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Das Massaker von Rouvres-en-Woëvre

Am 24. August verübten deutsche Truppen das Massaker von Rouvres-en-Woëvre und töteten dabei 56 Zivilisten. Viele von ihnen hatten in Rouvres Schutz gesucht und kamen aus umliegenden Ortschaften. Von August bis Oktober 1914 kamen nur in Frankreich 663 Zivilisten (in Belgien 5521 Zivilisten) durch Hinrichtungen und zielgerichtete Zerstörungen von Ortschaften ums Leben. Die deutschen Offiziere und Soldaten rechtfertigten ihre Taten mit vermeintlichen Angriffen von Zivilisten beziehungsweise Freischärlern (Franctireurs).
Im historischen Bewusstsein der Deutschen sind die Massaker kaum präsent. Sofern an die Gewaltausbrüche deutscher Truppen gegen Zivilisten zu Beginn des Ersten Weltkriegs erinnert wird, stehen die Ereignisse in Frankreich im Schatten der Gewalttaten von Löwen und Dinant in Belgien.

Am 2. August 1914 ordnete Frankreich die allgemeine Mobilmachung an. Einen Tag später erklärte das Deutsche Reich Frankreich den Krieg. In der Folge bezogen französische Einheiten ihre Stellungen in der Woëvre. Der deutsche Generalstab verfolgte die Strategie, gerade in diesem Gebiet anzugreifen, um das französische Hauptheer zu binden. Diese Ablenkungsoperation galt als entscheidend für den weiteren Verlauf der Kampfhandlungen. Die nahe der Grenze bei Metz stationierten deutschen Truppen konnten daher rasch in das Einsatzgebiet vorrücken.

Die Proklamation

Die von General von Oven veröffentlichte Proklamation, in der er ein hartes Vorgehen gegenüber der Zivilbevölkerung forderte, führte bei den Soldaten zu zahlreichen Übergriffen. Während ihres Vormarsches brannten sie mehrere Dörfer nieder und töteten Zivilisten ohne Anlass. Der rasche deutsche Vorstoß kam jedoch bald zum Stillstand, da französische Truppen ihn stoppten. Der französische Oberbefehlshaber entschied daraufhin, die Maashöhen als Verteidigungsstellung zu besetzen.
Die Woëvre blieb infolgedessen bis zum Kriegsende unter deutscher Kontrolle.

Am 24. August 1914 rückte das Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 130 gegen 11.30 Uhr von Lanheres aus in Richtung Amel vor. Der Vormarsch verlief zunächst ohne Schwierigkeiten; sie passierten Rouvres, wo einige Soldaten bei Einwohnern zu Mittag aßen und gewannen anschließend die Wiesen hinter dem Ort. Gegen 14 Uhr kam es auf Höhe der Steinbrüche von Behaut sowie der heute nicht mehr existierenden Farm Sebastapol zu einem Feuergefecht mit französischen Truppen. Dieses Gefecht gehörte zu den Ausläufern der Schlacht um Longwy (22. – 25. August 1914) im östlichen Vorfeld von Verdun.

Der Vormarsch des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 130 gestaltete sich zunächst schwierig. Die Artillerie, die nordwestlich von Rouvres hinter den Bataillonen Stellung bezogen hatte, nahm vor allem das Dorf unter Beschuss. Dennoch setzte das Regiment seinen Angriff fort und stieß bis an den Rand des Bauernhofs von Longeau sowie in den nördlichen Teil des Tilly-Waldes vor. Kurz danach spielte sich in Rouvres eine tragische Episode ab, die dem Ort später den düsteren Beinamen „Rouvres la Martyre“ – das Märtyrerdorf – einbrachte.

Das zerstörte Dorf Rouvres nach der Schlacht um Longwy
Die Tragödie

Am frühen Nachmittag des 24. August rückte das I./ Bataillon des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 130 und Teile des bayerischen Infanterie-Regiments Nr. 4 in das Dorf ein. Rouvres wurde geplündert und anschließend – vor den Augen jener Bewohner, die aus bislang ungeklärten Gründen zuvor hatten fliehen können – vollständig in Brand gesetzt. In eklatanter Missachtung der Kriegsgesetze eröffneten die Soldaten danach das Feuer auf alle Personen, die zu entkommen versuchten, darunter Frauen, Kinder und ältere Menschen.

Die Schuld schob man den „Franctireurs“ in die Schuhe, die das Feuer auf deutsche Soldaten eröffnet hätten. Wahrscheinlicher ist es, dass die deutschen Soldaten durch die schweren und verlustreichen Kämpfe beim Tilly-Wald so erschüttert und mit den Nerven am Ende waren, dass sie sich an den Dorfbewohnern für die erlittenen Verluste rächen wollten. Diese Form der „Hysterie“ war oftmals eine der Ursachen für die Massaker in Belgien und Frankreich.

