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Die Ereignisse bei Toter-Mann-Mühle:
Nach der Abwehrschlacht an der Aisne
sollte die 76. Reserve Division etwas Ruhe erfahren, doch es kam
anders. Ab dem 23. September wurde die Division, so wie sie ausgeladen
wurde, in aller Eile in die neuen Abschnitte in den Argonnen geschoben.
Die einzelnen Bataillone hatten nur noch eine Stärke von
200 Mann. Vor der Hauptwiderstandslinie lag ein schwach besetztes
Vorfeld. Das Regiment war kaum im Abschnitt versammelt, als in
der Nacht vom 25. auf den 26. September, kurz vor Mitternacht,
auf der ganzen Front schwerstes Feuer einsetzte. Ein Infanterieangriff
erfolgte jedoch nicht, lediglich Patrouillentätigkeit, die
jedoch abgewiesen wurde.
In den nächsten Tagen kam es
zu weiteren blutigen Zusammenstößen zwischen Deutschen
und Amerikanern in der Vorfeldzone. Einzelne Patrouillen und Vorstöße
mit und ohne Artillerievorbereitung wurden von den deutschen Truppen
weitestgehend abgewehrt. Am 27. September gelang es den amerikanischen
Soldaten beim Abschnitt Staufen-Mitte, durch die dünnen Sicherungslinien
des RIR 254 durchzubrechen. Die 6./ LIR 122 konnte die Lage mit
Hilfe des eigenen Stoßtrupps klären. Alle Bemühungen,
Sperrfeuer zu erlangen, waren vergeblich, da die deutsche Artillerie
umgruppiert wurde. Anschluss nach rechts zum RIR 254 konnte erst
abends durch Heranziehen von Verstärkung gewonnen werden.
Die amerikanischen Truppen hatten schwere Verluste. So wurde eine
ihrer Kompanien, die beim Karlssteg gegen den Abschnitt Staufen-Mitte
vorging durch MG-Feuer völlig vernichtet.
Am Morgen des 28. September setzt
starkes Artilleriefeuer ein. Am späten Vormittag erfolgte
der Angriff der amerikanischen Soldaten. Er wurde fast überall
abgewehrt, lediglich am „Askanischen Platz“ war es
den Amerikanern gelungen sich festzusetzen. Die 76. Reserve-Division
setzte ihre letzte Reserve in Marsch, um den verloren gegangenen
Anschluss an LIR 122 wieder herzustellen.
Starkes Artillerie Feuer leitete
den Folgetag ein. Am 30. September traf der Befehl des Armee Oberkommandos
ein, dass die Front auf den Argonnenriegel, einem Bergrücken
zwischen Charlepeaux-Bach und Fischertal, in Richtung Mudrahöhe,
zurückzunehmen sei. Zuvor war der strategisch wichtige Ort
Bouconville am Westrand der Argonnen den amerikanischen Soldaten
in die Hände gefallen. Damit war endgültig die Argonnenstellung,
welche einst die 27. Division einem ebenso tapferen Gegner entrissen
und welche in jahrelanger Arbeit ausgebaut worden war, aufgegeben.
Nun folgte eine Art „Buschkrieg“ im dichten Unterholz,
ohne Graben und Unterstand. Die Linien im Wald waren dünn
besetzt, es entstanden Lücken, oft riss die Verbindung ab,
kleine Trupps und selbst einzelne Männer mussten selbstständig
handeln und im Nahkampf den Gegner Abwehren.
Das Loslösen vom Gegner gelang
gut, denn die Rückwärtsbewegung war nicht durch frontalen
feindlichen Druck verursacht, sondern sie sollte eine wesentliche
Frontverkürzung und Entlastung der rückwärts gebogenen
Flügel bringen.
