Kategorie-Archiv: Sehenswertes

Wer schon einmal oder öfter die Stadt an der Maas besucht hat und ihre Geschichte kennt, weiß was diese Stadt und ihre Umgebung zu bieten hat. Doch derjenige, der das erste Mal in diesem Gebiet ist, wird von interessanten Objekten und unzähligen Exkursionsmöglichkeiten wahrlich erschlagen.

Wir wollen hier einen kleinen Einblick für die sehenswertesten Anlaufpunkte geben und versuchen das Interessanteste herauszufiltern. Vorweg ist zu sagen, dass es natürlich unmöglich ist, alles darzustellen und um alles zu sehen schon ein verlängertes Wochenende von Nöten ist.

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Porte Chaussée

Das Porte Chaussée ist ein Teil der alten Stadtbefestigung. Östlich des alten Stadtkerns, direkt an der Maas gelegen, bildete es einen Hauptteil der früheren defensiven Bewehrung.
Es wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts (1380) erbaut, im 15. Jahrhundert baulich verändert und der Zeit angepasst.

Porte Chaussée

Das 3-stöckige burgähnliche Stadttor wurde ab 1754 als königliches Militärgefängnis genutzt.
Ein schweres heute noch erhaltenes Fallgatter verwehrte möglichen Angreifern den Zutritt zur Stadt. Heute lädt es den Besucher förmlich ein es zu durchwandern und die Altstadt zu betreten

Monument aux Enfants de Verdun

In naher Entfernung finden Sie auch das Tourismus-Büro der Stadt mit dem gegenüberliegenden Monument aux Enfants de Verdun.



















Die Zitadelle

Der Bau der Zitadelle begann schon 1554, erstreckte sich aber über mehrere Jahrhunderte bis zu seiner Fertigstellung. Der Festungsbaumeister Vauban (1633 – 1707), gestaltete den Bau weiter und noch Mitte des 19. Jahrhunderts arbeitete man nach seinen Plänen.
Nach dem die Preußische Besatzungsmacht 1873 die Zitadelle verließ, wurden die Arbeiten, allerdings unterirdisch, zur Verstärkung weiter fortgesetzt. In den Jahren 1890 und 1893 wurden unter Kommandant Guinot ca. 7 km unterirdische Gänge angelegt. 1914 wurden 4 Horchstollen angelegt und mit dem Stollensystem verbunden. Im dritten Kriegsjahr wurden Bäckereien geschaffen, Telefonzentralen, Lagerräume, Aufenthaltsräume und vieles mehr eingerichtet, um das Leben und Arbeiten zu erleichtern. Nun war Platz für mehrere tausend Menschen, unterschiedliche Quellen sprechen von 5000 – 10000 Personen.

1916 wird in ihren Gewölben die Stadt mit der Aufnahme in die Ehrenlegion ausgezeichnet und ihr das Kriegsverdienstkreuz verliehen. Im November 1920 wählte man dort den Leichnam eines vor Verdun Gefallenen aus, der nun seinen Platz als „Unbekannter Soldat“ unter dem Arc de Triumph gefunden hat.

Eingang zur Zitadelle

Heute dient ein Teil der Zitadelle als Museum, im Rahmen einer Rundfahrt werden dem Besucher dort 15 Szenen aus dem Leben im Ersten Weltkrieg audiovisuell dargestellt. Ein Weg durch den Park der Marschälle der die Zitadelle umgibt, führt an den hohen Umwallungen der Befestigung vorbei und wird flankiert von 16 Statuen französischer Marschälle aus der Zeit Napoleons I. bis zum Ersten Weltkrieg.

Park der Marschälle



Öffnungszeiten:

Februar und Dezember 10:00 – 12:00 / 14:00 – 17:00 Uhr
März, Oktober und November 09:30 – 17:30 Uhr
April bis Juni und September 09:00 – 18:00 Uhr
Juli und August 09:00 – 19:00 Uhr
Gruppen sollten auf jeden Fall reservieren

Webseite der Zitadelle
Tél. : +33 3 29 83 44 28



Außerhalb dieser Zeiten ist die Zitadelle geschlossen.







Das Weltfriedenszentrum

Im Schatten der Kathedrale Notre Dame befindet sich der ehemalige Bischofspalast (Palace Episcopal), dessen Bau 1724 nach einem Entwurf vom Pariser Baumeister Robert de Cotte begonnen wurde.
Die Namen der residierenden Bischöfe lassen sich im Eingangsbereich des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes, betrachten.
Seit 1994 beherbergt es innerhalb seiner Mauern das „Centre Mondial de la Paix“, besser bekannt als „Weltfriedenszentrum“. Hier soll es dem Besucher möglich sein, sich mit Krieg, Frieden und Versöhnung, der Freiheit und den Menschenrechten auseinander
zu setzen.
Es können Ausstellungen zu verschiedenen Themenbereichen, Seminare besucht, sowie Konferenz- und Klassenräume genutzt werden. Der Schwerpunkt wird hier auf Aufklärung der Jugend gelegt, gerne arbeitet das Zentrum mit Schulklassen und Teilnehmern von Bildungsfahrten zuammen.
Zum 90. Jahrestag der Schlacht wurden vor dem Weltfriedenszentrum 2 Skulpturen eingeweiht und der Palast selbst, als neues Teilstück in die „Straße des Friedens“ aufgenommen.

