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Ein Auszug aus der Gedenkschrift für die Kameraden des Landsturm-Infanterie-Bataillons Heilbronn
Am 07. September 1916 ordnete das Armee-Oberkommando an, daß zwei Landsturm-Bataillone als Kampftruppe aus der Etappe herausgezogen werden sollten. Die Etappen-Inspektoren bestimmten dazu unter anderem Btl. Heilbronn. Für die in technischen und landwirtschaftlichen Betrieben zurückbleibenden Heilbronner Mannschaften traten 300 felddienstfähige Leute vom Landsturm-Btl. Ehingen ein. Auch Offiziere wurden mit anderen Bataillonen ausgetauscht. Die Führung des Bataillons übernahm Hauptmann Killinger, die der 2./ Komp. Leutn. Freytag, die der 3./ im Tausch der bisherige Adjutant, Hauptm. Bockshammer. Hptm. Bonndorf war seit Juni zur Pflege der Kriegsgräber abkommandiert und als dann noch eine Maschinengewehr-Kompanie aufgestellt wurde, erhielt diese Hauptmann Hähnle.
Zunächst galt es, das Btl. im Gefechtsdienst auszubilden. Am 11. September sammelte es sich in Fillières, am 14. September ging es nach Laneuville, dann bis Stenay mit der Bahn. Das Btl. schied damit aus der Etappe aus und unterstand nur dem VII. A.K..
Der Befehl der Etappen-Inspektion vom 07. Sept., der den Übertritt des Bataillons zum A.O.K. 5 anordnete, schließt mit den Worten: „Den beiden vorübergehend ausscheidenden Landsturm-Bataillonen Göttingen und Heilbronn, besonders dem letzteren, das seit langer Zeit der Etappen-Inspektion angehört, spricht die Etappen-Insp. für ihre vortrefflichen Leistungen und ihren hingegebenen Fleiß volles Lob aus und wünscht ihnen das Beste für die kommenden verantwortungsreichen und ehrenvollen Wochen“. In der Tat, es war eine lange Zeit und der Dienst erforderte, wenn man vortreffliche Leistungen erzielen wollte, viel Fleiß und selbstlose Hingabe.

Im Frontdienst
Nach nur 3-tägigem Aufenthalt in Filières und nachdem im Austausch 1 Offizier, 300 Unteroffiziere und Mannschaften vom Landsturm-Bataillon Ehingen zu uns gekommen, wurde das Bataillon von der Angriffsgruppe Maas-Ost zu der Maas-West versetzt. Es traf mit der Bahn am 14. September 1916 über Sedan – Stenay in Laneuville ein, wurde hier größtenteils in Baracken untergebracht und beschleunigt für den Stellungskrieg ausgebildet.
Diese Ausbildung sollte bis 01. Dezember 1916 beendet sein, dauerte aber nur 6 Wochen. Sie erstreckte sich auf Gefechtsexerzieren, Handgranatenwerfen, Schießen, hauptsächlich aber auf den Bau eines Stellungswerks am Rande des Dieulet-Waldes bei Laneuville.
Als Lehrer waren dem Bataillon aus zumeist württembergischen Frontformationen eine Anzahl geeigneter Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften zugeteilt worden. Daneben lief die Ausbildung im Pionier-, Gasschutz und Sanitätsdienst, sowie von besonderen Stoß- und Fernsprechtrupps, ferner in der Bedienung von Granat- und Minenwerfern.
Aufstellung der M.G.-Kompagnien
Außerdem wurde aus Mannschaften des Bataillons eine Maschinengewehr-Kompanie aufgestellt, zu welcher später in Remoiville die meist aus jüngeren Leuten bestehende 2. M.G.K. trat.
Als Ersatz für die zur Bildung der 1. M.G.K. abgegebenen Unteroffiziere und Mannschaften trafen am 21. September 1916 4 Offiziere, 85 Unteroffiziere und Mannschaften von den Landwehr-Regimentern 124 und 125 ein, sowie ferner als Ersatz für weniger kriegsverwendungsfähige Leute weitere 73 Unteroffiziere und Mannschaften der Landsturm-Bataillone Leonberg, Ludwigsburg und Ehingen.
Als Nachfolger für den Oberstleutnant Faber übernahm am 14. September Hauptmann Wolf vom Ers.-Btl. I.R. 120 das Bataillon. Er wurde aber schon am 20. September zum Landwehr-Regiment 125 versetzt und an seine Stelle trat Hauptmann Villinger, bisher Führer von unserer 2./ Kompanie.
Am 22. und 23. Oktober 1916 fand als Abschluß der Ausbildung eine Besichtigung in der Nähe von Stenay statt.
Mittlerweile hatte sich die Lage an der Verdun-Front zu unseren Ungunsten verändert. Die Franzosen konnten den Verlust von Douaumont und Vaux nicht verschmerzen und machten bei beiden Werken sowie den übrigen Teilen der Front mit Erfolg Vorstöße.
Die Gruppe West hatte sich deshalb veranlaßt gesehen die Ausbildung des Bataillons wie erwähnt, vorzeitig zu beenden und verfügte am 23. Oktober 1916 dessen Einsatz als Kampftruppe in vorderer Linie.
Damit begann ein neuer Abschnitt. Niemand aber ahnte, daß aus den „ehrenvollen und verantwortungsreichen Wochen an der Front “ – wie es zur Zeit im Etappen-Inspektions-Befehl hieß – fast eineinhalb Jahre werden würden!


Abmarsch nach Verdun
Schon am folgenden Tage, den 24. August 1916, fand der Abmarsch von Laneuville bzw. die Abfahrt von Stenay nach Brieulles an der Maas statt, wo wir gleich einen Vorgeschmack bekamen von dem, was uns „da vorne“ erwartete, denn Bahnhof und Ort lagen unter Feuer.
Über Nantillois, Montfaucon und Malancourt ging es noch am gleichen Abend bzw. in der Nacht in langem, mühsamen Marsch direkt in die Stellung Abschnitt B im Wald von Malancourt und Avocourt zur Ablösung des Regiments 140 (4. I.D.). Sie war gegen 3 Uhr morgens beendigt und verhältnissmäßig glatt von statten gegangen. Es standen nunmehr 4./ Kompanie als Stützpunkt 5 zur Verfügung des Regimentskommandeurs vom Dienst; 2./ Kompanie zur Verfügung des Bataillonskommandeurs. Sie sollte bei drohendem Angriff der 1. Linie zu Hilfe kommen oder einen Gegenstoß ausführen, 1./ und 3./ Kompanie besetzten eine Zwischenstellung, die „alte deutsche Stellung!“ Die M.-G. wechselten wiederholt die Plätze.

Arbeiten in vorderster Linie
Neben dem üblichen Grabendienst waren Schanz- und Trägerarbeiten zum Teil in die vorderste Linie zu erledigen.
Obwohl der Gegner die Stellungen während der ganzen Zeit mit viel Feuer belegte, ja an einem Tage den Abschnitt A auch mit ca. 2000 Gasgranaten, so waren nur 2 Mann leicht verwundet worden.
In der Nacht vom 01. auf den 2. November wurde ein Teil des Bataillons durch I./109, am 03. November der Rest durch II./109 abgelöst. Es marschierte über Montfaucon, Cierges nach Romagne s. M.. Von dort nach 2tägigem Aufenthalt am 06. November 1916 über Brieulles, Sivry, Sivry-Ost (Übernachtungslager), Reville und Damvillers nach Ville vor Chaumont. Wir hatten unsere Feuertaufe erhalten, gewürzt mit Ratten, Ungeziefer und Dreck. Doch bald sollten wir diese Dinge noch in vermehrter Auflage geniessen.
