| |
Die 1. amerikanische Armee schritt
planmässig am 12. September nach vierstündiger Feuervorbereitung
durch beinah 3000 Geschütze bei St. Mihiel zum Angriffe.
Schon im ersten Anlauf konnten tiefe Einbrüche in die Flanken
des deutschen Frontbogens erzielt werden. Am nächsten Tag
reichten sich die von Süden und Nordwesten vordringenden
Kampfgruppen an der Grundlinie des Keils die Hände; es war
aber der deutschen Führung geglückt, die von Einkreisung
bedrohten Truppen, allerdings unter schweren Verlusten –
13.215 Gefangene und 460 Geschütze – aus der sich schließenden
Zange rechtzeitig herauszuziehen und die Sehnenstellung zu besetzen,
vor der sich die Amerikaner eingruben. Von der k.u.k. 35. ID,
die im nördlichen Brennpunkt der Schlacht stand, befanden
sich bei Beginn vier Bataillone in erster Linie, zwei Bataillone
in Bereitschaft in der Artilleriestellung, sechs Bataillone hielten
sich zum Teil weit hinten zur Verfügung. Der Nordflügel
der Division wurde durch den feindlichen Angriff ebenso wie die
anschließende bayrische 13. LD aus den vordersten Stellungen
zurückgedrückt, die Mitte behauptete sich zunächst
mit Erfolg. Der sogleich angesetzte Gegenstoß der Bereitschaftsbataillone
zur Wiedergewinnung der verlorenen Stellungsteile war in Entwicklung
begriffen, als weitere Erfolge der amerikanischen Truppen beim
nördlichen Nachbarn und der Beginn des Rückzuges bei
der südlich anschließenden 192. ID den Ernst der Lage
verschärfte. Der Divisionskommandeur GM Funk entschloss sich
daher, die noch verfügbaren Reserven in eine Aufnahmestellung
vorzuschieben und die vorne kämpfenden Bataillone auf diese
zurückzunehmen. Die Loslösung konnte nur unter empfindlichen
Verlusten durchgeführt werden, zumal auf dem Südflügel,
wo die Amerikaner den Rückzug der 192. ID zur Umfassung ausnutzten.
In den Abendstunden wurde auch die k.u.k. 35. ID auf höheren
Befehl in die Michelstellung zurückgeführt, ohne dass
die amerikanischen Truppen die Rückbewegung störten.
Ihre Verluste betrugen 99 Offiziere und 3268 Mann; 79 Maschinengewehre
und 18 Geschütze gingen im Kampf verloren.
Die schweren Kämpfe an der
Westfront in den Monaten August und September hatten naturgemäß
neue Bemühungen der Obersten Heeresleitung zur Folge, Verstärkungen
vom Bundesgenossen zu erlangen. Nach Beratungen der öster.
– ungar. Heeresleitung erschien es möglich, an die
Abgabe von drei Divisionen zu denken. Die 13. SchD. wäre
sogleich verwendbar, die 34. ID und die 37. ID müssten noch
geschult werden. Das öster.-ungar. Oberkommando bestimmte
daher am 2. September aus dem Venezianischen die 37. HID für
den Westen, dann aus dem Militärgeneralgouvernement Polen
die 106. ID, deren eben nach Südtirol rollenden Transporte
nach Frankreich umdirigiert wurden.
Die beiden höchst mangelhaft
ausgerüsteten Divisionen gelangten um die Monatsmitte nach
Frankreich. Die 106. ID wurde dem Abschnitt Ornes nördlich
von Verdun zugewiesen. Die 37. HID kam in den Bereich der Heeresgruppe
Herzog Albrecht von Württemberg nach dem Elsass als Reserve
der OHL .
Der Angriff der amerikanischen
1. Armee in den Argonnen und der französischen 4. Armee im
Anschluss an diese weiter im Westen zeigte am 26. September örtliche
Erfolge. In den nächsten Tagen versteifte sich der Widerstand
der Deutschen und es zeigte sich alsbald, dass die Amerikaner
in dem unübersichtlichen, wegarmen Waldgelände der Argonnen,
der Schwierigkeiten der Kampfführung und des Nachschubs nicht
Herr werden konnten, die kriegserfahrene Truppen und Führer
eher zu überwinden gewusst hätten. Um der in den Argonnen
stecken gebliebenen 1. amerikanischen Armee Luft zu machen, und
die empfindliche Flankierung vom Ostufer der Maas her auszuschalten,
wurden ein französisches und ein amerikanisches Korps östlich
des Flusses zum Angriff angesetzt, so dass auch hier heftige Kämpfe
entbrannten.