Nachdem die französischen Truppen nach schweren Gefechten erneut die Kontrolle erlangt hatten, stießen sie im zerstörten Dorf auf 86 Tote. Unter ihnen befanden sich 30 Menschen aus umliegenden Ortschaften, die nach der Zerstörung ihrer eigenen Dörfer in Rouvres Zuflucht gesucht hatten. 56 Einwohner von Rouvres selbst wurden Opfer der Angriffe, darunter zwei 13‑jährige Kinder, rund zehn junge Erwachsene und etwa ebenso viele ältere Menschen. Vierzehn dieser Menschen wurden an jener Stelle erschossen, an der sich heute das Denkmal befindet

Die zerstörte Kirche in Rouvres

Am Morgen des 25. August gelangten französische Truppen nach einem heftigen Gegenangriff in das nahegelegene Lanheres. Dort befreiten sie den Lehrer Marc sowie rund hundert Überlebende, die seit dem Vortag von deutschen Soldaten festgehalten worden waren. Bevor sie den Ort verließen, kehrten die meisten dieser Menschen noch einmal nach Rouvres zurück, um einen letzten Blick auf das verwüstete Dorf zu werfen und Abschied von ihren Toten zu nehmen.

Die Erinnerung

Zwei Denkmäler am Ortseingang erinnern an die Tragödie.

55400 Rouvres-en-Woëvre, Frankreich

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Argonnen Artikel

Der Argonnen-Riegel

Mit Hilfe eines tief gelagerten Stellungssystems wappnete sich die deutsche Heeresführung in ihrer Verteidigungsplanung in den besetzten Gebieten Frankreichs für das Jahr 1918. Auch im Raum Verdun, Argonnen, Ardennen und der angrenzenden Champagne wurde ein solches System angelegt. Von der Front in Richtung Etappe folgte der Vorfeldzone (Rückhaltlinie) mit etwa 1 km Abstand die Hauptwiderstandslinie. Weitere 2 km dahinter folgte der sogenannte Argonnen-Riegel, in weiterem Abstand die Brunhild-Stellung (Argonnen-Abschnitt) und die Kriemhild-Stellung (Maas-Abschnitt). Der Baustab für den Argonnenriegel war im Emont-Lager untergebracht.

Der westliche Abschnitt des Argonnen-Riegels

Im östlichsten Abschnitt verläuft der Anschluss an die Champagne-Stellungen bei Bouconville. Südlich Bouconville sind entlang der offenen Felder und Wiesen die einzelnen betonierten Unterstände gut erkennbar.

Argonnen-Riegel
Argonnenriegel im Vordergrund bei Bouconville

Weiter Richtung Osten passiert die Stellung Autry, folgt nördlich der heutigen D21 dem Verlauf in Richtung Binarville und schließt südlich des Biberbaches an die Stellungen südlich des Lagers Grossherzog an. Östlich Binarville ist der Argonnen-Riegel nun identisch mit der zweiten Haupwiderstandslinie. Diese Linie folgt dem Höhenzug südlich des ehemaligen Lagers Charlepaux-Mühle und nördlich des Müllergrundes. Dieser Höhenzug spielt in den Handlungen rund um das Lost Batallion eine bedeutende Rolle. Zwei nach Süden vorgeschobene Feldwachen sicherten die Riegelstellung, deren Rückhalt drei betonnierte MG-Unterstände (M.G. 18 – 20) waren. Dahinter standen Stützpunkte mit schußsicheren Stollen (St. 33 – 30) zur Verfügung, von denen Einzelne jedoch nicht fertiggestellt wurden und lediglich bereits in den Plänen verzeichnet waren.

Der östliche Abschnitt des Argonnen-Riegels

Ab dem Vier-Eichenweg weiter nach Osten standen keine betonierten Unterstände mehr zur Verfügung , nun sollten Stützpunkte als Punkte zur Anklammerung an das Gelände dienen. Weiter nach Osten verläuft der Argonnen-Riegel über den Bouzon-Berg, knickt dann nach Norden in Richtung Bahnhof Noltelager ab. Hier finden sich vereinzelte Beton-Unterstände. Weiter geht die Stellung am stark befestigten Südrand von Montblainville entlang, um dann südlich Charpentry durch das Tal der Buante wieder über den „Kahlen Rücken“ nördlich Very zu passieren. Entlang der Linie Épinonville, Ivory erreicht der Argonnenriegel das stark befestigte Montfaucon.

Südlich Charpentry steht auf der Höhe zwei kaum noch sichtbare Beton-Unterstände mit Beobachtungsrichtung Süden. Man achte auf die abgeschrägte Decke, die schon sehr Bunker aus dem 2. Weltkrieg ähnelt.

Beton-Unterstand