Ein Teil des Stabes, die 3./ und 4./ Kompanie in dem fast ganz zerschossenen Ville untergebracht, die 1./ und 2./ Kompanie und die M.G.K. kamen in das einige Hundert Meter weiter südlich gelegene unfertige Nocken-Lager, obwohl die Franzosen dasselbe wenige Tage zuvor beschossen hatten. Teile des Lagers waren stark zerstört, es sollte deshalb laut Befehl der 13. Res.-Division nicht wieder belegt werden. Auch befand sich das Lager in einem fürchterlichen Zustand; die Umgebung war ein Meer von Schlamm. Es bedurfte monatelanger, anstrengender Arbeit, um diese Quartiere nebst neuangelegten Unterständen für den Winter einigermaßen bewohnbar zu machen. Von Zeit zu Zeit beschossen die Franzosen immer wieder das Lager, wodurch mehrfach Verluste entstanden. So hatte das Bataillon z.Bsp. allein am 16. Dezember 6 Tote und 9 Verwundete.
Dabei war der Winter streng und die Erkrankungen zahlreich, so dass der Kommandeur und Bataillonsarzt in energischer Weise bei der Division vorstellig wurden.
Unsere Aufgabe bestand in dem Ausbau der 3./, 4./ und 5./ Stellung nordwestlich von Douaumont, im Abschnitt B von Beaumont zum Wavrille-Wald. Von jeder Kompanie rückten täglich 140 Mann zu Schanzarbeiten aus. Sie faßten Pionier-Materialien und brachten sie in die Stellung vor. Das war bei dem nie ganz aussetzenden Störungsfeuer und auf den unergründlichen Anmarsch-Schlammwegen – meist bei Nacht – ein schweres Stück Arbeit. Ferner baute das Bataillon in jenen Tagen die Stützpunkte 10 – 16 südlich und südöstlich von Beaumont, später auch den Moncourt-Riegel und mehrere MG-Stände. Infolge der pünktlichen und gewissenhaften Ausführung dieser Anlagen leisteten dieselben später bei den franz. Angriffen im August 1917 den schwäbischen Regimentern 475 und 476 äußerst wertvolle Dienste. Manchem „Heilbronner“ wird es sicherlich eine große Genugtuung und stolze Freude gewesen sein, als er hörte, seine mühevolle und saure Arbeit kam württembergischen Kameraden sehr zu gut.
Im November 1916 hatten wir 4 Verwundete und durch Krankheit 2 Tote, im Dezember dagegen 8 Tote und 31 Verwundete. Der letzte Monat stand im Zeichen der heftigen Nivelle’schen Angriffe bei Bezonvaux und Vacherauville (15. – 17. Dez), welche dem Gegner einige Geländegewinne einbrachten. Am 14. – 21. Dez hielten unsere Kompanien den Abschnitt Beaumont und Wavrille Wald besetzt mit dem Auftrag, die Stellung „bis auf den letzten Mann zu verteidigen“. Jene Tage, noch dazu bei naßkaltem, stürmischen und regnerischem Wetter in noch nicht ausgebauten Stellungen, stellten an Offiziere und Mannschaften große Anforderungen, auch ohne das ein Angriff der feindlichen Infanterie bis an unsere Stellung gelangt wäre.

Als dann gegen Weihnachten 1916 die französische Offensive abflaute, da teilte das A.O.K V dem stark mitgenommenen Landsturm-Bataillon eine leichtere Aufgabe zu. Im Dienste des Baukommandos „Ausgangsstellung“ an einer Stelle Chaussee Flabas (Rotzoll-Wäldchen, Müllerplatz) und Korps-Grenze (Ostrand Ville, Ostspitze Wald von Ville), hatten wir zu bauen.
Das Weihnachts- und Neujahrsfest konnte durch Feldgottesdienst und Liebesgaben gefeiert werden; der Krankenstand nahm erfreulicherweise ab.
Ende Januar 1917 schied das Bataillon aus dem „Baukommando Ausgangsstellung“ wieder aus und wurde zunächst dem Kommandeur 1./ Pi 24, dann der 25. Reserve-Division zugeteilt. Es erledigte bis zum 23. Februar bei hohem Schnee und andauernd starker Kälte nächtliche Schanzarbeiten beiderseits des berüchtigten Granatentals, bis nah an die vorderste Linie bei Louvement, zeitweise unter Granat- und M.G.-Feuer. Die M.G.K. hatte M.G.-Stand 13, 27 und 44 zu besetzen.
Zu unseres Königs Geburtstag, den 25. Februar, sandten uns die Franzosen wieder freundliche Granatengrüße ins Lager. Unter Verleihung einer großen Zahl von Auszeichnungen feierten wir aber trotzdem. Dann begann am folgenden Tag die neue Aufgabe: Schanzarbeiten am Fosses-Riegel im Abschnitt „G“ durch abwechselnd 2 Kompanien.
Infolge der äußerst ungünstigen Witterung und der Strapazen verschlechterte sich der Gesundheitszustand wieder sehr. Auch der Bataillons-Kommandeur, Hauptm. Villinger, ein jederzeit hilfsbereiter und bei Offizier und Mann gleich beliebter alter Herr, mußte wegen schwerem Rheumatismus ins Lazarett. Er hatte daran lang und viel zu leiden, kam nicht mehr zum Bataillon zurück und starb 1922 in Besigheim. Sein Nachfolger wurde Major der Reserve Mögling vom L.I.R. 126.
Die Arbeiten am Fosses-Riegel, bei denen noch kurz vor Schluß durch Granatfeuer Verluste entstanden, wurden beendigt. Während derselben hatte man wiederholt Alarmbereitschaft befohlen. Endlich am 10. März 1917 wurden wir aus dem üblen Ville und Nocken-Lager erlöst und über Moirey – Louppy nach Remoiville und Jametz abbefördert. Hier sollte für die Dauer eines Monats die in Laneuville seiner Zeit plötzlich abgebrochene Ausbildung zum Abschluß gebracht und eine weitere M.G.-Kompanie aufgestellt werden.
Zur Bataillons-Geschichte (L.I.B. Heilbronn)
Zum Kommandeur des Landsturm-Bataillons Heilbronn ernannt, übernahm ich dasselbe am 04. März 1917 im Nockelager. Am 10. März verliess das Bataillon befehlsgemäß dieses Lager und fuhr von Moirey mit der Bahn bis Louppy, dem Sitz des V. Reserve-Korps. Nachher ging es mit klingendem Spiel in die neue Ausbildungsunterkunft nach Remoiville und Jametz (7. Res.-Div.). Mit Lust und Liebe ging ich gleich am 12. März an die Ausbildung zur Front- und Kampftruppe. In vollster Hingebung unterzogen sich Offiziere, Unteroffiziere und sämtliche Mannschaften dem im Felde nicht gerade heißersehnten Exerzier- und Ausbildungsdienst.
