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Hauptmann der Landwehr
Hermann Koller
Geboren am 03. Januar 1872 in Luckenwalde/Brandenburg
Friedenstruppenteil:
Landwehr-Bezirks-Kommando Kassel
Landwehr-Infanterie-Regiment 83
Gefallen am 08. Januar 1915 an der Haute Chevauchée/Argonnen
Bei Aufstellung des LIR 83 am 04.08.1914
in Kassel wurde Koller, damals noch Oberleutnant, die Führung
über die 4. Kompanie übertragen und verlegte am 11.08.1914
nach Frankreich.
Aus einem Bericht des Oberleutnant Koller:
Das Gefecht bei Lanheres am 25.08.1914
„Die 4. Komp. wurde am linken Flügel des Bataillons
südöstlich von Lanheres links neben der 2. Komp. in
Kompaniekollone angesetzt. Etwa nach ½ Stunde wurde im
feindlichen Feuer 1 Zug entwickelt und zu einer rechtseitigen
Umfassung herumgeschwenkt. Auf Befehl des Bataillonskommandeurs
wurde noch ein weiterer Zug eingeschoben. Bereits nach kurzem
Vorgehen zeigten sich am linken Flügel auf rund 1600 m Entfernung
feindl. Schützen auf den Höhen südwestl. der Bois
Communaux, östlich Aucourt. Der Kompanieführer entwickelte
den Reservezug nach links in die neue Richtung und ließ
auch einen der bereits entwickelten Züge die neue Richtung
aufnehmen. Nachdem auch die 3. und 1. Komp. gegen den flankierenden
Feind eingesetzt waren, wurde der Angriff der Komp. gegen die
Höhe östl. Aucourt vom Wiesengrunde aus sprungweise
durchgeführt. Verluste traten dabei kaum ein, da das feindl.
Infanteriefeuer im Wesentlichen über die Angreifenden hinweg
ging. Die 2. Komp. blieb liegen und ging nicht mit vor. Über
den hinteren, ein gutes Schussfeld bietenden Rand der Höhe
hinaus sollte nicht vorgegangen werden. Bei der Schwierigkeit
der Befehlsübermittlung preschte jedoch eine Anzahl Leute
vor und gelangte in die fast ganz verlassene feindl. befestigte
Stellung hinein, ja Gefreiter Lohne darüber hinaus. Unteroffizier
Opfermann kroch durch ein Haferfeld vor den ihn begleitenden Mannschaften
und Feldwebel Gaßmann vor, erschoß und erschlug die
Bedienungsmannschaft eines Maschinengewehrs und versuchte das
Gewehr mitzunehmen. Als ihm dies nicht gelang, machte er es mit
dem Gewehrkolben unbrauchbar. Er kam unverletzt zur Truppe zurück.
Feldwebel Gassmann, der mit dem Gegner ins Handgemenge kam, verteidigte
sich erfolgreich. In der Stellung auf dem vorderen Höhenrand
wurde die 4. Komp. lebhaft beschossen, besonders von Aucourt aus
durch Maschinengewehre. Nachdem die Komp. etwa ½ Std. lang
diese Stellung gehalten hatte, machte sich vom linken Flügel
her ein starkes, immer weiter um sich greifendes Zurückgehen
bemerkbar. Als auch der linke Flügel der 4. Komp. zu weichen
anfing, eilte Oberleutnant Koller zu ihm hin, um die Bewegung
aufzuhalten. Hauptmann Menk, 2. Kompanie, forderte jedoch zum
Zurückgehen auf mit der Begründung, die Stellung sei
nicht zu halten. Schließlich befahl auch der Bataillonskommandeur
den Rückzug. Dabei erhielt die Komp. aus der Flanke stärkstes
Artilleriefeuer, wodurch bedeutende Verluste eintraten. Als auch
die feindl. Infanterie nachdrängte, ließ Oberleutnant
Koller zur Ordnung des Rückzuges mehrfach im gemischten Verband
Front machen, wobei er besonders durch Vize-Feldwebel Brandes
unterstützt wurde. Nur mit wenigen Leuten seiner Kompanie
erreichte Oberleutnant Koller um die Mittagszeit Lanheres. Der
größte Teil der 4. Komp. war bereits östlich Lanheres
auf Bechamp zurückgegangen.“
Ab 28.10 1914 wurde Kollers Kompanie
am Osson-Bach und auf Höhe 263 in den Ost- Argonnen eingesetzt.
Hier wurde sie Anfang Januar 1915 herausgelöst und bezog
einen Angriffsstreifen an der Haute Chevauchée. Am 07./
08. Januar sollte von dort aus gegen die Höhe 285 vorgegangen
werden.
Neben Teilen des Landwehr-Infanterie-Regiments nahmen noch Jäger-Bataillon
5 und 6, die Infanterie-Regimenter 98 und 130, sowie Landwehr-Infanterie-Regiment
22 am Angriff teil.
Gefechtsbericht der 4. Kompanie:
Am 08.01. um 9 Uhr 30 brachen die
rechts von uns stehenden Jäger (6), sowie die vom IR 130
bestimmten Kompanien vor und warfen den Gegner aus seinen Stellungen.
Auftragsgemäß besetzte 1 Zug/ 4. Komp. sofort den vor
seiner Front geräumten 1. frz. Graben. Da der Angriff der
130er vor dem linken Flügel der 4. und dem rechten Flügel
der 11./ 83 stockte, befahl Hauptmann Koller das Vorgehen des
2. und 3. Zuges sofort hinterher. Der 2. Halbzug des 3. Zuges
kam dabei vor den noch nicht aufgerollten französischen Graben
und erhielt hier derartig heftiges Gewehrfeuer, daß er sich
unter Verlust von 3 Toten und 2 Verwundeten zurückziehen
musste. Der Halbzug ging dann in Höhe des 2. Zuges erneut
vor und schloß sich ihm in dem von der Komp. besetzten franz.
Graben an. Hierbei fiel Hauptmann Koller vor der Front der Kompanie.
Die Führung übernahm Feldwebel-Leutnant Fischer…
Koller wurde am 11. Januar 1915
in Chatel erstbestattet. Mit ihm beerdigt wurde der ebenfalls
am 08.01. gefallene Bataillonskommandeur II./ LIR 83, Oberstleutnant
von Holleben, der den Angriffsstreifen führte. Wilhelm v.
Holleben wurde später nach Cheppy überführt.
Heute findet sich die Grabstätte
von Hermann Koller im Familiengrab auf dem Friedhof der St. Georgen
Gemeinde in Berlin Mitte.
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