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Die Schlacht in den Argonnen
Die Schlacht in den Argonnen

Wie kam die Argonnenfront zustande?

Nachdem die 4. Armee den Rückmarsch an der Marne am 11. September angetreten hat, bezog sie am 13. die Linie Souain - Binarville, von den Franzosen scharf verfolgt. Der Gefahr einer Umfassung ihres linken Flügels im Bereich Binarville aus dem Gruerie-Wald sah man mit Sorge entgegen, da das abfallende Gelände sich dafür gut eignete.

Mudraturm
Graben



Schon am 14. September wurde die 4. Armee auf ganzer Front angegriffen, dabei kam der linke Flügel der dort stehenden 25. Reserve Division wie vermutet durch flankierende Angriffe aus dem Wald in arge Bedrängnis. Gleichzeitig griffen die französischen Einheiten frontal entlang des Waldes von Binarville an. Im Morgengrauen des 15. warfen sich die 25. Reserve Division, verstärkt durch Teile der 11. Reserve Division des VI. Armeekorps dem ständig angreifenden Franzosen entgegen. Der Gegenstoß wurde durch Artillerie von der Höhe 182 feuernd und starkem Infanteriefeuer aus der Nordwestecke des Gruerie-Waldes am südlichen Bereich Binarvilles und der anschließenden Höhe zum Stillstand gebracht.
Das Füsilier Regiment 38 wurde angesetzt, um östlich an Binarville vorbei in den Wald vorzustoßen, um die Bedrohung aus der Flanke zu beseitigen. Dieser Versuch scheitert schon nach wenigen Hundert Metern am starken Widerstand der im Dickicht verborgenen Franzosen. Ständig bestand die Gefahr abgeschnitten zu werden und das Bataillon zog sich auf die Höhe südlich Binarville zurück. Bereits wenig später erfolgte ein mit starken französischen Kräften durchgeführter Angriff aus dem Nordrande des Gruerie Waldes, dieser wurde durch die 11. Infanterie Division auf ganzer Front abgeschlagen, der Franzose zahlte diesen Angriff mit hohen Verlusten. Erst in der Nacht flauten die Kämpfe langsam ab. Jederzeit bestand jedoch die Gefahr einer Umgehung in der linken Flanke, da nur eine schwache Landwehr Postenkette Verbindung zur 5. Armee hielt.

 

Argonnenbahn
Bahnhof

 

Am 16. September ordneten sich die Truppen, die drei Bataillone des Füsilier Regimentes und 2 Bataillone des Grenadier Regimentes gruben sich im Halbkreis um Binarville ein, ausgesandte Erkundungspatrouillen blieben ohne Erfolg. Auch ein starker Erkundungsvorstoß von 2 Bataillonen blieb nach 300 m vor starken französischen Befestigungen im Wald liegen. Auch am 22. September schafften es 3 Kolonnen der Regimenter 10 und 38, unter Hilfe von Pionieren und Maschinengewehren nicht, die reale Feindstärke festzustellen. Das Oberkommando der 4. Armee befahl im Gegenzuge den Wald zu meiden, und ließ am 23. September zu groß angelegten Angriffen antreten, wieder entstanden hohe Verluste durch Feuer aus der Flanke. Erst am 24. schaffte es das Füsilier Regiment 38 den Moreau-Grund zu überwinden, mußte aber schon 150 m weiter wieder liegen bleiben. Ein großer Vorstoß des Grenadier Regimentes 10 am 25. September mit 4 Kolonnen scheiterte ebenfalls im Gruerie-Wald vor einer stark besetzten, aus mehreren Gräben angelegten Barriere, die sich von der Chaussee Binarville-Vienne Le Chateau bis in den Nordwesten des Waldes zog. Auch am 26. blieben alle Versuche das Waldstück zu säubern erfolglos, die Front zog sich am Abend fast im rechten Winkel, der nach Osten gerichtete Teil bildete eine lange und schwer zu sichernde Defensivflanke in unmittelbarer Feindnähe.
Das Oberkommando der 4. Armee setzte die Fortsetzung des Angriffs für den 28. September an, hoffte jedoch auf die oft gebetene Unterstützung der 5. Armee um den Erfolg für sich zu buchen.

Lager
Kolonie

 

Nach dem Übergang der 4. Armee (Herzog Albrecht von Württemberg) und der 5. Armee des Kronprinzen über die Maas und den vollzogenen Schwenkungen im Rahmen der Heeresbewegungen, marschierten die Truppen auf die Nordspitze des Argonnerwaldes zu, um dann an der West und Ostseite längs des Waldes weiter anzutreten. Auch die nach Süden ausweichende 3. und 4. französische Armee ließen die Argonnen zwischen sich liegen. Vorerst blieb der Argonnerwald von den Kämpfen verschont. Am 3. September wurden die Nachhuten der 3. französischen Armee in der ersten Schlacht bei Varennes auf der Linie Apremont - Montfaucon durch die Truppen des Kronprinzen geworfen, nun lagen die Argonnen in der rechten Flanke der 5.Armee. Die Chance die Deutschen in der Flanke aus der Tiefe des Waldes anzugreifen, wurde durch die Franzosen nicht genutzt. Nur geringe Versuche die Entfaltung der 26. Infanterie Division am 5. September zu behindern, haben stattgefunden.