Nach weiterer Ablösung von
Teilen des LIR 122 bei Apremont wurden vor allem Teile des II.
und III. Bataillons LIR 122 ab dem 30. September im westlichen
Argonnenriegel bei Binarville eingesetzt. Der rechte Abschnitt
(10. Kompanie) hatte günstige Verteidigungsmöglichkeiten;
besonders durch die vielen senkrecht auf den Abschnitt zulaufenden
Schneisen; doch bildeten letztere ebenso viele Anmarschwege des
Gegners und sichere Ziele für seine Artillerie. Die Linie
der beiden anderen Abschnitte führte durch undurchdringliches
Buschwerk ohne Weg und Steg. Der 1. Zug der 6. Kompanie lag im
Argonnenriegel, der 2. Zug am Westhang des Charlepaux-Baches,
der 3. Zug am steilen Hang des Höhenzugs nördlich des
Fischertals. Die Verbindung mit dem 3. Zug war schwierig. Bei
der 5. Kompanie war vor allem der linke Flügelzug am Kolonnenweg
2 gefährdet, denn 30m vor ihm lief parallel zur Front eine
Schneise, hinter der sofort fast undurchdringliches, aber im spitzen
Winkel von Schneisen durchschnittenes Gebüsch begann, das
dem Gegner eine völlig gedeckte Annäherung gestattete.
Nach dem Beziehen der neuen Stellung musste sich jedermann sofort
hinter Gebüsch eingraben, um sich vor dem Herbstwind, vor
Fliegersicht und feindlichen Geschossen zu schützen.
Die Erkundung der neuen Stellung war für die Amerikaner schwer.
Er legte zuerst sein Feuer auf die geräumte Stellung, dann
auf die Lager, vor allem das Wallensteinlager, die Anmarschwege
und das Hintergelände.
Bald tauchten die amerikanischen
Flieger in Scharen auf und flogen oft so tief, dass sie fast die
Gipfel der hohen Eichen berührten. Am 01. Oktober brach um
09.45 Uhr vormittags eine 50 Mann starke amerikanische Patrouille
überfallartig in die dünne Linie der 5. Kompanie ein.
Durch den Stoßtrupp der 5. Kompanie wurde die Verbindung
mit LIR 120 wieder hergestellt, doch bedeutete der Verlust von
sieben Mann bei der sehr ausgedehnten Linie eine empfindliche
Einbusse.
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Am 01. Oktober fühlten die amerikanischen Einheiten vorsichtig
mit starken Patrouillen vor und setzten verstärkt Flieger
zur Aufklärung ein. Am 02. Oktober setzte die Amerikaner
ihre Angriffe besonders im Wald fort. Vom RIR 254 kam am Morgen
die Meldung, dass der Gegner rechts vom Regiment (Nähe der
Toter-Mann-Mühle) am Abend zuvor durchgebrochen sei, der
Teufelsgrund sei nicht abgeriegelt.
Am 02. Oktober setzten Amerikaner
wie Franzosen ihre Teilangriffe fort. Am Abend war die Lage völlig
unklar. Es schien, als ob die Gegner in breiter Front durchgebrochen
wären. Dem standen andere Meldungen entgegen, dass HWL bis
auf kleine Löcher fest in der Hand der deutschen Regimenter
war. Auf Befehl der Divisions-Kommandeure sollte die Lage restlos
geklärt werden. Es wurde festgestellt, dass keine direkte
Gefahr bestand, jedoch der Anschluss an verschiedenen Stellen
fehlte. Insbesondere der Anschluss zwischen Landwehr und den 254ern
fehlte. Der 2. Generalstabsoffizier von RIR 254 versuchte persönlich
Verbindung mit dem Regimentsstab LIR 122 aufzunehmen, was nicht
gelang, weil er im tiefen Dunkel des nächtlichen Argonnerwaldes
den Weg verfehlte.
In der Nacht liefen bei den Stäben
Teilmeldungen ein, die die Lage langsam für die deutschen
Truppen zum Guten klärten. Nebenher wurden Befehle für
den Gegenstoß ausgearbeitet, die Verstärkungen dafür
wurden teilweise aus Gefechtsbagagen und Stäben herangezogen.
Im Laufe des Vormittags stand fest, dass den amerikanischen Soldaten
ein begrenzter Durchbruch an einer schmalen Stelle geglückt
war, ohne dass sie sich diesem Erfolg bewusst waren. Dicht aufgeschlossene
Reserven waren durch die gleiche Lücke der Schützenlinie
gefolgt und sahen sich im Müllergrund den zum Gegenstoß
bereitstehenden Deutschen gegenüber. So kam es, dass in dieser
völlig ungeklärten Lage im unübersichtlichen Gelände
anfänglich auf Kompaniebreite der Durchbruch fast geglückt
wäre, hätten die Amerikaner die Lage richtig erfasst.
