Brief an Pauline 11. Oktober 1915

Feldpost – Brief an Pauline 11. Oktober 1915

 

Feldpost Hermann Wolpmann

 

 

 

 

 

 

 

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Wolpmann

 

 

 

 

 

 

 

Wolpmann

 

 

 

 

 

 

 

 

Auszug aus einem Brief an Pauline von Gustav ´s Freund und KameradUnteroffizier Hermann Wolpmann 11. Okt. 15

Am 24. Sept. abends sind wir abmarschiert. Gustav und ich haben, wie wir es immer machten, nebeneinander marschiert, die Franzosen waren tüchtig am schießen. Glücklich an der Arbeitsstelle angelangt, Gustav und ich wurden mit je 8 Mann in der vordersten Linie zur Wiederherstellung der Gräben kommandiert. Am Morgen des 25. gegen ½ 2 war ich noch mit Gustav zusammen. Er war nämlich links von mir. Nun bekam Gustav den Befehl gegen 7 Uhr, sich in das direkt hinter der Schanze liegende Lager zu begeben. Zu mir kam der Befehl nicht durch und daher mußte ich dort bleiben. Wie mir unser Leutnant erzählt hat, hat er dauernd nach mir gefragt,

Und wußte nicht, wo ich war, und ich wußte nicht, wo Gustav war. Um 10 Uhr kamen die Franzosen in dichten Kolonnen an, und kamen auch ziemlich weit vor. Kamen in den Teil vor, wo Gustav gearbeitet hatte, in den Graben und darüber hinaus. In den Teil, wo ich mich befand, kamen sie nicht ganz so weit vor. Nun mußte der Feind wieder zurückgeworfen werden und es geschah auch in ganz kurzer Zeit darauf. Die Franzosen mußten in eiliger Flucht wieder zurück. Nun habe ich mir von einem Infanterie Unteroffizier erzählen lassen, dieser war nämlich mit Gustav zusammen bei diesem Vorgehen. Er sagte: Der Unteroffizier Schmidt von Euch war mit mir zusammen. Wir sind zusammen vorgegangen, die Franzosen zogen sich schon zurück, als der liebe Gustav einen Schuß in die Brust bekam, er fiel um und war sofort entschlummert. Nun war das noch vormittags.

Ich wußte nichts davon, Nachmittags kam noch wieder ein Angriff, aber wurde gleich abgeschlagen. So wurde es nachmittags gegen 7 Uhr. Ich hatte immer keine Nachricht, was ich mit meinen fünf Mann, die ich noch hatte von meinen acht, machen sollte, ich hatte eine bange Ahnung. Ich eilte fort über alle die toten Franzosen und auch Deutsche. War nun schon eine ziemliche Strecke gegangen, frug die Infanterie nach einem Pionier Unteroffizier. Keiner hatte einen gesehen, ich ging weiter. Das Geschick leitete meinen Weg gerade auf die Stelle, wo mein lieber Gustav lag. Wie Du Dir wohl denken kannst, l.P. (liebe Pauline) war ich wie vom Blitz getroffen.Ich habe bei ihm gestanden, so ganz allein, seine Hand angefaßt, aber sie war kalt. Es war mir ein Rätsel, der liebe Gustav machte doch so ein friedliches Gesicht. Es war ihm anzusehen, daß er von seinem Tode nichts gespürt hat, und das ist ja bedeutend besser, als wenn er noch hätte in seinem Schmerz liegen müssen und wär dann doch gestorben. Nun bin ich weiter geeilt und habe 2 Mann geholt, die haben den Gustav dann in eine Hütte gelegt. Sämtliche Sachen, auch den Ring, ich habe noch extra danach gefragt, sind ihm abgenommen worden, schon vorher von anderen Kameraden der Komp. und sind alle der Komp. abgegeben worden.

..Am Abend des 25. mußte ich nun den lieben Gustav zurücklassen. Er ist am anderen Tage von unserer Komp. beerdigt und er liegt in einem schönen Grab hinter einer kl. Anhöhe. Es wird nun von der Komp. ein schönes Kreuz gemacht, welches dann auf demselben aufgestellt wird……

Wie Gott will, kommen bessere Zeiten, wie meine Seel es hofft,” hat Gustav oft gesagt.

Abschrift

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