Öffnungszeiten des Weltfriedenszentrum:

Täglich: 09:30 – 12:00 / 14:00-18:00, montags geschlossen

Kathedrale Notre-Dame de Verdun

Auf den Ruinen des alten römischen Castrums „Virodunum“ errichteten ab 457 n. Chr. die ansässigen Siedler das erste Gotteshaus. Auch der heutige Monumentalbau mit romanischen Einflüssen, dessen Bau ca. 990 n. Chr. begonnen wurde, befindet sich an dieser Stelle und wacht über die Stadt. Im Laufe der Jahrhunderte wurden weitere Anbauten wie die Krypta und Portale angefügt, sowie spätgotische Elemente hinzugefügt. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1755 existieren bis heute nur noch zwei der ehemaligen vier Türme.
Zahlreiche Deutsche Beschießungen und dadurch resultierende Beschädigungen musste die Kathedrale in den Jahren 1914-1918 über sich ergehen lassen.
Man sagt, dass die erste Granate am 21. Februar 1916 gegen 8 Uhr 15 das südöstliche Querschiff streifte und zwischen Kathedrale und Palast einschlug.

Kathedrale













Das Siegesdenkmal

Mitten im Herzen der Stadt an der Rue Mazel gelegen, befindet sich das Siegesdenkmal, welches ebenfalls in die Mauer der alten Stadtbefestigung integriert wurde. Dieses Monument, dessen Front nach Osten, also dem Erzfeind und Besiegten Deutschland zugewandt ist, wurde im Juni 1929 eingeweiht. Es bildet ebenfalls einen zentralen Punkt des Gedenkens an die Schlacht.

Avenue de la victoire

73 Stufen führen an den eigentlichen Sockel des 30 m hohen von russischen Beute-Kanonen flankierten Denkmals. Durch den dortigen Eingangsbereich betritt man die Krypta, in der das „Goldene Buch“ ausliegt. In diesem Buch sind alle Namen der vor Verdun Gefallenen und der mit Medaillen geehrten Poilus verzeichnet. Auch in der heutigen Zeit werden immer wieder Namen nachgetragen.
Vom Fuße des Denkmals fließt, vorbei am Hotel Le Coq Hardi, bis in die Maas hinab, ein mit “Symbol des Lebens“ benannter künstlich angelegter Wasserlauf.

 

Siegesdenkmal

Siegesdenkmal











 

Maison du Pays d’Argonne

Im Maison du Pays d’Argonne in Vienne le Château befindet sich im Untergeschoß ein kleines Museum. Einige Informationstafeln erläutern die Kämpfe in den Nordargonnen. Hierzu werden verschiedene Ausstellungsstücke aus dem Bois de la Gruerie und aus der Feste Kronprinz gezeigt, unter anderem ist das Bett und der Schreibtisch des späteren Generalfeldmarschall Erwin Rommel zu sehen. Rommel diente als junger Infanterie-Offizier 1914 /1915 beim Infanterie-Regiment 124.

Bitte melden sie sich zum Besuch des Museums einfach in der Touristen-Information im Erdgeschoß.

Der Besuch ist kostenlos.






 

 

Der Kaisertunnel

Der Kaisertunnel wurde in den ersten Monaten des Jahres 1916 vom 9. lothringischen Infanterie-Regiment 173 (St. Avold, Metz) gegraben. Vom Südgrund aus nach Norden war, unter der Kronprinzenhöhe hindurch, bis zum Nordgrund, ein über 300 m langer, bergmännisch gebauter Tunnel, der Kaiser-Tunnel, gegraben worden. Der Einbau der Küchen wurde schon im März 1916 begonnen und war Anfang April beendet. Später kamen eine Zisterne, ein Sanitätsraum und ein Generatorraum hinzu.

 

Der Kaisertunnel wird von der Touristeninformation betreut:

Office de tourisme du Pays d’Argonne

6, place de la République

55120 Clermont-en-Argonne

Tel: +33 (0)3 29 88 42 22

Fax: +33 (0)3 29 88 42 43

 

Öffnungszeiten:

Momentan ist der Kaisertunnel für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Im Rahmen der Vorbereitung für die 100-Jahr Feier 1. WK, muss ein neues Sicherheitskonzept umgesetzt werden.

