Unter Druck der starken franz. Infanterie ging auch die Nachhutstellung
Varennes bald verloren. Im weiteren Zuge trat der Franzose nordwärts
durch den Wald weiter an, besetzte die ehemaligen Jagdsitze Barricade-Pavillon,
St. Hubertus, sowie Bagatelle-Pavillon und drang in den Grurie-Wald
südlich von Binarville ein.
Somit wurde unter Ausnutzung der Geländekenntnisse ein
Keil zwischen die 4. und 5. deutsche Armee getrieben und weitere
2 Armeekorps in den Wald geworfen, darunter Spezialtruppen und
im Waldkampf erfahrene Einheiten. Die französische Artillerie
fand auf den Höhen bei La Placardelle und Vienne Le Chateau
günstige Feuerstellungen. Im Laufe der nächsten 14
Tage bauten die französischen Truppen Bagatelle, St. Hubertus;
sowie Barricade-Pavillon zu infanteristischen Bollwerken aus.
Weiter vorwärts wurde ein systematisches Stellungsnetz
mit Gräben, Blockhäusern, Barrikaden und MG-Ständen
ausgebaut, alles mit Stolper- und Stacheldraht und dichtem Dornengestrüpp
gesichert. Währenddessen spielten sich außerhalb
der Argonnen und an den Rändern bedeutungsvollere Kämpfe
ab. Am 15. September wichen die deutschen Nachhuten weiter aus,
die nachrückenden Franzosen befanden sich schon nah der
Hauptstellung an der Linie Apremont - Baulny - Charpentry, dessen
Orte unter französischem Beschuß in Flammen aufgingen.
Vauquois wurde durch deutsche Artillerie ebenfalls ein Raub
der Flammen.
Abends lief die Front von Montblainville
über Very - Malancourt nach Forges. Aufklärungspatrouillen
deutscherseits konnten keine Feindaufklärung betreiben,
da sie frühzeitig angeschossen wurden. Um der rechten Flanke
Luft zu schaffen, trat am 18. September das Infanterie Regiment
122 (26. Infanterie Division) von den Höhen östlich
Chatel gegen Montblainville an. Erste Feindkontakte am Waldrand
Apremont - Montblainville im Bereich des Vervaux Bachgrundes
entschied das Regiment für sich und grub sich in Feindnähe
ein. Weitere Gefechte in der Nacht und am folgenden Tage ließen
auf stärkere französische Kräfte schließen.
Daraufhin ordnete das Oberkommando der 5. Armee einen allgemeinen
Angriff am 20. September an, dieser wurde durch das Große
Hauptquartier jedoch um 2 Tage verschoben. Dieser Zeitraum wurde
von den Franzosen genutzt, um ihre Stellungen zu verstärken
und weitere Kräfte an die Waldränder zu verlegen. Nun
war ein Großteil der Argonnen unter französischer Kontrolle,
die Front stabilisierte sich. Auf Seiten der deutschen Führung
ignorierte man jedoch die Argonnen weiterhin und maß ihnen
keine Bedeutung zu, sie rechnete mit einem baldigen schnellen
Vormarsch, um den Krieg zügig zu beenden.
Die ganze Schwierigkeit der Argonnenkämpfe
trat deutlich in Erscheinung, als nach einer Reihe kleinerer
Gefechte Anfang Oktober 1914 der Angriff einer starken Abteilung
gegen den Stützpunkt Bagatelle Pavillon und das benachbarte
Stellungssystem scheiterte. Um den Besitz des Stützpunktes
St. Hubert Pavillon entstanden ganz besonders schwere Kämpfe.
Auch nach Heranziehen von Verstärkungen und Herstellung
von Angriffsstellungen im Norden, Osten und Süden des Stützpunktes
gelang ein Angriff am 6. Oktober, trotz vorheriger Vorbereitung
durch schwere Artillerie, nicht.
Im Laufe des Jahreswechsel 1914 / 1915 waren die
hartnäckigen Kämpfe des XVI. Armeekorps weiter gegangen.
Nach Abweisung eines heftigen Angriffs am 5. Januar griff die
33. Infanteriedivision im östlichen Teil der Argonnen an,
warf den Gegner und nahm ihm bis zum 11. Januar 17 Offiziere,
11 Mann an Gefangenen sowie Kriegsmaterial ab. Am 22. Januar
gewann die 34. Infanterie Division nordwestlich Four de Paris
etwas Boden, am 29. griffen die 27. Infanterie Division und
ein Regiment der rechts anschließenden 11. Infanterie
Division im westlichen Teil des Waldgebietes erfolgreich an
und verlegten ihre Stellungen um einige Hundert Meter vor. Auch
in der ersten Hälfte des Februars setzte das Korps sein
schrittweises Vorgehen fort.
Nach ausgiebiger Vorbereitung durch Artillerie und
Minenwerfer brachen am Morgen des 20. Juni der linke Flüges
des XVIII. Armeekorps (9. Landwehr Division) und der rechte
des XVI. Armeekorps (27. württembergische Infanterie Division)
am Westrande der Argonnen unter Verwendung von Flammenwerfern
zum Angriff vor und entrissen dem Feind einen Teil seiner Stellung.