Ein Sturmwerk bei Remoiville und Jametz diente als Objekt für Stellungs- und Grabenkämpfe, sowie für Handgranatenwerfen. Das weitere Gelände war „wie auserlesen“ zu Gefechtsübungen in Kompanie- und Bataillonsverband. Der am 12.3. in Remoiville eingetroffenen 2./ M.G.K. widmete sich im Verein mit der 1./ Stamm-M.G.K. noch besonders der zum M.G.O. bei meinem Stabe ernannte Leutnant Gix. So rückte bei angespannter Arbeit der 31. März heran, an dem das Bataillon besichtigt werden sollte. Das geschah gründlich und stundenlang durch Exellenz General von Garnier (5. Res.-Korps) und Exellenz Graf von Schwerin (7. Res.-Div.). Zu meiner grössten Freude klappte alles vorzüglich, da jeder einzelne sein Bestes gab. Mit berechtigtem Stolz durfte ich aus dem Munde der beiden Exellenzen höchstes Lob und Anerkennung entgegennehmen wurde doch das Bataillon zum Front-Truppenteil und jeder aktiven Truppe gleichwertig erklärt. Zur Belohnung drückte mir Exellenz Garnier 9 E.K. II. in die Hand, die ich darauf gleich an die Würdigsten ausgab. Unter den Klängen der braven Bataillonsmusik rückten wir stolz ins Quartier ab.
Schon am 08.04.1917 befanden sich sämtliche Kompanien ab Louppy auf der Fahrt nach der Front der Maasgruppe Ost (103. I.Div.). Von Moirey aus erfolgte zunächst Marsch in die Unterkünfte: Stab, 1./ und 3./ Komp. Crepionlager, 2./ Caureswald, 4./ Molleville-Ferme, 1./ und 2./ M.G.K.Wavrille. Während die beiden M.G.-Kompanien dort weiter im Ausbildungsdienst übten, schanzten die Infanterie-Kompanien in verschiedenen Reservestellungen. Am 18.04. wurde der Stab nach Wavrille verlegt. Die erste M.G.K. wurde gleichzeitig mit 7 Masch.-Gewehren in die vordere Linie Absch.-C-Nord (I.R. 71) gezogen und am 19.04. löste die 1./ die 10./R. 83 in der Jägerschlucht, die 3./ Komp. die 11./R. 83 in Beaumont ab. Am 22.04. rückte die 1./ Komp. in vorderste Linie vor Louvement zur Ablösung der 5./ R. 71. Von jetzt ab regelte sich die Verwendung der Kompagnien wie folgt: Eine Kompagnie in vorderster Linie, eine Komp. in Reservestellung in Beaumont, eine desgl. im Caureswald und die letzte in Ruhe in Wavrille, bei 10-tägigem Wechsel. Ebenso wechselten die beiden MG-Kompagnien in ihren MG-Nestern um Beaumont mit Ausbildungsdienst in Wavrille.
Dort wurden ständig eine Anzahl von Offizieren, Unteroffizieren und Infanterie-Mannschaften durch Leutnant Gix am MG ausgebildet.
Am 20.05. wurde die 103. Infanterie-Division durch die 28. Reserve-Division abgelöst. Wie fast immer war der Gegner im Bilde und belegte den ganzen Abschnitt mit starkem Artillerie-Feuer. Das MG 8 unserer 2./ M.G.K wurde dabei durch Volltreffer zerstört, die Bedienungsmannschaft blieb unversehrt. Auch die nächsten Tage dauerte die feindliche Beschießung an und das Bataillon war in Alarmbereitschaft.

Verluste in diesen Tagen: 1 Mann gefallen, 10 Verwundete.
S. M. der König verlieh dem Bataillon 52 silberne Militär-Verdienstmedaillen und durch den Kommandeur des 5. Res.-Korps wurden 24 EK II gespendet.
Zur Pflege der Kameradschaft und Geselligkeit veranstalteten die jeweiligen Ruhekompagnien kleine Waldfeste unter Beteiligung der fleißigen Bataillons-Musik und der sangesfreudigen Kameraden. Für besondere sportliche Leistungen waren dabei Preise aus Kantinenmitteln ausgesetzt.
Im Monat Juni 1917: 3 Gefallene und 3 Verwundete
Auch Anfang Juli blieben sämtliche Kompagnien in oben geschilderter Weise in den bisherigen Stellungen eingesetzt, nur die 28. Res.Div. löste man durch die 25. Res.Div. ab. Nach vorangegangener starker feindlicher Artillerietätigkeit wurde am 14.7. 10 Uhr nachts erhöhte Gefechtsbereitschaft befohlen und der Stab mit der 4./ Kompagnie und der 2. M.G.K. um 10.45 Uhr als Regimentsreserve in den Caureswald vorgezogen. Am 19.07. erhielt das Bataillon 24. E.K. II.
In der Nacht zum 20.07. traf der Befehl des A.O.K. ein, daß das Bataillon der Maasgruppe West zu Schanzarbeiten zugeteilt sei. Die vorne eingesetzten Kompagnien wurden durch solche des I.R. 168 ersetzt und rückten nach Wavrille. Von hier Abfahrt des Bataillons über Montmédy Bazeilles bis Romagne. Marsch nach Cunel, wo selbst Stab und Bagage unterkamen. Die 4 Infanterie-Kompagnien wurden in Ivory untergebracht, während die beiden M.G.-Kompagnien in Wavrille verblieben (Bereitschaft).
Am 22.07., jetzt der 29. Res.-Div. unterstellt, wurden die Kompagnien zum Schanzen in vorderster Linie verwendet (Bau von Sturmstellungen, etc.) und waren dabei lebhaftem feindlichen Feuer ausgesetzt, so daß das Bataillon 4 Gefallene und 23 Verwundete zu beklagen hatte, darunter 11 Gasvergiftungen. Auch der Gesundheitszustand wurde schlechter, besonders viele Darmerkrankungen. So wirkte der Befehl vom 31.07., „nach der Robinette-Ferme bei Romagne abzurücken“, wie eine Erlösung. Der 02.08. fand das Bataillon und die Bagage auf dem Marsch über Brieulles, Vilosnes nach Sivry; es trat dort unter den Befehl der 6. Res.-Div.
Nach persönlicher Besprechung mit dem Brigadekommandeur, Oberst von Rath, bekam das Bataillon seinen selbstständigen Abschnitt, die sog. Regensburgstellung, in vorderster Linie zugewiesen, die sich auf Höhe 265, vom hohen Gänserücken (Rabenwaldsaum) über Arbre und Weinbergstützpunkt, einschließlich Dorf Regneville am linken Flügel bis zur Maas erstreckte. Nachbar zur Rechten war das Res.Inf.Regiment 24 bis Höhe 304. Es wurden die 1./, 3./ und 4./ Kompagnie sowie die 1./ M.G.K. in vorderer Linie eingesetzt. Die 2./ M.G.K bezog mit 5 M.G. ihre Stände in Hagen Süd (2. Linie). Die 2./ Inf.Kompagnie mit dem Rest der 2./ M.G.K. verblieb zunächst in Ruhe in Sivry. Der Gefechtsstand des Stabes befand sich hinter Höhe 265 an der Straße Sivry – Forges. Die ersten Tage blieben zunächst ruhig, so daß an Verbessern und Ausbau der Stellung, insbesondere der Stützpunkte, ruhig gearbeitet werden konnte, nur die 2./ M.G.K. verlor am 06.08. den Schützen Veil durch Artilleriefeuer.