 



Höhe 285 / Haute Chevauchée

Nach dem Angriff vom Juli 1915 bildete sich auf dem Kamm der Höhe 285 eine neue Kampflinie, die sehr bald vom unterirdischen Minenkrieg geprägt wurde. Diese Minensprengungen dienten primär zum Schlagen von Breschen in die gegnerische Linie, um die Wahrscheinlichkeit des Gelingens von Infanterieangriffen zu erhöhen.

Am Parkplatz aus sehen Sie bereits die Informationstafeln, hinter denen der historische Lehrpfad beginnt.

Nach wenigen Schritten gelangen Sie zunächst zum Denkmal für die Toten der französischen Armee und ihrer Verbündeten, indem sich auch ein kleines Beinhaus befindet. Dahinter liegt der Sprengtrichter vom 12. Dezember 1916, der durch eine unterirdische deutsche Sprengung mit 52500 kg Sprengstoff entstand. Dieses war zugleich die größte Sprengung an der Westfront im Ersten Weltkrieg. Auf der gegenüberliegenden Seite steht ein Hochkreuz für die Gefallenen in den Argonnen. Dieses wurde 1971 von der 4./Panzerbataillon 144 aus Koblenz zusammen mit französischen Pionieren errichtet.

Hinter dem Hochkreuz führt ein kleiner Pfad weiter auf dem historischen Lehrpfad. Die Gesamtdauer des Lehrpfades beträgt etwa 30 Minuten. Er führt sie bis zum Eingang des Kaisertunnels im Südgrund.

Denkmal für die gefallenen Jüdischen Soldaten Frankreichs

 

Unmittelbar östlich neben dem National-Friedhof des Beinhauses befindet sich das Denkmal für die französischen Gefallenen jüdischen Glaubens.
Ein Offizier der Wehrmacht rettete dieses Denkmal während der deutschen Besatzungszeit. Er ließ das Denkmal mit Brettern verkleiden und Material davor lagern. Dadurch war das Denkmal nicht mehr zu sehen. Dieser Offizier soll während des Ersten Weltkriegs 1917 am Toten Mann gekämpft haben.

 

Alain Fournier

Der französische Schriftstellers Henri Alain Fournier fiel am am 22. September 1914 als Leutnant des 228. RI bei Les Eparges.

Alain Fournier (1886-1914), Sohn eines Lehrerehepaares, brach die Ausbildung an der Schifffahrtsschule in Brest ab, um sich am Gymnasium Lakanal in Paris für die Aufnahmeprüfung der “Ecole Normale Superieure” vorzubereiten. Er bestand jedoch nicht. Nach einiger Zeit in London, wo er sich für Stevenson, Hardy und die Präraffaeliten begeisterte, arbeitete er als Literaturkritiker für die von seinem Schulfreund und Schwager Jacques Riviere herausgegebene “Nouvelle Revue Francaise” und schloss Bekanntschaft mit Gide, Charles Peguy und Paul Claudel. 1913 veröffentlichte er den Roman “Der große Meaulnes”.

Werke:

- Le grand Meaulnes, 1913
– Colombe Blanchet, 1914

Zweifellos war der frühe, so mysteriöse wie tragisch und gut glorifizierbare Tod Alain-Fourniers nicht unbeteiligt an der enormen Verbreitung, die “Der Grand Meaulnes” in der Zwischenkriegszeit und auch danach noch erfuhr, wo er zum Kultbuch von Generationen junger Leser avancierte. In Deutschland wurde er ebenfalls viel gelesen und ist er noch heute bei mehreren Verlagen erhältlich.

 

Fundstelle Alain Fournier

 

 

Fundstelle Alain Fournier

 

 

 

 

Jahrzehntelang galten Alain-Fournier und ein Teil seiner Soldaten als vermisst, nachdem sie am 22. September 1914 bei der Aufklärung am Grande Tranchée de Calonne in ein Gefecht mit deutschen Truppen verwickelt wurden. Vor Ort wurden sie beerdigt.
Spätere Versuche Fourniers Grab zu finden blieben allesamt erfolglos.

Erst Vergleiche von Aussagen der Kampfteilnehmer und der Darstellungen der Kampfhandlungen dieses Tages, welche man aus der Regimentsgeschichte des kurz vorher bekannt gewordenen deutschen Gegners (1. Westpreußisches Grenadier-Regiment Graf Kleist von Nollendorf Nr. 6) entnahm, ließen auf den näheren Bereich der Kämpfe schließen. Mit diesen Informationen begab man sich erneut auf die Suche.

1991 wurden daraufhin 21 gefallene Poilus in einem Massengrab entdeckt und identifiziert, darunter auch Alain Fournier. Sein Leichnam wurde auf dem französischen Soldatenfriedhof Saint-Remy-la-Calonne beigesetzt.