 

Lager
Knueppeldamm

 

In den Argonnen selbst ging der deutsche Vormarsch ebenfalls ohne Gefechte voran. Das VI. Armeekorps marschierte auf der Varenner Straße auf die Westseite des Waldes, um weiter Richtung Ste. Menehould anzutreten. Die 27. Infanterie Division bog bei Clermont ebenfalls in den Wald ein und marschierte über Les Islettes auf Brizeaux zu, ebenfalls vom Feind unbehelligt. Die Argonnen lagen somit schon am 5. September im Rücken der 5. Armee. Doch schon am 6. September begann die französische Gegenoffensive, die in der Geschichte als Marneschlacht bekannt werden sollte und eine Wende in den deutschen Angriffsbemühungen herbeiführte. In der Nacht vom 9/10. September läutete ein nächtlich durchgeführter Angriff von insgesamt 5 Divisionen und 2 gemischten Brigaden die Schlacht in den Argonnen ein. Am 12. September mußte die 5. Armee den unverhofften Rückmarsch antreten, die bestehende Verbindung zum linken Flügel der 4. Armee musste aufgelöst werden. Ratlosigkeit herrschte unter den Soldaten; warum mußten sie auf ganzer Linie wieder zurück? Ohne Schwierigkeiten gelang es, sich vom Feind zu lösen. Der Wald mußte am 13. September größtenteils in stockfinsterer Nacht durchquert werden und auf Anweisung des Oberkommandos der 5. Armee wurde wieder auf der Linie Apremont - Montfaucon - Gercourt Front gemacht.

Posten
Geschuetz


Am 14. September grub sich die Armee auf der allgemeinen Linie Chatel - Charpentry - Montfaucon - Bethincourt - Forges ein, die 4.Armee stand derzeit mit ihren äußerst linken Flügel auf Höhe Binarville. Somit ließ sich nicht verhindern, daß zwischen den Armeen nun eine 4 Kilometer breite Lücke entstand, welche für die Armeeoberkommandos jedoch unerheblich waren, da die Argonnen für feindliche Operationen nicht in Frage kamen. Nur durch das Aufstellen von schwachen Sicherungen an der Querstraße Binarville - Apremont durch Landwehr Infanterie Regiment 26 (Magdeburg) wurde die entstandene Lücke überwacht. Dazu wurden jedoch nur 1 Zug am Waldeingang nordöstlich Binarville, 1 Feldwache an der Charlepaux-Mühle, 1 Zug bei La Viergette, 1 Halbzug am Waldausgang westlich von Apremont, sowie schwache Postierungen entlang der Straße aufgestellt. Des Weiteren wurden durch einzelne Kompanien des Landwehr Infanterie Regiment 26 Vienne Le Chateau, Le Four de Paris, Barricade-Pavillon sowie Varennes gesichert.
Somit bestand ergo kurzzeitig eine Doppelverbindung zwischen den Armeen.

Epinonville
Blockhaus

 


Durch Wechsel der Befehle wurden die Teile des Landwehr Infanterie Regiments 26 jedoch baldigst abgezogen und marschierte Richtung Varennes zum XIII. Armeekorps.
Die Franzosen nutzten diese einmalige Gelegenheit, besetzten "Le Four de Paris" und nach einzelnen belanglosen Gefechten fiel die wichtigste Verbindungsstraße der Argonnen in ihre Hände. Unter starkem Feinddruck zogen sich auch die letzten deutschen Nachhuten auf die Nachhutstellung Varennes zurück, die wichtigste Stellung Boureuilles - Vauquois mußte aufgegeben werden. Somit ging auch das wichtige Vauquois, von welchem das Aire-Tal samt Straßen zu überwachen war, verloren.