Am 10.08. setzte rege Fliegertätigkeit der Franzosen ein. Die am rechten Flügel befindliche 1./ Kompagnie lies ich durch die 2./ Kompagnie ablösen, ebenso die 1./ M.G.K. durch die 2./ M.G.K. in vorderster Linie, 5 M.G. der 1./ M.G.K. lösten in Hagen Süd ab. Der 12. August brachte eine sehr lebhafte Artilleriebeschießung der ganzen Stellung und der rückwärtigen Verbindungen und damit den Auftakt zur Abwehrschlacht bei Verdun. Am 13. und 14.08. wurde das Feuer so stark, daß der Angriff der Franzosen stündlich zu erwarten stand. Die noch verfügbaren 4 M.G. wurden vorne eingesetzt.
Verluste am 13.08.: 7 Verwundete
Am 14.08. steigerte sich das Artilleriefeuer aus allen Kalibern noch erheblich, ebenso wurde die ganze Stellung noch mit Gas belegt. An diesem Tage fielen 14 Mann, 5 wurden verwundet und 3 trugen schwere Gasvergiftungen davon. Der 15.08. brachte dem Bataillon 2 E.K. I und 15 E.K. II. Dem Vizefeldwebel Renz der 1./ M.G.K. überreichte ich seine wohlverdiente I. Klasse auf seinem M.G. Stand bei Régneville. An diesem Tage: 1 Mann gefallen, 9 verwundet und 4 Gasvergiftungen. Verpflegung konnte nur noch in den frühen Morgenstunden, in denen das Feuer meist etwas nachließ, in Stellung geschafft werden. Die Küche in Forges wurde zusammengeschossen.
Im Nebenabschnitt Maas-Ost wurde der Talou-Rücken geräumt, damit war die linke Flanke unserer Stellung schwer bedroht. Vor dem Stellungsabschnitt zählte ich 17 franz. Fesselballone; die Fliegertätigkeit nahm immer mehr zu. Am 16. und 17.08. steigerte sich das Artilleriefeuer zum Trommelfeuer. Gräben und Stollen wurden zusammengeschossen. 1 Mann fiel, 5 wurden verwundet; mehrere Gasvergiftungen. Alle kleinen Reserven wurden alarmiert, und am 18.08. wurde die 1./ Infanterie-Kompagnie ebenfalls wieder am rechten Flügel eingesetzt, um den hohen Gänserücken und Ostrand des Cumièreswaldes halten zu können. Die schwere Beschießung hielt mit unverminderter Stärke den 19.08. über an, auch Sivry wurde stark mit Feuer belegt. Es wurden 4 Mann verwundet und 2 durch Gas vergiftet. Am Morgen des 20.08. brach nach vorangegangenem, ununterbrochenem Trommelfeuer und stärkster Gasbeschießung von Linie Bezonvaux bis Höhe 304 der große Angriff der Franzosen auf die Stellung los. Um 8 Uhr vorm. war bereits durch starke feindliche Infanterie die Cumièrestellung (R. J. Rgt. 24) aufgerollt, und die Franzosen drückten trotz tapferster Gegenwehr der 1./ und 2./ Kompagnie in die Regensburgstellung schrittweise immer mehr ein, so daß ich alle Kompagnien um 2 Uhr nachm. allmählich auf halbe Höhe bis zum Bahndamm zurücknahm. Das war umsomehr notwendig, als der Gegner auch über Samogneux den linken Flügel bei Regnéville zu umfassen drohte. Gegen Abend befahl ich das schrittweise Zurückgehen nach dem Maasgrund, das eine dort offen aufgefahrene Batterie unterstützte, und von da weiter nach Hagen Süd bzw. Sivry. Eine im Laufe des Tages zur Verstärkung herangezogene sog. Eingreifdivision vermochte das Vordringen der Franzosen über Höhe 165 ebenfalls nicht mehr aufzuhalten. Bei Einbruch der Dunkelheit sammelte ich die noch kampffähigen Leute der 1./ und 2./ Kompagnie. Diese, ebenso die 3./ und 4./ Kompagnie verwendete ich zur Sperrung der Maaswiesen und Aufstellen einer Feldwache am Forgesbach. All das wurde in musterhafter Ordnung und tadelloser Manneszucht ausgeführt.
Es fielen: 3 Unteroffiziere, 16 Mann; schwer verwundet wurden 3 Offiziere und 3 Unteroffiziere, 9 Mann; leichter: 4 Unteroffiziere und 27 Mann; durch Gas vergiftet 9 Mann. Vermißt zunächst: 1 Offizier, 8 Unteroffiziere und 77 Mann, die sich später fast alle als gefallen herausstellten. Der vermißte Offizier war der tapfere Führer der 2./ Infanterie-Kompagnie Leutnant Freytag, dessen Heldentod uns später erst zur schmerzlichen Gewißheit wurde. Was sämtliche Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften in diesen Großkampftagen in vorbildlicher Hingabe und Disziplin geleistet haben, darf ohne weiteres den Taten eines jeden aktiven Truppenteils würdig zur Seite gestellt werden. „Furchtlos und treu“ stemmte sich das schwäbische Landsturm Bataillon dem von allen Seiten herangebrochenem Ansturm der Franzosen entgegen. Und als ich, um der völligen Vernichtung zu entgehen, den Befehl zur Räumung der Stellung geben mußte, da geschah der Rückzug nur Schritt für Schritt und unter ständiger Gegenwehr.
So ward der 20. August 1917 zum höchsten Ehrentag des Bataillons, an den alle Kameraden, die ihn überlebt haben, mit Stolz zurückdenken können. Allen Gefallenen und Verwundeten sei hier das ehrenvollste Denkmal gesetzt!
Als die Kompagnien im Lager Sivry-Ost am 21.08. gesammelt waren, rückten wir am 22.08. nach dem Lager Fontaines (Sartelles-Wald) ab und traten unter den Befehl der 30. Inf.-Div.. Die nächsten Tage boten die Möglichkeit zur Instandsetzung der Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände. Am 30.08. erfolgte befehlsgemäß Abmarsch über Liny – Dun ins Waldlager Madeleine-Ferme bei Cunel, zur 54. (württ.) Res. Inf.-Div., deren Kommandeur, Generalleutnant von Wencher, das Bataillon am 03.09. besichtigte und die vollste Anerkennung über die Leistungen – auch im Namen S. M. des Königs aussprach.
Nun begannen nach Eintreffen von Ersatz-Mannschaften die Stellungsarbeiten. Es galt Artilleriestellungen um Montfaucon, stets feindlichem Artilleriefeuer ausgesetzt, zu schaffen. Ferner waren 40 Mann zu ähnlichen Zwecken nach Bantheville in Marsch gesetzt. In der Nacht des 5. September unternahmen die Franzosen einen großen Fliegerangriff auf Munitionslager und Quartiere in Bantheville, durch den bedeutender Schaden an Munition und Ausrüstungsgegenständen angerichtet und 1 Mann der 2./ Kompagnie verwundet wurde. Im Madeleine-Lager mußte dauernd an Reinhaltung und Verbesserung der Baracken gearbeitet werden, da zahlreiche Darmerkrankungen auftraten. Die beiden M.G.-Kompagnien wurden am 18.09. zur Fliegerabwehr eingesetzt. Das Bataillon erhielt mehrere Auszeichnungen für Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften von S. M. dem König für den 20.08., desgl. eine größere Anzahl E.K. II. Der M.G.O. beim Stabe, Leutnant Gix, wurde durch E.K. I ausgezeichnet. Auch das rote Kreuz der Stadt Heilbronn spendete aus Anlaß des Geburtstags I. M. der Königin 1000 Mk. Verluste: 1 Mann gefallen, 3 Verwundete.
