- oder   Schrottreste, Gräben, Trichter, sowie nachträglich angebrachte Schilder vom Standort der Gebäude und dem Verlauf der Straßen, prägen das heutige Bild.

Polarisierend wirken die nachträglich gebauten Kapellen und Denkmäler auf denen die Namen der gefallenen Dorfbewohner prangen. Noch im Oktober 1919 erhielt jedes der Dörfer per Gesetzesbeschluss einen Gemeinderat und einen Gemeindevorstand, dessen Befugnisse jenen eines Bürgermeisters gleichkommen. Dieses besteht noch bis heute. Feierlichkeiten und Erinnerungsmessen mit Nachkommen der Einwohner werden einmal jährlich abgehalten.

Cumières-le Mort-Homme

Cumières ist das einzige der Village détruits auf dem Westufer der Maas gelegen, zwischen Forges-sur-Meuse und Marre und ca. 11 km entfernt von Verdun. Cumières, überwacht von den Befestigungen auf dem Marre-Rücken ist eng verknüpft mit dem Ringen um den Toten Mann und den dort erbitterten Kämpfen. 1913 verfügte es, freundlich zwischen grünen Pappeln gelegen, über 205 Einwohner. Seit dem 6. März 1916 lief der deutsche Angriff auf dem Westufer, Cumières wechselte einige Male den Besitzer, blieb aber letztendlich lange in französischer Hand. Ein im Wald eingebautes Marinegeschütz wurde am 7. März 1916 erobert. Erst am frühen Morgen des 24. Mai 1916 wurden die Trümmer des Dorfes den Franzosen, durch das Reserve-Regiment 94 und Teile des Reserve-Jäger-Bataillons 11, abgerungen. 380 Gefangene der   frz. 60. Reserve-Division und des 251. IR wurden abgeführt.

 

Cumières
Marinegeschütz bei Cumières Hauptmann Freiherr von Rinck, Leutnant Schnitzer, Oberleutnant Bandelow

 

Das Marschregiment der Fremdenlegion übernahm im Rahmen einer französischen Offensive am 20. August 1917 die kläglichen Reste des Dorfes.

Cumières
Cumières
  Cumieres

 

Das zerstörte Dorf Vaux-devant-Damloup

Die „Rote Zone”, ein Begriff für das heutige, touristisch erschlossene Schlachtfeld Verdun und ein Inbegriff für die restlose Zerstörung von urbanem Leben. Hier befanden sich die neun, im Krieg vollends zerstörten und nicht wieder aufgebauten Dörfer Beaumont-en-Verdunois, Bezonvaux, Cumières, Douaumont, Louvemont-Côte-du-Poivre, Fleury-devant-Douaumont, Haumont-près-Samogneux und schlussendlich Ornes. Sie alle lagen im Bereich des Festungsgürtels um Verdun, mehr oder weniger befestigt und wurden Opfer der deutschen und später der französischen Artillerie. Wohnhäuser, Gehöfte, Kirchen und Straßen wurden durch tausende Granaten dem Erdboden gleichgemacht. Die Bevölkerung der Dörfer sah sich bereits zu Beginn des Krieges und der kommenden Verdun-Schlacht zur Flucht gezwungen. 1918 allerdings war an eine Rückkehr nicht mehr zu denken. Das Ausmaß der Zerstörung, die Gefahr des von Munitions, Kadaver- und gasverseuchten Bodens ließen keinen Wiederaufbau und keine Besiedelung mehr zu. Bekannt unter dem Begriff „Villages détruits” kann der Besucher heute nur noch den Verlauf von Häusern, Gebäuden und Straßen erahnen. Kaum etwas lässt mehr auf ein Leben schließen, welches die ländlich geprägte Bevölkerung vor dem Krieg dort verbrachte. Wenige Mauer- oder   Schrottreste, Gräben, Trichter, sowie nachträglich angebrachte Schilder vom Standort der Gebäude und dem Verlauf der Straßen, prägen das heutige Bild.

Polarisierend wirken die nachträglich gebauten Kapellen und Denkmäler auf denen die Namen der gefallenen Dorfbewohner prangen. Noch im Oktober 1919 erhielt jedes der Dörfer per Gesetzesbeschluss einen Gemeinderat und einen Gemeindevorstand, dessen Befugnisse jenen eines Bürgermeisters gleichkommen. Dieses besteht noch bis heute. Feierlichkeiten und Erinnerungsmessen mit Nachkommen der Einwohner werden einmal jährlich abgehalten.

 

Vaux-devant-Damloup

Vom heutigen 70 Seelen zählenden Dorf Vaux-devant-Damloup, am Standort des alten Bahnhofs ist es nicht weit bis zum 1916 völlig zerstörten alten Dorf.