 



Unter Druck der starken franz. Infanterie ging auch die Nachhutstellung Varennes bald verloren. Im weiteren Zuge trat der Franzose nordwärts durch den Wald weiter an, besetzte die ehemaligen Jagdsitze Barricade-Pavillon, St. Hubertus, sowie Bagatelle-Pavillon und drang in den Grurie-Wald südlich von Binarville ein.
Somit wurde unter Ausnutzung der Geländekenntnisse ein Keil zwischen die 4. und 5. deutsche Armee getrieben und weitere 2 Armeekorps in den Wald geworfen, darunter Spezialtruppen und im Waldkampf erfahrene Einheiten. Die französische Artillerie fand auf den Höhen bei La Placardelle und Vienne Le Chateau günstige Feuerstellungen. Im Laufe der nächsten 14 Tage bauten die französischen Truppen Bagatelle, St. Hubertus; sowie Barricade-Pavillon zu infanteristischen Bollwerken aus. Weiter vorwärts wurde ein systematisches Stellungsnetz mit Gräben, Blockhäusern, Barrikaden und MG-Ständen ausgebaut, alles mit Stolper- und Stacheldraht und dichtem Dornengestrüpp gesichert. Währenddessen spielten sich außerhalb der Argonnen und an den Rändern bedeutungsvollere Kämpfe ab. Am 15. September wichen die deutschen Nachhuten weiter aus, die nachrückenden Franzosen befanden sich schon nah der Hauptstellung an der Linie Apremont - Baulny - Charpentry, dessen Orte unter französischem Beschuß in Flammen aufgingen. Vauquois wurde durch deutsche Artillerie ebenfalls ein Raub der Flammen.



Schlucht
Konzert



Abends lief die Front von Montblainville über Very - Malancourt nach Forges. Aufklärungspatrouillen deutscherseits konnten keine Feindaufklärung betreiben, da sie frühzeitig angeschossen wurden. Um der rechten Flanke Luft zu schaffen, trat am 18. September das Infanterie Regiment 122 (26. Infanterie Division) von den Höhen östlich Chatel gegen Montblainville an. Erste Feindkontakte am Waldrand Apremont - Montblainville im Bereich des Vervaux Bachgrundes entschied das Regiment für sich und grub sich in Feindnähe ein. Weitere Gefechte in der Nacht und am folgenden Tage ließen auf stärkere französische Kräfte schließen.
Daraufhin ordnete das Oberkommando der 5. Armee einen allgemeinen Angriff am 20. September an, dieser wurde durch das Große Hauptquartier jedoch um 2 Tage verschoben. Dieser Zeitraum wurde von den Franzosen genutzt, um ihre Stellungen zu verstärken und weitere Kräfte an die Waldränder zu verlegen. Nun war ein Großteil der Argonnen unter französischer Kontrolle, die Front stabilisierte sich. Auf Seiten der deutschen Führung ignorierte man jedoch die Argonnen weiterhin und maß ihnen keine Bedeutung zu, sie rechnete mit einem baldigen schnellen Vormarsch, um den Krieg zügig zu beenden.

Huettenlager

 

Die ganze Schwierigkeit der Argonnenkämpfe trat deutlich in Erscheinung, als nach einer Reihe kleinerer Gefechte Anfang Oktober 1914 der Angriff einer starken Abteilung gegen den Stützpunkt Bagatelle Pavillon und das benachbarte Stellungssystem scheiterte. Um den Besitz des Stützpunktes St. Hubert Pavillon entstanden ganz besonders schwere Kämpfe. Auch nach Heranziehen von Verstärkungen und Herstellung von Angriffsstellungen im Norden, Osten und Süden des Stützpunktes gelang ein Angriff am 6. Oktober, trotz vorheriger Vorbereitung durch schwere Artillerie, nicht.

Im Laufe des Jahreswechsel 1914 / 1915 waren die hartnäckigen Kämpfe des XVI. Armeekorps weiter gegangen. Nach Abweisung eines heftigen Angriffs am 5. Januar griff die 33. Infanteriedivision im östlichen Teil der Argonnen an, warf den Gegner und nahm ihm bis zum 11. Januar 17 Offiziere, 11 Mann an Gefangenen sowie Kriegsmaterial ab. Am 22. Januar gewann die 34. Infanterie Division nordwestlich Four de Paris etwas Boden, am 29. griffen die 27. Infanterie Division und ein Regiment der rechts anschließenden 11. Infanterie Division im westlichen Teil des Waldgebietes erfolgreich an und verlegten ihre Stellungen um einige Hundert Meter vor. Auch in der ersten Hälfte des Februars setzte das Korps sein schrittweises Vorgehen fort.

Mudra

 

Nach ausgiebiger Vorbereitung durch Artillerie und Minenwerfer brachen am Morgen des 20. Juni der linke Flüges des XVIII. Armeekorps (9. Landwehr Division) und der rechte des XVI. Armeekorps (27. württembergische Infanterie Division) am Westrande der Argonnen unter Verwendung von Flammenwerfern zum Angriff vor und entrissen dem Feind einen Teil seiner Stellung. Vom 30. Juni ab stürmte das XVI. Armeekorps unter dem Befehl des Generals von Mudra in dreitägigen Kämpfen die stark ausgebauten Stellungen der französischen 42. Infanterie Division nördlich von La Harazée. Am 13. Juli wurden westlich von Boureuilles durch die 33. Infanterie Division die von Teilen des V. französischen Korps besetzten und stark befestigten Höhen am Südhang der Bolante (La Fille morte, Höhe 285, Höhe 263) nach sorgfältiger Vorbereitung genommen, während eine gleichzeitig zur Durchführung gebrachte Nebenunternehmung der 34. Infanterie Division nördlich von Le Four de Paris weitere Teile der feindlichen Stellung in deutschen Besitz brachte.