Vom 02. Oktober ab wurden die Infanteriekompagnien zum Bau einer Bereitschaftsstellung südlich der sog. Wiesenschlenke und der Zwischenstellung „Hagen-Süd“ im Wald von Montfaucon bzw. Cuisy verwendet, in der Weise, daß sich stets 1/3 der Mannschaften in Ruhe im Lager befand. Hier ließ ich M.G.-Kurse für die Infanterie-Kompagnien durch den M.G.O. abhalten.
Am 19.10. schied die 54. R.I.D. aus ihrer Stellung aus und wurde durch die 19. R.I.D. ersetzt. Außer 20 E.K. II erhielt das Bataillon 2 goldene und 83 württ. Militär-Verdienst-Medaillen.
Eine Infanterie-Kompagnie wurde nun in’s Montfaucon-Lager-Nord verlegt, das ebenfalls mehrfach Artilleriefeuer erhielt. So nahte der Dezember heran, mit ihm als Vorbote zum Weihnachtsfest eine Sendung der Stadt Heilbronn von 1500 Mk. und 1345 Weihnachtspaketen. Ab 15.12. wurde das Bataillon auschließlich in der Hagen-Stellung zur Arbeit eingesetzt, so, daß 2 Kompagnien vom Lager aus marschierten, während die beiden anderen Kompagnien von Montfaucon-Nord anrückten. Am 10.12. wurde die 19. Res.-Div. (jetzt unter Befehl des Generalmajors Meister) durch die 13. Inf.-Div. (General von Borries) abgelöst. General Meister sprach dem Bataillon seinen Dank und volle Anerkennung für außerordentliche, pflichtgetreue Arbeit aus.
Der Vorabend des Festes brachte 20. E.K. II, die ich am 24.12. verteilte. Durch Entgegenkommen der Div. wurde es möglich, daß am 24. und 25.12. das liebe Weihnachtsfest im Kino zu Cunel gefeiert werden konnte, immer je 2 Kompagnien und je die Hälfte der 1./ M.G.K. zusammen. Die 2./ M.G.K. hatte man am 10.12. bereits dem Kompagnie-Führer-Kurs nach Pouilly zur Verfügung gestellt. Die beiden Feiern fanden unter Mitwirkung der Bataillons-Musik und einiger neu entdeckter „Künstler“ ebenso stimmungsvoll, als gemütlich, besonders, da jeder einzelne Angehörige des Bataillons aus Kantinenmitteln und den Spenden der Stadt Heilbronn eine Geldbörse mit 8 Mk. Inhalt als Weihnachtsgabe in Empfang nehmen konnte; nicht zu vergessen, auch je 1 Paket teils süßer, teils praktischer Heimatgrüße. Den 26.12. verbrachte ich bei meiner 2./ M.G.K. in Pouilly, bei der es nicht minder vergnügt zuging. In vorstehend geschilderter Weise versahen die Kompagnien ihren Dienst bis zum Jahresende. Im Monat Dezember: 4 Verwundete.
Das neue Jahr 1918 brachte zunächst keine Veränderungen. Bei ruhiger Lage nahm ich die notwendige Exerzier- und Übungstätigkeit wieder auf. Vom 13.01. hatten die 1./ und 2./ Kompagnie, die in Montfaucon untergebracht waren, wieder in der Wiesenschlenkenstellung zu arbeiten, während die 3./ und 4./ Kompagnie vom Waldlager aus auf die Hagenstellung verteilt wurden. Die 1./ M.G.K. war seit 08.12. der 56. Inf.-Div. im Wald von Very unterstellt und wurde nun am 22.01. ebenfalls in der Hagenstellung eingesetzt, löste aber vom 28.01. die 2./ M.G.K. in Pouilly ab. Letztere rückte nach Beaumont, woselbst man sie dem Feldart.-Rekrutendepot zur Ausbildung der Artilleristen am M.G. überwies. Kaisers-Geburtstag am 27.01. konnte ich durch Verteilung von 20 E.K. II feiern. Verwundet in diesem Monat nur 1 Mann.
Der neue Monat brachte eine neue Division, so dass vom 08. Februar ab das Bataillon der 13. R.I.D. unterstellt war. Im Auftrag des A.O.K. besichtigte der Major im Generalstab Hesterberg mit mir das Bataillon in den Stellungen und sprach sich äußerst anerkennend über die Leistungen aus. Die vollste Würdigung derselben wurde aber dem Bataillon am 25. Februar, dem 70. Geburtstag unseres geliebten Königs zuteil, der, außer mehreren Auszeichnungen für Offiziere, den Unteroffizieren und Mannschaften 82 Militär-Verdienstmedaillen verlieh, die ich zu meiner großen Freude persönlich überreichen konnte. Auch die liebe Stadt Heilbronn erfreute uns wieder durch eine Schenkung von 1000 Mk. Durch Maas-Gruppe-West folgten am 28.02. noch 20 E.K. II
Verwundete im Februar: 4 Mann
Infolge Verschiebung der Divisions-Abschnitte unterstand das Bataillon ab dem 15.03. der 15. Res. Inf. Div. und wurde nun geschlossen in der Hagenstellung eingesetzt.
Am 16.03. unternahmen die Franzosen nach starker Artilleriefeuer-Vorbereitung einen Angriff auf den der Hagenstellung vorgelagerten Wald von Avocourt. Auf Befehl der Division hatte das Bataillon die Hagenstellung zu besetzen. Dieser Befehl konnte nur teilweise nach persönlicher Rücksprache mit dem A.O.K. ausgeführt werden, da die sogenannte Stellung nur aus halbfertigen Stollen bestand und Gräben überhaupt nicht vorhanden waren. Auch am 17.03. hielt das starke Artilleriefeuer noch an, durch das auch die Anmarschwege belegt wurden. Erst am Nachmittag wurde es möglich, wieder mit der Arbeit zu beginnen unter Verlust von 4 Verwundeten. Am 19.03. traf nun der Befehl zur Ablösung der Inf.-Kompagnien ein, dich ich im Interesse der Mannschaft, dem Generalstabsoffizier beim A.O.K. als dringend erforderlich nahegelegt hatte. War doch das Bataillon 18 Monate lang ohne Unterbrechung und ohne nenneswerte Ruhe teils als Kampftruppe, teils zu anstrengender Schanzarbeit im feindlichen Feuer in vorderster Linie gestanden.
Der pflichtgetreuen, aufopferungsvollen Tätigkeiten aller Angehörigen des mir so teuer gewordenen Bataillons Heilbronn gedenke ich hier in tief empfundener, unauslöschlicher Dankbarkeit.
Die M.-G.-Kompagnien
In dem Bericht unseres hochverehrten Herrn Kommandeurs, Major Mögling ist unsere Tätigkeit bis Ende 1917 geschildert.
Gegen Ende Januar 1918 befand sich die 1./ Maschinengewehr-Kompagnie unter Führung des Leutnants Dobler beim Kompagnie-Führer-Kurs in Pouilly und die 2./ unter Leutnant Spang in Beaumont, um die Artilleristen des dortigen Feldartillerie-Rekruten-Depots Nr. 5 am Maschinengewehr zu unterweisen. Während der nun folgenden 8 Wochen hatten die beiden Kompagnien Gelegenheit, sowohl sich selbst, als auch die Abteilungen der genannten Formationen gründlich in der Schiesstechnik und Gefechtsdienst auszubilden.