Die östlich der Maas stehende 1. k.u.k.
ID war schon in den letzten Septembertagen zum Einschwenken ihres
rechten Flügels auf Sivry gezwungen worden, als der amerikanische
Angriff westlich des Flusses die dort stehende bayerische 7. RD
zurück gedrückt hatte. In den folgenden Nächten
hatten die öster.-ungar. Sappeure die im nunmehr geräumten
Vorfeld liegenden Maasbrücken gesprengt. Diese Kampfzeit
vom 22. bis zum 30. September kosteten die Division, obwohl sie
nur Teilvorstöße abzuwehren hatte, erhebliche Verluste
durch Artilleriefeuer, namentlich durch Gasbeschuss.
Am 08. Oktober brach der amerikanisch-französische
Angriff östlich der Maas nach 1 ½ stündigem Vernichtungsfeuer
los; gegen den Unterabschnitt „Brabant“ der k.u.k.
1. ID griffen drei feindliche Divisionen an. Diesem Massenaufgebot
gelang es am ersten Kampftage, nach erbitterten und für beide
Teile sehr verlustreichen Kämpfen in die vordersten Abwehrstellungen
eine Bresche zu schlagen. Es glückte aber dem tatkräftigen
Eingreifen der niederen Führung und der zähen Ausdauer
der Truppen, dem Gegner in einer Riegelstellung ein tieferes Eindringen
in das Stellungssystem zu verwehren. Um diesen Riegel wurde am
09. und 10. Oktober erbittert gerungen, wobei sich Teile des IR
5 auf einer von drei Seiten umfassten Waldkuppe durch unerschütterliches
Ausharren auszeichneten. Öst.-Ungar. und deutsche Verbände,
vermischt oder in engstem Zusammenwirken, fingen den feindlichen
Stoss nach wechselvollen Kämpfen ohne wesentlichen Geländeverlust
auf. Auch der am 09. Oktober abends einsetzende Angriff eines
feindlichen Bombengeschwaders von mehr als 120 Flugzeugen vermochte
den Verteidiger nicht zu erschüttern.
Als die abgekämpfte 1. ID nach diesen Kämpfen am 10.
abends, mit Teilen sogar zwei Tage später, aus der Front
gelöst wurde, waren erst ihre großen Verluste, 190
Offiziere und 5000 Mann, zu überblicken.
|
|
An diesen Kämpfen hatten
auch Bataillone der k.u.k. 106 HID erfolgreich Anteil genommen.
Die drei Feldjägerbataillone der 1. ID fochten bis zum 13.
Oktober verlustreich in einem deutschen Verband bei Beaumont und
erlitten schwere Verluste.
Nach kurzer Ruhepause, die zur teilweisen Auffüllung der
stark gelichteten Verbände verwendet wurde, musste schon
am 16. Oktober das IR 112, am 18. auch das FJB 17 an die den Unterabschnitt
„Brabant“ übernehmende deutsche 228. ID abgegeben
werden. Die 1. ID, der nunmehr auch das k.u.k. LstIR 25 und das
Sturmbataillon 106 unterstellt wurden, bezog in der Nacht auf
den 18. Oktober den Unterabschnitt Sivry unmittelbar östlich
der Maas. Dieser Abschnitt, der bei einer Breite von 5 ½
km keine ausgebauten Stellungen besaß, musste in anstrengender
Arbeit ausgebaut werden. Als in der Folge bei den Nachbarn beiderseits
neue heftige Kämpfe aufflammten, wurde die durch das württembergische
Gebirgsregiment verstärkte Division nicht angegriffen, aber
durch das schwere Artilleriefeuer und den häufigen Gasbeschuss
erheblich in Mitleidenschaft gezogen .
Auch weiter im Westen dauerten die
Kämpfe seit Anfang Oktober fort. In den Argonnen und in der
Champagne konnten Amerikaner und Franzosen nur schrittweise Raum
gewinnen; bei Reims wichen die Deutschen aus ihren Dauerstellungen
nördlich und östlich der Stadt. Nördlich der Aisne
nahmen die Franzosen am 03. Oktober St. Quentin, am 8. erstürmten
die Engländer die Stellungen bei Cambrai und besetzten am
folgenden Tag die Stadt. Diese Erfolge zwangen die deutsche Führung,
die Front zwischen den Argonnen und der Schelde bis zum 13. Oktober
in die Hermann – Hunding – Brunhild-Stellung zurückzunehmen.
