Soldatenfriedhof Chestres

Der deutsche Soldatenfriedhof Chestres liegt 2 km nördöstlich der Stadt Vouziers in den französischen Ardennen und gehört zu einer deutsch/französischen Gemeinschaftsanlage. Auch in Verdun gibt es beispielsweise keine ähnliche Friedhofsanlage. Die Anlage wurde von den französischen Behörden nach dem Ersten Weltkrieg als Sammelfriedhof angelegt. Der Friedhof liegt an der Landstraße D947 Buzancy – Vouziers, südlich außerhalb der Ortschaft Chestres.

 

Soldatenfriedhof Chestres
Deutscher Soldatenfriedhof Chestres

 

Auf dem deutschen Teil der Friedhofs ruhen heute 1843 Gefallene, davon 874 in Einzelgräbern und 969 in einem Sammelgrab. Auf dem französischen Teil liegen 2476 Soldaten begraben.

Im vorderen Drittel des deutschen Grabfeldes steht das Friedhofsdenkmal. Eine aus unbearbeiteten Natursteinen zusammengefügte, etwa 2,50 m hohe, Steinpyramide bildet den zentralen Punkt des Friedhofs. Im oberen Bereich findet sich ein in den Naturstein eingearbeitetes Eisernes Kreuz. Darunter steht der Satz:

„Erhaben und ehrenvoll ist es für das Vaterland zu sterben.“

Dieses Denkmal stammt von einem aufgelösten Friedhof aus der Gegend um Olizy, etwa 10 km südwestlich von Chestres.
Das Kameradengrab befindet sich am östlichen Ende der Ehrenstätte. Die Einfassung des Grabes besteht aus hellem Granitstein. Die am vorderen zentralen Bereich befestigten 10 Namenstafeln bestehen aus hellem Granitstein. Die linke Platte trägt folgende Inschrift:

„In einem gemeinsamen Grabe ruhen hier 969 deutsche Soldaten, 869 blieben unbekannt.“

Die demnach 100 namentlich bekannten Toten sind auf den Granittafeln alphabetisch aufgeführt. Den überwiegenden Teil dieser identifizierten bilden Gefallene aus dem Herbst 1918, als im Raum Chestres und Vouziers Abwehrkämpfe stattfanden. Bei Chestres sind insbesondere die Kämpfe um den „Käseberg“ zu erwähnen. Aus den Vormarschkämpfen von 1914 ist nur eine geringe Anzahl an Gefallenen zu verzeichnen.

Einige Bibliographien von Gefallenen heben sich hervor. Es sind Offiziere, die nicht aufgrund ihres Ranges hier Erwähnung finden, sondern da ihr Tod dokumentiert ist. Es handelt sich um Hauptmann von Bosse, Oberleutnant von Schimonsky und Leutnant Freiherr von Nordenflycht.

Hauptmann von Bosse war bis zu seinem Tode am 9. Oktober 1918 Kommandeur der II. Abteilung des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 406. Das Regiment ist in den Oktobertagen an schweren Abwehrkämpfen beteiligt. Die gesamte Divisions-Artillerie der 202. Infanterie-Division wird schließlich aus dem Gebiet südlich der Aisne zurück genommen. Auch die II./ FAR 406 erhielt diesen Befehl und geht am 09. Oktober über den Fluß zurück, um auf der sogenannten Talma-Höhe erneut in Stellung zu gehen. Der Abteilungsstab wird ebenfalls aus der alten Stellung herausgezogen. Er rückt gegen 6 Uhr früh aus dem Gefechtsstand bei Noiré le Coi ab. Hier ereilt Hauptmann von Bosse das Schicksal. Er fällt tödlich getroffen einem Artilleriegeschoß zum Opfer. Der Erstbestattungsort von Lothar von Bosse ist unbekannt. Heute ruht er in Block 2, Grab 258.

Am 11. Oktober 1918 – nur zwei Tage später – fällt bei Vouziers Oberleutnant d. R. Guido Schimony von Schimonsky vom Feldartillerie-Regiment Nr. 6 als Führer der 8./ Batterie. Als ein Mann seiner Batterie, Unteroffizier Ackermann, in den Morgenstunden des besagten 11. Oktober verwundet wird, will Oberleutnant von Schimonsky dem Verwundeten helfen und eilt zu ihm hin. Er wird hierbei zusammen mit einem weiteren Mann der Batterie tödlich getroffen. Guido Schimony von Schimonsky ruht heute im Block 2, Grab 159.

