Auszug aus einem Briefe an meine Schwiegertochter Maria 25. Juli 1917

Feldpost – Auszug aus einem Briefe von Musketier Sinner an meine Schwiegertochter Maria 25. Juli 1917

 

Brief Karl Schmidt       Brief Karl Schmidt            Brief Karl Schmidt

 

Frankreich, den 25.7.17

Auszug aus einem Briefe an meine Schwiegertochter Maria über unseren lieben Sohn Karl seine letzte Stunde auf dießer Erde von seinem Kameraden „Sinner“

„Wir lagen erst in einem Waldlager in Reserve, am 28. Juni Abends kam der Befehl zum abrücken in Stellung, dort haben wir bis 10 Abends in 3. Linie gelegen. Nun wurde der Französische Graben von dem Sturmbatl. Genommen. Da rückten wir in die vorderste Stellung und haben die Gegenstöße gehalten. Das Trommelfeuer der Franzosen fing in der Nacht schon an, und am 11. Juli Mittags, hatte es die größte Heftigkeit, welchem kein Stollen des I. Zuges standhielt.Tornister hatten wir keine bei uns, die blieben im Waldlager zurück. Darum hatten wir alle Wertsachen in der Tasche. Karl hatte den Signaltrupp, war aber nicht in seinem Stollen, bis 12 Uhr war er bei mir in meinem Stollen und haben uns die Heimatlichen Adreßen gegenseitig aufgeschrieben. Karl ging in seinen Stollen, dann kam das Essen, aber an essen war nicht zu denken, die Erde zitterte. Dann bin ich wieder zu Karl, wir konnten in den Stunden nicht auseinander sein. Kaum war er eingetreten, so schlug der ganze Stollen zusammen. Mit 2 Mann standen wir auf den Treppen und sind so dem Tode entgangen. Mit großer Mühe haben wir uns durch die Holz und Erdmassen durchgezwängt. (K)Ein Laut war nur von unseren Kameraden zu hören, daß läßt darauf schließen, daß sie gleich tod waren. Von da bin ich in meinen Stollen, nach einer 1/2 Stunde brach auch dießer zusammen. Hier bekam ich aber so ein starker Feuerstrahl auf mich, daß ich sofort bewußlos zusammen fiel. Dank meiner lieben Kameraden bin ich dem Tode entgangen. Es wurden nun sofort Leute hingeschickt zum ausgraben der Verschütteten, wobei noch 2 Mann schwer verwundet wurden, welche aber weniger einen Graben, noch einen Stollen fanden. Es war alles kurz und klein getrommelt. Um 8 Uhr Abends kam ein Pioniertrupp zum ausgraben der Leute, dieße haben den Eingang gefunden, konnten aber nicht weiter arbeiten, da daß Feuer zu stark war. Der Franzose hat nun den Graben wieder genommen und ist so kein ausgraben möglich, also an ein Andenken von Karl ist keine Hoffnung mehr. Im Tornister war nichts mehr, da wir ihn vor dem in Stellung gehen geleert hatten, und dann abgegeben. Somit ist nun Karl mit seinen sämtlichen Sachen begraben.

Im ganzen sind es 10 Mann, die das traurige Loos getroffen haben. Das ist der ganze Hergang des schweren Tages.

Mit Gruß

Musk. Sinner

Abschrift

 

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