Wie sich später herausstellte, war sich der amerikanische
Bataillonsführer in keiner Weise seines Vorteils bewusst
gewesen. Nach Klärung der Verhältnisse riegelten die
Deutschen sofort den örtlichen Einbruch ab. Dadurch entstand
ein regelrechtes „Amerikanernest“ hinter den deutschen
Linien.
Die Intensität der Kämpfe
beschreibt Leutnant Kopf der 10. /LIR 122: „Am 2. Oktober
früh setzte plötzlich sehr starkes Feuer auf meinen
Kompanieabschnitt ein, das ziemlich viele Opfer kostete. Der Gegner
2-3 Kompanien stark, lief in Massen an, hatte aber riesige Verluste
durch unser MG-Feuer. Wir ließen sie auf 30 – 50 m
herankommen. Trotzdem gelang es den Amerikanern, an meinem rechten
Flügel bzw. bei der Nachbarkompanie einzubrechen. Ich eilte
mit 6-8 Leuten zur Einbruchstelle und sah dort 15-20 Gegner anscheinend
ratlos herum stehen. Als ich mich mit Hurrarufen und Handgranatenwerfen
auf sie warf und meine Leute kräftig zugriffen, stoben sie
in alle Richtungen auseinander. Fast alle zehn Minuten tauchten
in den Schneisen vor unseren MG neue Patrouillen auf. Man konnte
kaum rasch genug schießen, so viele kamen. Wollte man einmal
die Verwundeten wegschaffen, dann knallte es von allen Seiten.
Die leicht verwundeten Amerikaner flüchteten in den Wald
und verführten ein großes Geschrei.“
Gegen 12 Uhr lag wieder schwerstes
Feuer auf dem Abschnitt. Nach halbstündiger Feuervorbereitung
griffen die amerikanischen Einheiten wieder an und konnten am
rechten Flügel einbrechen. Mit dem in der Zwischenzeit eingetroffen
Stoßtrupp der 7./ Kompanie LIR 122 gelang es die Lage wieder
einmal zu klären. Die amerikanischen Truppen hatten schwere
Verluste, aber auch die deutschen Truppen litten sehr unter dem
Artilleriefeuer. Dazu kam, dass zwischen LIR 122 und RIR 254 eine
weite Lücke klaffte. Eine Verbindungspatrouille kam um 5
Uhr morgens mit der Meldung zurück, sie habe niemanden antreffen
können, im Walde lägen deutsche Tornister und Gewehre.
Kurz darauf seien sie auf Amerikaner gestoßen. Eine Verbindungspatrouille
brachte Klarheit. Die Anschlusskompanie 2./ RIR 254 war gefangen,
es bildete sich dadurch eine Lücke von 800m. Durch dieses
Loch waren die amerikanischen Soldaten in mehr als Kompaniestärke
bis zum Müllergrund vorgedrungen. Glücklicherweise riegelte
die 12./ Kompanie den Müllergrund und die 7./ Kompanie, beide
LIR 122, den Kötherücken ab. Um Klarheit darüber
zu schaffen, wie es am Bayernrücken, im Valerietal und im
Teufelsgrund aussah, wurden 3 Patrouillen unter Führung der
drei Offiziere im Regimentsstab LIR 122 losgeschickt. Die genannten
Täler waren von den amerikanischen Truppen noch nicht besetzt,
jedoch berichteten die Patrouillengänger, dass es dort nicht
geheuer wäre. Diese Patrouillen und eine weitere, die Leutnant
Ulrich am 03. Oktober zur Klärung der Lage zum RIR 254 machte,
waren auf den stark beschossenen Wegen und Schneisen gefährliche
Gänge.
Lagemeldung LIR 122 –
03.Oktober:
Nachdem am 02. Oktober sämtliche Angriffe des Gegners abgeschlagen
worden waren, folgte am 03. Oktober ein verhältnismäßig
ruhiger Tag. Die eigene Artillerie belegte die feindlichen Bereitstellungsräume
mit starkem Feuer unter Verwendung von Gasmunition.
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