Am 22. März 1918 wurden beide Kompagnien in Mouzon verladen, um in dem Gefechtsabschnitt „Zwischen Maas und Mosel“ eingesetzt zu werden. Nach Ankunft in Jaulny rückte die 1./ Maschinengewehrkompagnie in ein Waldlager, während die 2./ in Thiaucourt Quartier bezog. Beiden fiel die ehrenvolle Aufgabe zu, Truppen, welche durch vorhergegangene Kämpfe gänzlich abgekämpft waren, nämlich der 40. I.D., neuen Halt zu geben. Hatten doch die Kompagnien dieser Division durchschnittlich noch einen Bestand von 30 – 40 Mann, die aber infolge der ausgestandenen Strapazen in ihrer Kampfkraft gänzlich geschwächt waren. Es muss besonders hervorgehoben werden, dass wir amerikanische Truppen zum Gegner hatten und zwar die Ersten, die überhaupt an der Westfront erschienen. War der Feind auch Neuling, so ersetzte er die bei uns vorhandene Felderfahrung durch ausserordenliche Unternehmungslust. Dies kam öfters dadurch zum Ausdruck, dass sich deutschsprechende Patrouillen bei Nacht bis in die deutschen Linien vorwagten. Nicht nur die gegnerische Infanterie, sondern auch die Artillerie zeigte eine recht lebhafte Tätigkeit, was Veranlassung dazu gab, dass nach kurzer Zeit eine weitere Division – die 78. R.D. – in den Abschnitt eingeschoben wurde. Nun konnten unsere M.G.-Züge aus den vordersten Linien herausgezogen werden und im Zwischengelände, wohin sie eigentlich gehören, Stellung beziehen. Wir waren jetzt auf die Front von südlich Flirey bis herunter an die Maas verteilt.
Am 24. April 1918 besuchte Herr Major Mögling die M.G.-Kompagnien in ihrer Unterkunft und ihren Stellungen. Etwa 3 Wochen später wurden unsere beiden Kompagnien aus der Front herausgezogen und marschierten nach St. Maurice, um an den Kämpfen im Abschnitt Longeau-Tal – Chevaliers-Wald teilzunehmen.
Wir trafen am 10. Mai 1918 in St. Maurice ein und wurden der 4. E.D. unterstellt. Quartiere bezogen wir in dem hübsch gelegenen Landstädtchen selbst.
Der Anmarsch zur Stellung war sehr weit, das bergige Gelände ermüdete Mann und Ross. Die Stellung zeigte sich wenig ausgebaut, nur anstrengendste Tätigkeit konnte hier die Möglichkeit für eine gute Abwehr vorbereiten. Die M.G.-Nesterbesatzung ging mit Eifer daran, aus Granattrichtern brauchbare Gefechtsstände zu machen und bald zeigte sich die Notwendigkeit all dieser Arbeiten, denn die Tätigkeit des Gegners wurde bedeutend lebhafter. Infolgedessen trat eine erhöhte Gefechtsbereitschaft ein und die Reserve-M.G. nebst Mannschaften zog man nach vorne. Während dieser Gefechtsbereitschaft erlitt die 1./ M.G.K. einige Mann Verluste. Eine grössere feindliche Unternehmung erfolgte jedoch bis zu unserer Ablösung, am 26. Juni 1918, nicht.
An letztgenannten Tagen rückten die beiden M.G.K. aus St. Maurice ab und erreichten mittels Fussmarsch wieder den Abschnitt zwischen Maas und Mosel. Bei Pannes in Waldlagern kamen wir unter. Hatten wir bisher den Abschnitt zwischen Maas und Flirey zu verteidigen, so fiel uns diesmal die Aufgabe zu, in dem südlich anschliessenden Gebiet bis zur Mosel mitzuwirken.
Hier herrschte ständig erhöhte Gefechtsbereitschaft, ja sogar die Unterkünfte wurden wiederholt mit Gas belegt. Bei unseren bisherigen Stellungen, wenn sie auch nur mangelhaft angelegt waren, hatten wir doch wenigstens eine Tiefengliederung angetroffen, aber in der neuen Stellung musste eine solche erst geschaffen werden. Nachdem der Abschnitt durch grossen Fleiss und Ausdauer der Mannschaften einigermassen ausgebaut war, kam für uns der Befehl zum Abmarsch nach Jaulny, wo die beiden M.G.K. am 14.07.1918 verladen wurden.
Der folgende Tag fand uns in Gesnes. Wir waren nunmehr der 231. I.D. unterstellt und dienten dieser als Divisionsreserve. In Gesnes trafen wir zu unserer Freude die beiden Reutlinger M.G. Kompagnien, wie wir in erhöhter Gefechtsbereitschaft. Die nächsten 14 Tage sollte die letzte Gelegenheit sein, um unsere Ausrüstung nochmals in Stand bringen zu können, sowie um Schieß- und Gefechtsübungen abzuhalten. Am 01. August rückten wir ab nach Brieulles und von da aus in das Bismarck-Lager, in den Befehlsbereich der 33. I.D.
Wieder vor Verdun
Wir standen wieder vor dem berühmt berüchtigten Verdun. Beide Kompagnien wurden links der Strasse nach Forges in ungefährer Höhe Gercourt – Cuisy eingesetzt und bildeten somit die Tiefengliederung dieses Abschnitts. Nach gemeinsamer Erkundung des Geländes durch den M.G.O. mit den beiden Kompagnie-Führern wurden die M.G.-Nester festgelegt, der Division eingereicht und von dieser genehmigt. Sofort begann eine eifrige Arbeit, um in möglichst kurzer Frist gefechtsmässige Stände zu schaffen. Beim Gegner wechselte verhältnismäßige Ruhe mit erhöhter Tätigkeit. Die Folge davon war, dass teils gar nicht abgelöst werden konnte, teils mussten die abgelösten Mannschaften sogar wieder vor. Allmählich wurde bekannt, dass der Gegner grosse Kampfhandlungen vorbereite. Am 18.09.1918 wurden wir der 7. R.D. zugeteilt. Einen Tag vor dem würdigen 26. Sept. 1918, dem Beginn der grossen und letzten feindlichen Offensive, besuchte uns wiederum unser Kommandeur, Herr Major Mögling, besichtigte Unterkünfte und Stellungen und sprach seine Anerkennung über das Gesehene aus. Schon vor der Abfahrt dieses Besuchers begann eine gesteigerte feindliche Artillerietätigkeit.

In der Nacht hielt die Steigerung der feindlichen Beschiessung an, ja sie wurde jetzt mit Gas untermischt und zuletzt ging ein Trommelfeuer nicht nur auf die Schützengräben, sondern auch auf die gesamten rückwärtigen Verbindungen nieder. Die 2./ M.G.K. hielt in heftiger Gegenwehr aus, bis die Übermacht des Feindes zu gross wurde und sie dem Reste der Infanterie auf das andere Maasufer weichen musste. Die 1./ M.G.K besetzte die befohlene Bereitschafsstellung und hielt dort in zähem Kampfe den Gegner auf, bis frische bayerische Truppen an ihre Stelle traten. Die Verluste waren bei beiden MG-Kompagnien sehr groß, so wohl an Menschen als auch an Gerät. Offiziere und Mannschaften gaben ihr Letztes her, und es muss ihnen das Zeugnis ausgestellt werden, dass sie das Menschenmöglichste geleistet haben, um den ungeheuren Massen, die der Feind in den Kampf warf Einhalt zu bieten. In Doulcon konnten Teile der Kompagnien gesammelt werden.