Vom 30. Juni ab stürmte das XVI. Armeekorps unter dem Befehl
des Generals von Mudra in dreitägigen Kämpfen die
stark ausgebauten Stellungen der französischen 42. Infanterie
Division nördlich von La Harazée. Am 13. Juli wurden
westlich von Boureuilles durch die 33. Infanterie Division die
von Teilen des V. französischen Korps besetzten und stark
befestigten Höhen am Südhang der Bolante (La Fille
morte, Höhe 285, Höhe 263) nach sorgfältiger
Vorbereitung genommen, während eine gleichzeitig zur Durchführung
gebrachte Nebenunternehmung der 34. Infanterie Division nördlich
von Le Four de Paris weitere Teile der feindlichen Stellung
in deutschen Besitz brachte.
Am 11. August kam es erneut zu reger Gefechtstätigkeit
beim XVI. Armeekorps. Es kam zur Wegnahme, des von der französischen
15. Kolonialdivision besetzten sogenannten Martin-Werks nördlich
der Strasse Servon - Montblainville und am 8. September zur
Erstürmung der feindlichen Stellung beiderseits des Charme
Baches, nordöstlich von La Harazée in einer Breite
von fast 2 km. Über 2000 Gefangene, 48 Maschinengewehre
und 54 Minenwerfer fielen in deutsche Hand.
Am 27. September nahm die 33. Infanterie Division,
die von Teilen des französischen V. Korps besetzte Höhenstellung
südöstlich von La Fille Morte, um den Franzosen jegliche
Möglichkeit der Beobachtung von der Höhenlinie La
Fille Morte - Höhe 285 zu nehmen und machte dabei etwa
250 Gefangene.
Nun waren die eigentlichen Angriffskämpfe in
den Argonnen zu Ende, da die beabsichtigte Linie erreicht war.
Ganz besonders hart umkämpft war bisher die Höhe 285
gewesen. Da die Franzosen größten Wert auf den Besitz
dieser Höhe legten, gingen die Kämpfe um sie auch in
den nächsten Jahren dauernd weiter und zwar hauptsächlich
durch unterirdischen Minenkrieg, der hier so gewaltige Formen
annahm, wie sie niemand vorher hatte ahnen können.
Bis zum Frühherbst 1918 blieben im Großen
und Ganzen die erreichten Linien unverändert. Mit dem ständig
wachsenden Verbrauch der deutschen Armee an den großen Offensivfronten
des Frühjahres 1918 wurde schließlich ein weites, nur
schwach besetztes Vorfeld geschaffen und die eigentliche Verteidigung
so weit zurückgelegt, daß man das im Jahre 1915 unter
so schweren Kämpfen eroberte Gelände im Falle eines
feindlichen Angriffes freiwillig aufzugeben entschlossen war.
Was dann kam, war das Gleiche wie auf allen anderen Schauplätzen
der Westfront. Nachdem 1918 die großen deutschen Offensiven
fehlgeschlagen waren, gingen die durch amerikanische Truppen verstärkten
Franzosen zum Angriff vor.
Am 25. September 1918 um 23:30 Uhr begann die amerikanische
Artillerievorbereitung auf das rückwärtige Gelände
beiderseits der Argonnen. Die 1. amerikanische Armee hatte 3 Korps
mit 9 Divisionen für diesen Angriff vorgesehen. Von diesen
9 Divisionen hatten 4 noch nicht im Einsatz gestanden. Die dünnen
deutschen Hauptwiderstandslinien der 5. und 3. Armee erstreckten
sich von Varennes über Cheppy auf den Südrand Forges
Wald und von Apremont über Montfaucon auf Nordrand Forges
Wald. In der Nacht wurde ab 02.30 Uhr bis 05:30 Uhr die deutschen
Vorposten und die 1. und 2. Linie unter starkes Artilleriefeuer
von 2700 Geschützen genommen. Um 05:30 Uhr ging die amerikanische
Infanterie, hinter der sich nach vorne bewegenden Feuerwalze der
Artillerie, zum Angriff vor. Am Abend des 26. September war die
1. deutsche Linie in amerikanischer Hand. Trotz zahlreicher Verstärkungen
in Form von Eingreif-Divisionen konnten die amerikanischen Streitkräfte
die deutschen Truppen bis zum 03. Oktober auf die Linie Binarville
- Apremont - Brieulles zurückdrücken.
Am 04., 07. und 08. Oktober 1918 starteten die Amerikaner
weitere Angriffe und erreichten schließlich den Nordrand
der Argonnen bei Grandpré. Bis Anfang November zogen sich
die Verfolgungskämpfe der amerikanischen und deutschen Truppen
hin. Die Amerikaner schwenkten nach Westen auf die Maas zu und
drängten die, noch von zwei österreichischen Divisionen,
1. und 35. KuK Infanterie-Division, unterstützten Deutschen
bis an die Maas bei Stenay zurück.
Am Morgen des 11. November 1918 erreichte die kämpfenden
Truppen die Nachricht, daß der Waffenstillstand unterzeichnet
sei. Um 11.00 Uhr schwiegen nach über 4 Jahren die Waffen.