Der deutsch-französische Rundweg über die Höhe Toter Mann

Während unserer ersten Wanderung kurz nach der Jahrtausendwende auf dem Schlachtfeld von Verdun stießen wir auf zahlreiche verfallene Schützengräben und Unterstände auf der Höhe des Toten Mannes. Mit den Jahren erhielten wir immer tiefere Einblicke in die historischen Ereignisse, die sich dort abgespielt hatten. Die Erinnerung an diese schrecklichen Geschehnisse – und die damit verbundene Mahnung – war damals eine der wichtigsten Motivationen für uns, diese Homepage ins Leben zu rufen.

Umso größer war unsere Freude, als 2017 der Rundweg zur Erinnerung mit seinen zehn Informationstafeln fertiggestellt wurde.

Dies ist die erste Tafel des Rundwegs. Vom Parkplatz aus gelangt man in wenigen Schritten zum großen Denkmal auf der Höhe Toter Mann. Hier beginnt der Rundweg.

Diese zentrale Kreuzung erreichen wir nach der Überquerung des Parkplatzes. Hier führt der Rundweg halblinks an Tafel Nr. 3 vorbei in den Wald.

Auszug zur Idee des Rundwegs

Junge Franzosen und Deutsche im Alter der Soldaten von einst konzipierten zusammen mit Historikern, Journalisten und Kommunalpolitikern am Original-Schauplatz insgesamt 10 Informationstafeln. Die Mission Histoire, die nationale Forstbehörde Frankreichs (ONF), die staatliche Vereinigung ehemaliger Kriegsteilnehmer und Kriegsopfer Frankreichs im Département Maas (ONACVG), die Stiftung des Gebeinhauses von Douaumont und Bürgermeister umliegender Gemeinden unterstützten und begleiteten das Projekt.

Wo sich die Soldaten der beiden Nationen einander einst als Feinde gegenüberstanden, entstand auf diese Weise eine Wegstrecke der Erinnerung, des Gedenkens, der deutsch-
französischen Partnerschaft und der europäischen Begegnung.

Quelle: Deutsch-Französische Freundschaft in Verdun, KAS

Unsere Initiative

Heute gehören wir zu einer privaten Initiative, die, in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, gewissermaßen die Patenschaft für die Pflege des Rundwegs übernommen hat. So sehr wir die Natur im Département Meuse schätzen, manchmal gewinnt sie die Oberhand und beginnt, den Weg zu überwuchern. In solchen Momenten kommt die Gruppe zusammen, und in gemeinsamer deutsch-französischer Arbeit wird der Rundweg wieder für die Besucher hergerichtet.

Arbeiten an den Informationstafeln

Ein großer Geschosstrichter dient als besonderer Anschauungspunkt.

Erinnerung an René Benhard CRUÈGE und Hans Sievers

René Benhard CRUÈGE und Hans Sievers stehen beispielhaft für Hunderte von Deutschen und Franzosen, die ihr Leben in den Kämpfen am Toten Mann ließen und deren Grab heute unbekannt ist.

CRUEGE

Lieutenant René Benhard CRUÈGE aus Bordeaux diente im 8. französischen Jägerbataillon (Bataillon de Chasseur à Pied). Am 09. April 1916 erreichten die Jäger per Lastwagen aus Bar-le-Duc kommend die Gegend um Chattancourt. Die nächsten drei Tage hatten sie heftige Angriffe der Reserve-Infanterie-Regimenter 71 und 82 abzuwehren. Die deutschen Soldaten erreichten nach schwerem Kampf die französischen Linien im Rabenwald. Diese bestanden aus einer Kette von Blockhäusern.
Lieutenant CRUÈGE fällt am 09. April bei der Verteidigung des Rabenwaldes. Seine letzte Ruhestätte ist unbekannt.

Sievers

Landsturm-Musketier Hans Sievers aus Aachen kam im April 1916 mit dem Reserve-Infanterie-Regiment 208 nach Verdun. Am 14. April erreicht das Regiment Verdun und am 22. April ist Hans Sievers Teil der Ablösung im Rabenwald. In den Briefen an seine Familie in Düsseldorf schreibt er über die harten Kämpfe und Verluste. Hans Sievers fällt am 23. Mai 1916 im Alter von 33 Jahren im Bereich der Doppelkuppe des Toten Mannes beim Sturm seines Regiments auf die französischen Linien. Auch seine Ruhestätte bleibt unbekannt.

Arbeitseinsatz und Einweihung der Erinnerungstafeln im April 2026

Ein Bericht von O. Scheer

Am Wochenende des 17. bis 19. April 2026 kehrten wir erneut an den Rundwanderweg auf dem Toten Mann zurück. Auf dem Programm standen ein Arbeitseinsatz sowie eine anschließende Gedenkveranstaltung.