Am 26. September stellte man aus den Resten der 1./ M.G.K. einen Zug zusammen, der sofort wieder im Wald von Dannevoux eingesetzt wurde. Ende des Monats erfolgte die Ablösung der Kompagnien und deren Rückmarsch nach Montigny. Hier wurden die Verluste an Gewehren, Fahrzeugen und Pferden zum Teil ersetzt, die Mannschaften neu eingeteilt, sodass zusammen etwa 16 Gewehre wieder gefechtsbereit gemeldet werden konnten.
Diese Meldung hatte den Befehl zum Erfolg, dass die beiden Kompagnien in das Oderlager bei Murvaux zu marschieren hatten. Es war dies im Bereich der 14. Reserve-I.D.. Die allzu exponierte Lage des Lagers zwang uns aber, in Murvaux Unterkunft zu suchen.
Die 1./ M.G.K. nahm mit ihren Gewehren eine Stellung südlich Haraumont im „Langen Wald“ ein, während die 2./ M.G.K. den Abschnitt zwischen Villeneuve – Ferme-Kapelle – St. Pantaleon bezog. Die Stellung war zum Teil nur angedeutet, die Gefechtstätigkeit anfangs gering und beschränkte sich auf Artilleriekampf. Doch bald sollte dies anders kommen. Der Gegner wusste, dass unser Platz der Drehpunkt der Front war und dass er den „Hohen Eichberg“ als Beobachtungspunkt zur Beschiessung des Eisenbahnknotenpunks Montmédy haben musste.


In den ersten Novembertagen stiess der Feind über die Kronprinzenhöhe nach Norden vor. Nach kurzer Artillerievorbereitung stürmte er unter dem Schutz der Maasnebel mit gewaltigen Truppenmassen den „hohen Eichberg“ trotz heftigster Gegenwehr der von Infanterie fast völlig entblößten MG-Nester. Am Nachmittag desselben Tages stellte Graf Schack aus den wenigen verfügbaren Verbänden eine Sturmtruppe zusammen, bestehend aus einem verschwinden geringen Bruchteil seiner Brigade, ferner unsere 2./ M.G.K. (die 1./ M.G.K. hatte ihre Stellung noch inne) und dem Sturmbataillon Rohr. Befehlsgemäss wurde der Angriff bis auf den „Hohen Eichberg“ vorgetragen und die alte Stellung im wesentlichen wieder eingenommen. Den Auftakt zu diesem Sturm gab die in freiem Gelände aufgefahrene Begleitbatterie des Sturmbataillons Rohr, welche den Gegner niederhielt. Unter ihrem Schutz eroberte die Sturmtruppe mit bewundernwertem Schneid den „Hohen Eichberg“ zurück. Einige bei dem Unternehmen gefangengenommene Amerikaner sprachen ihre Verwunderung aus, dass es tatsächlich nur ein paar „M.G.-Nester“ waren, die ihnen so heftig zugesetzt hatten. Unsere Verluste waren erstaunlicherweise gering. Für ihre tapfere Haltung wurden an die Mannschaften verschiedene Eiserne Kreuze II. Klasse verliehen und Leutnant Widmayer mit dem E.K. I; Leutnant Spang mit dem Friedrichsorden, später ausserdem mit dem Hausorden von Hohenzollern ausgezeichnet.
In dieser Zeit fällt ein Wechsel in der Führung der 1./ M.G.K, Leutnant Dobler wurde durch Leutnant Widmayer abgelöst.
Der deutsche Angriff hatte beim Gegner den Eindruck hervorgebracht, dass er es auf unserer Seite mit Truppenverbänden von erheblicher Stärke zu tun habe. Dies gab ihm Veranlassung, seine sämtlichen verfügbaren Luftstreitkräfte auf uns loszulassen. Was unsere braven Truppen jetzt aushalten mussten, war zu gewaltig, um in Worte gekleidet werden zu können. Von der vordersten Linie bis in die Ruhequartiere wurde jeder dem Gegner wichtig erscheinende Punkt von den in dichten Schwärmen auftretenden Fliegern mit den gefürchteten Kettenbomben belegt. In den nun folgenden Tagen versuchte der Gegner mit ungeheurer Übermacht unsere Linien zu durchbrechen. Aufzuhalten oder gar zurückzudrängen vermochten wir den Feind natürlich nicht, aber er musste sich Schritt für Schritt seines Vordrängens teuererkaufen.
Wie lange das so fortgehen würde, war die bange Frage, die jeder stellte. Wir waren bereit, bis zum letzten Augenblick unsere Pflicht zu tun, da kam die Nachricht vom Waffenstillstand.
Die beiden Kompagnien blieben noch einige Tage in ihrer Stellung, um den beginnenden Abtransport der deutschen Truppen zu sichern. Bald erfolgte auch für uns der Befehl zum Rückmarsch, den wir, um es vorweg zu nehmen, durchweg mittels Fußmärschen bewerkstelligten. Alles klappte dank dem Umstande, dass Generalfeldmarschall Hindenburg auf seinem Posten geblieben war und die grosse Aufgabe löste, die gesamte deutsche Streitmacht in wenigen Tagen in die Heimat zurückzubringen. Über Mousson erreichten wir luxemburgisches Gebiet, dass wir in drei Tagen durchquerten. In Garnich, Dommeldingen und Betzdorf wurde Quartier bezogen. Die erste deutsche Ortschaft war Langsur. Nicht als eine geschlagene Armee, sondern wie Sieger wurden wir auf heimatlichem Boden empfangen, Pferde und Fahrzeuge festlich geschmückt und die Truppen mit Erfrischungen bedacht. Über Trier, wo man sich von der Vortrefflichkeit des Moselweins überzeugen konnte, marschierten wir nach Pfalzel und weiter nach Ehrang, Rivenich, Clausen. Dann überquerten wir den Hunsrück. Unsere nächsten Quartierorte waren Longcamp, Beuren, Gemünden, Stromberg, Dromersheim bei Bingen, Nieder-Ingelheim. Der Rhein wurde auf der Mainzer Eisenbahnbrücke überschritten. Weiter gings über Nordenstadt, Neuenhain i. Taunus, Obereschbach bei Homburg, Gross-Karben b. Frankfurt, Kahl, Abschaffenburg, Obernau und Miltenberg, ein reizendes mittelalterliches Städtchen. In Reisenbach und Gundelsheim mussten wir übernachten, bis wir am 18. Dez. unser Ziel Heilbronn erreichten. Mit Musik erfolgte der Einmarsch in die Garnisionsstadt, wo wir dem Füsilier-Regiment zur Demobilisierung zugeteilt wurden. Die Demobilisierungsarbeiten waren rasch erledigt, so dass es jedem ermöglicht war, zum Weihnachtsfeste wieder unter seinen Lieben zu weilen.
Wenn wir heute auf die Vergangenheit zurückblicken, so dürfen wir stolz auf die Taten sein, die wir vollbrachten. Die beiden M.G.-Kompagnien haben ihre Waffe würdig vertreten.