Am 14. Oktober verschärfte sich der Ansturm gegen die deutsche
Front. Zunächst gelang es den gegnerischen Truppen nördlich
der Lys vorwärts zu kommen, wodurch die Lage der 4. deutschen
Armee an der belgischen Küste und der 6. Armee im Raum von
Lille unhaltbar wurde. Der Nordflügel des deutschen Heeres
musste daher zwischen dem 17. und 20. Oktober die Nordseeküste
und damit die flandrische U-Boot-Basis aufgeben; bis zum 23. Oktober
wurde auch der Raum von Lille und Douai geräumt.
Am 19. Oktober hatte Marschall Foch die Ziele der Heeresgruppen
weiter gesteckt. Für die weitere Fortsetzung des Großangriffs
erschien es Marschall Foch als besonders vorteilhaft, den Kampfraum
nunmehr gegen Osten zu erweitern. In Lothringen musste ein mit
starken Kräften durchgeführter Stoß aus dem Raume
nordöstlich von Nancy gegen Saarbrücken, also an der
Festung Metz östlich vorbei, um so eher entscheidende Erfolge
bringen, als die Hauptmasse des deutschen Heeres in Belgien und
Frankreich gebunden war. Auf Grund der Anweisungen des Marschalls
Foch an Pétain vom 20. Oktober wurden die Vorbereitungen
für diese neue Kampfhandlung in Angriff genommen, deren Beginn
für die Zeit um den 15. November veranschlagt wurde. 28 Infanterie-
und 3 Kavalleriedivisionen sollten mit 600 Panzerwagen auf nur
30km Frontbreite diesen vernichtenden Schlag führen. Die
OHL unternahm auch trotz der ernsten Geschehnisse auf dem Balkan
und der gespannten Lage in Venetien nochmals Schritte, um von
öst-ungar. Verbündeten Verstärkungen für die
arg bedrohte Westfront zu erhalten.
Die Kämpfe in Frankreich und
Belgien dauerten bis in die ersten Novembertage mit unverminderter
Härte fort. Noch immer leistete die deutschen Truppen Widerstand.
Allerdings wurde die Kampffähigkeit der Verbände bis
zur Neige erschöpft; der Kräfteschwund war so bedeutend,
dass über 20 Divisionen aufgelöst werden mussten. Bataillone
mit 150 Mann und Divisionen von 800 bis 1200 Männern waren
keine Seltenheit. An der Maas gewannen Amerikaner und Franzosen
Gelände in Richtung auf Sedan.
Der nachhaltige Druck der Ententeheere auf den Schlachtfeldern
des Westens nötigte der OHL den Entschluss ab, ihre Kräfte
in die Antwerpen – Maasstellung zurückzunehmen. Wegen
der von Österreich-Ungarn angebahnten Waffenstillstandsverhandlungen
hatte die OHL schon am 29. Oktober verfügt, dass die k.u.k.
Divisionen aus der Front zu ziehen sein. Als FML Ludwig Goiginger
am 05. November den Befehl über den Abschnitt Ornes abgab,
endete damit die Kampftätigkeit öst.-ungar. Verbände
im Westen, die seit dem 03. November aus der Front gelöst
und in der Etappe zusammengezogen wurden. Dem XVIII. Korpskommando
fiel noch die Aufgabe zu, für das Zurückführen
der Truppen zu sorgen. Jene der Divisionen 1, 135 und 106 wurden
in nationale Abteilungen gegliedert. Die Heimkehr verzögerte
sich, weil die Verkehrslage zunächst keine Bahnfahrt zuließ.
So wurde der Weg bis auf das rechte Bahnufer im Marsch zurückgelegt.
Die 37. HID, die von den andern Divisionen angesondert zum Stellungsbau
verwendet worden, aber nicht mehr ins Gefecht gekommen war, trat,
unabhängig vom XVIII. Korpskommando, am 12. November den
Rückmarsch über den Rhein an. Ende November bestiegen
die Truppen, die vorwiegend aus Ungarn, dann aus dem Sudetenland
stammten, in Heilbronn, Pforzheim und Ulm die Eisenbahnzüge.
So endete das Habsburger Kapitel
an der Westfront.
|
|