Dank eines Freundeskreises, der sich seit Jahren für den Erhalt und die Pflege des Wanderweges engagiert, konnten zwei zusätzliche Informationstafeln zu den bislang zehn bestehenden installiert und feierlich eingeweiht werden. Sie befinden sich am Denkmal der französischen 69. Division d’Infanterie auf der Doppelkuppe sowie am Schlesischen Graben in der Nähe der Tafel Nr. 8. Hierfür wurden vorhandene Betonstelen genutzt, die seit vielen Jahren ungenutzt am Wegesrand standen.

Die mit Text und Bildern versehenen Tafeln widmen sich den Schicksalen zweier Soldaten beider Nationen, die auf dem Toten Mann gefallen und bis heute vermisst sind. Für uns als Betreiber dieser Homepage war es eine besondere Ehre, dass das Schicksal des deutschen Soldaten Hans Sievers, das seit 2020 auf verdun14-18.de dokumentiert ist, auf einer der Tafeln aufgegriffen wurde. Der französische Beitrag entstand in Zusammenarbeit zwischen der Stiftung des Ossuaire Douaumont und der Konrad-Adenauer-Stiftung. Ergänzt werden die Inhalte durch QR-Codes, die auf weiterführende Informationen sowohl auf unserer Internetseite als auch auf der Seite der Konrad-Adenauer-Stiftung verweisen.

Ein besonderer Moment dieses Projektes war die Teilnahme von Frau Pokladek, der Enkelin von Hans Sievers, die gemeinsam mit ihrem Ehemann sowohl die Arbeiten als auch die feierliche Einweihung begleitete. Im Vorfeld hatten die Mitglieder des Freundeskreises umfangreiche Vorbereitungen getroffen:
Der Wanderweg wurde von Bewuchs und Unrat befreit, die bestehenden Tafeln gereinigt und die Betonstelen aufbereitet, bevor schließlich die neuen Tafeln montiert werden konnten.

Die Einweihungszeremonie

Am Sonntag versammelten sich neben der Familie Pokladek auch der Freundeskreis der Konrad-Adenauer-Stiftung unter Philipp Lerch, der Direktor des Ossuaire Douaumont, Olivier Gérard, eine Abordnung der Vereinigung des 8. Jäger-Bataillon mit Colonel Gérard Monneveu sowie Pressevertreter auf dem Toten Mann.

Nach einer kurzen Begrüßung begab sich die Gruppe zur Stele des französischen Leutnants René Bernard Cruège vom 8. französischen Jäger-Bataillon. Durch Philipp Lerch wurde die Geschichte und das Schicksal des nachkommenlosen und vermissten französischen Leutnants erläutert. Anschließend folgten eine Kranzniederlegung sowie eine Gedenkminute für alle auf dem Toten Mann gefallenen Opfer.

Gedenken an Bernard Cruège
Am Schlesischen Graben

Besonders bewegend gestaltete sich die Zeremonie an der Tafel für Hans Sievers. Nach einleitenden Worten von Philipp Lerch ergriff Frau Pokladek das Wort. In persönlichen, selbst verfassten Zeilen schilderte sie die Geschichte ihrer Familie und erinnerte an ihren Großvater, den sie selbst nie kennenlernen durfte. Im Anschluss wurden ausgewählte Briefe von Hans Sievers und seiner Ehefrau Margarete in deutscher und französischer Sprache vorgetragen – teils von französischen Teilnehmern auf Deutsch, teils umgekehrt. Auch hier folgten eine Kranzniederlegung sowie eine Gedenkminute.

Gedenken an Hans Sievers
Am Gebeinhaus

Den Abschluss des Tages bildete der gemeinsame Weg zum Ossuaire Douaumont. In würdigem Rahmen wurden dort nach einer Ansprache die Namen von Hans Sievers und René Bernard Cruège enthüllt, die bereits in die Decke des Beinhauses eingraviert worden waren. Hans Sievers ist damit seit 2014 der neunte deutsche Soldat, dessen Name an diesem Ort des Gedenkens verzeichnet ist.

Mit dem Abspielen beider Nationalhymnen und dem Entzünden der Ewigen Flamme durch Frau Pokladek fand dieser besondere Tag seinen Abschluss. Ein Tag, der allen Anwesenden – insbesondere den Angehörigen – in Erinnerung bleiben wird, ein bedeutendes Zeichen deutsch-französischer Verständigung und ein Moment, in dem zwei Namen ihren festen Platz im kollektiven Gedächtnis gefunden haben.

Der Abschluss der Gedenkfeier im Gebeinhaus von Douaumont
Unsere Partner

Konrad-Adenauer-Stiftung

Ossuaire de Douaumont

Office National des Forêts

Departement Meuse

L’Office National des Combattants et des Victimes de Guerre (ONaCVG)