Wieder Etappe
Für den Soldaten der Kampffront hat das Wort Etappe eine doppelte Bedeutung. Gedanken an schöne und heitere Stunden haften da. Aber auch trübe Erinnerungen kommen auf. Dem Blick und dem Ohr blieben dunkle Geschehnisse nicht verborgen. Unregelmäßigkeiten, Übergriffe, Unehrlichkeit, machten dem anständigen Soldaten den Aufenthalt hinter der Kämpfenden Armee manchmal zuwider. Immer wieder versuchte die Oberste Heeresleitung diesem Unwesen ein Ende zu bereiten, vergebens der eiserne Besen wurde zu oft von unberufener Seite in seinem Tun gehemmt.
Es ist sicher kein unberechtigtes Lob, wenn hier gesagt wird, dass sich das kampfbewährte L.I.B. Heilbronn XIII/10 während seiner Etappendienstzeit von April 1918 bis zu seinem Abmarsch in die Heimat mit gutem Erfolg bemüht hat, soldatische Reinlichkeit auf diesem Gebiete durchzuführen. Seitens der Bataillonsführung wurde überdies alles getan, um jeden Angehörigen, Offizier, Unteroffizier und Mann, stets daran zu erinnern, dass die Annehmlichkeiten seines Etappendienstes, im Vergleich zu der Schwere des Frontdienstes, ihn auch verpflichten, doppelt eifrig zu sein.
Die letzten Tage des ununterbrochenen, monatelangen anstrengenden Dienstes in den Stellungen vor Verdun brachten einen Lichtblick für die kommende Zeit, als am Tage des Geburtstages des Königs von Württemberg der Oberquartiermeister des A.O.K. 5 Major Hesterberg uns in Cunel mitteilte, dass wir in kurzer Zeit aus dem Frontgebiet herausgezogen und zur längeren Ruhe in die Etappe zurückgenommen wurden. Aber diese Worte waren leichter gesprochen als in die Tat umgesetzt. Tage und Wochen vergingen. An der Front wurde es wieder lebhaft und eine Division, der wir vorübergehend unterstellt waren, gab Befehl zur Besetzung der halbausgebauten und teilweise unter Wasser stehenden Hagenstellung durch unser ganzes Bataillon. In Anbetracht dessen aber, dass unsere Truppe äusserst abgemattet war, und ein abermaliger Einsatz trotz Versprechens der Ablösung die schlechteste Stimmung hervorrufen würde, wurde der Bat.-Kommandeur direkt beim A.O.K. vorstellig. Er erreichte, dass die Division ihren Einsatzbefehl zurückzog und kurz darauf die erhoffte Weisung zum Abtransport in das rückwärtige Heeresgebiet eintraf.
Da rüstete sich das Bataillon, den langen Aufenthalt in der Ferme de la Madeleine abzubrechen. Die beiden Maschinengewehr-Kompagnien, die in der Zwischenzeit schon vorübergehend von uns getrennt waren, fanden zunächst Verwendung in einer anderen Armee. Die vier Infanterie-Kompagnien und der Stab setzten sich mit alle Bagage in Marsch nach Romagne-sous-Montfaucon, um hier verladen zu werden.
Anfang April 1918 traf das Batl. in dem kleinen südbelgischen Städtchen Virton ein, um den Dienst des dort im Umkreis verteilten L.I.B. Minden zu übernehmen. Die 1./ und 2./ Kompagnie wurde der Etappen-Kommandantur Virton, die 3./ und 4./ Kompagnie der Etappen-Kommandantur Arlon zugeteilt.
Es begann der Dienst in der Etappe und jedermann empfand diese Tätigkeit als Erholung, wenn er an die Strapazen der Frontzeit zurückdachte. Die Kompagnien verwendeten ihre Leute zum Schutz der Eisenbahnlinien, zur Bewachung der Landesgrenzen nach Luxemburg und ein Teil übernahm die Verwaltung der belgischen Ortschaften.
Die Eigenart des Etappendienstes birgt die Gefahr des Disziplin-Vernachlässigen mit sich, und es war daher in der ganzen Zeit das Bestreben des Kommandeurs Major Mögling, durch zeitweises Exerzieren, Schießübungen, Pferdeappelle und andere militärische Dienstleistungen den guten Geist des Bataillons aufrechtzuerhalten.
Eine rege Tätigkeit hatte auch unsere Musikkapelle, die in künstlerischer Beziehung bedeutendes leistete. Von allen Seiten bat man das Btl. um Mitwirkung bei irgendwelchen Gelegenheiten, Unterhaltungskonzerte bei den Kompagnien, Fest-Musik bei sportlichen Veranstaltungen oder Geburtstagen höherer Vorgesetzter, Konzertreisen in die Heimat ließen die Kapelle nie aus der Übung kommen und somit ihr Können erhöhen.
So verstrich die Zeit langsam bei pflichtgemäßen Dienst und manchem Soldaten konnte die wohlverdiente silberne Militär-Verdienstmedaille überreicht werden. Aber die Not des Krieges wurde immer drückender. Stärker und stärker spürte man den Mangel an allem. Die Mannschaftsstärke des Btln. musste herabgemindert werden und der Bestand an Pferden verringert.
Inzwischen meldeten die Nachrichten von der Front von dauernd erhöhter Kampftätigkeit, die sich auch in dem Etappengebiet auswirkte. Befehle trafen ein, wonach die Hälfte des Btls. wieder ins Operationsgebiet gezogen werden sollte. So überraschend wie erteilt, wurden die Befehle wieder aufgehoben. Dafür bekam das Btl. Mitte Oktober aber die schwere Aufgabe, den ganzen Bezirk des L.I.B. Kitzingen, das vollkommen aus dem Etappenbereich herausgezogen wurde, mit in Verwaltung zu übernehmen. Der schon vorher immer erheblich spürbare Mangel an Leuten wurde dadurch nahezu unerträglich. Diese Veränderung des Dienstbezirks zog eine Umgruppierung der Kompagnien nach sich, die nur unter aller schärfster Personalbeschränkung durchzuführen möglich war. Die 2./ Kompagnie übernahm den Bezirk der 1./ Kompagnie, die 4./ denjenigen der 3./. Die 1./ Komp. siedelte nach Neuhabig über während die 3./ Komp. nach Hattert verlegt wurde. Als kurz darauf die Nachricht eintraf, dass das A.O.K. 5 nach Virton umquartiere, und die Etappen-Inspektion der 5. Armee sich nach Arlon zurückziehe, da wurden überall die Gemüter sehr ernst. Ein Schatten der kommenden Ereignisse zog herauf. Immer stärker wurden die Inanspruchnahme der vom Bataillon verwalteten Ortschaften durch Einquartierungen der Fronttruppen. Die Front weicht einer ungeheuren Übermacht. Der Schatten vergrößert sich. Die Sehenden unter den Offizieren und Mannschaften empfingen eine schwere Bedrückung. Und trotzdem musste für den deutschen Soldaten das Wort „Durchhalten“ als höchster Gedanke gelten.
Rückzugsvorbereitungen auch für uns! Entbehrliche Fahrzeuge und Gepäck werden an die weiter zurückliegenden Depots abgegeben. Wilde Gerüchte, durch flüchtende und abgesprengte Soldaten überbracht, berichten von dem Vorrücken amerikanischer Truppen. Und am Frühmorgen des 2. Novembers wird Montmedy von feindlichen Geschützen allerschwersten Kalibers beschossen. Die beabsichtigte Übersiedlung des A.O.K. 5 muss eiligst vor sich gehen.
Der letzte Auftakt zum schmählichen Ende eines heldenhaften vierjahrelangen Volkskampfes ist gegeben. Bergab geht es mit unserem schönen Deutschland.