| |
In
den Argonnen |
Überblick |
|
|
Das Kampfgelände der Argonnen nannten die Franzosen
"Die Hölle" und bezeichneten es vom September
1914 bis Ende 1915 als schlimmsten und gefährlichsten Kampfabschnitt
der ganzen Westfront.
Da die Argonnen nur eine
kurze Wegstrecke von Verdun entfernt liegen, bietet sich hier
eine Tagestour an, die nach Belieben erweitert werden kann.
Folgen sie uns auf den Spuren der 4 Jahre andauernden Kämpfe.
Welche Bedeutung hatten die Argonnenkämpfe?
Im September 1914, als nach dem Rückzug von
der Marne östlich der Argonnen die Nordwestfront von Verdun
- 5. Armee, westlich der Argonnen die Champagnefront - 4. Armee,
sich zum Stellungskrieg entwickelte, zeigte sich bald die Gefahr,
die vom dichten Walde her in den Flanken der beiden Fronten
drohte. Man wußte nicht, ob und wie stark die Franzosen
den Wald, indem man Kampfhandlungen für unmöglich
hielt, besetzt hatten. Deutsche Truppen hatten ihn nicht besetzt,
so daß zwischen den beiden Armeen eine Lücke von
4 km klaffte. Wie wir heute wissen, besetzten die Franzosen
Mitte September fast ungestört den Wald mit zwei vollen
Armeekorps und zogen Verstärkungen an Pionieren, sowie
die mit Wald- und Gebirgskämpfen besonders vertrauten Alpenjäger
und Forstleute heran. Sie schufen ein gewaltiges System von
Verteidigungsstellungen mit sogenannten Blockhäusern, Barrikaden,
Astverhauen und vielem mehr.
Ende September hatte sich General von Falkenhayn,
der den Oberbefehl innehatte, entschlossen, den Schwerpunkt
der Kämpfe auf die Westseite der Argonnen zu legen. Die
Leitung des neuen Angriffs war dem Oberkommando der 5. Armee
übertragen worden. Dieses bildete aus den Kräften,
die ihm westlich der Argonnen zur Verfügung standen, zwei
neue Kampfgruppen. Das durch Teile des VI. Armeekorps, aus der
Kampffront östlich der Argonnen, abgelöste und nördlich
Varennes bereitgestellte XVI. Armeekorps wurde angewiesen, quer
durch das Wald- und Bergland in der Richtung auf Servon und
Vienne le Château vorzugehen. General von Mudra ordnete
den Vormarsch gemischter Abteilungen auf den Strassen nach Servon
und Le Four de Paris an, um den Angriff, der mit dem linken
Flügel über Moulin d' homme mort auf La Placardelle
angesetzten 27. Infanterie Division, zu unterstützen und
zugleich den Weg für die Masse des XVI. Armeekorps freizumachen.
|
|
Auf Grund dieser Anordnungen entstanden die Argonnenkämpfe,
die sich zeitlich in ungeahnter Weise ausdehnen und besonders
schwer wie auch hartnäckig gestalten sollten. Der Grund
hierfür lag vornehmlich in der Eigenart des Kampfgeländes.
Die Argonnen waren durch zahlreiche Geländeeinschnitte
geteilt, was eine zähe, abschnittsweise Verteidigung
begünstigte. Das für Truppenbewegungen in Frage kommende
Wegenetz war sehr beschränkt. Die einzige Längsverbindung
von Norden nach Süden bis zur Chaussee Le Four de Paris
- Varennes, die Römerstrasse, war stellenweise völlig
zugewachsen, nur für Fußgänger benutzbar und
bedurfte eines gründlichen Ausbaus. An Querverbindungen
genügte nur der ausgebesserte Weg von Apremont nach Binarville
und die gute Chaussee von Varennes über le Four de Paris
nach Vienne le Château den Anforderungen gesteigerten
Truppenverkehrs.
Die größten Schwierigkeiten in den Waldkämpfen
bereitete aber der Bodenbewuchs. Weit auseinander stehende,
hochstämmige Bäume überschatten ein Gewirr von
niedrigem Stangen- und Unterholz, das in den Argonnen besonders
üppig gedeiht. Es war im allgemeinen so dicht, daß
außerhalb der Wege und der vielfach verwachsenen Schneisen
die Übersicht ganz, die Bewegung auf das äußerste
behindert wurde. Die deutschen Soldaten mußten unter diesen
Verhältnissen völlig umlernen. Es entwickelte sich
eine ganz neue Kampfart, die ihren besonderen Charakter durch
die Gefechtsführung der Franzosen erhielt. Diese stellten
den deutschen Angriffen Schützengräben hinter Schützengräben
entgegen, die meist so angelegt waren, daß sie sich gegenseitig
flankierten. Das Gewirr des Unterholzes, daß mit Draht
durchflochten war, ergab ein kaum überwindbares Hindernis.
Die beiden Gegner lagen einander ganz dicht gegenüber,
oft teilten sie denselben Schützengraben. Immer mehr war
man gezwungen, sich mittels der Sappe vorzuarbeiten. Bald stellten
sich die Kampfmittel des Festungskrieges, wie Minenwerfer jeder
Art, Handgranaten, Revolverkanonen und Schützenblenden,
ein. Die Tätigkeit der Pioniere trat in den Vordergrund.
Die Artillerie sah sich zu einem neuen, genauerem Schießverfahren
genötigt. Alles in allem lag der Vorteil bei den Waldkämpfen
entschieden auf der Seite der Verteidiger.
Diese eigenartigen Verhältnisse des Kampfgeländes
stellten Führung und Truppe vor ganz neue Aufgaben. In
der Tat sind im Argonnerwalde sehr bald neue Angriffsformen
und -mittel erfunden worden, die von hier ihren Weg über
die ganze Westfront nahmen.
|
|