 

Vaux
Hauptstraße Vaux-devant-Damloup

 

Im Norden verlief die Bahnlinie nach Verdun und befand sich der Steinbruch, im Westen der Vaux-Teich mit Damm. Vor dem Fort gelegen, musste das Dorf während der Offensivbemühungen durchschritten werden um an das Ziel, den Vaux-Berg mit Fort zu gelangen. Das stark befestigte Dorf, sowie die Stellungen am und im Steinbruch erschwerten und vereitelten jegliche Angriffe. Nachdem am 8. März der Ostteil von Vaux-devant-Damloup erreicht und gehalten wurde wurde konnte das Reserve-Infanterie-Regiment 7 den Rest des Dorfes am 31. März in Besitz nehmen. Durch den ständigen Beschuss versumpfte der Vaux-Grund mit dem stetig verschwindenden Dorfresten, lediglich der von den Franzosen einzusehende Damm am Teich half beim Überqueren in Richtung Vaux-Berg und Fort.

 

Vaux
Blick vom Vauxhang auf den Vauxteichdamm und des Todespfad

 

Vielen wurde der Weg über den Damm zum Verhängnis, man taufte ihn Todesweg oder Weg des Todes. Am 2. November 1916 räumte man deutscherseits den Bereich Vaux. Vom Dorf selbst ist heute im Dickicht nichts mehr zu erkennen.

 

Vaux
Der Vaux Teich heute
 
Vaux
Krieger-Denkmal in Vaux

 

Das zerstörte Dorf Ornes

Die „Rote Zone”, ein Begriff für das heutige, touristisch erschlossene Schlachtfeld Verdun und ein Inbegriff für die restlose Zerstörung von urbanem Leben. Hier befanden sich die neun, im Krieg vollends zerstörten und nicht wieder aufgebauten Dörfer Beaumont-en-Verdunois, Bezonvaux, Cumières, Douaumont, Louvemont-Côte-du-Poivre, Fleury-devant-Douaumont, Haumont-près-Samogneux und schlussendlich Ornes. Sie alle lagen im Bereich des Festungsgürtels um Verdun, mehr oder weniger befestigt und wurden Opfer der deutschen und später der französischen Artillerie. Wohnhäuser, Gehöfte, Kirchen und Straßen wurden durch tausende Granaten dem Erdboden gleichgemacht. Die Bevölkerung der Dörfer sah sich bereits zu Beginn des Krieges und der kommenden Verdun-Schlacht zur Flucht gezwungen. 1918 allerdings war an eine Rückkehr nicht mehr zu denken. Das Ausmaß der Zerstörung, die Gefahr des von Munitions, Kadaver- und gasverseuchten Bodens ließen keinen Wiederaufbau und keine Besiedelung mehr zu. Bekannt unter dem Begriff „Villages détruits” kann der Besucher heute nur noch den Verlauf von Häusern, Gebäuden und Straßen erahnen. Kaum etwas lässt mehr auf ein Leben schließen, welches die ländlich geprägte Bevölkerung vor dem Krieg dort verbrachte. Wenige Mauer- oder  Schrottreste, Gräben, Trichter, sowie nachträglich angebrachte Schilder vom Standort der Gebäude und dem Verlauf der Straßen, prägen das heutige Bild.

Polarisierend wirken die nachträglich gebauten Kapellen und Denkmäler auf denen die Namen der gefallenen Dorfbewohner prangen. Noch im Oktober 1919 erhielt jedes der Dörfer per Gesetzesbeschluss einen Gemeinderat und einen Gemeindevorstand, dessen Befugnisse jenen eines Bürgermeisters gleichkommen. Dieses besteht noch bis heute. Feierlichkeiten und Erinnerungsmessen mit Nachkommen der Einwohner werden einmal jährlich abgehalten.

 

Ornes:

Das schon fast kleinstädtisch anmutende, 718 Einwohner zählende Ornes, 12 km Luftlinie nordöstlich von Verdun entfernt,verfügte über eine hervorragende Infrastruktur, samt Bahnanbindung. Schmieden, eine Spinnerei, Händler und Schankbetriebe waren zu finden.

 

Ornes
Ornes – Hauptstraße

Am 24. Februar 1916, die Bewohner waren schon geflüchtet, setzten sich die  Reserve-Infanterie-Regimenter 51 und 98, nach leichtem Kampf,  im Ort fest.

 

Ornes
Hauptstraße in Ornes, Weihnachten 1917

 

 

 

 

 

 

Bekannt war Ornes als Dreh- und Angelpunkt für die Versorgung mit Material und als Durchmarschpunkt für die Reserven und die abgelösten Truppenteile. Gefürchtet bei vielen der kämpfenden Truppe als Ein- und Ausgang zum Schlachtfeld, als Grenze zum Tod und zum Leben. Zahlreiche Batterien der Artillerie standen im umliegenden Bereich, die nordöstlich liegende Doppelhöhe von Ornes (Höhe 307/310), im September 1914 eingenommen, bot Platz für eine Vielzahl von Lagern, militärischen Einrichtungen und weiterer Artillerie. Mitten im Ort fiel der Kommandeur des Infanterie-Regiments 32,  Oberstleutnant Hans Freiherr von Wangenheim am 10. Juli 1916.

Ornes
Todesort von Oberstleutnant Hans Freiherr von Wangenheim

 

Ornes
Gedenkkapelle in Ornes
    
Ornes
Kirche in Ornes