Am 11. August kam es erneut zu reger Gefechtstätigkeit beim XVI. Armeekorps. Es kam zur Wegnahme, des von der französischen 15. Kolonialdivision besetzten sogenannten Martin-Werks nördlich der Strasse Servon - Montblainville und am 8. September zur Erstürmung der feindlichen Stellung beiderseits des Charme Baches, nordöstlich von La Harazée in einer Breite von fast 2 km. Über 2000 Gefangene, 48 Maschinengewehre und 54 Minenwerfer fielen in deutsche Hand.

Lager
Flak

 

Am 27. September nahm die 33. Infanterie Division, die von Teilen des französischen V. Korps besetzte Höhenstellung südöstlich von La Fille Morte, um den Franzosen jegliche Möglichkeit der Beobachtung von der Höhenlinie La Fille Morte - Höhe 285 zu nehmen und machte dabei etwa 250 Gefangene.

Nun waren die eigentlichen Angriffskämpfe in den Argonnen zu Ende, da die beabsichtigte Linie erreicht war. Ganz besonders hart umkämpft war bisher die Höhe 285 gewesen. Da die Franzosen größten Wert auf den Besitz dieser Höhe legten, gingen die Kämpfe um sie auch in den nächsten Jahren dauernd weiter und zwar hauptsächlich durch unterirdischen Minenkrieg, der hier so gewaltige Formen annahm, wie sie niemand vorher hatte ahnen können.

Bis zum Frühherbst 1918 blieben im Großen und Ganzen die erreichten Linien unverändert. Mit dem ständig wachsenden Verbrauch der deutschen Armee an den großen Offensivfronten des Frühjahres 1918 wurde schließlich ein weites, nur schwach besetztes Vorfeld geschaffen und die eigentliche Verteidigung so weit zurückgelegt, daß man das im Jahre 1915 unter so schweren Kämpfen eroberte Gelände im Falle eines feindlichen Angriffes freiwillig aufzugeben entschlossen war. Was dann kam, war das Gleiche wie auf allen anderen Schauplätzen der Westfront. Nachdem 1918 die großen deutschen Offensiven fehlgeschlagen waren, gingen die durch amerikanische Truppen verstärkten Franzosen zum Angriff vor.

Autry
Cheppy

 

Am 25. September 1918 um 23:30 Uhr begann die amerikanische Artillerievorbereitung auf das rückwärtige Gelände beiderseits der Argonnen. Die 1. amerikanische Armee hatte 3 Korps mit 9 Divisionen für diesen Angriff vorgesehen. Von diesen 9 Divisionen hatten 4 noch nicht im Einsatz gestanden. Die dünnen deutschen Hauptwiderstandslinien der 5. und 3. Armee erstreckten sich von Varennes über Cheppy auf den Südrand Forges Wald und von Apremont über Montfaucon auf Nordrand Forges Wald. In der Nacht wurde ab 02.30 Uhr bis 05:30 Uhr die deutschen Vorposten und die 1. und 2. Linie unter starkes Artilleriefeuer von 2700 Geschützen genommen. Um 05:30 Uhr ging die amerikanische Infanterie, hinter der sich nach vorne bewegenden Feuerwalze der Artillerie, zum Angriff vor. Am Abend des 26. September war die 1. deutsche Linie in amerikanischer Hand. Trotz zahlreicher Verstärkungen in Form von Eingreif-Divisionen konnten die amerikanischen Streitkräfte die deutschen Truppen bis zum 03. Oktober auf die Linie Binarville - Apremont - Brieulles zurückdrücken.

Am 04., 07. und 08. Oktober 1918 starteten die Amerikaner weitere Angriffe und erreichten schließlich den Nordrand der Argonnen bei Grandpré. Bis Anfang November zogen sich die Verfolgungskämpfe der amerikanischen und deutschen Truppen hin. Die Amerikaner schwenkten nach Westen auf die Maas zu und drängten die, noch von zwei österreichischen Divisionen, 1. und 35. KuK Infanterie-Division, unterstützten Deutschen bis an die Maas bei Stenay zurück.

Am Morgen des 11. November 1918 erreichte die kämpfenden Truppen die Nachricht, daß der Waffenstillstand unterzeichnet sei. Um 11.00 Uhr schwiegen nach über 4 Jahren die Waffen.