 

Soldatenfriedhof Chestres
Grab des Oberleutnant Guido Schimony von Schimonsky

 

 

Leutnant der Reserve Hans Freiherr von Nordenflycht fällt westlich der Ortschaft Semide am 01. Juni 1917. Der 25-jährige in Kapstadt geborene Offizier war Offizier der 2./ Batterie des 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiments. Offensichtlich werden an diesem Tage mehrere Angehörige der Batterie tödlich verwundet. Am Nachmittag des 03. Juni 1917 findet auf dem Kirchhof von St. Morel, 6 km südlich der Ortschaft Vouziers, die Beisetzung der Gefallenen statt. Wann die Überführung des Leutnants d. R. von Nordenflycht von St. Morel nach Cestres statt fand, lässt sich nicht mehr ermitteln. Sein Grab findet man heute im Block 1 Grab 293.

 

Vom aufgelösten deutschen Soldatenfriedhof Falaise wurden folgende Offiziere nach Chestres überführt.

RIR 236
Leutnant Adolf Keutmann, Block 2 – Grab 83

Leutnant Josef Kremer, Block 2 – Grab 41

Leutnant Kurt Merten, Block 2 – Grab 31

Sie fielen in den Kämpfen um die Champagne-Ferme zwischen dem 07. und 13. März 1917.

 

IR 78
Leutnant Kurt Fricke, Block 2 – Grab 128

Auch Leutnant Fricke fällt bei der Abwehr eines französischen Angriffs bei der Champagne-Ferme.

 

Soldatenfriedhof Chestres
Grab des Leutnant Kurt Fricke in Chestres

 

 

IR 111

Leutnant Albert von  Au, Block 2 – Grab 248

 

Soldatenfriedhof Chestres
Grab des Leutnant von Au in Chestres

 

 

Apremont

Apremont ist eine kleine Ortschaft am südlichen Rand der Ardennen. Der Ostausläufer des Argonnerwaldes verläuft nur wenige Hundert Meter vom westlichen Ortsrand entfernt.

 

Apremont

 

 

 

 

 

Apremont Apremont 

 

Während des Weltkriegs befanden sich in und um Apremont umfangreiche Einrichtungen der deutschen Armee. So gab es in im Dorf unter anderem ein Betriebsamt der Argonnenbahn (Feldbahn) und in der Nähe das Munitionslager Zillertal. Nördlich von Apremont befand sich der Feldbahnhof Klein-Zwickau. Auf halben Weg zum Lager Borrieswalde lag  der Bahnhof Beuthen.
Weitere Verbindungen führten nach Châtel, zum Noltelager und nach Marcq.

 

Apremont  

Apremont

 

Apremont

 Apremont

 

Um die Mesnil-Ferme herum stehen zwei größere Beton-Bauten. Ihr Nutzung ist nicht weiter bekannt.

Apremont
Betonbau auf Höhe westlich von Apremont
Apremont
Betonbau an der Aire nördlich Apremont

 

 

Bahnhof Autry und Saalburg-Lager

Der Bahnhof Autry liegt westlich des gleichnamigen Ortes im Département Ardennes in Frankreich.

Autry
Die Umgebung des Bahnhofs heute

 

Die vorbeiführende Feldbahn verband den Vollbahnanschluss in Cernay im Süden mit den Ortschaften Vaux-le-Mouron, Mouron und weiteren Ortschaften im Norden mit Vouziers.

 

Autry
Bahnhof Autry
Autry
Ehemaliger deutscher Beton-Unterstand

 

Unweit des Bahnhofs befand sich ein großer Lagerkomplex rings um das Saalburg-Lager. Dessen Namensgebung stammt von hessischen Einheiten, die dort ihre Ruhelager anlegten. Die Saalburg ist ein, auf dem Taunuskamm nordwestlich von Bad Homburg vor der Höhe gelegenes, ehemaliges Kastell des römischen Limes.

