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Die Österreicher an der Westfront
 
Lage an der Westfront im Sommer 1918   Die Ankunft im Westen

An der Maas kämpften keineswegs nur Franzosen und Deutsche gegeneinander. Neben unzähligen französischen Kolonialsoldaten wie Tirailleure aus Marokko, Senegal, Tschad, Tunesien, Zuaven aus Algerien und weiteren Truppen aus dem Niger, Somalia, Guinea, sowie Tonkin, gab es in den letzten Wochen des Jahres 1918 auch einen östereich-ungarischen Truppenverband vor Verdun.

Die Soldaten dieser vier Divisionen kamen aus allen Teilen der Habsburger Monarchie: Tschechen, Polen, Ungarn, Kroaten, Slowaken, Ukrainer sowie ¼ deutschstämmige Österreicher.

Kaum an die Begebenheiten der Westfront angepasst fanden sie sich der bevorstehenden amerikanischen Offensive gegenüber.

 

1. Lage an der Westfront im Sommer 1918:

Das deutsche Westheer hatte seit März 1918 schwere Schläge gegen die englisch-französische Front geführt, die angestrebte Entscheidung war jedoch bisher nicht erzielt worden. Als Ergebnis der Einbrüche in die englisch-französische Front in Flandern und zwischen Aisne und Marne waren neue Gefahrenquellen für das deutsche Westheer entstanden. In den weit vorspringenden Frontteilen vermochten die hier nach dem Abziehen der Angriffsdivisionen verbliebenen Kräfte wegen des fortdauernden Stellungskampfes und der gesunkenen Kräfte keine feste Verteidigungsfront aufzubauen, was aber nötig gewesen wäre, weil eine umfassende Angriffsoperation der Entente zu erwarten war.
Bei dieser Sachlage stand die OHL im Juni 1918 vor schwerwiegenden Entscheidungen. Der Rückfall in die Abwehr hätte die Preisgabe des unter schwersten Opfern und mit höchstem Materialeinsatze gewonnenen Geländes bedingt und die Zuversicht der Truppe wie jene der Heimatfront auf das tiefste getroffen. Es widerstrebte der deutschen Führung dem Gegner das Handeln zu überlassen. Das Zahlenverhältnis an der Westfront begann sich jedoch angesichts des überlegenden Kräfteaufgebotes der Entente und des beschleunigten Heranführens der Amerikaner rasch zu Ungunsten des deutschen Heeres zu verschieben. Auf ausgleichende Waffenhilfe der Verbündeten, die an den anderen Fronten gebunden waren, konnte die deutsche Führung nicht rechnen. Mit einer letzten Offensive wollte die deutsche Führung die Siegeszuversicht des Gegners erschüttern und so in der letzten hierzu verfügbaren Zeitspanne ein Kriegsende ohne Niederlage herbeizuführen.

 

 

 
 
 
Angriff der Amerikaner auf den St. Mihiel Bogen   Gliederung der österreich- ungarischen Verbände

Die Entscheidung sollte in Flandern gegen die Engländer angestrebt werden, wo die Kanalhäfen in erreichbarer Nähe waren. Nach deren Fall lag die englische Küste im Feuerbereich deutscher Ferngeschütze, was England unter nachhaltigsten Druck setzen musste. Da der Gegner jedoch hinter diesem Abschnitte starke Reserven angesammelt hatte, sollte zunächst an einem anderen empfindlichen Frontteil angegriffen werden, um die feindlichen Heeresreserven aus Flandern abzulenken. Als günstigste Stelle wurden die Fronten beiderseits Reims angenommen und als voraussichtlicher Angriffstermin die Zeit um den 10. Juli bestimmt.
Eine am 15. Juni an der öster.-ungar. Südwestfront losbrechende Offensive zeigte nicht den erwünschten Fortschritt. Die deutsche OHL drängte das k.u.k. Oberkommando zum Einstellen der Offensive und zur Abgabe der für die reine Abwehr nicht benötigten Kräfte. Schließlich stimmte Kaiser Karl der Überweisung von sechs Divisionen an die deutsche Westfront zu, von denen zunächst aber nur zwei, die 1. und 35. ID, sowie schwere Artillerie und Arbeitskräfte abkommandiert wurden. Die anderen Divisionen sollten zu einem späteren Zeitpunkt folgen.