Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville

Die deutsche Kriegsgräberstätte Hautecourt-lès-Broville ist vielen Verdun-Reisenden von ihrer Anfahrt über die A4 aus Richtung Metz bekannt. Sie liegt direkt an der ehemaligen Nationalstraße 4 (N4) – die heutige D603, die von Ètain nach Verdun führt.

Die Kriegsgräberstätte wurde um 1920 von den französischen Behörden als Sammelfriedhof angelegt. Die Zubettungen erfolgten aus einem großen Radius. Aus über 50 Ortschaften und Teilen des Verdun-Schlachtfeldes wurden die Gefallenen nacht Hautecourt überführt. Hier nur einige beispielhafte Orte, die vielen vertraut klingen mögen: Damloup, Dieppe, Fleury, Gincrey, Louvemont, Maucourt, Douaumont, Ornes, Bezonvaux, Kalte Erde, Thiaumont, Tavannes, Tilly-Wald, Morgemoulin und Vaux.

Die Kriegsgräberstätte Hautecourt an der D603
Das Kameradengrab in Hautecourt

Ende 1930 übernimmt die Stadt Essen zusammen mit dem Reformrealgymnasium mit Oberrealschule die Patenschaft der Kriegsgräberstätte.

Es folgten in den nächsten Jahren weitere Gefallene, die man bei der Aufräumung und Rekultivierung des Schlachtfeldes von Verdun fand. Aus dem Kampfgebiet Fleury waren es allein über 1000 Tote, aus dem Bereich Pfefferrücken-Louvemont weitere 600. Auch heute noch werden dort bei Bauarbeiten die sterblichen Überreste Gefallener gefunden und auf einen der Friedhöfe überführt. Die in Hautecourt Ruhenden gehörten nicht weniger als 44 Infanterie-Regimentern, 2 Pionier-Bataillonen, 31 Artillerie-Regimentern sowie sonstigen Truppenteilen, wie Flieger, Munitionskolonnen, Nachschubeinheiten etc. an, deren Heimatgarnisonen in nahezu allen Ländern und preußischen Provinzen des damaligen deutschen Reiches lagen. Nur wenige starben bei Kämpfen zu Beginn des Krieges beim Vormarsch im August und September 1914 sowie infolge des Stellungskrieges im Jahre 1915. Die Mehrzahl fiel während des am 21. Februar 1916 beginnenden deutschen Angriffs auf Verdun und der französischen Gegenoffensive im August/September 1917. Auch die franz.-amerikanischen Offensiven im September und Oktober 1918 sowohl bei St. Mihiel als auch westlich der Maas in den Argonnen forderten erneut zahlreiche Opfer.

Ein jüdischer Grabstein inmitten von Kreuzen

Hermann Wolpmann

Das Schicksal von des hier bestatteten Hermann Wolpmann wollen wir an dieser Stelle hervorheben. Hermann Wolpmann diente in der 3./ Kompanie des 2. Lothringischen (Festungs-) Pionier-Bataillon Nr. 2. Die Kompanie war 1916 in der Schlacht um Verdun eingesetzt.

Zuvor, im Jahre 1915, war Hermann Wolpmann mit seinem guten Freund und Kameraden Gustav Schmidt nahe der Argonnen bei Servon eingesetzt. Nach dem Tod von Gustav Schmidt 1915 kümmerte sich Hermann Wolpmann um die Familie von Gustav Schmidt. Zahlreiche seiner Feldpostbriefe haben wir hier bereitgestellt.
Hermann Wolpmann fiel am 08. Mai 1916 während der Schlacht um Verdun. Der Ort seines Todes und seiner Erstbestattung sind unbekannt.

Wolpmann Grab
Grab von Hermann Wolpmann
Wolpmann Feldpost
Wolpmann Erstbestattung

Der Weg zur Kriegsgräberstätte

Leutnant Kurt Ritter von Hopffer

Leutnant
Kurt Ritter von Hopffer


Geboren am 02. Februar 1892 in Bamberg/Oberfranken

Leutnant mit Patent No. 12 am 15. Oktober 1913′
Kompagnieführer 9./ Kp und Adjutant III./ K.B. 1. Infanterie-Regiment „König”

Gefallen am 01./02. Juni 1916 bei Douaumont

Träger des Militär-Max-Joseph Ordens und des Eisernen Kreuzes 2. Klasse
Leutnant Hopffer erhielt am 02. Oktober 1914 seine erste militärische Auszeichnung während des Bewegungskrieges im Departement Somme.

Auszug aus der Regimentsgeschichte des K.B. 1. IR:

02.10. Im Angriff erreicht I. und II. Bataillon die Straße Dompierre-Foucaucourt. 09 Uhr 30 vormittags führt der Adjutant des III. Bataillons Leutnant Hopffer Teile des III.Bataillons vor und nimmt die Höhen südlich von Fontaine (les Cappy). Er wird später hierfür mit dem Militär-Max-Joseph Orden ausgezeichnet.

I-Werk 323

Aus der Regimentsgeschichte: Da beschlossen die Führer der 11. und 12. Kompagnie, Olt. von Eder und Lt.d.R. Lang auch ihrerseits das 150m vor ihnen liegende sehr stark befestigte frz. I-Werk und die anschließende Batteriestellung wegzunehmen. Die 10. Kp. schloß sich an. Im heftigsten Handgranatenkampf rollte ein Zug der 11. Kp. den feindl. Graben auf, schneidige Stoßtrupps aller drei Kompagnien drangen unterstützt von MG von allen Seiten gegen das I-Werk und die Batteriestellung vor und trieben die Besatzung von dem Eingang in das Innere. Handgranatensalven erzwangen die Übergabe der tapferen Verteidiger. Das gesamte frz. Bataillon, etwa 370 Mann einschließlich des Stabes wurde gefangen genommen, drei MG erbeutet. Die siegreichen Kompagnien stießen etwa 100m über das Werk vor und gruben sich dort ein. Zum Festhalten des Errungenen und zur Unterstützung der sehr schwachen Kompagnien schob sich auf eigenen Entschluß hin die bisherige Reservekompagnie (9.) durch heftigstes feindliches Sperrfeuer hindurch auf der ganzen Linie ein; kurz darauf wurde ihr tapferer Führer, Max-Joseph-Ritter Lt. von Hopffer, tödlich verwundet.

Kurt Ritter von Hopffer erleidet einen Schuss in den linken Arm und in das Gesicht, er verstirbt am 02. Juni 1916 um 11 Uhr 45. Seine Leiche wird kurze Zeit später in seinen Wohnort München überführt. Heute findet man sein Grab auf der erst 1960 errichteten Kriegsgräberstätte am Waldfriedhof-München.

Die Erinnerungstafel an seinen Bataillonskameraden Olt. von Eder (+13. Juni 1916, Chauffour-Schlucht), der für die Erstürmung von TD 3 posthum mit dem Militär-Max-Joseph Orden ausgezeichnet wurde, findet sich unweit am Familiengrab der von Eder. Eder selbst ruht auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt.

„Mit Jubel in die Hölle“ ist der Name einer ZDF Dokumentation anlässlich des 100. Jahrestags des Beginn des Ersten Weltkriegs, die anhand von Hopffers Tagebüchern sein Soldatenschicksal nachzeichnet.