 

Saalburg
Eingang zum Lager Saalburg

 

Zum Lagerkomplex Saalburg-Lager gehörten weiterhin:

  • Waldlager Autry
  • Artillerie-Protzenlager I. und II.
  • Hüttenlager
  • Pionier-Hauptpark

Weiter westlich lag das Lager Schwerinsburg.

 

Autry
Pionier-Park der 9. Landwehr-Division

 

Erwähnt ist das Lager Saalburg beispielsweise beim Reserve-Infanterie-Regiment 81 aus Meschede (II./ Siegen, III. Wetzlar):

…Vor allen Dingen sollten die Nerven zur Ruhe kommen. In Charlerange und Brézy, den Hauptruheorten des Regiments, sowie später in den Lagern von Schwerinsburg und Saalburg war das auch im Allgemeinen der Fall. Sie wurden zunächst von der feindlichen Artillerie – von Ausnahmefällen abgesehen – in Ruhe gelassen…

…In den neu entstandenen, den Bedürfnissen des Krieges angepassten Lagern, Saalburg bei Lager Autry und Schwerinsburg bei Schlößchen Franc Fossés, waren günstigere Verhältnisse. Die lagen in Wäldern, waren also der unmittelbaren Sicht des Feindes entzogen, und erst seine Flieger entdeckten sie, jemehr die Fliegerei sich ausbildete und sich auf ihren späteren hohen Stand hob. Große Unterstände – vor allem gegen Fliegerbomben – wurden in ihnen gebaut. Die Verpflegung war damals gut und reichlich. An den Nachmittagen fanden Turnspiele statt, die dann schließlich in Abhaltung eines Mannschafts-Sportfestes gipfelten…

 

 

 

Deutsche Kapelle in Falaise

Die Kapelle von Falaise wurde zwischen 1917 und 1918 von deutschen Soldaten am Rande eines deutschen Soldatenfriedhofes erbaut. In den Jahren 1928 – 1930 erfolgte durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. die Umbettung der Gefallenen auf den zentralen Soldatenfriedhof nach Chestres.

 

Falaise
Kapelle 1917

 

Umbettungen von Falaise nach Chestres

 

Erbaut wurde die Kapelle vom Reserve-Infanterie-Regiment 236 aus Köln-Deutz. Das Regiment wurde im Oktober 1914 aufgestellt. Nach Einsätzen in Flandern und an der Somme kam das Regiment Ende September 1916 in die Champagne. Dort blieb es bis Mitte August 1917 um dann später im November 1917 noch einmal dorthin zurückzukehren.

 

Falaise
Kapelle in Falaise

 

Es war in der Nachkriegszeit durchaus üblich, dass solche Bauwerke, die durch Deutsche errichtet wurden aus unterschiedlichen Beweggründen zerstört wurden. Die Kapelle von Falaise blieb jedoch wie durch ein Wunder von der Zerstörung verschont.

Allerdings erfolgten auch keinerlei Instandsetzungsarbeiten in den vergangenen 90 Jahren, was unweigerlich dazu führte, dass die Kapelle kurz vor dem endgültigen Verfall stand.

Die „Falairats d’Argonne”, ein historischer Verein aus Falaise hat die Initiative zur Rettung der Deutschen Kapelle von Falaise ergriffen und 2009 ein bautechnisches Dossier hierzu erstellt. Dieses Dossier gelangte über den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in die Hände der Reservistenkameradschaft Püttlingen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat dieses Stück deutschen Kulturgutes in einem Gemeinschaftsprojekt zusammen mit der „Falairats d’Argonne” wieder in einen würdigen Zustand zu bringen und vor dem Verfall zu bewahren.

Seit 2010 haben die Kameraden der Reservistenkameradschaft während  mehrerer Arbeitseinsätze unter anderem das Dach einschließlich der Schiefereindeckung erneuen können. Weitere Arbeiten folgten.

 

Falaise

Dokumentation der Arbeiten

Zwei Artikel des Historikers Karl Freudenstein zur Kapelle von Falaise

Vom Lösen eines kniffligen Geschichts-Puzzles

Eichhörnchen aus Kassel

 

Heute ist die rundum erneuerte Kapelle ein gelebtes Beispiel deutsch-französischer Freundschaft und gemeinsamer Zusammenarbeit.